Daniel Gabriel Fahrenheit (* 24. Mai 1686 in Danzig, Königliche Republik; † 16. September 1736 in Den Haag, Republik der Vereinigten Niederlande) war ein deutscher Physiker und Erfinder von Messinstrumenten. Nach ihm wurde die Temperatureinheit Grad Fahrenheit (°F) benannt.
Herkunft
Seine in Danzig wohnenden Eltern waren Daniel (1656–1701) und Concordia Fahrenheit (1657–1701) (geb. Schumann, verw. Runge). Die Mutter kam aus einer bekannten Danziger Kaufmannsfamilie und war die Tochter des Großhändlers Michael Schumann (1624–1673). Daniel war das älteste von fünf Kindern (zwei Söhne, drei Töchter) und überlebte als einziges die ersten Lebensjahre in der Danziger Hundegasse (nach 1945 ulica Ogarna 95). Sein Großvater Reinhold Fahrenheit war von Kneiphof/Königsberg (Preußen) nach Danzig gezogen und hatte sich dort als Kaufmann etabliert. Die Familie stammte vermutlich aus Hildesheim, Daniels Urgroßvater hatte aber in Rostock gelebt, bevor er nach Königsberg gezogen war.
Leben
Fahrenheits Eltern starben am 14. August 1701 an einer Pilzvergiftung. Danach begann Fahrenheit auf Geheiß seines Vormunds in Amsterdam eine Kaufmannslehre. Als er sie 1707 abbrach, war ein Haftbefehl die Folge. Ab 1707 unternahm er Reisen nach Danzig, Dresden, Leipzig und Berlin, dabei besuchte er 1708 Ole Rømer in Kopenhagen und 1714 Christian von Wolff in Halle. Er korrespondierte mit Gottfried Wilhelm Leibniz, Herman Boerhaave und Willem Jacob ’s Gravesande. Im Jahr 1717 ließ sich Fahrenheit in Amsterdam als Glasbläser nieder, um Barometer, Höhenmesser und Thermometer herzustellen und zu verkaufen. Er arbeitete an der Keizersgracht, wo ihn Peter der Große besuchte. Ab 1718 hielt er im Haus Vorlesungen über Chemie, Optik und Hydraulik. Als Fahrenheit sich 1736 in Den Haag aufhielt, um ein Patent für eine Pumpe anzumelden, erkrankte er und starb. Sein beträchtliches Inventar wurde in Amsterdam versteigert.
Bedeutung
Fahrenheit entwickelte präzise Thermometer mit 3-Punkte-Eichung (Fahrenheit-Skala) und begründete hiermit die Thermometrie. Zunächst verwendete er als Thermometersubstanz Weingeist, ab etwa 1714 auch Quecksilber. Er kam auf den Gedanken, als er eine Arbeit von Guillaume Amontons las, in der die Änderung der Anzeige von Quecksilberbarometern mit der Temperatur beschrieben wurde. Er erfand somit das Quecksilberthermometer nicht; dieses gab es bereits vorher, aber nur durch seine Kalibrierung und seine Herstellungsverfahren wurde es auch allgemein anwendbar. Als Nullpunkt seiner Skala verwendete er die tiefste Temperatur, die er mit einer Eis-Salz-Kältemischung erzeugen konnte: −17,8 °C.
1721 entdeckte er, dass Wasser erheblich unter seinen Gefrierpunkt abgekühlt werden kann, ohne zu gefrieren. Man spricht dabei von unterkühltem Wasser.
Fahrenheit konstruierte ein Aräometer, ein Pyknometer und ein Hypsobarometer.
Autographen von ihm werden unter anderem in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover aufbewahrt.
Ehrungen
Am 7. Mai 1724 wurde Fahrenheit als Mitglied („Fellow“) in die Royal Society gewählt.
Die Einheit der Temperatur Grad Fahrenheit wurde nach ihm benannt. Fahrenheit zu Ehren wurde 1976 der vorher nur als „Picard X“ bezeichnete Mondkrater in Fahrenheit umbenannt.
Schriften (Auswahl)
- Experimenta circa gradum caloris liquorum nonnullorum ebullientium instituta. In: Philosophical Transactions. Band 33, Nr. 381, 1724, S. 1–3 (doi:10.1098/rstl.1724.0002, JSTOR:103730).
- Versuche über den Siedepunkt einiger Flüssigkeiten. In: A. J. von Oettingen (Hrsg.): Abhandlungen über Thermometrie von Fahrenheit, Réaumur, Celsius (1724, 1730–1733, 1742) (= Ostwalds Klassiker der exakten Wissenschaften Nr. 57). Wilhelm Engelmann, Leipzig 1894, S. 3–5 (Digitalisat).
- Experimenta & observationes de congelatione aquae in vacuo factae. In: Philosophical Transactions. Band 33, Nr. 382, 1724, S. 78–84 (doi:10.1098/rstl.1724.0016, JSTOR:103744).
- Experimente und Beobachtungen über das Gefrieren des Wassers im Vacuum. In: A. J. von Oettingen (Hrsg.): Abhandlungen über Thermometrie von Fahrenheit, Réaumur, Celsius (1724, 1730–1733, 1742) (= Ostwalds Klassiker der exakten Wissenschaften Nr. 57). Wilhelm Engelmann, Leipzig 1894, S. 6–11 (Digitalisat).
- Materiarum quarundam gravitates specficae, diversis temporibus ad varios scopes exploratae. In: Philosophical Transactions. Band 33, Nr. 383, 1724, S. 114–118 (doi:10.1098/rstl.1724.0022, JSTOR:103751).
- Specifische Gewichte einiger Substanzen, zu verschiedenen Zeiten zu verschiedenen Zwecken bestimmt. In: A. J. von Oettingen (Hrsg.): Abhandlungen über Thermometrie von Fahrenheit, Réaumur, Celsius (1724, 1730–1733, 1742) (= Ostwalds Klassiker der exakten Wissenschaften Nr. 57). Wilhelm Engelmann, Leipzig 1894, S. 12–14 (Digitalisat).
- Araeometri novi descriptio & usus. In: Philosophical Transactions. Band 33, Nr. 384, 1724, S. 140–141 (doi:10.1098/rstl.1724.0031, JSTOR:103760).
- Beschreibung und Gebrauch eines neuen Aräometers. In: A. J. von Oettingen (Hrsg.): Abhandlungen über Thermometrie von Fahrenheit, Réaumur, Celsius (1724, 1730–1733, 1742) (= Ostwalds Klassiker der exakten Wissenschaften Nr. 57). Wilhelm Engelmann, Leipzig 1894, S. 15–16 (Digitalisat).
- Barometri novi descriptio. In: Philosophical Transactions. Band 33, Nr. 385, 1724, S. 179–180 (doi:10.1098/rstl.1724.0041, JSTOR:103770).
- Beschreibung eines neuen Barometers (Hypsobarometer). In: A. J. von Oettingen (Hrsg.): Abhandlungen über Thermometrie von Fahrenheit, Réaumur, Celsius (1724, 1730–1733, 1742) (= Ostwalds Klassiker der exakten Wissenschaften Nr. 57). Wilhelm Engelmann, Leipzig 1894, S. 17–18 (Digitalisat).
Literatur
- Friedrich Klemm: Daniel Gabriel Fahrenheit. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 4. Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 746–747 (deutsche-biographie.de).
- Eugen von Lommel: Fahrenheit, Gabriel Daniel. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 6, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 535.
- Pieter van der Star (Hrsg.): Fahrenheit’s Letters to Leibniz and Boerhaave (= Nieuwe Nederlandse Bijdragen tot de Geschiedenis der Geneeskunde en der Natuurwetenschappen Band 10). Rodopi, Amsterdam 1983, ISBN 90-6203-586-8.
- Ernst Strehlke: Kurzer Lebensabriss von Daniel Gabriel Fahrenheit, geb. 24. Mai 1686, gest. 16. Septbr. 1736. In: Altpreußische Monatsschrift. Band 11, Königsberg i. Pr. 1874, S. 87–88.
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