Armement Air-Sol Modulaire (AASM) ist eine Bezeichnung für eine Reihe von präzisionsgelenkte Gleitbomben bzw. Luft-Boden-Raketen aus Frankreich. Die Exportbezeichnung lautet AASM Hammer, kurz Hammer, steht für Highly Agile Modular Munition Extended Range. Genau genommen handelt es sich nicht um eine komplette Waffe, sondern lediglich um einen Rüstzusatz, welcher an vorhandene ungelenkte Bomben montiert wird.
| Armement Air-Sol Modulaire | |
|---|---|
| Verschiedene Ausführungen der AASM | |
| Allgemeine Angaben | |
| Typ | präzisionsgelenkte Gleitbombe / Luft-Boden-Rakete |
| Heimische Bezeichnung | Armement Air-Sol Modulaire (AASM) |
| NATO-Bezeichnung | AASM Hammer |
| Herkunftsland | Frankreich |
| Hersteller | Sagem, Safran |
| Entwicklung | 2000 |
| Indienststellung | 2007 |
| Einsatzzeit | im Dienst |
| Stückpreis | 80.000–252.000 Euro |
| Technische Daten | |
| Gefechtsgewicht | 125–1.000 kg |
| Antrieb | Feststoffraketentriebwerk (optional) |
| Reichweite | ~70 km |
| Ausstattung | |
| Lenkung | INS, GNSS |
| Zielortung | IIR oder halbaktive Laserlenkung |
| Gefechtskopf | Fliegerbomben |
| Zünder | Aufschlagzünder, Näherungszünder, Verzögerungszünder |
| Waffenplattformen | Kampfflugzeuge |
| Listen zum Thema | |
Entwicklung
Die Bombenschadensanalysen (englisch Bomb Damage Assessment) während des Zweiten Golfkriegs und bei der Operation Deliberate Force hatten aufgezeigt, dass die lasergelenkten BGL-Bomben und AS.30L-Luft-Boden-Lenkflugkörper der Französischen Luftstreitkräfte beim Einsatz bei schlechter Sicht sowie aus mittleren und großen Höhen wenig treffsicher waren. Die Luftstreitkräfte benötigten eine neue Gleitbombe um wetterunabhängig, weit entfernte Ziele präzise zu treffen. 1997 formulierte das Direction générale de l’armement (DGA) eine Bedarfsforderung an die Industrie. Bei der darauffolgenden Ausschreibung bekam Sagem den Zuschlag, woraufhin diese im September 2000 mit der Entwicklung der AASM begann. Die erste Kampagne mit Testfügen und Testabwürfen auf dem Schießplatz Biscarrosse dauerte von 2004 bis 2005. Dabei wurden Mängel festgestellt und der Entwurf musste nachgebessert werden. Im Jahr 2005 wurde Sagem von Safran übernommen, welche die Entwicklung weiterführte. Mit zwei Jahren Verspätung wurden die ersten AASM im Jahr 2007 an die französischen Streitkräfte ausgeliefert. 2010 bestellte Frankreich 3400 AASM.
Technik
Die AASM ist eine präzisionsgelenkte Gleitbombe bzw. Luft-Boden-Rakete für die Bekämpfung von Bodenzielen. Sie kann gegen ein breites Spektrum strategischer sowie taktischer Ziele, z. B. Flugabwehr, Fahrzeuge, Brücken, Transporteinrichtungen, Verkehrsanlagen, Bunker, Schiffe und Fahrzeuge eingesetzt werden. AASM kann von verschiedenen Kampfflugzeugen wie der Dassault Rafale, Dassault Mirage F1, Dassault Mirage 2000, MiG-29, Su-25 sowie der Su-27 eingesetzt werden.
AASM ist modular aufgebaut. Es lassen sich verschiedene Suchkopfoptionen mit unterschiedlichen Gefechtsköpfen und Antriebsarten kombinieren. Im Groben besteht die AASM aus drei Komponenten: Vorne befindet sich der Lenk- und Suchkopf („Smart Bomb Unit“ – SBU). Danach folgt der Gefechtskopf und hinter diesem ist das Heckteil („Range Extension Kit“ – REK) verbaut. Das Smart Bomb Unit beinhaltet bei allen Ausführungen das HRG Crystal-INS mit GNSS und Faserkreisel sowie die Elektrizitätsversorgung und der Zünder von Junghans Microtec. Je nach Ausführung ist zusätzlich ein Lasersucher oder eine Wärmebildkamera (IIR) mit Focal plane array sowie digitaler Bildverarbeitung mit Kalman-Filter verbaut. Weiter sind am SBU vier Flügelpaare in X-Form angebracht: vier bewegliche Steuerflächen hinten und vier fixe Stabilisierungsflächen vorne. Als Gefechtskopf verwendet AASM herkömmliche Fliegerbomben. In der Ausführung AASM 250 kann entweder eine Mark 82-Bombe (241 kg) oder die 1-500-Penetrationsbombe (256 kg) verbaut werden. Die Ausführung AASM 1000 verwendet eine Mark 84-Bombe (894 kg) oder die BLU-109-Penetrationsbombe (874 kg). Daneben können auch weitere Bomben aus Frankreich (u. a. CBEMS/BANG-250) und aus den USA (z. B. BLU-111) in der AASM verbaut werden. Das im Heck verbaute Range Extension Kit verwendet vier Stabilisierungsflächen. Diese sind, während sich die Bombe am Flugzeug befindet, eingeklappt und entfalten sich unmittelbar nach dem Abwurf. Das Heckteil ist hohl ausgebildet. In dem Hohlraum kann ein Feststoffraketentriebwerk eingesetzt werden, was die maximale Reichweite der AASM deutlich erhöht. Weiter plant der Hersteller die Variante Hammer XLR, in der im Heckteil ein kleines Turbojet-Triebwerk implementiert werden soll. Mit diesem wird eine maximale Reichweite von 140 km angestrebt.
Wird die AASM aus dem Tiefflug abgeworfen, so beträgt die maximale Reichweite rund 15 km. Bei Abwurf aus einer Flughöhe von 13.700 m wird eine maximale Reichweite von rund 50 km erzielt. Mit dem optionalen Raketentriebwerk lässt sich die maximale Reichweite auf rund 70 km steigern. Nach dem Abwurf kann die Gleitbombe einen beliebigen Kurs einnehmen und im Azimut Drehungen um 90° ausführen. Mit der INS/GNSS-Lenkung sowie dem zusätzlichen IIR-Suchkopf funktioniert die AASM nach dem Fire-and-Forget-Prinzip. Wird die AASM beim Zielanflug mit dem Laser ins Ziel geführt, lassen sich Fahrzeuge und Schiffe bekämpfen, die sich mit bis zu 80 km/h fortbewegen. Auch mit dem IIR-Suchkopf sollen unter Verwendung KI-gestützter Bilderkennungs-Algorithmen bewegliche Ziele präzise getroffen werden. Beim Zielanflug wird die AASM auf einen Winkel von nahezu 90° zur Erdoberfläche eingeschwenkt. Dadurch entfaltet sich bei einer Luftdetonation mit dem Näherungszünder eine optimale Flächenwirkung oder die Bombe kann mit dem Verzögerungszünder in das Ziel eindringen bevor sie detoniert. Wird die AASM mit der INS/GNSS-Lenkung eingesetzt, beträgt der Streukreisradius (CEP) rund 10 m. Wird beim Zielanflug die halbaktive Laserlenkung oder die Infrarotkamera zugeschaltet, liegt der Streukreisradius bei rund 1 m.
Varianten
Die AASM wird in den Gewichtsklassen 125 kg, 250 kg, 500 kg sowie 1000 kg angeboten, wobei die Gewichtsklassen 250 kg (AASM 250) und 1000 kg (AASM 1000) die Hauptvertreter darstellen. Von diesen existieren die folgenden Ausführungen:
AASM 250 Hammer
- AASM 250 INS/GPS: Mit SBU-38-Suchkopf mit INS/GNSS-Lenkung
- AASM 250 INS/GPS IR: Mit SBU-64-Suchkopf mit INS/GNSS und IIR-Lenkung
- AASM 250 INS/GPS Laser: Mit SBU-54-Suchkopf mit INS/GNSS und Laser-Lenkung
AASM 1000 Hammer
- AASM 1000 INS/GPS: Mit SBU-21-Suchkopf mit INS/GNSS-Lenkung
- AASM 1000 INS/GPS IR: Mit SBU-66-Suchkopf mit INS/GNSS und IIR-Lenkung
- AASM 1000 INS/GPS Laser: Mit SBU-56-Suchkopf mit INS/GNSS und Laser-Lenkung
Kriegseinsätze
Erstmals wurde die AASM im April 2008 im Krieg in Afghanistan eingesetzt. Weitere Einsätze erfolgten beim internationalen Militäreinsatz in Libyen (2011), bei der Opération Serval in Mali (2011), bei der Opération Chammal im Irak 2015, beim russischen Überfall auf die Ukraine sowie bei der „Operation Sindoor“ im Zuge des Kaschmir-Konfliktes im Mai 2025.
Nutzer
- Ägypten – 500
- Frankreich – 4200
- Indien – 500
- Katar – 300
- Marokko – 50
- Ukraine – 600 im Rahmen der Auslandshilfen für die Ukraine geliefert.
Quellen:
Literatur
- Robert Hewson: Jane’s Air launched Weapon 2003. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2003, ISBN 0-7106-0866-7.
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