Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz 2026

Am Morgen des 3. Januar 2026, einem Samstag, wurde ein Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz verübt, der einen flächenhaften Stromausfall für etwa 45.000 Haushalte und über 2.200 Betriebe im Südwesten Berlins zur Folge hatte. Der Anschlag wurde durch Brandstiftung an einer Kabelbrücke in Berlin-Lichterfelde ausgeführt und sorgte für den längsten Stromausfall in der Stadt seit dem Kriegsende 1945. Bei tiefwinterlichem Wetter kam es so auch zum Ausfall vieler Heizungen. Am 7. Januar 2026 konnten die Folgen vollständig behoben werden.

Im Internet wurde ein Bekennerschreiben zur Tat im Namen einer linksextremen Vulkangruppe veröffentlicht. Wenige Tage später distanzierte sich jedoch eine angeblich ursprüngliche Vulkangruppe von den in ihrem Namen durchgeführten Aktionen der letzten Jahre.

Am 6. Januar 2026 wurden durch den Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof die Ermittlungen übernommen, weil den Tätern unter anderem die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen wird.

Hergang

Tathergang und Schadenslage

Im Berliner Ortsteil Lichterfelde setzten Unbekannte am 3. Januar 2026 gegen 6 Uhr morgens mehrere Stromleitungen an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal beim Heizkraftwerk Lichterfelde in Brand. Dabei wurden fünf 110-kV-Hochspannungskabel sowie zehn 10-kV-Mittelspannungskabel irreparabel beschädigt und mussten zwangsweise abgeschaltet werden. Die 110-kV-Kabel gehören zu drei Drehstromleitungen. Zwei davon sind die Endeinspeisungen einer Ringleitung, die von einem Umspannwerk auf dem Gelände des Heizkraftwerks über die betroffene Kabelbrücke zu den Umspannwerken Dahlem, Schlachtensee, Claszeile und Kopernikus und zurück nach Lichterfelde führt; die dritte Leitung ist eine Mitteleinspeisung. Die so angeschlossenen Umspannwerke versorgen Teile der Berliner Ortsteile Dahlem, Lichterfelde, Nikolassee, Schlachtensee, Wannsee und Zehlendorf.

Da die Ringleitung keinen weiteren, unabhängigen Einspeisepunkt besitzt, konnte keine schnelle Wiederherstellung der Energieversorgung erfolgen, wodurch bei winterlichen Wetterverhältnissen bei zunächst rund 45.000 Haushalten mit rund 100.000 Menschen sowie mehr als 2.200 Unternehmen im Südwesten Berlins die Strom- und Fernwärmeversorgung ausfiel. Auch Pflegeheime und Krankenhäuser sowie 205 Arztpraxen waren betroffen. Die meisten Kindertagesstätten im betroffenen Gebiet blieben bis einschließlich Mittwoch, den 7. Januar 2026 geschlossen. 15 Schulen blieben bis Freitag, den 9. Januar geschlossen.

In der Nacht vom 4. Januar auf den 5. Januar 2026 rief die Senatsverwaltung für Inneres und Sport aufgrund des Anschlags eine Großschadenslage nach dem Gesetz über den Katastrophenschutz im Land Berlin aus und das Land Berlin beantragte beginnend mit dem 5. Januar 2026 Amtshilfe bei der Bundeswehr. Diese führt unter anderem Kraftstofftransporte durch, damit Notstromaggregate weiter betrieben werden können. Zum Einsatz kam etwa das Logistikbataillon 172. Ab dem 6. Januar 2026 wurden zudem Unterkünfte für auswärtige zivile Helfer in der General-Steinhoff-Kaserne zur Verfügung gestellt und Truppenküchen bereiteten zusätzliche Mahlzeiten vor, die an Ausgabepunkten im Berliner Stadtgebiet von betroffenen Personen entgegengenommen werden konnten.

Nach Angaben der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) kamen insgesamt mindestens 971 ehrenamtliche Helfer des THW zum Betrieb lokaler Notrufannahmestellen, der Einrichtung von Notunterkünften und Wärmestuben, dem Anschluss, der Betankung und dem Betrieb von Netzersatzanlagen sowie der Besetzung von Einsatzleitung und sonstigen Stabsfunktionen zum Einsatz.

Wiederherstellung der Stromversorgung

Relativ rasch konnten in der Nacht vom 3. zum 4. Januar 7000 Haushalte und 150 Gewerbekunden wieder angeschlossen werden, wie der Infrastrukturunternehmer Stromnetz Berlin mitteilte. Am Sonntag, dem 4. Januar 2026, waren gegen Mittag fünf Krankenhäuser in den betroffenen Ortsteilen und rund 10.000 betroffene Haushalte und 300 Gewerbebetriebe und somit nahezu gesamt Lichterfelde wieder versorgt.

Neben dem Festnetz (vor allem durch ausgefallene DSLAMs und stromlose Kundengeräte) war auch der Mobilfunk vom Stromausfall betroffen. O2 teilte mit, dass 18 der eigenen Mobilfunksender im Gebiet betroffen seien. Bei Vodafone waren 39 Standorte von dem Ausfall betroffen, von denen am Montag, dem 5. Januar 2026, 29 wieder am Netz waren. Bei der Telekom waren Stand Montag 19 von 29 betroffenen Mobilfunkstationen wieder im Einsatz.

Zwei Tage nach dem Anschlag äußerten der Regierende Bürgermeister Kai Wegner, Innensenatorin Iris Spranger und Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey in einer gemeinsamen Pressekonferenz, dass zehn Mittelspannungskabel beschädigt, aber relativ schnell zu reparieren gewesen seien. Doch da auch Hochspannungskabel zerstört worden seien, seien noch immer zehntausende Haushalte ohne Strom. Am 5. Januar 2026 waren weitere Zuschaltungen erfolgreich: Um 19:30 Uhr waren noch rund 27.200 Haushalte und 1.425 Gewerbebetriebe ohne Strom. Am 6. Januar 2026 konnte die Stromversorgung für alle drei betroffenen S-Bahnhöfe (Mexikoplatz, Nikolassee und Wannsee) wieder hergestellt werden. Mit der Wiederherstellung der Versorgung aller Kunden wurde zunächst für Donnerstagnachmittag, 8. Januar 2026, gerechnet.

Am Morgen des 7. Januar 2026 wurde erwartet, die Stromversorgung ab 11 Uhr des gleichen Tages wiederherzustellen. Zuvor wurde per Cell Broadcast eine Warnung an alle Berliner Haushalte geschickt, private Notstromaggregate vom Netz zu trennen und starke Stromverbraucher zu vermeiden. Um 14:10 Uhr wurde laut Berlins Wirtschafts- und Energiesenatorin Franziska Giffey „Vollversorgung“ für die Hauptstadt erreicht.

Trotz der Wiederherstellung der Stromversorgung blieben die betroffenen Schulen bis einschließlich 9. Januar 2026 geschlossen.

Ermittlungen

Zum Brandanschlag liegt ein mutmaßliches Bekennerschreiben der linksextremistischen Vulkangruppen vor, das unter anderem im linken Internetportal Indymedia veröffentlicht wurde. Darin wird der Anschlag als „gemeinwohlorientierte Aktion“ bezeichnet, die sich gegen die Nutzung fossiler Energie gerichtet habe. Die Ermittlungen führt zunächst der polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes Berlin, der das Schreiben für authentisch hält. Das Bundesinnenministerium teilte hingegen mit, dass eine abschließende Bewertung des Bekennerschreibens noch ausstehe und der Verfassungsschutz untersuchen werde, ob das Schreiben zu der Gruppe passe oder auf andere Urheber hindeute. Bis zum Abschluss dieser Analyse seien Bewertungen mit Zurückhaltung vorzunehmen.

Nach der Veröffentlichung des Wortlautes des Bekennerschreibens durch regionale Berliner Redaktionen äußerten der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter (CDU) in der Welt-Nachrichtenschau am 5. Januar 2026 und weitere aufgrund der fehlerhaften Grammatik, unvollständigen Satzkonstruktionen und der Schreibweise von Eigennamen den Verdacht, dass das Schreiben der mutmaßlichen Vulkangruppe aus dem Russischen ins Deutsche übersetzt worden sei. So wurde J.D. Vance als „Vans“ geschrieben, Senatorin Giffey als „Giffay“. Kiesewetter forderte, dass Deutschland resilienter gegen russische Sabotageakte werden müsse. Marco Langner, Vizepräsident der Polizei Berlin, bezeichnete entsprechende Berichte am 6. Januar 2026 als „Fake News“. Zum Zeitpunkt gebe es keine Hinweise auf eine russische Täterschaft. Ebenso am 6. Januar wurde eine angeblich von der Gruppierung Vulkangruppe stammende Richtigstellung auf dem linken Portal knack.news veröffentlicht. Darin werden Spekulationen über die Beteiligung eines ausländischen Staates zurückgewiesen. In einem dritten Schreiben am 7. Januar 2026 distanzierte sich eine nach eigenen Angaben für die Anschläge auf Bahnverbindungen 2011 verantwortliche Zusammensetzung der Gruppe von der Tat.

Am 6. Januar 2026 wurden die Ermittlungen durch den Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof übernommen, da den Tätern die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen wird.

Aufgrund eines vierten, später gelöschten Schreibens überprüfte die Polizei Berlin am 8. Januar 2026 die Strominfrastruktur im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Eine Untersuchung von elf Stellen blieb ohne Feststellung.

Der Generalbundesanwalt lobte für Hinweise auf die Täter eine Belohnung von einer Million Euro aus.

Politik

Der Regierende Bürgermeister von Berlin Kai Wegner geriet wegen mangelnder Präsenz vor Ort und unzureichender Krisenkommunikation massiv in die Kritik. Auch Innensenatorin Iris Spranger wurde kritisiert. Unter anderem dafür, dass sie erst einen Tag nachdem dem Bekanntwerden des gesamten Ausmaß des Schadens die Großschadenslage ausgerufen hatte. Wegner und Spranger bekamen beim Besuch einer Notunterkunft am Tag nach dem Stromausfall die Wut der Bürger zu spüren. Am 4. Januar 2026 hatte Wegner bei einer Pressekonferenz erklärt, er habe den gesamten Vortag am Telefon in seinem Büro verbracht, um zu koordinieren und sich zu informieren. Tatsächlich hatte Wegner gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch, zeitweise Tennis gespielt. Dies führte zu Kritik und dem Vorwurf der Lüge vom Koalitionspartner SPD. Auch Grüne und Linkspartei kritisierten das Verhalten Wegners, das laut dem CDU-Kreisvorsitzenden Stephan Standfuß auf eine verspätete Einsicht der Tragweite des Vorfalls zurückzuführen gewesen sei. Die Berliner FDP, Bundespolitiker der FDP, Politiker der AfD und des BSW forderten Wegners Rücktritt. Auch in einigen Medien gab es Rücktrittsforderungen.

Wegner widersprach den Rücktrittsforderungen am Folgetag und begründete diese mit einer erfolgreichen Krisenbewältigung. Die gut einstündige Abwesenheit habe dazu gedient, „Gedanken [zu] fassen und [zu] ordnen“.

Am 13. Januar 2026 stellte die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen eine Kleine Anfrage Anschlag auf die Stromversorgung in Berlin an die Bundesregierung mit 34 Fragen.

Sonstige Stimmen

Die AG KRITIS widersprach im Nachgang Forderungen nach dem Ausbau von Videoüberwachung und der Depublizierung öffentlich einsehbarer Daten zur Netzinfrastruktur („Security through Obscurity“). Stattdessen könnten nur „Investitionen in Redundanz“ gemäß (n − 1)-Regel zum universellen Schutz vor „Sabotage, Naturereignissen und Unfällen“ beitragen. Zwar handelte es sich bei den betroffenen Stromnetzteilen bereits um die von der AG KRITIS empfohlenen Ringleitungen, allerdings verlaufen diese auf der angegriffenen Brücke parallel zueinander und verfügten über keinen weiteren Einspeisepunkt.

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