Albert Bolla

Albert Georg Bolla (auch Alberto Giorgio Bulla; * 2. Februar 1722 in Wien; † 17. September 1774 ebenda) war ein Wiener Hofstuckateur des Rokoko.

In der Kunstgeschichte werden Albert Georg Bollas Rokoko-Stuckaturen in der Kleinen wie in der Großen Galerie von Schloss Schönbrunn als Höhepunkt gewürdigt. Er wirkte in vielen Schlössern, als Hofkünstler war er für die Bauten von Kaiserin Maria Theresia zuständig, von ca. 1755 bis 1770.

Leben

Familie und Freundeskreis

Albert Bolla war der Sohn von Johann Michael Bolla, der als Stuckateurgeselle, in Mailand geboren, am 24. Juni 1714 Maria Theresia Korbin, Meisterstochter von Wiener Neustadt im Stephansdom zu Wien heiratete. Er erwarb 1717 das Meister- und Bürgerrecht der Stadt und arbeitete von 1727 bis 1753 im Hofdienst. Am 29. Jänner 1759 wurde der Vater mit einem Conduct 2. Klasse auf dem ‚Stephansfreydhof‘ begraben.

Bei der Geburt von Alberts Schwester Maria Theresia am 12. Juli 1718 waren Baumeister Donato Felice d’Allio und Frau Maria Anna Taufpaten. Bei seiner Taufe wurden der kaysl. Hof-Stuckateur Alberto Camesina mit Frau Maria Elisabeth und der kaysl. Holzbeschauer Johann Georg Daffner mit Frau Maria Margaretha gebeten. Am 26. Oktober 1727 wurde Bruder Joseph Ignazius Wolla (!) getauft und der Vater erstmals kaiserl. Hofstuckateur genannt.

Albert verheiratete sich um 1744 und wohnte im Haus ‚Zum goldenen Schlüssel‘ auf dem Spittelberg, zwei Söhne folgten ihm als Stuckateure, Johann Baptist und Ignaz.

Die Familie lebte im ‚Neuwagnerischen Haus‘ am Salzgries in Wien. wo er 1774 verstarb.

Ausbildung und künstlerischer Weg

Albert Georg erhielt wohl als Lehrling von seinem Vater Michael Bolla die Ausbildung zum Stuckateur. Am 2. Jänner 1739 begann er sein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien. In Matriken vom 31. Dezember 1744 erstmalige Nennung als Stuckateur.

Albert Georg Bolle erlangte am 10. März 1748 die Meisterschaft und erhielt im November 1751 das Wiener Bürgerrecht. Seine Werkstätte entwickelte sich um 1757 zum Großbetrieb, er beteiligte sich an Arbeiten seines Vaters (75 Jahre) und übernahm Hofdienst.

«Albert Bolla steigt bereits 1757 zu den höchstbesteuerten Stuckateuren auf. In den Jahren 1760–1769 erklomm er einen Steuersatz, den andere Stuckateure weder vorher noch nachher jemals erreichten .»

Leopold Sailer in seinem Werk - Die Stuckateure

Die Steuerlisten von 1770 zeigen seinen wirtschaftlicher Absturz, es gab Schuldner, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen konnten. Beim Begräbnis wurde ein Conduct 4. Klasse abgehalten, die Witwe als verarmt bezeichnet.

Stuckaturen (Auswahl)

Prag

  • Das Minoritenkloster in der Prager Altstadt

Das barocke Gewölbe im Winterrefektorium (heute Johann-von-Luxemburg-Saal) wurde 1739 mit Fresken des Malers Franz Maximilian Voget versehen, die dazugehörigen Stuckarbeiten stammen von dem Wiener Stuckateur Albert Georg Bolla.

Wien

  • Gardekirche am Rennweg in Wien

Mit seinem Vater Johann Michael arbeitete er ab 1755 an den weiß-goldenen Stuckaturen der Gardekirche und leistete dabei wohl die Hauptarbeit.

  • Neue Aula in der Alten Universität, heute Wiener Akademie der Wissenschaften

Ein Monumentalbau der Regierungszeit Maria Theresias, den sie 1756 eröffnete. Architekt Jean Nicola Jadot erstellte die Pläne, und um 1755 kam der italienische Maler Gregorio Guglielmi von Dresden nach Wien, um für den Festsaal das Deckenfresko zu malen. Die Stuckausstattung mit überlebensgroßen allegorischen Stuckskulpturen formte wohl ihr Hofstuckateur.

Gesamtanlage Schloss Schönbrunn

  • Kaiserstöckl beim Eingang Hietzing

Maria Theresia ließ das Gartenpalais für ihren Leibarzt Gerard van Swieten errichten. In der Beletage hat sich die Rokoko-Stuckdekoration um 1760 erhalten, wohl vom Hofstuckateur.

  • Kaiserpavillon im Tiergarten Schönbrunn

Erbaut nach Plänen von Jean Nicolas Jadot für Kaiser Franz Stephan als ‚Frühstückspavillon‘, Deckenmalereien der Innenkuppel von Josef Ignaz Mildorfer und vergoldeter Rocaille-Dekor wohl vom Hofstuckateur.

Schloss Schönbrunn

  • Große Galerie
  • Kleine Galerie
  • Zeremoniensaal 1761
  • Porzellanzimmer

Von Jean Pillement 1763/65 eingerichtet, 1772 durch Bolla vervollständigt.

  • Vieux-Laque-Zimmer

Wohl ein Entwurf des Architekten Isidore Canevale mit an der Decke in Stuck eingefügten chinesischen Lacktafeln, für sämtliche Bilder gestaltete Bolla 1772 Prunkrahmen mit Kronen.

Fertöd in Ungarn

  • Schloss Eszterháza (Fertőd), Sala terrena

Die Sala terrena im Schloss Eszterháza (Fertőd) wurde 1763 vom Wiener Stuckateur Albert Georg Bolla dekoriert, er hatte Jahre zuvor ähnliche Arbeiten an der kleinen Galerie in Schönbrunn vollendet.

Schloss in Laxenburg

1762 erwarb Maria Theresia den ‚Blauensteiner Hof‘ (nach Sebastian Bloe von Bloenstein) zur Gänze, Hofarchitekt Pacassi plante ab 1765 wesentliche Umbauten. In einem neuen Trakt (Speisesaaltrakt) befindet sich ein großer ovaler Saal mit einer Scheinkuppel. Die Architekturmalerei ist leider nur mehr teilweise erhalten. Das Deckenfresko schuf Vinzenz Fischer, die Stuckaturen wohl der Hofstuckateur.

Literatur

  • Bolla, Albert In: Artisti Italiani in Austria, 2002.
  • Bolla, Albert. In: Ulrich Thieme, Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 4: Bida–Brevoort. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1910, S. 245 (Textarchiv – Internet Archive).
  • Albert Georg Bolla.Rudolf Schmidt, Österreichisches Künstlerlexikon von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1980. S. 222.[9]
  • Bolla, Albert Georg. In: Leopold Sailer: Die Stukkateure. (= Die Künstler Wiens. Band I). Rohrer, Wien 1943, S. 71.
  • Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Wien. X. bis XIX. und XXI. bis XXIII. Bezirk. Wien 1993, S. 201 ff.
  • Große und Kleine Galerie. In: Elfriede Iby, Alexander Koller: Schönbrunn, Verlag Christian Brandstätter, Wien, 2000, S. 101.

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