Übereinkommen über Fischereisubventionen

Das Übereinkommen über Fischereisubventionen (englisch Agreement on Fisheries Subsidies, Fisheries Subsidies Agreement; französisch Accord sur les subventions à la pêche, spanisch Acuerdo sobre Subvenciones a la Pesca) ist ein 2022 von der Welthandelsorganisation (WTO) verhandeltes Abkommen. Teilweise wird es auch allgemein als Fischereiabkommen bezeichnet, insbesondere als es noch verhandelt wurde. Es ist seit Inkrafttreten am 15. September 2025 Teil des Marrakesch-Abkommens und verfolgt das Ziel, die umweltschädlichen Subventionen in der Fischerei zu reduzieren, um der Überfischung entgegenzuwirken.

Geschichte

Im Rahmen der Doha-Runde, die 2001 startete, wurde begonnen, Regeln für den Umgang mit Fischereisubventionen zu entwickeln. Der Botschafter Guillermo Valles Games war 2007 Vorsitzender der Verhandlungsgruppe von Regeln und entwarf in dieser Funktion einen Vorschlag über mögliche Regeln. Dieser Vorschlag wurde während der Verhandlungsrunde als gut eingestuft; der Fokus dieser Runde lag hingegen auf der Landwirtschaft. Im Vorfeld des Abschlusses eines Fischereiabkommens durch die WTO-Mitglieder wurde als Alternative diskutiert, die bereits angewandten Regeln des SCM Agreement zu erweitern, um auf Fischereisubventionen genau zu passen. Bei der Elften Ministerkonferenz der WTO (MC11) in Argentinien scheiterten zwar die Mitglieder darin, ein Abkommen zu verhandeln, sie einigten sich aber darauf, bei der nächsten Ministerkonferenz das Abkommen zu schließen. Dies ist insbesondere auch im Lichte der Entscheidung der Vereinten Nationen zu sehen gewesen, dass das Ziel des Schutzes der Fischschwärme bereits 2020 erreicht sein sollte, nicht erst 2030. Das Abkommen wurde auf der Zwölften Ministerkonferenz der WTO (MC12) im Juni 2022 fertig verhandelt. Die Konferenz war für 2020 geplant, wurde aufgrund der COVID-19-Pandemie verschoben. Es ist erst das zweite Abkommen, das nach Errichtung der Welthandelsorganisation durch das Marrakesch-Abkommen 1995 verhandelt worden ist. Das Abkommen trat am 15. September 2025 in Kraft, als ihm zwei Drittel (111) der 166 Mitglieder der WTO beigetreten waren.

Das Abkommen enthält ein Moratorium. Innerhalb von vier Jahren nach Inkrafttreten des Abkommens tritt es außer Kraft, wenn der Allgemeine Rat es nicht verlängert. Auch wird das Abkommen nicht bereits als vollständig erachtet. Während der MC12 konnten sich die Mitglieder nur auf die Regelung einiger Punkte einigen. Die Mitglieder haben sich darauf verständigt, bei der 13. Ministerkonferenz in Abu Dhabi 2024 weitere Teile zu verhandeln. Bis dahin wurde innerhalb eines Komitees unter der Leitung des isländischen Botschafters Einar Gunnarsson über die weiteren Vertragsinhalte diskutiert. Die stellvertretende Generaldirektorin Angela Ellard stellte Anfang Juli 2023 fest, dass es Fortschritte gäbe, es jedoch mehr Diskussionen geben müsste.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gab die Empfehlung an die Mitglieder, das Abkommen zu unterzeichnen, und schuf ein Programm, um neue Daten zu sammeln, die das Befolgen des Abkommens sichern sollen. Auch die WWF bat um Unterzeichnung des Abkommens als einen wichtigen Schritt gegen die Überfischung der Meere.

Regelungsinhalte

Das Abkommen enthält bindende Regelungen für Fischereisubventionen und erzeugt einen Fonds, der besonders Entwicklungsländern und LDCs dabei helfen soll, die Verpflichtungen zu erfüllen. Es verbietet Unterstützung für illegale und unregulierte Fischerei und verbietet vollständig das Befischen von überfischten Schwärmen und beendet die Möglichkeit der Fischerei in der Hohen See. Das Abkommen enthält weiterhin Vorschriften über die Unterstützung von Schiffen unter fremder Flagge als der subventionierende Staat.

Regelungen im Speziellen

Artikel 1 des Abkommens legt fest, dass Subventionen im Sinne des Abkommens wie im SCM Agreement bezeichnet werden sollen, während Artikel 2 spezielle Definitionen für das Abkommen festlegt. Der dritte Artikel regelt das Verbot und die Regulierung von Subventionen zu illegaler, unangemeldeter und unregulierter Fischerei und der vierte Artikel Subventionen bezüglich überfischter Schwärme. Artikel 5 ist eine Auffangnorm, die den Umgang mit weiteren Subventionen regelt.

Der Artikel 6 legt einige Ausnahmen für am wenigsten entwickelte Länder fest. Der von der Ministerkonferenz vereinbarte Fonds ist in Artikel 7 geregelt. Das Abkommen enthält weiterhin in Artikel 8 Notifizierungsvorschriften über Subventionen. In Artikel 9 des Abkommens wird wie bei anderen Abkommen die Bildung eines Komitees geregelt, das insbesondere die Einhaltung der Notifizierung über Subventionen überwachen soll. Es ist dabei dem Rat für den Handel mit Waren untergeordnet.

Der zehnte Artikel enthält Streitbeilegungsvorschriften und Artikel 11 Schlussbestimmungen. Der letzte Artikel des Abkommens enthält das Moratorium, dass das Abkommen vier Jahre nach Inkrafttreten vom Allgemeinen Rat zu bestätigen ist.

Ratifikationen

Die Europäische Union trat dem Abkommen am 8. Juni 2023 bei. Damit ist die Zahl der beigetretenen Mitglieder der WTO auf 34 gestiegen. China trat am 27. Juni 2023 bei. Der Handelsminister Wang Wentao stellte heraus, dass das Abkommen das Vertrauen der Mitglieder in den Multilateralismus stärken würde und China sich an den Verhandlungen der zweiten Phase aktiv beteiligen würde. Am 3. Juli 2023 trat Japan dem Abkommen bei und bei der Übergabe der Urkunde bekräftigte Botschafter Kazuyuki Yamazaki Japans Rolle und Bekräftigung für die Ziele des Abkommens. Auch Peru, laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) die drittgrößte Fischereimacht der Erde, betonte die Bedeutung des Abkommens für die eigene Wirtschaft. Mit der Akzeptanz Kap Verdes hatten 51 % der benötigten Staaten dem Abkommen zugestimmt. Am 15. September 2025 übergaben die Länder Brasilien, Tonga, Vietnam und Kenia ihre Ratifikationsdokumente, womit mehr als 111 der Mitglieder dem Abkommen beigetreten sind und es in Kraft trat.

Mitglied Beitrittsdatum Übergabe der Ratifikationsurkunde durch Anmerkungen
Schweiz Schweiz 20. Januar 2023 Bundespräsident Alain Berset Erster Ratifikationsstaat
Singapur Singapur 10. Februar 2023 Minister für Handel und Industrie Gan Kim Yong Erster asiatischer Staat
Seychellen Seychellen 10. März 2023 Fischereiministerin Jean-François Ferrari Erster afrikanischer Staat
Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 11. April 2023 US-Handelsbeauftragte Katherine Tai
Kanada Kanada 2. Mai 2023 Botschafterin Nadia Theodore
Island Island 10. Mai 2023 Botschafter Einar Gunnarsson
Vereinigte Arabische Emirate Vereinigte Arabische Emirate 16. Mai 2023 Botschafter Ahmed Abdulrahman Al Jarman
Europaische Union Europäische Union 7. Juni 2023 Handelsminister Schwedens Johan Forssell und Handelskommissar Valdis Dombrovskis Der Beitritt gilt ebenso für alle Mitgliedstaaten der EU.
Nigeria Nigeria 12. Juni 2023 Botschafter Adamu Mohammed Abdulhamid
Belize Belize 16. Juni 2023 Botschafterin Gianni Avila
China Volksrepublik Volksrepublik China 27. Juni 2023 Handelsminister Wang Wentao
Japan Japan 3. Juli 2023 Botschafter Kazuyuki Yamazaki
Gabun Gabun 12. Juli 2023 Botschafterin Mireille Sarah Nzenze
Peru Peru 19. Juli 2023 Außenministerin Ana Cecilia Gervasi Díaz
Ukraine Ukraine 17. August 2023 Wirtschaftsministerin Julija Swyrydenko Übergabe der Ratifikationsurkunde während eines Besuches von Ngozi Okonjo-Iweala in der Ukraine.
Hongkong Hongkong (China) 21. August 2023 geschäftsführende Ständige Vertreterin Drew Lai
Neuseeland Neuseeland 6. September 2023 Botschafterin Clare Kelly (in persona) / Handelsminister Damien O’Connor (virtuell) Erstes Land aus Ozeanien
Macau Macau (China) 19. Oktober 2023 Ständige Vertreterin Lúcia Abrantes Dos Santos
Saint Lucia St. Lucia 23. Oktober 2023 Ständiger Vertreter Anthony Severin
Korea Sud Südkorea 23. Oktober 2023 Ständiger Vertreter Yun Seong Deok
Kuba Kuba 23. Oktober 2023 Carlos Fidel Martin Rodriguez, Leiter für internationale Handelsorganisationen im Außenministerium
Elfenbeinküste Elfenbeinküste 23. Oktober 2023 Botschafter Kouadio Adjoumani
Botswana Botswana 23. Oktober 2023 Beauty Manake, stellvertretende Handelsministerin
Australien Australien 23. Oktober 2023 Tim Yeend, Associate Secretary des australischen Außenministeriums
Albanien Albanien 23. Oktober 2023 stellvertretender Finanzminister Endrit Yzeiraj
Fidschi Fidschi 24. Oktober 2023 Botschafter Luke Daunivalu
Chile Chile 12. Dezember 2023 Staatssekretärin für internationale Wirtschaftsbeziehungen Claudia Sanhueza Riveros
Gambia Gambia 13. Dezember 2023 Innenminister Seyaka Sonko
Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich 13. Dezember 2023 Minister für Entwicklung Andrew Mitchell
Kap Verde Kap Verde 26. Januar 2024 Botschafterin Clara Manuela da Luz Delgado Jesus
Barbados Barbados 14. Februar 2024 Botschafter Matthew Wilson
Dominica Dominica 14. Februar 2024 geschäftsführende Hochkommissarin Janet Charles
Senegal Senegal 14. Februar 2024 Botschafter Coly Seck
Uruguay Uruguay 14. Februar 2024 Botschafter Álvaro Moerzinger Pagani
Haiti Haiti 21. Februar 2024 Botschafter Justin Viard
Tschad Tschad 26. Februar 2024 im Rahmen der 13. Ministerkonferenz
Togo Togo 26. Februar 2024 im Rahmen der 13. Ministerkonferenz
Saudi-Arabien Saudi-Arabien 26. Februar 2024 im Rahmen der 13. Ministerkonferenz
Ruanda Ruanda 26. Februar 2024 im Rahmen der 13. Ministerkonferenz
Norwegen Norwegen 26. Februar 2024 im Rahmen der 13. Ministerkonferenz
Malaysia Malaysia 26. Februar 2024 im Rahmen der 13. Ministerkonferenz
Brunei Brunei 26. Februar 2024 im Rahmen der 13. Ministerkonferenz
Turkei Türkei 26. Februar 2024 im Rahmen der 13. Ministerkonferenz
Philippinen Philippinen 27. Februar 2024 Landwirtschaftsminister Francisco P. Tiu Laurel und Handelsminister Alfredo E. Pascual im Rahmen der 13. Ministerkonferenz
Sudafrika Südafrika 1. März 2024 Handelsminister Ebrahim Patel im Rahmen der 13. Ministerkonferenz
Russland Russland 18. März 2024 Botschafter Nikolai Platonov
Kambodscha Kambodscha 6. Mai 2024 Handelsministerin Cham Nimul
Laos Laos 13. Mai 2024 Botschafter Latsamy Keomany
Mauritius Mauritius 14. Mai 2024 Botschafterin Usha Chandnee Dwarka-Canabady
Katar Katar 22. Mai 2024 Botschafterin Hend Abdalrahman Al-Muftah
Montenegro Montenegro 14. Juni 2024 Botschafterin Slavica Milačić
Kasachstan Kasachstan 1. Juli 2024 Botschafter Asset Irgaliyev
Benin Benin 19. Juli 2024 Botschafter Corinne Brunet
Sierra Leone Sierra Leone 19. Juli 2024 Botschafter Lansana Gberie
Komoren Komoren 22. Juli 2024 Botschafter Sultan Chouzour zum Zeitpunkt der Ratifikation noch kein WTO-Mitglied – Beitritt zum 21. August 2024
Osttimor Osttimor 22. Juli 2024 stellvertretender Premierminister Francisco Kalbuadi zum Zeitpunkt der Ratifikation noch kein WTO-Mitglied – Beitritt zum 30. August 2024
Jordanien Jordanien 23. Juli 2024 Botschafter Walid Obeidat
Ecuador Ecuador 9. Oktober 2024 Botschafter José Valencia
Burkina Faso Burkina Faso 16. Oktober 2024 Außenminister Karamoko Jean Marie Traoré
Kuwait Kuwait 22. Oktober 2024 Botschafter Nasser Abdullah Al-Hayen
Costa Rica Costa Rica 15. November 2024 Botschafter Ronald Saborio Soto
Kamerun Kamerun 16. Dezember 2024 Botschafter Salomon Eheth
Israel Israel 22. Januar 2025 Wirtschaftsminister Nir Barkat während des Weltwirtschaftsforums
Chinesisch Taipeh Chinesisch Taipeh 18. Februar 2025 Ständiger Vertreter Chang-Fa Lo
Nordmazedonien Nordmazedonien 28. Februar 2025 geschäftsführender Ständiger Vertreter Murim Bilali
Guatemala Guatemala 10. März 2025 Botschafter Eduardo Ernesto Sperisen-Yurt
Kolumbien Kolumbien 19. März 2025 Botschafter Mauricio Alberto Bustamante Garcia
Pakistan Pakistan 20. März 2025 Botschafter Ali Sarfraz Hussain
Antigua und Barbuda Antigua und Barbuda 3. April 2025 Botschafter Colin Murdoch
Moldau Republik Moldau 9. April 2025 Botschafter Vladimir Cuc
Bahrain Bahrain 28. April 2025 Botschafter Abdulla Abdullatif Abdulla
Georgien Georgien 19. Mai 2025 stellvertretender Wirtschaftsminister Genadi Arveladze
Lesotho Lesotho 20. Mai 2025 Botschafter Tsiu Khathibe
Malawi Malawi 28. Mai 2025 Botschafterin Caroline Bwanali-Mussa 100. Ratifikation
Nicaragua Nicaragua 2. Juni 2025 Botschafterin Rosalía Bohorquez Palacios
Panama Panama 12. Juni 2025 Handelsminister Julio Moltó
Ghana Ghana 2. Juli 2025 Botschafter Emmanuel Kwame Asiedu Antwi
Kongo Demokratische Republik Demokratische Republik Kongo 11. Juli 2025 Minister für internationalen Handel Julien Paluku Kahongya
Sambia Sambia 14. Juli 2025 Botschafterin Eunice M. Tembo Luambia
Argentinien Argentinien 22. Juli 2025 Botschafter Gustavo Lunazzi
Sri Lanka Sri Lanka 6. August 2025 Botschafter R.G.S. Wijesekara
Nepal Nepal 18. August 2025 Botschafter Ram Prasad Subedi
Brasilien Brasilien 15. September 2025 Im Rahmen eines Treffens des Allgemeinen Rates
Kenia Kenia
Tonga Tonga
Vietnam Vietnam
Oman Oman 8. Oktober 2025
Mali Mali 8. Oktober 2025
Saint Kitts Nevis St. Kitts und Nevis 7. November 2025
Mauretanien Mauretanien 10. November 2025

Literatur

Im Vorfeld der Ministerkonferenz

  • Lorand Bartels, Tibisay Morgandi: Options for the Legal Form of a WTO Agreement on Fisheries Subsidies. ICTSD, 2017. (im Vorfeld)
  • Theresa Redding: Potential Implementation Steps of a WTO Agreement on Fisheries Subsidies. International Institute for Sustainable Development, 2020.

Nach der Ministerkonferenz

  • Mitchell Lennan, Stephanie Switzer: World Trade Organization Agreement on Fisheries Subsidies. SSRN, 2022 (englisch).
  • A. Nowak-Salles: The WTO Agreement on Fisheries Subsidies and EU State Aid for Fisheries. In: European State Aid Law Quarterly. Jahrgang 22, Ausgabe 1, 2023, S. 86–88 (englisch).

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