Bahnhof Bad Bentheim

Der Bahnhof Bad Bentheim ist ein Bahnhof in Bad Bentheim, Niedersachsen. Er liegt an der Bahnstrecke Almelo–Salzbergen. Es besteht eine Umsteigemöglichkeit auf die Strecke Bad Bentheim–Nordhorn–Neuenhaus der Bentheimer Eisenbahn.

Bad Bentheim
Empfangsgebäude
Daten
Betriebsstellenart Bahnhof
Lage im Netz Anschlussbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 3
Abkürzung HBTH
IBNR 8000879
Vorlage:Infobox Bahnhof/Wartung/IBNR in Wikidata verschieden von lokaler IBNR
Preisklasse 5
Eröffnung 1865/1866
Profil auf bahnhof.de bad-bentheim
Architektonische Daten
Architekt Franz Ewerbeck
Lage
Stadt/Gemeinde Bad Bentheim
Land Niedersachsen
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 18′ 35″ N, 7° 9′ 26″ OKoordinaten: 52° 18′ 35″ N, 7° 9′ 26″ O
Eisenbahnstrecken Bahnstrecken bei Bad Bentheim
  • Salzbergen–Almelo (km 13,67)
  • Bad Bentheim Nord–Bad Bentheim (km 13,67)
Bahnhöfe in Niedersachsen
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Geschichte

Der Bahnhof wurde mit der Bahnstrecke Almelo–Salzbergen 1865 in Betrieb genommen. 1895 wurde die Strecke der Bentheimer Kreisbahn von Bentheim nach Neuenhaus eröffnet, deren Bahnhof Bentheim Nord nordöstlich des Staatsbahnhofes lag. 1908 wurde diese Strecke nach Süden nach Gronau verlängert, dabei wurde die Staatsbahn im Westen des Bahnhofes mit einer Brücke überquert.

In den 1950er Jahren wurde der Bahnhof Gildehaus geschlossen. Seitdem ist Bad Bentheim der letzte deutsche Bahnhof vor der Grenze zu den Niederlanden. Hier kontrollierten Grenzpolizei und Zoll die Reisenden der grenzüberschreitend verkehrenden Züge, bis mit dem zweiten Schengener Abkommen die Grenzkontrollen zwischen den Teilnehmerstaaten entfielen.

Seit die Strecke im Jahr 1976 durchgehend elektrifiziert wurde, treffen an diesem Bahnhof das niederländische Bahnstromsystem mit 1500 V Gleich- und das deutsche mit 15 kV Wechselspannung bei 16,7 Hz zusammen. Zur Erleichterung der Betriebsführung sind praktisch alle Fahrleitungsabschnitte über den Bahnhofsgleisen einzeln umschaltbar. Wenn ein Zug nicht mit einer Mehrsystemlokomotive bespannt ist, muss er in Bad Bentheim umgespannt werden. Es kann aber mit elektrischer Traktion rangiert werden, was fahrleitungsunabhängige Rangierlokomotiven entbehrlich macht und in vielen anderen Systemwechselbahnhöfen nicht möglich ist. Fahrten mit Triebfahrzeugen unterschiedlicher Fahrdrahtspannung sind auch gleichzeitig möglich. Die einzeln umschaltbaren Fahrleitungsabschnitte gestatten, für nahezu jede Fahrmöglichkeit wahlweise eine der beiden Spannungen einzuspeisen. Wegen der hohen Oberströme im Gleichstrombetrieb sind die Hauptgleise im Bahnhof wie auch die Streckengleise in Richtung Grenze zur Querschnittserhöhung mit Doppelfahrdraht überspannt.

Verkehr

Bad Bentheim ist an den Fernverkehr durch die im Zweistundentakt verkehrenden Intercity-Express der Linie 77 angeschlossen. Die Züge verkehren zwischen Amsterdam Centraal über Amersfoort Centraal und Osnabrück–Hannover sowie Berlin. Es werden Züge des Typs ICE3 neo eingesetzt, perspektisch ist eine Umstellung auf ICE L geplant.

Zuvor wurde eine Intercity-Linie mit selbem Laufweg angeboten. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2023 fanden im Bahnhof von Bad Bentheim keine Lokwechsel mehr für den Intercity statt. Auf der gesamten Strecke wurden stattdessen Mehrsystemlokomotiven des Typs Vectron der Nederlandse Spoorwegen eingesetzt. Diese Maßnahme ermöglichte in Kombination mit dem Wegfall der Halte in Minden, Wolfsburg und Stendal eine Beschleunigung der Linie um 30 Minuten.

Vor Verlängerung der Wiehengebirgs-Bahn (RB 61) nach Hengelo wendeten die Züge aus Richtung Rheine, Osnabrück und Bielefeld im Bahnhof Bad Bentheim. Wegen technischer Schwierigkeiten bei der Stromabnahme im niederländischen Stromnetz musste zunächst ein Schienenersatzverkehr durchgeführt werden. Der Betrieb der Schienenverbindung wurde schließlich am 26. Februar 2018 aufgenommen.

Am Bahnhof entlang führt die Strecke der Bentheimer Eisenbahn von Achterberg (bis 1981 von Gronau) über Nordhorn und Neuenhaus nach Coevorden in den Niederlanden. Nahe dem Bahnhof befindet sich auch das ehemalige Verwaltungsgebäude dieser Bahngesellschaft. Die Wiederaufnahme des planmäßigen Personenverkehrs ist als RB 56 zum 7. Juli 2019 erfolgt, nachdem zunächst eine Aufnahme ab Ende 2018 geplant war.

Von Dezember 2010 bis Dezember 2013 gab es eine Regionalbahnlinie mit dem Namen Grensland Express. Sie wurde im Rahmen eines Pilotprojektes von der Bentheimer Eisenbahn AG zusammen mit dem niederländischen Verkehrsunternehmen Syntus betrieben, zwischen Bad Bentheim und Hengelo über Oldenzaal. Am Ende des Projektes zeigte sich, dass es nicht genug Nachfrage gab, und die Linie wurde eingestellt. Die RB 61 ist seit 2018 grenzüberschreitend von Bielefeld über Bad Bentheim bis Hengelo mit Mehrsystem-Triebfahrzeugen durchgebunden. Damit ist ein umsteigefreies Angebot entstanden.

Linie Linienverlauf Takt
ICE 77 Amsterdam – Hilversum – Amersfoort – Apeldoorn – Deventer – Hengelo – Bad Bentheim Rheine – Osnabrück – Bünde – Hannover – Berlin-Spandau – Berlin – Berlin Ost 120 min
RB 56 Regiopa Express:
Bad Bentheim – Quendorf – Nordhorn-Blanke – Nordhorn – Neuenhaus Süd – Neuenhaus
60 min
RB 61 Wiehengebirgs-Bahn:
Hengelo – Oldenzaal – Bad Bentheim – Schüttorf – Salzbergen – Rheine – Hörstel – Ibbenbüren-Esch – Ibbenbüren – Ibbenbüren-Laggenbeck – Osnabrück Altstadt – Osnabrück Hbf – Wissingen – Westerhausen – Melle – Bruchmühlen – Bünde (Westf) – Kirchlengern – Hiddenhausen-Schweicheln – Herford – Brake (b Bielefeld) – Bielefeld Hbf
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2021
60 min
X80 Bocholt, Bustreff – Bocholt – Rhede – Burlo – Oeding – Vreden – Alstätte – Gronau – Gildehaus – Bad Bentheim 60 min (Mo–Fr), 120 min (Sa–So)
Stand: 12. Dezember 2021

Empfangsgebäude

Das Empfangsgebäude wurde 1869 nach den Entwürfen des Architekten Franz Ewerbeck eröffnet. In den folgenden Jahrzehnten erlebte das Gebäude mehrere Umbauten und Renovierungen. In den 1920er Jahren gab es erste Überlegungen zur Modernisierung, da die damalige Einrichtung nicht mehr den gestiegenen Anforderungen des grenzüberschreitenden Waren- und Personenverkehrs genügte. Insbesondere die Zollabfertigungsräume waren unzureichend, was zu wiederholten Forderungen nach einem Umbau führte. Diese blieben jedoch zunächst erfolglos, und eine umfassende Modernisierung des Gebäudes wurde erst in den 1930er Jahren umgesetzt, als die Reichsbahn eine neue Revisionshalle für die Zollabfertigung und Reisegepäckabfertigung anbaute.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Deutsche Bundesbahn den Bahnhof. In den 1980er Jahren wurde das Gebäude einer Renovierung unterzogen, bei der historische Elemente, wie die Wandmalereien des Plakatkünstlers Ferdy Horrmeyer, entfernt wurden. 2014/15 erwarb die Stadt Bad Bentheim das Gebäude und verkaufte es später an die Bentheimer Eisenbahn. Diese gestaltete im Rahmen des Projekts Regiopa, welches die Ausweitung des SPNV vorsieht, das Empfangsgebäude und das Bahnhofsumfeld für rund 4,4 Millionen Euro komplett um. Unter anderem wurde eine Fahrradstation errichtet. Die Eröffnung fand nach dreijähriger Bauzeit am 7. Dezember 2018 statt.

Der barrierefreie Umbau des Empfangsgebäudes im Frühjahr 2016 sorgte aufgrund verspäteter Maßnahmen durch die Bentheimer Eisenbahn für Aufsehen. Der auf 76 cm erhöhte Bahnsteig blockierte bis zur Fertigstellung des neuen Zuganges mehrere Türen, die zuvor üblicher Weg gewesen waren. Ein Vertreter der Bahngesellschaft empfahl Fahrgästen, während der Übergangszeit den Bahnhof über den nicht barrierefreien Zugang (rechts vom Haupteingang) zu betreten. Jedoch stiegen Fahrgäste durch ein neben dem Aufenthaltsraum gelegenes Fenster des Bahnhofsgebäudes, wofür sie einen Stuhl davor platzierten, auf den Bahnsteig. Das durch die mediale Berichterstattung, unter anderem im Satiremagazin Extra 3, berühmt gewordene Fenster fand nach dem Umbau einen Platz in der Bahnhofshalle. Auch in einer späteren Sendung von Extra 3 hatte sich an diesem Zustand nichts geändert und sorgte weiterhin für Amusement, insbesondere bei Touristen.

Im September 2019 zeichnete die Allianz pro Schiene den Bahnhof Bad Bentheim als Bahnhof des Jahres aus.

Literatur

  • Victor Blumenthal: Bad Bentheim. In: Oliver Strüber [vorm. Erich Preuß] (Hrsg.): Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe (= 100. Ergänzungsausgabe). GeraMond Verlag, München 2011, ISSN 0949-2127 (1 Bl., 4 S.).
  • Helmut Schönrock: Reklamemalerei von Ferdy Horrmeyer im Bentheimer Bahnhof. In: Bentheimer Jahrbuch 2020, Das Bentheimer Land, Band 226/2019, Nordhorn 2019, ISBN 978-3-9818211-7-8

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