Caroline von Labes

Caroline Marie Elisabeth von Labes (geborene Daum; * 27. Juli 1730 in Berlin; † 10. März 1810 ebenda) war eine preußische Großgrund- und Gutsbesitzerin, die mit dem Besitz und der Verwaltung von Gut Zernikow und weiterer Besitzungen im Umland zu einer wichtigen Arbeitgeberin der Region gehörte und soziale Einrichtungen schuf. Daneben erzog sie alleinverantwortlich ihre Enkel Karl Otto Ludwig von Arnim und Achim von Arnim, auf den sie einen prägenden Einfluss hatte.

Kindheit, Jugend und Verheiratung

Caroline Daum wurde als Tochter von Gottfried Adolph Daum (1679–1743) und dessen zweiter Ehefrau Caroline Marie, geb. Ohloff (1706–1770), geboren. Ihre Geschwister waren Christina Charlotta (* 1714) aus der ersten Ehe ihres Vaters und der Bruder Friedrich Carl. Ihr Vater war Großkaufmann und Unternehmer in Preußen, der 1712 gemeinsam mit seinem stillen Teilhaber David Splitgerber das auf militärischen Bedarf ausgerichtete Handelshaus Daum & Comp. gegründet hatte. Mit der Erweiterung auf zivile Handels- und Bankgeschäfte und der Übernahme von gepachteten königlichen Manufakturen entwickelte sich das Handelshaus unter der späteren Firma Splitgerber & Daum zu einem der größten Wirtschaftsunternehmen in Preußen. Caroline Daum und ihre Geschwister wurden von Gouvernanten und Hofmeistern im preußischen Geist äußerst streng und reglementiert erzogen und zur Sparsamkeit angehalten. Als ihr Vater 1743 als einer der reichsten Männer Preußens starb, erbte sie ein beträchtliches Vermögen.

Ehe mit Michael Gabriel Fredersdorff

1752 wurde Caroline Daum mit dem Geheimen Kämmerer Michael Gabriel Fredersdorff (1708–1758) verlobt, der ein Vertrauter Friedrichs des Großen war und der ihre große Liebe wurde. Er erkrankte chronisch, dennoch heirateten beide 1753. Caroline, nun verheiratete Fredersdorff, lebte mit ihm hauptsächlich auf Gut Zernikow, einer Schenkung des Königs vom Juni 1740, und pflegte ihren Mann.

Michael Gabriel Fredersdorff hatte das Herrenhaus von Zernikow, einen zweigeschossigen, barocken Bau mit Mansarddach, 1746 erbauen lassen und das Gut bis 1751 umfangreich erweitert, unter anderem um ein „Seidenhaus“ und eine Maulbeerbaumplantage mit 8.000 Bäumen für die Seidenraupenzucht. Er vergrößerte den Besitz durch den Kauf weiterer Ländereien und der Dörfer Kelkendorf (1750), Dagow (1753) und Burow (1755), und ließ Alleen, einen Fasanengarten und einen Karpfenteich anlegen. Trotz seiner Erkrankung kümmerte er sich um die Gutsgeschäfte und bezog auch seine Frau in die Verwaltung der Ländereien mit ein. Als er 1758 starb, wurde er in einer Gruft unterhalb der Dorfkirche in Zernikow beigesetzt. Caroline Fredersdorff wurde zur alleinigen Erbin des Besitzes.

Spätere Ehen

Im August 1759 verlobte Caroline Fredersdorff sich mit dem adeligen Rittmeister und Kriegsveteranen Aschersleben und heiratete ihn im Dezember desselben Jahres, ließ sich nach drei Monaten aber wieder scheiden.

1760 heiratete Caroline Fredersdorff den aus Pommern stammenden bürgerlichen Geheimen Stiftsrat zu Quedlinburg und Kammerherrn Johann „Hans“ von Labes (1731–1776), der später in den Adelsstand erhoben wurde. Sie lebte mit ihm in Berlin, wo die Tochter Amalie Caroline Friederike Johanna Dorothea (1761–1781) und der Sohn Hans (1763–1831) geboren wurden. Die Ehe verlief nicht glücklich, so dass Caroline von Labes ab 1767 getrennt von ihrem Mann in einem zweigeschossigen, großen und repräsentativen Haus Am Quarré 4 (das spätere Palais Arnim, Pariser Platz 4) in Berlin wohnte, das seit 1760 im Besitz der Familie war. Er zog nach Zernikow, wo ihn seine Frau mit den beiden Kindern jedes Jahr für ein paar Wochen besuchte. Sie missbilligte allerdings seinen exzentrischen Lebenswandel, seine Feiern und Trinkgelage und die Vernachlässigung des Gutsbesitzes.

Weiteres Leben

Nach dem Tod ihres Mannes 1776 ließ Caroline von Labes 1777 das „Fredersdorffsche Erbbegräbnis“ in Zernikow errichten. Neben Hans von Labes ließ sie auch den Sarg ihres ersten Mannes dorthin überführen. In Folge widmete sie sich der Aufgabe, das Gut und die teils durch schlechte Verwaltung verfallenen Gebäude wieder instand zu setzen. Sie setzte sich für den Ausbau der Kirche ein und wandelte das Seidenraupenhaus in ein Hospital für kranke, alte und arbeitsunfähige Arbeiter der Gutsanlage um. Zu ihrem Besitz gehörten außer den Fredersdorffschen Gütern und dem Haus in Berlin ein weiteres Haus mit Garten in Potsdam und zwei kleine Landgüter in Pankow, eine Meile von Berlin entfernt. Sie beschäftigte unter anderem eine Haushaltshilfe in ihrem Berliner Haus, zwei Kammermädchen, ein Hausmädchen, eine Köchin, ein Küchenmädchen, ein „französisches Fräulein“ für die Tochter, einen Haushofmeister, zwei Gärtner, eine Gartenfrau, einen Jäger, zwei Livreebediente, einen Kutscher, einen Vorreiter und zwei Kastellaninnen für Zernikow und Pankow.

Als ihre Tochter Amalie Caroline drei Wochen nach der Geburt ihres zweiten Sohnes Karl Friedrich Joachim Ludwig von Arnim (der später unter dem Namen Achim von Arnim bekannt wurde) am 14. Februar 1781 in Berlin starb, ließ Caroline von Labes sie im Erbbegräbnis beisetzen. Sie übernahm für Achim und seinen 1779 geborenen älteren Bruder Karl Otto Ludwig von Arnim, genannt Pitt (1779–1861), das Sorgerecht von deren Vater Joachim Erdmann von Arnim, engagierte eine Amme für den Jüngsten und war fortan alleinverantwortlich für die Kinder. Mit ihnen lebte sie hauptsächlich Am Quarré 4 in Berlin und teils auf Gut Zernikow.

Sie galt als gute Reiterin, die die sechzig Kilometer von Berlin nach Potsdam und zurück zu Pferde im Herrensitz an einem Tag bewältigen konnte. Die Verwaltung ihrer Güter führte sie mit Strenge und Disziplin und erzog auch ihre Kinder und Enkel so. Später finanzierte sie ihren Enkeln ihr Studium und bis 1804 eine Studienreise durch Europa. Mit Achim von Arnim geriet sie wegen seiner Schriftstellerei, die sie als brotlose Kunst betrachtete, öfter in Konflikt, unterstützte ihn aber weiterhin finanziell, wie auch seinen Bruder.

Letzte Jahre

Nachdem Preußen 1807 den Vierten Koalitionskrieg verloren hatte, wurden im Berliner Haus und den Gütern von Caroline von Labes französische Soldaten einquartiert, für deren üppige Verköstigung sie zu ihrer Empörung ebenfalls aufkommen musste. Im Jahr 1808 erlitt sie einen Schlaganfall; sie hatte zudem mit Vermögenseinbußen zu kämpfen. Zwar verfügte sie noch über wertvollen Grundbesitz, aber die „Westpreußischen Pfandbriefe“, in denen sie den größten Teil ihres Vermögens angelegt hatte, brachten keine Zinsen mehr. Außerdem zahlte sie die immensen Schulden von 15.400 Reichstalern ihres Enkels Carl Otto von Arnim bei seinen Gläubigern. Vergeblich versuchten ihre Enkel, ihre eigenen verwahrlosten Besitztümer, das Ländchen Bärwalde mit Schloss Wiepersdorf, zu verkaufen.

Ab 1809 war Caroline von Labes auf Pflege angewiesen. Sie starb kurz nach einem zweiten Schlaganfall im März 1810 im Alter von 80 Jahren. Ihr Sohn Hans erbte die Hälfte des Besitzes, die beiden Enkel je ein Viertel. Testamentarisch hatte sie verfügt, dass die Güter genutzt, aber nicht verkauft werden durften. Ihrem Wunsch entsprechend wurde sie bei ihren verstorbenen Familienmitgliedern im Erbbegräbnis beigesetzt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Särge von Caroline von Labes, Michael Gabriel Fredersdorff, Hans von Labes, ihrer Tochter Amalie Caroline von Arnim und ihrem 1861 dort beigesetzten Enkel Carl Otto Ludwig von Arnim von der sowjetischen Armee aus der Begräbnisstätte entfernt und ohne Bezeichnung des Beerdigungsplatzes hinter der Kirche begraben.

Ehrungen und Gedenken

Caroline von Labes wurde mit der Aufnahme in das Projekt FrauenOrte Brandenburg des Frauenpolitischen Rates Land Brandenburg ausgezeichnet, das Leben und Wirken bedeutender Frauen in der brandenburgischen Geschichte sichtbar macht. Die entsprechende Gedenktafel befindet sich an ihrem Lebens- und Wirkungsort in Zernikow am Fredersdorffschen Erbbegräbnis in der Zernikower Straße 43. ()

In der Kirche von Zernikow hängen Porträtbilder von Caroline von Labes, ihrem ersten und dritten Ehemann sowie ihrer Tochter. Das Erbbegräbnis trägt an der Vorderseite die Inschrift: „Fredersdorffsches Erbbegräbnis, errichtet von dessen hinterlassener Witwe, gebornen Caroline Marie Elisabeth Daum, nachmals verehelichten von Labes. Anno 1777.“ Darunter sind in goldenen Buchstaben die Namenszüge MGF (Michael Gabriel Fredersdorff) und CMED (Caroline Marie Elisabeth Daum) angebracht. Das verwahrloste Erbbegräbnis wurde in den Jahren 1998 bis 2000 schrittweise restauriert.

Literatur

  • Hildegard Baumgart: Die Große Mutter Caroline von Labes: Das Leben der Großmutter Arnims 1730-1810. In: Roswitha Burwick, Heinz Härtl (Hrsg.): »Frische Jugend, reich an Hoffen.« Der junge Arnim. Zernikower Kolloquium der Internationalen Arnim-Gesellschaft. Schriften der Internationalen Arnim-Gesellschaft, Band 2. De Gruyter, Berlin/Boston 2000, ISBN 978-3-4841-0820-2, S. 1–24

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