Absturz einer Cessna Citation in die Ostsee

Der Absturz einer Cessna Citation in die Ostsee ereignete sich am 4. September 2022. Eine gecharterte Cessna 551 sollte einen Flug vom Flughafen Jerez zum Flughafen Köln/Bonn durchführen. Es kam zu einem Druckverlust in der Kabine, in deren Folge die Personen an Bord handlungsunfähig waren. Der Autopilot steuerte das Flugzeug in nordöstliche Richtung, bis der Treibstoff über der Ostsee ausging.

Absturz einer Cessna Citation in die Ostsee
Unfallzusammenfassung
Ort Ostsee, ca. 37 km vor der Küste von Ventspils, Lettland
Datum 4. September 2022, 17:45 (UTC)
Todesopfer 4
Überlebende 0
Luftfahrzeug
Luftfahrzeugtyp Cessna 551 Citation II/SP
Betreiber GG Rent GmbH
Kennzeichen OE-FGR / 440A99
Abflughafen Flughafen Jerez (XRY/LEJR), Spanien
Zielflughafen Flughafen Köln/Bonn (CGN/EDDK), Deutschland
Passagiere 3
Besatzung 1
Listen von Luftfahrt-Zwischenfällen

Flugzeug

Die betroffene Cessna 551 war ein zweistrahliges Geschäftsreiseflugzeug des US-amerikanischen Herstellers Cessna Aircraft Company. Es wurde durch zwei Pratt-&-Whitney-Canada-JT15D-4-Triebwerke angetrieben. Das genutzte Flugzeug mit der Seriennummer 551-0021 war unter dem Luftfahrzeugkennzeichen OE-FGR in Österreich registriert und wurde 1979 in den Vereinigten Staaten ausgeliefert. Ab Juli 2020 wurde es durch die GG Rent GmbH aus Bergisch Gladbach betrieben. Insgesamt hatte das Flugzeug eine Gesamtbetriebszeit von ca. 8.000 Stunden. Vor dem Abflug in Jerez wurde das Flugzeug mit einer Kraftstoffmenge von ca. 1.860 l (4.100 lbs) betankt. Die rechnerisch maximale Flugdauer betrug 4:07 Stunden.

Insassen

An Bord der Maschine befanden sich vier Personen aus Deutschland. Der Unternehmer Karl-Peter Griesemann (72), seine Ehefrau Juliane G. (68), ihre Tochter Lisa G. (26) und deren Lebensgefährte Paul V. (27). Griesemann war Pilot des Flugzeuges und hatte zum Unfallzeitpunkt ca. 1.700 Stunden auf verschiedenen Flugzeugmustern. Der 72-Jährige galt als erfahrener und leidenschaftlicher Pilot. Er war zudem Geschäftsführer der Betreibergesellschaft des Flugzeuges.

Flugverlauf

Das für den Betrieb mit einem Piloten zugelassene Geschäftsreiseflugzeug startete am 4. September 2022 um 12:57 UTC vom Flughafen Jerez in Richtung Flughafen Köln/Bonn. Es erreichte seine Reiseflughöhe von 11.000 m (36.000 ft) um 13:30 UTC und wurde durch den Piloten bei der Flugsicherung Madrid angemeldet. Kurze Zeit später, um 13:42:13 UTC, meldete der Pilot der Flugsicherung ein Problem mit dem Kabinendruck. Der antwortende Lotse erhielt auf seine Rückfrage um 13:42:46 UTC keine Antwort

Der Lotse forderte den Piloten um 13:47 UTC zum Frequenzwechsel für den angrenzenden Flugsicherungssektor auf, erhielt jedoch keine Antwort. Er versuchte daraufhin mehrfach das Flugzeug auf der aktiven sowie der Notfrequenz zu kontaktieren. Um 14:06 UTC informierte die Flugsicherung Madrid den benachbarten Bereich Bordeaux darüber, dass sie den Funkkontakt zu dem Flugzeug verloren hatten. Der Wachleiter alarmierte daraufhin die Operationszentrale der französischen Luftstreitkräfte. Nach dem Eintritt in den französischen Luftraum um 14:06:55 UTC wurde die Cessna um 14:22 UTC von einer vom Militärflugplatz Mont-de-Marsan gestarteten Dassault Rafale abgefangen. Eine zweite Rafale vom Militärflugplatz Saint-Dizier-Robinson übernahm die Begleitung. Durch die französischen Piloten konnte kein Funkkontakt aufgebaut werden. Bei dem Flugzeug konnte keine äußerliche Beschädigung und keine Aktivität an Bord festgestellt werden. Fotoaufnahmen zeigen den Piloten handlungsunfähig auf dem linken Sitz sowie die ungenutzte Sauerstoffmaske.

Die beiden Rafale begleiteten das Flugzeug bis in den deutschen Luftraum, wo die deutsche Luftwaffe um 15:28 UTC die Begleitung mit Eurofighter Typhoon von den Flughäfen Rostock-Laage und Neuburg übernahm. Auch die Luftwaffe versuchte Kontakt aufzunehmen und fertigte Fotoaufnahmen an. 30 nautische Meilen nordöstlich von Rügen verließ das Flugzeug um 16:50 Uhr UTC den deutschen Luftraum und die deutschen Kampfpiloten lösten sich.

Das Flugzeug drang in den schwedischen Luftraum ein, wo es südlich von Gotland in Richtung des Rigaischen Meerbusens flog und später in den lettischen Luftraum eindrang. Verschiedene NATO-Alarmrotten, darunter eine dänische F-16 sowie eine in Ämari stationierte Bundeswehr-Alarmrotte mit NATO-Auftrag, übernahmen die Eskorte des Geisterfluges.

Der Treibstoff war schließlich aufgebraucht, als sich das Flugzeug über der Ostsee, etwa 37 Kilometer vor Ventspils, Lettland, befand. Um 17:30 UTC ging das Flugzeug in einen unkontrollierten Sinkflug über. Nachdem es um 17:45 Uhr UTC in eine spiralförmige Flugbahn überging, stürzte das Flugzeug kurz darauf ins Meer. Der Absturz wurde durch die NATO-Piloten beobachtet; diese gaben die Absturzstelle per Funk weiter und kreisten bis zum Eintreffen von Rettungskräften.

Such- und Rettungseinsatz

Nach Angaben des lettischen See- und Luftrettungszentrums (MRCC Riga) wurden Teile des Flugzeugs entdeckt. Die schwedische Stena-Line-Fähre Stena Urd wurde gebeten, an der Absturzstelle zu helfen.

Schwedische und litauische Hubschrauber flogen mehrere Stunden lang über der Absturzstelle, fanden aber keine Überlebenden oder Leichen. Johan Ahlin von der schwedischen Seenotrettungsbehörde (JRCC) sagte gegenüber dem schwedischen Sender SVT, dass die Rettungsdienste Spuren des Unglücks entdeckt hätten.

Am 5. September lief die Suche nach den Flugzeugtrümmern in einem Gebiet von etwa 6 × 6 Kilometern, in dem die Meerestiefe etwa 60 Meter beträgt. Es wurden zunächst Flugzeugwrackteile gefunden. Weiterhin konnten menschliche Überreste aufgefunden werden, die anschließend durch die Lettische Marine nach Ventspils zur Untersuchung überführt wurden.

Am 8. September wurde die weitere Untersuchung von der deutschen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) übernommen.

Ermittlungen

Dem Zwischenbericht der BFU zufolge konnten die Piloten der alarmierten Jagdflieger den Piloten handlungsunfähig im Cockpit wahrnehmen, eine Sauerstoffmaske trug dieser nicht. Das Flugzeug schien äußerlich unbeschädigt.

Die Flughöhe nach dem Kontaktabbruch lag konstant bei 11.000 m und die Geschwindigkeit bei ca. 700 km/h (380 kn). Vom Start um 12:57 UTC bis zum Absturz um 17:45 UTC betrug die Gesamtflugzeit 4:48 Stunden.

In Medienberichten wurden Experten zitiert, die einen Druckabfall in der Kabine für die wahrscheinlichste Ursache halten. Durch den entstehenden Unterdruck kommt es zu einer Hypoxie, die zur Bewusstlosigkeit führt.

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