Das Archäologische Museum der Universität Münster im „Fürstenberghaus“ am Domplatz in Münster dient in erster Linie dem Institut für Klassische Archäologie und Frühchristliche Archäologie der Universität zu Lehr- und Forschungszwecken. Zusätzlich bietet es der Öffentlichkeit einen Einblick in den Themenbereich der Archäologie und zeigt Arbeitsweisen sowie Erkenntnisse der Forschung. Der Schwerpunkt der Ausstellung umfasst dabei Exponate aus der griechischen Antike.
Fürstenberghaus am Domplatz (2006) | |
| Daten | |
|---|---|
| Ort | Münster |
| Art | Archäologische Sammlung |
| Eröffnung | 1884 |
| Leitung | Achim Lichtenberger |
| Website | Homepage |
| ISIL | DE-MUS-100214 |
Geschichte
Die früheste museale Sammlung geht auf das Jahr 1883 zurück, als der erste Klassische Archäologe an die Universität in Münster berufen wurde und der Grundstock für das Museum gebildet wurde. Einen großen Teil dieser Sammlung machten Abgüsse antiker Plastiken aus, der mit der Übergabe weiterer Abgüsse durch den Westfälischen Kunstverein im Jahre 1906 zusätzlich erweitert wurde. Ergänzend kamen Dubletten von Exponaten aus dem Königlichen Museum in Berlin hinzu, so dass neben vielen Abgüssen auch ein großer Bestand an Originalwerken vorhanden war.
Von dieser ursprünglichen Sammlung existiert jedoch kein Exponat mehr, nachdem das Museum und die gesamte Ausstellung im Zweiten Weltkrieg alliierten Bombenangriffen im Jahre 1944 zum Opfer fiel. Erst seit 1958 wurde mit dem erneuten Aufbau einer Lehrsammlung begonnen. Wiederum bildeten Abgüsse den Grundstock der Sammlung, die im weiteren Verlauf durch Originalwerke ergänzt wurde. Nachdem die Anzahl der Exponate wieder auf eine ansehnliche Anzahl angewachsen war, veranstaltete das Museum Ausstellungen außerhalb des Museums sowohl in Münster als auch im Umland. Gleichzeitig wurden Privatsammlungen nach Münster geholt, um sie im Archäologischen Museum auszustellen.
Direktor der Sammlung ist jeweils der Professor für Klassische Archäologie an der Universität Münster. Erster hauptamtlicher Kustos der Sammlung war seit 2002 Heinz-Helge Nieswandt, ihm folgte im November 2024 Torben Schreiber als Kurator.
Sammlung
Die Sammlung des Museums behandelt schwerpunktmäßig die griechische Antike von der geometrischen Epoche (1000–700 v. Chr.) über die archaische Epoche (700–500 v. Chr.), die klassische Zeit (500–300 v. Chr.), die Spätklassik im 4. Jahrhundert v. Chr. und die hellenistische Epoche (300–30 v. Chr.) bis zur römischen Kaiserzeit (27 v. Chr. – 476). Einen Großteil der Sammlung machen antike Vasen, Münzen, Modelle antiker Stätten und Abgüsse aus.
Ergänzt wurde die Sammlung durch Abgüsse des Skulpturenzyklus vom Zeustempel in Olympia, die die Stadt Essen dem Museum überstellt hat. Weiterhin gehören zur Sammlung griechische und ägyptische Werke, die aus der Sammlung von Otto Rubensohn stammen, sowie die Sammlung Görtz-Strötgen. Vom Museum selbst erworben wurde ferner die aus frühgriechischen Werken bestehende Sammlung von Werner Peek.
Das bekannteste Exponat des Museums ist die sogenannte „Münster-Mumie“, die seit 2021 dauerhaft in einem kunstvoll verzierten altägyptischen Holzsarg in einer eigens dafür angefertigten Vitrine präsentiert wird. Mumie und Sarg wurden 1978 vom Karl-Ziegler-Gymnasium in Mülheim an das Museum übergeben; das Gymnasium hatte die Objekte im Jahr 1903 von einem ehemaligen Schüler als Geschenk erhalten, ehe sie dort 1978 auf dem Dachboden der Schule entdeckt wurden. Die weitere Provenienz der Artefakte ist bislang ungeklärt. Zudem gehören die Mumie und der Sarg ursprünglich nicht zusammen: Während die Mumie nachweislich zwischen 750 und 580 v. Chr. nach altägyptischer Tradition bestattet wurde, stammt der Sarg aus einer etwa 150 Jahre früheren Zeit. Vermutlich wurde die Mumie von Grabräubern „vor über 100 Jahren ans Licht gezerrt [und], von Mumienhändlern in den zu kleinen, zu einem anderem Leichnam gehörenden Sarg gezwängt und nach Europa verkauft, wo ägyptische Mumien gerade Mode waren“. Nach jahrzehntelanger Lagerung im Depot wurden Mumie und Sarg 2016 aufwändig restauriert und anschließend erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Provenienzforschung und Restitution
In den letzten Jahren intensiviert das Archäologische Museum Münster seine Provenienzforschung mit dem Ziel, die „Herkunft seiner Exponate lückenlos zu bestimmen und im Falle einer ungeklärten Provenienz an den rechtmäßigen Eigentümer zurückzugeben“. Im Rahmen dieser Untersuchungen konnten die Herkunftsgeschichten zahlreicher Artefakte nachvollzogen, problematische Erwerbungskontexte aufgearbeitet und mehrere Objekte restituiert werden. Die Rückgabe der Objekte zog reges, teilweise internationales Presseinteresse auf sich. Sie zeigt exemplarisch, dass Provenienzforschung und Rückgabe bedeutender Objekte nicht nur wissenschaftliche Relevanz besitzen, sondern auch mediale Aufmerksamkeit („make great newspaper copy“) erzeugen können und damit Teil inszenatorischer Strategien für Museen und der öffentlichen Sichtbarkeit antiker Forschung innerhalb einer Aufmerksamkeitsökonomie sein können.
Marmorkopf aus Fondi
Das Werk, der Kopf eines jugendlichen Mannes aus dem späten 2. oder frühen 3. Jahrhundert n. Chr., befand sich seit 1964 im Besitz des Museums. Im Zuge der Vorbereitungen auf die Wiedereröffnung im Jahr 2019 wurde festgestellt, dass das Stück ursprünglich aus Fondi, einer Stadt zwischen Rom und Neapel, stammt und 1936 dort bei Ausgrabungen entdeckt worden war. Recherchen ergaben, dass der Kopf zwischen 1937 und 1964 aus den Beständen des Museums in Fondi entwendet und auf bislang ungeklärtem Wege nach Deutschland gelangte. Nach der Kontaktaufnahme mit italienischen Behörden und dem Deutschen Archäologischen Institut in Rom wurde die Rückführung veranlasst. Am 19. Juni 2019 erfolgte die feierliche Restitution an Italien, wo das Objekt heute wieder im Archäologischen Museum von Fondi ausgestellt ist.
Skyphos von Spyros Louis
Ein weiterer bedeutender Fall betrifft den sogenannten „Skyphos von Spyros Louis“. Das attisch-schwarzfigurige Trinkgefäß aus dem späten 6. Jahrhundert v. Chr. gelangte 1988 mit Teilen der Privatsammlung des Althistorikers Werner Peek in den Bestand des Archäologischen Museums Münster. Im Rahmen von Provenienzrecherchen durch Georgios Kavvadias vom Nationalmuseum in Athen stellte sich heraus, dass es sich um jenes Gefäß handelt, das 1896 dem griechischen Marathonläufer und Olympiasieger Spyros Louis als Geschenk überreicht worden war. Wie das Objekt in den Besitz Peeks gelangte, ließ sich nicht abschließend klären. Kavvadias stellte fest, dass Peek in den 1930er Jahren als Mitglied und Unterstützer der NSDAP in Athen war und dort zahlreiche antike Objekte erwarb. Peek übergab seine Sammlung 1934 Herrmann Göring in Athen, über den u. a. der Skyphos vermutlich nach Deutschland geschmuggelt wurden. Nach Bekanntwerden dieser Herkunft entschied das Museum 2019, den Skyphos als Schenkung an den griechischen Staat zu übergeben. Die Übergabe erfolgte am 13. November 2019 im Rahmen einer offiziellen Zeremonie im Nationalmuseum Athen. Heute befindet sich der Skyphos im Museum für die Geschichte der antiken Olympischen Spiele in Olympia.
Marmorkopf aus Thessaloniki
Ein weiterer Fall betrifft einen antiken Marmorkopf aus Griechenland, dessen Herkunft lange unklar war. Das Archäologische Museum Münster hatte das Objekt 1989 aus Essener Privatbesitz übernommen, konnte jedoch nicht rekonstruieren, wie es aus seinem ursprünglichen Grabrelief nach Deutschland gelangte. Nach umfangreicher Provenienzforschung, unter Einbezug kunsthistorischer Analysen und geochemischer Untersuchungen des Marmors, wurde festgestellt, dass der Kopf vor etwa 150 n. Chr. gefertigt wurde und aus Steinbrüchen auf der Insel Thasos stammt. Die stilistischen Merkmale stimmen mit kaiserzeitlichen Grabreliefs in Thessaloniki überein, wo der Kopf nun im Archäologischen Museum zurückgegeben wurde. Die Rückgabe erfolgte am 19. November 2019 in einer offiziellen Zeremonie an die griechische Kulturministerin und die Museumsleitung von Thessaloniki.
Bruchstück eines Säulenkapitells aus Olympia
Im Anschluss an die Rückgaben des „Skyphos von Spyros Louis“ und des „Marmorkopfs aus Fondi“ konnte ein weiteres Objekt restituiert werden. Nach Medienberichten über diese Fälle wandte sich eine Frau aus dem Münsterland an den damaligen Kustos des Archäologischen Museums und berichtete, in den 1960er Jahren bei einem Besuch in Olympia ein Fragment als Andenken mitgenommen zu haben. Das Kalksteinfragment mit Stuckresten wurde als Teil eines Säulenkapitells aus dem Leonidaion in Olympia identifiziert, einem Gästehaus aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., das auf dem antiken Olympiagelände Unterkünfte für Sportler bot. Das Fragment wurde durch den Kurator Torben Schreiber an Giorgios Didaskalou, den Generalsekretär im griechischen Kulturministerium, übergeben.
Literatur
- Werner Fuchs: 100 Jahre Klassische Archäologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. In: Boreas. Münstersche Beiträge zur Archäologie. Band 7 (1984), S. 7–14.
- Achim Lichtenberger, H.-Helge Nieswandt: Lieblingsstücke. Antike Kostbarkeiten aus dem Archäologischen Museum der Universität Münster. Nünnerich-Asmus, Oppenheim 2024, ISBN 978-3-96176-248-4.
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