Die Christliche Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner (CGDE) ist eine Gewerkschaft von Eisenbahnern in Deutschland, die dem Christlichen Gewerkschaftsbund Deutschlands (CGB) angehört. Ihre Vorläufergewerkschaft wurde 1908 gegründet.
Vorgeschichte
Als Bedienteste im öffentlichen Dienst hatten die Eisenbahner im Deutschen Kaiserreich ein derart ausgeprägtes Standesbewusstsein, dass sie erst vergleichsweise spät, lange nach den Bergleuten und den Industriearbeitern, Gewerkschaften aufbauten. In Trier entstand 1894 der Allgemeine Eisenbahnerverband. Es folgten 1896 der dank der Initiative des Eisenbahnwerkstättenarbeiters Moritz Schmid in Regensburg gegründete Bayerische Eisenbahnerverband, 1898 der Badische Eisenbahnerverband und 1900 der Württembergische Eisenbahnerverband. Sie schlossen sich nicht den mit der Sozialdemokratie verbundenen Freie Gewerkschaften (Deutschland) an, sondern bildeten die Vereinigung der nationalgesinnten Eisenbahner Deutschlands mit Sitz in Stuttgart. Der Bayerische Eisenbahnerverband gehörte zudem seit 1905 zum Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften (GCG), der 1901 gebildet worden war. Er brachte 17.500 Mitglieder in die christliche Gewerkschaftsbewegung ein.
Geschichte
Kaiserreich
Am 20. November 1908 gründeten die genannten regionalen nichtsozialistischen Eisenbahnergewerkschaften in Elberfeld den Zentralverband deutscher Eisenbahnhandwerker und -arbeiter, wobei der Bayerische Eisenbahnerverband als rechtlich selbständiger Landesverband fortbestand. Der Zentralverband folgte dem Vorbild des Bayerische Eisenbahnerverbandes und schloss sich der christlichen Gewerkschaftsbewegung an. Mit anderen christlich und/oder national ausgerichteten Verbänden bildete der Zentralverband 1910 das Reichskartell der Verbände der Beamten und Arbeiter staatlicher Verkehrsanstalten. Durch Umbenennungen und Fusionen bis 1918 wurde aus dem Zentralverband deutscher Eisenbahnhandwerker und -arbeiter die Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner (GDE).
Weimarer Republik
Die GDE und der Bayerische Eisenbahnerverband hatten 1920 zusammen rund 131.000 Mitglieder. Die GDE gehörte dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) an, dem von 1919 bis 1933 bestehenden Dachverband der christlichen und/oder national ausgerichteten Gewerkschaften. Ein Indiz für die relative Stärke des größeren Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands (EdED) und des GDE sind die Ergebnisse der Wahlen zum Gesamtbetriebsrat der Deutschen Reichsbahn. Von 1925 bis 1932 stimmten durchweg rund drei Viertel der Bahnarbeiter für den EdED und rund ein Fünftel auf die GDE (der Rest entfiel auf Kleingewerkschaften). Anders als bei den Bahnarbeitern sah es damals bei den Wahlen der Bahnbeamten aus: Im Hauptbeamtenrat war die GDE durchweg etwas stärker als der EdED. Bis 1932 stieg die Mitgliederzahl der GDE auf rund 150.000. Vorsitzender der GDE war von 1924 bis 1933 Oskar Rümmele.
Im Mai 1933 löste die NS-Regierung alle Gewerkschaften auf, also auch den GCG (als Dachverband) und die GDE.
Bundesrepublik Deutschland
Die Neugründung in der Bundesrepublik Deutschland erfolgte unter dem heutigen Namen Christliche Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner. Bundesvorsitzender war bis 2011 Alfred Junker. Hans-Jürgen Ambrosius, der im Februar 2011 zu seinem Nachfolger bestimmt worden war, starb einen Monat später. Derzeitiger Bundesvorsitzender der CGDE ist Rudolf Bruns.
Die Geschäftsstelle befindet sich in Saarbrücken. Ende der 2010er Jahre gab es zwei Landesverbände, in Bayern und in Nordrhein-Westfalen.
Literatur
- Peter Hahn und andere: 50 Jahre Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner (CGD), 1908–1958. Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner, Berufsverband des Christlichen Gewerkschaftsbundes Deutschland, Saarbrücken 1958.
Fußnoten
- Michael Schneider: Die Christlichen Gewerkschaften 1894–1933 (= Forschungsinstitut der Friedrich-Ebert-Stiftung, Reihe Politik- und Gesellschaftsgeschichte, Band 10). Verlag Neue Gesellschaft, Bonn 1982, ISBN 3-87831-356-X, S. 96–97.
- Michael Schneider: Die Christlichen Gewerkschaften 1894–1933. Verlag Neue Gesellschaft, Bonn 1982, S. 97.
- Michael Schneider: Die Christlichen Gewerkschaften 1894–1933. Verlag Neue Gesellschaft, Bonn 1982, S. 132.
- Michael Schneider: Die Christlichen Gewerkschaften 1894–1933. Verlag Neue Gesellschaft, Bonn 1982, S. 126.
- Michael Schneider: Die Christlichen Gewerkschaften 1894–1933. Verlag Neue Gesellschaft, Bonn 1982, S. 97–98.
- Michael Schneider: Die Christlichen Gewerkschaften 1894–1933. Verlag Neue Gesellschaft, Bonn 1982, S. 768.
- Nicht zu verwechseln mit dem heutigen, 1949 gegründeten Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).
- Eberhard Kolb: Die Reichsbahn vom Dawes-Plan bis zum Ende der Republik. In: Lothar Gall, Manfred Pohl (Hrsg.): Die Eisenbahn in Deutschland. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. C.H. Beck, München 1999, ISBN 3-406-45334-1, S. 109–163, hier S. 152.
- Martin Oelschig: Die neuere Entwicklung der Beamtenschaft, die Entstehung der Beamtenbewegung und die Beamtenberufsvereine. Halle (Saale) 1933, S. 161.
- Die Einzelgewerkschaften in CGB, abgerufen am 11. Oktober 2025.
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