A House of Dynamite

A House of Dynamite ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Kathryn Bigelow aus dem Jahr 2025. Die Uraufführung des Thrillers fand Anfang September bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig statt. Im Oktober desselben Jahres folgte eine reguläre Veröffentlichung durch den Streaminganbieter Netflix.

Film
Titel A House of Dynamite
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2025
Länge 112 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Kathryn Bigelow
Drehbuch Noah Oppenheim
Produktion Greg Shapiro, Kathryn Bigelow, Noah Oppenheim
Musik Volker Bertelmann
Kamera Barry Ackroyd
Schnitt Kirk Baxter
Besetzung
  • Idris Elba: Präsident der USA
  • Rebecca Ferguson: Captain Olivia Walker
  • Gabriel Basso: Jake Baerington, stellv. nationaler Sicherheitsberater
  • Jared Harris: Reid Baker, US-Verteidigungsminister
  • Tracy Letts: General Anthony Brady
  • Anthony Ramos: Major Daniel Gonzalez
  • Moses Ingram: Cathy Rogers
  • Jonah Hauer-King: Lieutenant Commander Robert Reeves
  • Greta Lee: Ana Park
  • Jason Clarke: Admiral Mark Miller
  • Malachi Beasley: William Davis, Senior Chief Petty Officer
  • Brian Tee: Ken Cho, Special Agent in Charge
  • Brittany O’Grady: Lily Baerington
  • Gbenga Akinnagbe: Major General Steven Kyle
  • Willa Fitzgerald: Abby Jansing
  • Renée Elise Goldsberry: Ehefrau des US-Präsidenten
  • Kyle Allen: Captain Jon Zimmer
  • Kaitlyn Dever: Caroline Baker
Synchronisation

Handlung

Der Film zeigt in drei Akten jeweils die letzten 19 Minuten vor einem berechneten Einschlag einer Interkontinentalrakete im Großraum Chicago aus verschiedenen Perspektiven.

1. "Inclination Is Flattening"

Eines Morgens in Washington, D.C. wird Capt. Olivia Walker, die Aufsichtsbeamtin des White House Situation Room, über mehrere geopolitische Entwicklungen informiert: ein bevorstehendes Manöver der chinesischen Volksbefreiungsarmee, verdächtige Kommunikation zwischen Iran und seinen Stellvertretern sowie Schweigen aus Nordkorea nach einem kürzlichen ballistischen Raketentest.

Das im Pazifik stationierte Frühwarnradar SBX-1 entdeckt einen Start einer unbekannten Interkontinentalrakete; überraschenderweise wird die Rakete nicht beim Start, sondern erst im Flug über dem Nordwestpazifik erfasst. Zunächst als routinemäßiger nordkoreanischer Test vermutet, ändert sich die Lage, als die Interkontinentalrakete in einen niedrigen Orbit eintritt und eine Flugbahn aufweist, die Chicago innerhalb der nächsten zwanzig Minuten bedroht.

Eine Videokonferenz zwischen dem Situation Room, dem Pentagon und verschiedenen Kommandos der Streitkräfte wird eingeleitet. Der Präsident schaltet sich zuletzt zu, und die Alarmstufe wird auf DEFCON 2 erhöht. Das United States Northern Command befiehlt Einheiten unter Major Daniel Gonzalez in Fort Greely, Alaska, zwei bodengestützte Abfangraketen (GBI) zu starten; die erste GBI versagt beim Ausstoß, die zweite kann die Interkontinentalrakete nicht neutralisieren. Entsetzt erbricht sich Gonzalez draußen. Die Alarmstufe wird auf DEFCON 1 angehoben.

Gleichzeitig aktiviert Verteidigungsminister Reid Baker das Regierungsprotokoll zur Sicherung der Handlungsfähigkeit, wodurch bestimmte Bundesangestellte, darunter die leitende Mitarbeiterin der Federal Emergency Management Agency (FEMA) Cathy Rogers, sofort evakuiert werden. Der stellvertretende Nationale Sicherheitsberater Jake Baerington, der hastig in das Presidential Emergency Operations Center (PEOC) gebracht wird, rät dem Präsidenten, nicht zu reagieren, bis der Ursprung der Rakete bestätigt ist. Da der Einschlag nur noch wenige Minuten entfernt ist, ruft Walker ihre Familie an, um sie zu warnen, Washington zu verlassen.

2. "Hitting a Bullet with a Bullet"

Am selben Morgen wird auf der Offutt Air Force Base in Nebraska der STRATCOM-Kommandeur General Anthony Brady über den Start informiert und nimmt an der Konferenz teil, während B-2-Bomber im Indopazifik für einen möglichen Gegenschlag in Bereitschaft versetzt werden. Bradys Team beobachtet, dass China, Russland und Iran ihre Streitkräfte mobilisieren; er legt dem Präsidenten den Operationsplan 8010 vor und empfiehlt sofortige Vergeltung.

Während Baerington zum PEOC eilt, erwägt er, den Start Nordkorea zuzuschreiben, und konsultiert die NSA-Beraterin Anna Park, die vermutet, dass Nordkorea möglicherweise über U-Boot-gestützte ballistische Raketen verfügt. Baerington und Park warnen, dass das Versagen der DSP-Satelliten, den Start zu erfassen, auf einen Cyberangriff gegen die US-Kommando- und Kontrollsysteme hindeuten könnte.

Baerington spricht mit dem russischen Außenminister, der bestreitet, dass Russland oder China die Rakete gestartet hätten, jedoch mit Vergeltung droht, falls Russland Ziel eines Angriffs würde. Baerington versucht, ihn zu überzeugen, alle strategischen Militärkapazitäten Russlands im Zeichen des guten Willens herunterzufahren; der Minister will die Idee dem russischen Präsidenten vorlegen. Während die Interkontinentalrakete sich Chicago nähert, bestätigt der Präsident seine nukleare Befehlsgewalt gegenüber Brady und wird von diesem gebeten, mit seinem Nuklearberater, Lieutenant Commander Robert Reeves, über Vergeltungsoptionen zu sprechen.

3. "A House Filled with Dynamite"

Am selben Morgen begleitet Reeves den Präsidenten zu einer Basketballveranstaltung, während der Verteidigungsminister Baker seine Arbeit im Pentagon aufnimmt. Beide werden über die eskalierende Krise informiert; während der Präsident vom Secret Service evakuiert wird, versucht Baker vergeblich, seine entfremdete Tochter privat aus Chicago zu retten. Der Präsident ist unsicher bezüglich Baeringtons Vorschlag der Nicht-Vergeltung, den er als Kapitulation betrachtet, kann sich jedoch auch nicht zu einem Gegenschlag nach Bradys Empfehlung entschließen.

Der Präsident erfährt vom Scheitern der Abfangraketen und wird mit der Marine One an einen unbekannten Ort ausgeflogen. In der Luft bestätigt er erneut seine nukleare Befehlsgewalt gegenüber Brady, berät sich mit Reeves über Schlagoptionen und wird über Baeringtons Gespräch mit dem russischen Außenminister informiert. Er unterrichtet die First Lady, die sich in Kenia befindet, über die bevorstehende Katastrophe. Während seiner Evakuierung begeht Baker Selbstmord, indem er vom Dachlandeplatz springt.

Der Präsident diskutiert mit Reeves die Fragilität der nuklearen Abschreckung und vergleicht sie mit dem Leben in „einem Haus voller Dynamit“. Er schwankt zwischen Baeringtons Rat, nicht zu reagieren, und Bradys Empfehlung zur Vergeltung. Reeves betont Letzteres und legt dem Präsidenten zwei große Vergeltungsoptionen aus dem Operationsplan vor; die endgültige Entscheidung des Präsidenten wird nicht gezeigt.

Epilog

Rogers und Park werden beim Betreten des Raven Rock Mountain Complex in Pennsylvania gezeigt, wo sie und weitere ausgewählte Personen mit Bussen in den Bunker gebracht werden. Danach folgt noch eine kurze Szene, in der Gonzalez kniend vor Fort Greely zu sehen ist.

Synchronisation

Die deutschsprachige Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch von Änne Troester und unter der Dialogregie von Sven Hasper im Auftrag von Interopa Film.

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Präsident der USA Idris Elba Oliver Stritzel
Captain Olivia Walker Rebecca Ferguson Berenice Weichert
Jake Baerington, stellv. nationaler Sicherheitsberater Gabriel Basso Jan Makino
Reid Baker, US-Verteidigungsminister Jared Harris Lutz Schnell
General Anthony Brady Tracy Letts Frank Röth
Major Daniel Gonzalez Anthony Ramos Nicolás Artajo
Admiral Mark Miller Jason Clarke Tobias Kluckert

Rezeption

Veröffentlichung

Die Weltpremiere von A House of Dynamite erfolgte am 2. September 2025 im Rahmen des 82. Internationalen Filmfestivals von Venedig. Der Beitrag wurde in den Hauptwettbewerb aufgenommen. Das Premierenpublikum soll Bigelows Regiearbeit nach Ende der Vorstellung einen Applaus von fast 13 Minuten gespendet haben. Kurz nach der Uraufführung wurde ein über einminütiger Teaser veröffentlicht.

In den folgenden Wochen wurde der Film in die Programme der Festivals von Busan und New York aufgenommen.

Ein limitierter Kinostart im Vereinigten Königreich erfolgte am 3. Oktober 2025, in Deutschland am 9. Oktober, in den USA am 10. Oktober. Der Film wurde von Netflix verliehen. Am 24. Oktober 2025 wurde A House of Dynamite ins Angebot des Streaminganbieters aufgenommen.

Kritiken

Auf der Website Metacritic erhielt A House of Dynamite eine Bewertung von 75 von 100 möglichen Punkten, basierend auf 50 ausgewerteten englischsprachigen Kritiken. Das Echo der Rezensenten wurde mit „allgemein positiv“ („Generally Favorable“) eingestuft. Von den fast 200 englischsprachigen Kritiken, die auf der Website Rotten Tomatoes nach der Premiere aufgeführt werden, erhielten 79 Prozent eine positive Bewertung („fresh“). Der dortige Konsens der Rezensenten befand, dass Kathryn Bigelows Regiearbeit ein „meisterhaft konstruierter Film“ sei und „ein Alptraumszenario mit nervenaufreibender Plausibilität“ durchspiele. Bei A House of Dynamite handle es sich um „einen spannenden Thriller“, der den Zuschauer gleichzeitig beunruhige und fessle. Top-Bewertungen verzeichnete A House of Dynamite unter anderem von Peter Bradshaw (The Guardian, 5 von 5 Punkte) und Ryan Lattanzio (IndieWire, Note: „A-“, vergleichbar mit einer „1-“ im deutschen Schulsystem).

Der britische Kritiker Peter Bradshaw betitelte den Film im positiven Sinne als „erschreckendes Comeback“ sowie „makellos konstruierten Albtraum-Prozess“. Die Geschichte habe er mit äußerster Anspannung und aufgrund des Themas mit „seltsam fortschreitender Übelkeit“ verfolgt. A House of Dynamite greife auf „die klassischen Figuren“ des Endzeitfilms zurück – „sorglose, grauhaarige Beamte […], kluge, fleißige jüngere Mitarbeiter […], völlig unreflektierte, junge Bomberpiloten“. Bradshaw hob aus dem Schauspielensemble insbesondere Gabriel Basso als „brillanten und nervösen jungen NSA-Berater Jake Baerington“ heraus. Bigelow zeige „klugerweise […] die schrecklich ironischen Übergangsmomente“. Bradshaw kritisierte, dass der Film stellenweise „melodramatisch oder bühnenhaft“ wirke.

Auch Bradshaws US-amerikanischer Kollege Lattanzio betitelte den Film als „schrecklichen und hoffnungslosen Raketen-Thriller“ sowie als „unterhaltsam“ und realistisch inszeniert. Das Drehbuch von Noah Oppenheim komme „sorgfältig recherchiert und im lebhaften Jargon“ daher und nehme „kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Alltäglichkeit von Inkompetenz“ gehe. Aus dem riesigen Darstellerensemble, bei dem es eine „Herausforderung“ sein könne, den Überblick zu behalten, rage Tracy Letts als „fast schlafwandlerischer General“ Anthony Brody heraus. Regisseurin Bigelow habe sich bereits mit ihren vorherigen Filmen Tödliches Kommando – The Hurt Locker und Zero Dark Thirty „als offene und furchtlose Chronistin der amerikanischen politischen Mehrdeutigkeit“ etabliert. A House of Dynamite beende „scheinbar eine Trilogie über den Zusammenbruch des amerikanischen Traums in Kriegszeiten“. Lattanzio erinnerten die Bilder von Kameramann Barry Ackroyd an eine Dokumentation. Zusammen mit dem Drehbuch, „das die inhärente Lächerlichkeit bürokratischer Protokolle noch“ verstärke, fühlte sich der Kritiker manchmal an „eine Horrorfilm-Version der Fernsehserie Veep – Die Vizepräsidentin“ erinnert. Das „fesselnde“ Werk sei aufgrund seiner „stilistischen Intensität […] kaum als reine Agitprop zu bezeichnen“. Auch würdigte Lattanzio in seiner Rezension das „ohrenbetäubende und todesähnliche Sounddesign“ sowie die Filmmusik von Komponist Volker Bertelmann.

Die US-amerikanische Kritikerin Stephanie Zacharek (Time) bezeichnete ähnlich wie Bradshaw zuvor das Werk als „eines der stressigsten Seherlebnisse […] seit Jahren“. A House of Dynamite sei „präzise, kraftvoll und genial konstruiert“ […] „ein Film mit einer scheinbar endlosen Anzahl beweglicher Teile, geschnitten mit diamantener Präzision“ von Editor Kirk Baxter. Bigelow halte ihre Regiearbeit „mit der Präzision einer Kampfpilotin zusammen“ und habe „einen modernen Horrorfilm gedreht, der in der realen Welt“ spiele „und durch das, was er nicht“ zeige, „beunruhigend“ wirke. Die Handlung habe „etwas gespenstisches und unwirkliches“ an sich, so Zacharek.

Als einen der wenigen renommierten Kritiker konnte den US-Amerikaner Owen Gleiberman (Variety) der Film nicht überzeugen. Er empfand A House of Dynamite als realitätsfern. Das Werk sei „gefangen zwischen dem Versuch, ein ‚ernsthafter‘ Thriller zu sein, und einem glorifizierten Schundfilm“. Bigelow wolle sich damit vom Scheitern ihrer vorherigen Regiearbeit Detroit erholen. Gleiberman kritisierte die Besetzung von Gabriel Basso, von Idris Elba als US-Präsident sowie das dramaturgische Konzept des Films. Während der erste Teil noch „recht spannend und fesselnd“ sei, fühle sich der zweite zu „repetitiv“ an. Gleiberman fühlte sich an den japanischen Spielfilm Rashomon – Das Lustwäldchen (1950) erinnert, nur, „dass es keine Widersprüche zwischen den Sichtweisen“ der Figuren gebe.

Auszeichnungen

Kathryn Bigelow wurde mit A House of Dynamite zum zweiten Mal nach 2008 in den Wettbewerb um den Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig eingeladen. Das Werk blieb dort unprämiert.

Siehe auch

  • 72 Minuten bis zur Vernichtung, fiktionales Buch der US-amerikanischen Schriftstellerin Annie Jacobsen

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