Denis Jewgenjewitsch Kapustin

Denis Jewgenjewitsch Kapustin alias Denis Nikitin (russisch Денис Евгеньевич Капустин alias russisch Денис Никитин; * 6. März 1984 in Moskau) ist ein russischer Rechtsextremist, Hooligan und Kampfsportler sowie eine Führungsperson des Russischen Freiwilligenkorps (RDK), das nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im August 2022 entstand. Kapustin sieht sich selbst als Nationalist, der ein „ethnisch reines“ Russland anstrebt, und identifiziert sich nach eigener Aussage weder mit dem Neonazismus noch mit der White-Supremacy-Ideologie. Als Ziel seiner Gruppierung sieht er die Zersplitterung der Russischen Föderation in verschiedene Nachfolgestaaten.

Kindheit und Ausbildung

Denis Jewgenjewitsch Kapustin wurde 1984 in Russland geboren.

Im Oktober 2018 gab er sein Alter (bei seinem letzten Martial-Arts-Wettkampf in Ostritz) allerdings mit 30, d. h. sein Geburtsjahr als 1988, und damit vier Jahre jünger an. Auch seine angeblich jüdische Herkunft ist umstritten. Im Jahr 2001 kam er als 16-Jähriger mit seiner Familie als jüdischer Kontingentflüchtling nach Köln-Chorweiler, wo er Fußball spielte. Mitte der 2000er-Jahre sammelte er erste Gewalterfahrungen in der Ultras-Szene des 1. FC Köln. Er wandte sich danach dem Kampfsport zu. Sein Kampfname ist als der Sieger zu übersetzen (→ Nikita).

Karriere

2008 gründete er die Bekleidungsmarke White Rex. Das Mode-Label organisiert und unterstützt Kampfsportveranstaltungen in ganz Europa.

Kapustin ging wieder nach Russland zurück. Mit 26 Jahren, im Jahre 2010 wurde er Mitglied bei der „Jaroslawka“ im Umfeld von ZSKA Moskau. In Moskau entwickelte Kapustin sich zu einer Größe der noch weitaus brutaleren dortigen Hooligan-Szene. Es gibt Mutmaßungen, dass er der Anführer einer Gruppe russischer Hooligans war, die im Sommer 2016 an der Fußball-Europameisterschaft in Marseille Jagd auf Engländer gemacht und mehrere schwer verletzt hätten.

Gute Kontakte pflegte Kapustin zu Thorsten Heise und Tommy Frenck, auf dessen Rechtsrockfestival er 2017 im thüringischen Themar eine Rede hielt. Entstanden ist ein internationales Netzwerk im Kampfsport aktiver Rassisten, Hooligans und Neonazis. Zudem verfügte er durch seine Marke über Kontakte in die Fanszenen von Legia Warschau sowie Sparta Prag. Im Frühjahr 2018 trafen er und Olena Semenjaka beim MMA-Kampf in Kiew den Amerikaner Robert Rundo, Begründer des Rise Above Movement, mit dem er ab 2021 einen Podcast veröffentlichte.

2017 trat der 1,88 Meter große und 106 Kilogramm schwere Kampfsportler immer wieder als Sponsor von Kampfevents auf, mehrfach etwa in Rom, Lyon oder Athen. Seit 2017 ist in der Schweiz Florian Gerber, Vizechef der rechtsextremen „Partei National Orientierter Schweizer“ (PNOS), für Kapustins Onlinehandel verantwortlich. In der Oberpfalz betreibt Patrick Schröder, der auch das Onlineportal FSN betreibt, Kapustins Store. Im südkalifornischen Huntington Beach vertrieb der Rechtsextremist Robert Rundo bis 2018 über den Onlinestore The Right Brand Kapustins Bekleidungslinie.

Im Oktober 2018 hielt er beim „Kampf der Nibelungen“, einer von Neonazis organisierten Veranstaltungsreihe der Mixed Martial Arts (MMA), im sächsischen Ostritz eine Rede.

Die Polizei ermittelte regelmäßig gegen ihn wegen mutmaßlich krimineller Geschäfte in Osteuropa. 2019 erwirkten die Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen gegen ihn ein Einreiseverbot für den Schengen-Raum.

Ukrainekrieg, seit 2022

Kapustin, der ein Unterstützer des Euromaidan gewesen war, lebt angeblich seit 2017 in der Ukraine. Laut dem Spiegel hatte die in Köln lebende Mutter Kapustins 2019 erklärt, dass sich ihr Sohn in der Ukraine aufhalte. Er unterhielt oder unterhält auch Verbindungen zur Brigade Asow, die lange als Sammelbecken für ukrainische Neonazis galt. Nach Darstellung einiger Rechtsextremismusforscher soll er im Asow-Bataillon selbst aktiv gewesen sein und dort Veranstaltungen im Azov Reconquista Club organisiert haben. Kapustin soll auch Einfluss auf die ukrainische Kleidermarke SVA Stone – Perun gehabt haben, deren Kleidungsstücke durch die Nachahmung von Nazi-Symbolen auffallen. SVA Stone – Perun ist eng mit Asow verbunden.

Seit 2022 ist Kapustin eine Führungsperson des Russischen Freiwilligenkorps (RDK) in der Ukraine, das an der Seite der ukrainischen Streitkräfte gegen die Invasion des Landes durch Wladimir Putins Russland kämpft. Die russische Justiz wirft ihm vor, am 2. März 2023 einen Anschlag in der russischen Oblast Brjansk verübt zu haben. Laut Mediazona wurde gegen ihn ein Verfahren wegen Terroranschlags, Beteiligung an den Aktivitäten einer Terrororganisation und illegalen Sprengstoffhandels eröffnet. Im November 2023 war Kapustin von einem russischen Militärgericht, aufgrund von Verstößen gegen die Gesetze über die Veränderung des Staates sowie Terrorismus, in Abwesenheit zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Russland hat Kapustins RDK als Terrororganisation eingestuft. RDK verfolgt u. a. den Plan der Zersplitterung der Russischen Föderation in verschiedene Nachfolgestaaten.

Ab Mai 2023 trat Kapustin im Zusammenhang mit dem Angriff auf die Oblast Belgorod 2023 verstärkt in der Öffentlichkeit auf. Der kanadische Journalist Michael Colborne, der seit Jahren zu Kapustin recherchiert, hat sich skeptisch zur militärischen Schlagkraft des RDK geäußert. Er meint, dass sie „viel mehr daran interessiert zu sein scheinen, Social-Media-Inhalte zu erstellen als alles andere“.

In der Nacht zum 27. Dezember 2025 vermeldete der Telegram-Kanal des RDK, dass Kapustin bei einem Kampfeinsatz an der Front bei Saporischschja von einer FPV-Drohne getötet wurde. Am 1. Januar 2026 gab der Militärnachrichtendienst der Ukraine (HUR) bekannt, dass russische Geheimdienste zwar einen Angriff auf Kapustin in Auftrag gaben und angeblich mit umgerechnet einer halben Million US-Dollar finanzierten, der HUR jedoch darüber informiert war und so Kapustin habe retten können. Der Tod von Kapustin sei vorgetäuscht worden, um die Belohnung, die russische Geheimdienste für die Liquidierung Kapustins bereitstellten, zu erhalten. Das für den Tötungsauftrag bereitgestellte Geld hat der HUR eigenen Angaben zufolge beschlagnahmt.

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