Der Dom von Ancona ist die dem Hl. Judas Cyriacus gewidmete Kathedrale des römisch-katholischen Erzbistums Ancona-Osimo. Sie befindet sich in Ancona, der gleichnamigen Hauptstadt der Region Marken und Hafenstadt an der Adria in Mittelitalien. Die heutige Gestalt des Doms entstand zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert auf dem Gipfel des Guasco-Hügels erbaut, auf drei Seiten vom Meer umgeben; der Hügel war in griechischer Zeit die Akropolis der griechischen Kolonie Ankón, und dort stand ein der Aphrodite geweihter Tempel; der Grundriss entspricht dem Querschiff der heutigen Kirche. In römischer Zeit war der Tempel der Venus geweiht, einer Göttin, die mit Aphrodite gleichgesetzt wurde. Das archäologische Areal des Tempels befindet sich unter der Kathedrale.
Das markante Gebäude, Verschmelzung romanischer und byzantinischer Kunst, stellt einen Orientierungspunkt für Seefahrer dar und ist zugleich ein Aussichtspunkt für einen weiten Blick über Land und Meer.
Der romanische Bau ist nach Nordosten orientiert und erhebt sich über dem byzantinischen Grundriss eines griechischen (gleicharmigen) Kreuzes, das an den Querarmen von Apsiden geschlossen wird und über der Vierung von einer zwölfseitigen Kuppel gekrönt wird.
Geschichte
Auf den Ruinen des Venustempels wurde im 6. Jahrhundert eine Kirche errichtet, die ursprünglich dem Heiligen Laurentius geweiht war. Teile dieses Gebäudes sind erhalten, erkennbar an der Rosa-Tönung des Hausteins und dem gelblicheren Tuffstein, haben sich in Teilen der Querhauswände erhalten. Um das Jahr 1000 wurde die Kirche zur Kathedrale erhoben und aus diesem Grund erweitert.
Im ersten Jahrzehnt des 12. Jahrhunderts wurde das Gebäude umgebaut: Die Kathedrale erhielt die Form eines griechischen Kreuzes, und die vorherige Kirche wurde zum Querschiff der neuen, nach dem Wiederaufbau dem Hl. Judas Cyriacus gewidmet, dessen Reliquien man in den Neubau überführte. Der ursprüngliche Eingang wurde geschlossen, um Platz für die heutige rechte Apsis zu schaffen; Ein neuer Haupteingang wurde eröffnet, der zum Hafen hin ausgerichtet war, der Quelle des Wohlstands, den die Stadt nun genoss. Von besonderem Interesse sind die byzantinischen Relieftafeln aus dem Jahr 1189, die symbolische Szenen darstellen; sie wurden mit der Mastix-Einlegetechnik gefertigt. Der griechische Kreuzgrundriss und die byzantinischen Skulpturen zeugen von den intensiven Kontakten der Seerepublik Ancona und dem Byzantinischen Reich.
Im 13. Jahrhundert wurde eine neue Kuppel; im Inneren befinden sich vier byzantinische Basreliefs, die betende Engel darstellen und symbolisch die Stützfunktion des Bauwerks erfüllen. Im selben Jahrhundert. Im selben Jahrhundert errichtet und das mächtige Portalanlage gebaut. Das 14. Jahrhundert brachte eine Verlängerung des Chors, erkennbar an deutlichen Baufugen. 1926 erhielt die Kathedrale durch Papst Pius XI. zusätzlich den Titel einer Basilica minor verliehen.
Die starken Kriegszerstörungen wurden ab 1950 behoben, die Die hölzernen „Schiffsrumpf“-Decken wurden restauriert. Das Gebäude wurde 1951 feierlich wiedereröffnet.
Im Jahr 2000 wurde das tausendjährige Jubiläum der Kathedrale mit dem Besuch von Papst Johannes Paul II. gefeiert.
Fassade
Im Südwesten, mit Blick zum Hafen, wurde ab etwa 1200 vor die Querschnittfassade, eine mächtige Portalanlage gesetzt.
Sie entstand in zwei Phasen. Das fünfstufige Gewände wird von Archivolten überspannt, deren innere spitzer geformt sind. Auf ihren Reliefs sind am äußeren Bogen Christus mit Aposteln und anderen Heiligen eindeutig erkennbar.
Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde die Portalzone erneut erweitert, durch einen Vorbau (voltone) in Gestalt eines Tonnengewölbes aus rosa Marmor. Dessen tragende Säulen stützen sich auf lagernden Löwen. Sie haben symbolische Bedeutung: der Löwe rechts kämpft mit einem Basilisken, während der Löwe links einen Widder in seinen Klauen hält. Die Löwen der Kathedrale gelten als eines der Wahrzeichen der Stadt Ancona.
Zu den geografischen Besonderheiten Anconas gehören die Möglichkeit, bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang das Spiegelbild der Sonne im Meer zu bewundern und an besonders klaren Tagen die dalmatinischen Berge zu sehen; all dies ist vom Kathedralenportal aus möglich. Der Schweizer Historiker Jean de Sismondi schrieb 1838:
« Du portique [de la cathedrale], on découvre à droite, les montagnes neigeuses del la Dalmatie; à gauche, la côte riante et varieé, tandis que le soleil apparaît et se levè et se coucher dans les ondes. »
„Vom Säulengang des Doms aus sieht man rechts die schneebedeckten dalmatinischen Berge, links die lebhafte und abwechslungsreiche Küste, wenn die Sonne über den Wellen auf- und untergeht.“
Inneres
Der Innenraum ist geprägt durch basilikale Aufrissformen und die zentralisierende Wirkung des Längsschiffs, aufgrund der Anhebung der beiden Seitenarme. Die Erhöhung des Presbyteriums ist eine Eigenart, die als typische Tendenz der Architektur in den Marken gilt. Acht Säulen aus griechischem Marmor tragen das Mittelschiff. Die Querarme sind etwas höher gelegt.
Im rechten stammen einige Kapitelle in ravennatischem Stil von dem Vorgängerbau des vielleicht 6. Jahrhunderts, darunter befindet sich eine als Gedenkstätte genutzte Krypta; von hier aus kann man das archäologische Gebiet des Tempels der Aphrodite/Venus überblicken.
Im linken Seitenschiff des Längsarms befindet sich das Grabmal des seligen Franziskaners Girolamo Ginelli (1509). Es steht am Ende des linken Seitenschiffs und ist ein Werk des Renaissancekünstlers Giovanni Dalmata. Die poetische lateinische Inschrift erinnert an das zurückgezogene und kontemplative Leben des Franziskanermönchs.
Im linken Querschiff befindet sich die monumentale Kanzel, die 1739 von Luigi Vanvitelli entworfen wurde, um das Gemälde der Jungfrau Maria aus dem 17. Jahrhundert auszustellen, ein Objekt intensiver Volksverehrung. In der linken Krypta werden die Leichnam des Hl. Cyriakus bewahrt. Die byzantinischen Reliefs des linken Querschiffs zeigen (von links nach rechts):
- König David und die Verkündigungsmutter;
- den Erzengel Gabriel während der Verkündigung, und den Evangelisten Johannes;
- Jeremia und Habakuk;
- Hl. Cyriacus;
- zwei Phönixe einander zugewandt, mit ineinander verschlungenen Hälsen, auf einem neunarmigen Granatapfelbaum;
- einen Adler, der ein Kaninchen in seinen Fängen hält;
- zwei Pfauen mit gesenkten und geschlossenen Schwänzen, die Demut symbolisieren, einander mit zurückgewandten Köpfen auf einem dreiarmigen Baum zugewandt; dieses Bild wurde als Emblem der Universität Ancona gewählt;
- wei einander zugewandte Greifen auf einem siebenarmigen Baum mit Lilienblüten.
Weitere Zeugnisse der Sakralkunst (nicht nur aus dem Dom) zeigt das benachbarte Diözesanmuseum.
Literatur
- Jean Baptiste Louis Georges Seroux d’Agincourt: Histoire de l'art par les monuments. 1823 (französisch).
- Georg Kauffmann: Emilia-Romagna, Marken, Umbrien. Baudenkmäler und Museen (= Reclams Kunstführer Italien. Band 4; Reclams Universalbibliothek. Nr. 10206/10214). Reclam, Stuttgart 1971, ISBN 3-15-010206-5, S. 15–19; 3. Auflage. Ebenda 1987, ISBN 3-15-010206-5.
- Maria Luisa Polichetti (Hrsg.): San Ciriaco. La Cattedrale di Ancona. Genesi e sviluppo. Federico Motta Editore, 2003, ISBN 88-7179-353-6 (italienisch).
- Paolo Piva: Il Romanico nelle Marche. Jaca Book, 2012, ISBN 978-88-16-60487-2, Cattedrale di San Ciriaco ad Ancona (italienisch).
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