Bayerisches Rotes Kreuz

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) ist der Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Freistaat Bayern. Er wurde am 27. Juli 1945 wieder gegründet.

Bayerisches Rotes Kreuz
(BRK)
Rechtsform Körperschaft des öffentlichen Rechts
Gründung 27. Juli 1945
Gründer Karl Scharnagl
Sitz München, Bayern (Koordinaten: 48° 7′ 53,7″ N, 11° 31′ 55,1″ O)
Vorläufer Bayerische Invaliden-Unterstützungsverein
Zweck Humanitäre Hilfe, Wohlfahrtspflege, Verbreitungsarbeit
Methode Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung freiwillige Hilfsgesellschaft
Aktionsraum Bayern Bayern
Präsident Hans-Michael Weisky
Geschäftsführung Robert Augustin
Umsatz 1,47 Mrd. Euro (2020)
Beschäftigte 33.024 (2023)
Freiwillige 218.970 (2023)
Mitglieder 741.521 (2023)
Website www.brk.de

Präsident des BRK ist seit 15. November 2025 Hans-Michael Weisky. Gewählt wurde im Rahmen der 42. Landesversammlung am 15. November 2025. Ebenfalls wurden Andreas Hanna-Krahl und Mechthilde Wittmann als Vizepräsidenten von der Versammlung gewählt.

Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes ist seit dem 1. Oktober 2025 Robert Augustin. Er folgt auf die im März Entbundene Elke Frank. Stellvertretender Landesgeschäftsführer ist seit 1. Januar 2024 Armin Petermann. Ehrenpräsidentin des Bayerischen Roten Kreuzes ist Christa Prinzessin von Thurn und Taxis.

Das BRK ist mit rund 740.000 Mitgliedern der größte Landesverband des DRK.

Geschichte

Bereits 1864, im Jahr der ersten Genfer Konvention, gab es in vielen anderen deutschen Einzelstaaten einen entsprechenden Verband. Bayern trat 1868 der Konvention bei. Die Königinmutter Marie und ihr Sohn Ludwig II. von Bayern gründeten im Dezember 1869 den Bayerischen Frauenverein, der später den Zusatz „vom Roten Kreuz“ annahm. Im gleichen Jahr wurde das „Centralkomité der deutschen Vereine zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger“ gegründet, das ab Dezember 1879 den Namen „Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz“ trug und seinen Sitz in Berlin hatte. Erst als Folge des Ersten Weltkriegs wurde am 25. Januar 1921 das Deutsche Rote Kreuz gegründet. Dem Bayerischen Roten Kreuz als Landesverband wurde im Jahr 1921 und erneut nach dem Zweiten Weltkrieg am 27. Juli 1945 die Stellung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verliehen. Gründungspräsident nach dem Krieg war Adalbert Prinz von Bayern, der in Zusammenarbeit mit Karl Scharnagl, dem Münchner Oberbürgermeister, die Neugründung organisierte. Am 4. Februar 1950 wurde das Deutsche Rote Kreuz wiedergegründet. Otto Geßler, 1949 bis 1955 Präsident des Bayerischen Roten Kreuzes, war von 1950 bis 1952 auch Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, danach dessen Ehrenpräsident. 1999 trat der damalige Präsident des BRK, Albert Schmid, im Zuge eines Schmiergeldskandal beim Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes zurück. Zwei Ex-Manager des Bayerischen Roten Kreuzes mussten in Haft. Der neue Präsident Heinz Köhler und seine Nachfolgerin Christa von Thurn und Taxis versuchten mit einem „Zukunftsprogramm“ eine bessere interne Kontrolle sicherstellen.

Rechtsform und Organe

Im Gegensatz zu allen anderen Rotkreuzverbänden in Deutschland, die in der Rechtsform eingetragener Vereine organisiert sind, ist das Bayerische Rote Kreuz aufgrund eines Landesgesetzes eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Der Sitz des BRK ist in der Garmischer Straße 19–21 in München. Zuständige Aufsichtsbehörde ist das Bayerische Staatsministerium des Innern und für Integration.

Landesversammlung

Die Landesversammlung ist das oberste Organ des Bayerischen Roten Kreuzes und tritt mindestens alle zwei Jahre zusammen. Sie entscheidet über die Satzung der Körperschaft sowie Belange von grundsätzlicher Bedeutung für das gesamte Bayerische Rote Kreuz und ist das Wahlorgan für den Präsidenten, Teile des Landesvorstands und den Haushaltsausschuss.

Die unterschiedlichen Teile des BRK entsenden die rund 400 Delegierten in die Landesversammlung. Diese besteht aus:

  1. mindestens drei Delegierten aller Kreisverbände, dem Vorsitzenden und je zwei weiteren Delegierten, dazu in Kreisverbänden mit mehr als 10.000 Mitgliedern je einem weiteren Delegierten für jede angefangene 10.000 Mitglieder
  2. Delegierten der Bezirksverbände, den Vorsitzenden und vier weiteren Delegierte,
  3. bis zu 20 Delegierten der fünf Rotkreuzgemeinschaften
  4. den Oberinnen der Schwesternschaften
  5. dem BRK-Präsidenten und den beiden Vizepräsidenten
  6. der Generaloberin
  7. dem Landesarzt und seinen beiden Stellvertretern
  8. dem Landesschatzmeister und seinen Stellvertretern
  9. dem Landesjustiziar
  10. den Landesgeschäftsführern.

Landesvorstand

Der Landesvorstand leitet das Bayerische Rote Kreuz und entscheidet über alle wichtigen Angelegenheiten. Er ist insbesondere für die strategische Ausrichtung, die verbandspolitischen Zielsetzungen und die Aufstellung der Wirtschaftspläne der Landesgeschäftsstelle, der Bezirksgeschäftsstellen und der Bergwacht Bayern zuständig. Der Landesvorstand wird von der Landesversammlung für die Dauer einer Amtsperiode von vier Jahren gewählt.

Mitglieder des Landesvorstands
Entsendende Stelle Position Mandatsträger
Geborenes Mitglied Präsident Hans-Michael Weisky
Geborenes Mitglied Vizepräsidentin Mechthilde Wittmann
Geborenes Mitglied Vizepräsident Andreas Hanna-Krahl
Geborenes Mitglied Landesarzt Florian Meier
Geborenes Mitglied stellvertretender Landesarzt Maximilian Kippnich
Geborenes Mitglied stellvertretender Landesarzt Frithjof Wagner
Geborenes Mitglied Landesschatzmeister Josef Hauke
Geborenes Mitglied stellvertretender Landesschatzmeister Christoph Tiebel
Geborenes Mitglied stellvertretender Landesschatzmeister Frank Jasper
Geborenes Mitglied Landesjustiziar Klemens Reindl
Geborenes Mitglied Vorsitzender des Landesschiedsgerichts Günther Schalk
Geborenes Mitglied stellvertretender Vorsitzender des Landesschiedsgerichts Fabian Wamser
Geborenes Mitglied Konventionsbeauftragter des BRK Hannelore Schnelzer
Geborenes Mitglied Generaloberin Edith Dürr
Bezirksverband Oberbayern BV Oberbayern Vorsitzende Thomas Sigi
Bezirksverband Oberbayern BV Oberbayern Delegierte Gertrud Friess-Ott
Bezirksverband Oberbayern BV Oberbayern Delegierter /
Bezirksverband Niederbayern/Oberpfalz BV Niederbayern/Oberpfalz Vorsitzender Hans Rampf
Bezirksverband Niederbayern/Oberpfalz BV Niederbayern/Oberpfalz Delegierte Tanja Schweiger
Bezirksverband Niederbayern/Oberpfalz BV Niederbayern/Oberpfalz Delegierter Lorenz W. Scherer
Bezirksverband Ober- und Mittelfranken BV Ober- und Mittelfranken Vorsitzender Harald Pruckner
Bezirksverband Ober- und Mittelfranken BV Ober- und Mittelfranken Delegierter Harry Scheuenstuhl
Bezirksverband Ober- und Mittelfranken BV Ober- und Mittelfranken Delegierte Anja Prölß-Kammerer
Bezirksverband Unterfranken BV Unterfranken Vorsitzender Bernd Weiß
Bezirksverband Unterfranken BV Unterfranken Delegierter Thomas Habermann
Bezirksverband Unterfranken BV Unterfranken Delegierter Sabine Sitter
Bezirksverband Schwaben BV Schwaben Vorsitzender Edgar Rölz
Bezirksverband Schwaben BV Schwaben Delegierte Christine Kratzer-Haugg
Bezirksverband Schwaben BV Schwaben Delegierter Edgar Rölz
Bereitschaften Landesbereitschaftsleiter Stephan Strittmatter
Bereitschaften stellvertretender Landesbereitschaftsleiterin Jürgen Terstappen
Bergwacht Vorsitzender Bergwacht Peter Eisenlauer
Bergwacht stellvertretender Vorsitzender Bergwacht Tobias Reploh
Wasserwacht Vorsitzender Thomas Huber
Wasserwacht stellvertretender Vorsitzender Oliver Welter
Jugendrotkreuz Vorsitzender Marvin Kliem
Jugendrotkreuz stellvertretende Vorsitzende Sebastian Müller
Jugendrotkreuz stellvertretende Vorsitzende Sabrina Preßler
Wohlfahrts- und Sozialarbeit ehrenamtlicher Beauftragte Wohlfahrts- und Sozialarbeit Bernhard Peterke
Wohlfahrts- und Sozialarbeit Ersatzdelegierte Wohlfahrts- und Sozialarbeit Marianne Asam
Schwesternschaft Oberin Tatjana Richter
Landesgeschäftsführung Landesgeschäftsführerin, lediglich beratende Funktion Robert Augustin
Landesgeschäftsführung stv. Landesgeschäftsführer, lediglich beratende Funktion Armin Petermann

Präsidium

Das Bayerische Rote Kreuz als Ganzes wird durch das Präsidium gesetzlich vertreten. Das Präsidium führt die Geschäfte im Rahmen der strategischen Ausrichtung der Landesversammlung und der Beschlüsse des Landesvorstandes. Es setzt sich zusammen aus folgenden Personen:

  • der Präsident Hans-Michael Weisky
  • den beiden Vizepräsidenten Mechthilde Wittmann, MdB und Andreas Hanna-Krahl, MdL
  • dem Landesschatzmeister Josef Hauke
  • dem Landesjustiziar
  • den Vertretern der Gemeinschaften Wolfgang Piontek (Wasserwacht), André Müllerschön (Bergwacht), Kirk Thieme (Jugendrotkreuz), Jürgen Terstappen (Bereitschaften) und Bernhard Peterke (Wohlfahrts- und Sozialarbeit).
  • der Landesgeschäftsführer Robert Augustin

Gliederung

Der Landesverband gliedert sich in

  • die Landesgeschäftsstelle
  • 5 Bezirksverbände (Oberbayern, Ober- und Mittelfranken, Niederbayern/Oberpfalz, Schwaben, Unterfranken) und
  • 73 Kreisverbände

Bezirksverbände

Das BRK ist analog zur politischen Gebietseinteilung in Bayern strukturiert. Die sieben Regierungsbezirke bilden fünf BRK-Bezirksverbände: Oberbayern, Niederbayern/Oberpfalz, Ober- und Mittelfranken, Unterfranken sowie Schwaben.

Kreisverbände

Jeder BRK-Bezirksverband ist in mehrere BRK-Kreisverbände (meist Städte oder Landkreise) unterteilt. Der Kreisverband stellt im rechtlichen Sinne die kleinste Einheit dar und wird durch den Vorsitzenden und der Geschäftsführung vertreten. In jedem Kreisverband sind ein oder mehrere ehrenamtliche Gemeinschaften aktiv.

Ehrenamtliche Gemeinschaften

  • Bereitschaften (ca. 42.700 Mitglieder im BRK)
  • Wasserwacht (ca. 53.900 aktive Mitglieder zzgl. 64.500 weitere Mitglieder der Wasserwacht)
  • Bergwacht (ca. 5.700 Mitglieder)
  • Jugendrotkreuz (Summe aller BRK-Mitglieder: ca. 106.000)
  • Wohlfahrts- und Sozialarbeit (ca. 6.000 Mitglieder im BRK)

In diesen Gemeinschaften kann man sich ehrenamtlich in den vielfältigsten Aufgabenbereichen engagieren.

Präsidenten

  • 1945–1946: Adalbert Prinz von Bayern
  • 1946–1949: Karl Scharnagl
  • 1949–1955: Otto Geßler
  • 1955–1969: Hans Ehard
  • 1969–1985: Alfons Goppel
  • 1985–1990: Bruno Merk
  • 1991–1997: Reinhold Vöth
  • 1997–1999: Albert Schmid
  • 1999–2003: Heinz Köhler
  • 8. November 2003 bis 7. Dezember 2013: Christa von Thurn und Taxis
  • 7. Dezember 2013 bis 16. Dezember 2021: Theo Zellner
  • 16. Dezember 2021 bis 15. November 2025: Angelika Schorer
  • seit 15. November 2025: Hans-Michael Weisky

Landesgeschäftsführer

  • 1971–1996: Heinrich Hiedl
  • 1996–1998: Georg Wagner
  • 1998: Thomas Ollech
  • 1998–1999: Harald Fischer
  • 1999–2002: Jürgen Götz
  • 2002/2003: Herr Bühler (kurz), Herr Fiedler (kurz), Herr Klacks (kurz)
  • 2003–2006: Armin Bauer
  • 2007–2022: Leonhard Stärk
  • 2023–2025: Elke Frank
  • Seit 1. Oktober 2025 Robert Augustin (Interminsweise)

Marienvereine

Die Marienvereine sind seit 2005 offizielle Gemeinschaften innerhalb der Rotkreuzgemeinschaften Mitglied des Bayerischen Roten Kreuzes. Entstanden sind sie um die Jahrhundertwende auf Betreiben der Herzogin Maria von Sachsen-Coburg und Gotha, als Rot-Kreuz Hilfs- und Betreuungsvereine. Sie bilden ein Kuriosum innerhalb der Strukturen des Bayerischen und des Deutschen Roten Kreuzes, da es die heute dreißig Marienvereine nur im Gebiet des ehemaligen Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha gibt. Von diesem gehören heute die Gegenden um Königsberg in Unterfranken und um Coburg in Oberfranken zu Bayern.

Soziale Dienstleistungen

Neben den ehrenamtlichen Bereichen bietet das Bayerische Rote Kreuz soziale Dienstleistungen an. Z. B.

  • Altenheime
  • Mobile Soziale Hilfsdienste / Pflegedienste
  • Mahlzeitendienste „Essen auf Rädern“
  • Blutspendedienst
  • Kindergärten
  • Schuldnerberatung
  • Hausnotruf
  • Patientenfahrdienste
  • Kleiderläden / Lebensmitteltafeln
  • Rettungsdienst
  • Kriseninterventionsdienst (KID)
  • Motorradstreife
  • Helfer vor Ort
  • Schnelleinsatzgruppe
  • Wasserwacht
  • Bergwacht
  • Bereitschaft
  • Jugendrotkreuz
  • Mehrgenerationenhäuser

Kritik, Skandale

Im Rahmen seiner Prüfungen hat der Bayerische Oberste Rechnungshof Ende 2010 diverse Fehlentwicklungen beim Bayerischen Roten Kreuz aufgezeigt: Hauptverursacher von Verlusten war nach seinem Bericht die Landesgeschäftsstelle (in den Jahren 2000 bis 2007 ca. 98 Millionen Euro Minus). Die Parkplatzbewirtschaftung beim Zentralen Omnibusbahnhof München wurde als besonders riskant bewertet, da der Pachtvertrag über 25 Jahre abgeschlossen worden sei. Bei möglichen Verlusten dienten mittelbar auch Einnahmen aus Spenden und Mitgliedsbeiträge zur Deckung. Diese Bewertung wies der Münchner Kreisverband zurück.

Nach einer Reportage von „Report Mainz“ gab das Bayerische Rote Kreuz Anfang 2014 zu, in den 1980er-Jahren über einen Schweizer Zwischenhändler Erythrozytenkonzentrate („Blutkonserven“) aus der ehemaligen DDR gekauft zu haben, welche aus von Häftlingen erzwungenen Blutspenden gewonnen worden waren. Der Schmiergeldskandal beim Blutspendedienst des BRK führte nach dem Jahr 1999 zu einer Neuorganisation.

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