Die Dürre und Hitze in Europa 1540 war ein klimatisches Extremereignis mit vielfältigen Auswirkungen auf Naturräume und menschliche Gemeinschaften. In verschiedenen paläoklimatologischen Untersuchungen wurden die Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse mit Hilfe der historischen Klimatologie rekonstruiert und zum Teil in Bezug zu den gegenwärtigen und künftigen klimatischen Bedingungen gesetzt.
Überwiegend wird auf der Basis von historischen Aufzeichnungen in der Wissenschaft davon ausgegangen, dass es sich um eine elfmonatige Periode handelte, in deren Verlauf es in großen Teilen Europas nur spärlich oder so gut wie nicht regnete und es sich somit um eine Megadürre gehandelt haben könnte. Ausgelöst wurde das Ereignis von einem ungewöhnlich stabilen, die atlantischen Luftströmungen blockierenden Hochdruckgebiet (Omegalage), das besonders Mitteleuropa beeinflusste, während zur selben Zeit im westlichen Russland kühles Schauerwetter herrschte.
Historische Beschreibungen
Die Annahme einer Megadürre im Jahr 1540 wird vor allem durch mehr als 300 zeitgenössische Chroniken aus weiten Teilen Europas gestützt, die übereinstimmend die Auswirkungen einer lang anhaltenden Trockenheit und Hitze beschreiben, wie zum Beispiel ein ausgeprägtes Niederschlagsdefizit, den extrem niedrigen Pegel großer Flüsse, weiträumig auftretende Waldbrände, das Absinken des Grundwasserspiegels (wodurch Brunnen versiegten) sowie schwerwiegende Folgen für Landwirtschaft, Viehhaltung und Fischbestände. Als besonders belastbare Quelle gilt hierbei das umfangreiche Wettertagebuch des Rektors der Jagiellonen-Universität in Krakau, Marcin Biem, dessen Aufzeichnungen es ermöglichen, die Niederschlagsmengen im Krakauer Raum für das Jahr 1540 statistisch zu rekonstruieren.
Der Schweizer Historiker Christian Pfister, vorwiegend tätig auf den Forschungsfeldern Umweltgeschichte und historische Klimatologie, beschreibt die Ereignisse des Jahres 1540 in Mitteleuropa folgendermaßen:
- Elf Monate fiel damals praktisch kein Regen, „die Temperatur lag fünf bis sieben Grad über den Normalwerten des 20. Jahrhunderts, verbreitet muss die Temperatur im Hochsommer über vierzig Grad geklettert sein. Unzählige Waldgebiete in Europa gingen in Flammen auf, beißender Rauch trübte das Sonnenlicht, im ganzen Sommer 1540 wurde kein einziges Gewitter registriert. Schon im Mai wurde das Wasser knapp, Brunnen und Quellen fielen trocken, die Mühlen standen still, die Leute hungerten, das Vieh wurde notgeschlachtet.“ In Europa starben im Jahr 1540 schätzungsweise eine halbe Million Menschen, die meisten von ihnen an Durchfallerkrankungen.
- „Alles begann in Norditalien, mit einem Winter, der sich wie ein Juli anfühlte. Kein Tropfen fiel von Oktober 1539 bis Anfang April 1540. Dann griff die Dürre auf den Norden über.“ Der Juli brachte eine solche „Gluthitze, dass die Kirchen Bittgebete aussandten, während Rhein, Elbe und Seine trockenen Fußes durchwatet werden konnten. Dort, wo noch Wasser floss, färbte sich die warme Brühe grün“, Fische trieben tot mit dem Bauch nach oben. „Der Bodenseepegel sank auf Rekordniveau, Lindau war sogar mit dem Festland verbunden. Bald verdunstete das Oberflächenwasser vollständig, die Böden platzten auf, manche Trockenrisse waren so groß, dass ein Fuß darin Platz fand.“
- „Im Elsass blühten die Obstbäume erneut, in Lindau reichte es sogar für eine zweite Kirschernte. Am Bodensee […] war Wein irgendwann billiger als Wasser, und in Limoges ernteten die Winzer geröstete Trauben, aus denen sie Sherry-ähnlichen Wein gewannen, der […] schnell betrunken machte.“
- Im Schweizer Dorf Goldiwil „stiegen die verzweifelten Menschen sogar 500 Höhenmeter täglich auf und ab, nur um ein paar Bottiche Wasser aus dem Thunersee zu schöpfen.“
Witterungsverlauf
Laut der Chronik des Winzers Hans Stolz war es im elsässischen Guebwiller (Gebweiler) nach einem mäßig kalten Januar vom 10. Februar bis Mitte Juni weitgehend trocken. Etwas Regen fiel Anfang März. Im April und Mai blieb es fast durchwegs sonnig und sehr warm. Von Ende Juni bis zum 4. August herrschte brütende Hitze ohne einen Tropfen Regen. Im August und September regnete es mehrmals, aber nur wenig. Von Oktober bis Ende Dezember war es so warm wie im April, ganz ohne Frost oder Schneefall. Ähnliche Ergebnisse liefern die täglichen Aufzeichnungen des polnischen Wissenschaftlers und Theologen Marcin Biem in Krakau.
Die geschätzte Anzahl der Niederschlagstage und die Niederschlagsmenge für Mittel- und Westeuropa im Jahr 1540 liegt deutlich unter den 100-jährigen Minima der instrumentellen Messperiode für Frühling, Sommer und Herbst. Dieses Ergebnis wird durch unabhängige dokumentarische Belege über extrem niedrige Flussabflüsse und europaweite Wald- und Siedlungsbrände gestützt. Oliver Wetter und Co-Autoren schrieben 2014 in ihrer Zusammenfassung: „Wir haben festgestellt, dass ein Ereignis dieser Schwere von modernen Klimamodellen nicht simuliert werden kann.“ Im Gegensatz dazu kommt eine 2015 publizierte Studie anhand der Auswertung von Wachstumsringen verschiedener europäischer Baumarten zu dem Ergebnis, dass die durchgeführten Analysen keine Hinweise auf eine außergewöhnliche Dürreperiode im Jahresverlauf 1540 ergeben hätten. In ihrer Erwiderung wiesen die Autoren der erstgenannten Arbeit (Wetter et al.) darauf hin, dass Wachstumsringe heiße und trockene Extreme mitunter unvollständig oder verzögert wiedergeben, mit spezieller Betonung des Umstands, dass in neuerer Zeit bei klimatischen „Ausreißern“ öfters Diskrepanzen zwischen instrumentell ermittelten und dendrochronologischen Daten auftreten („Divergenz-Problem“). Eine 2016 veröffentlichte Publikation geht davon aus, dass die mittlere Sommertemperatur 1540 über den entsprechenden Durchschnittswerten der Zeitreihe 1966 bis 2015 lag und mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent auch die Hitzewelle des Sommers 2003 übertraf. In diesem Zusammenhang wurden auch die bestehenden Unsicherheiten hinsichtlich der bis dato zur Verfügung stehenden Daten erwähnt, die zuverlässige Temperaturrekonstruktionen für kurzfristig aufgetretene Anomalien während des letzten Jahrtausends erschweren.
Die Witterungskonstellation 1540 verzeichnet eine paradoxe Situation, da dieses Ausnahmejahr während der Kleinen Eiszeit auftrat, die ungefähr vom frühen 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts dauerte. Die Fragestellung einiger Studien zielt hingegen eher darauf ab, ob dieses singuläre Ereignis eine „Blaupause“ für die künftige klimatische Entwicklung in diesem geographischen Umfeld sein könnte. Laut mehreren wissenschaftlichen Arbeiten gibt es seit einigen Jahrzehnten weltweit eine deutliche Tendenz hin zur Ausbildung von warmen und trockenen Klimaten. Bei weiter zunehmender Erwärmung wird sehr wahrscheinlich auch in Mitteleuropa ein Verschwinden bestehender und die Etablierung neuer Klimazonen eintreten – ähnlich wie dies 1540 zumindest im Ansatz kurzzeitig Wirklichkeit wurde.
Andauernde Hitze
Die monatlichen und jahreszeitlichen Temperaturdifferenzen zur Periode 1961–1990 in Deutschland, der Schweiz und in den tschechischen Ländern beruhen auf ausführlichen Beobachtungen von (Kultur) pflanzen (Phänologie) Kirschbäume standen um den 10. April in Vollblüte. Einen Monat später waren die Kirschen reif. Vor dem 10. Juni endete die Rebenblüte. Die ersten reifen Trauben wurden in Zürich schon einen Monat später gepflückt, was einem Vegetationsvorsprung von 4–5 Wochen entspricht. Rekordtemperaturen wurden im April, Mai und Juli verzeichnet. Im letzteren Monat wurden möglicherweise Maxima von über 40 °C erreicht Anfangs September blühten die Kirschbäume erneut und im Oktober standen in Lindau am Bodensee in Blüte. Um diese Zeit pflückte man nochmals reife Kirschen. Die warme Witterung hielt bis zum Jahresende an. Um Weihnachten (am 6. Januar nach dem heute gültigen gregorianischer Kalender) schwammen in Basel einige Burschen über den Rhein, was darauf hindeutet, dass die Wassertemperaturen auf Grund der anhaltenden Wärme und den rekordtiefen Wasserständen um diese Zeit wesentlich höher waren als heute.
Hydrologische Dürre
Das Extremereignis wird durch 48 Berichte über Wald- und Siedlungsbrände und 86 Berichte über den extrem niedrigen Pegel großer Flüsse, das völligen Austrocknen kleinerer Flüsse und das Versiegen von Brunnen und Quellen gestützt. Kleinere Flüsse, Bäche und Quellen trockenen völlig aus. Fussbreite Trockenrisse klafften in den Böden auf. Im 500 Meter über dem Thunersee gelegenen Dorf Goldiwil mussten die Menschen Nacht für Nacht Wasser mit Tragtieren aus dem See holen Mittelgroße Flüsse wie die Mosel verkamen zu nahezu stagnierenden Rinnsalen. Nahe der belgischen Stadt Lüttich suchten Kühe Abkühlung und Tränke im warmen Wasser des Flusses. Das Wasser der Mosel und der Oder war mit toxischen Grünalgen verseucht (Algenblüte). Große Mengen an sterbenden Fischen (meist europäische Äsche) wurden im Schweizer Mittelland von Hand gefangen. Im ausgetrockneten Bett des Flüsschens Suhre im Kanton Luzern grub man 1,5 Meter tief nach Wasser, ohne einen Tropfen zu finden. Die völlige Austrocknung kleinerer Wasserläufe und der niedrige Wasserstand größerer Flüsse in Verbindung mit hohen Wassertemperaturen dürfte den Fischbestand empfindlich geschmälert haben.
Die Alpengletscher reichten 1540 noch bis in die Täler hinunter. Sie dürften in diesem Jahr auf Grund der längeren Dauer der Hitze und den äußerst geringen Niederschlägen mehr an Eismasse eingebüßt haben als im Hitzesommer 2003, wo sie 5 bis 10 % ihres Volumens verloren.
Weinlese
Anfangs August waren die Weintrauben in vielen Lagen reif, aber die Beeren waren vertrocknet, weshalb viele mit der Traubenlese auf einen Regen warteten, der um den 20. September erfolgte. Die verspätete Weinlese ergab eine große Menge preisgünstigen, honigsüßen Weins, der selbst weniger Wohlhabende zu übermäßigem Alkoholkonsum verleitete. Der zeitgenössische Chronist Hermann von Weinsberg schrieb in seinem autobiografischen Tagebuch, dass viele Menschen in Köln „wie Schweine“ sturzbetrunken in den Gossen und hinter den Hecken lagen.
In Würzburg wurde der sogenannte Kaiserwein gelesen, um zumindest einen Rest der verloren geglaubten Ernte zu retten, die großteils aus geschrumpften und vertrockneten Beeren bestand. Dies erwies sich im Rückblick als glücklicher Umstand: Die Qualität des 1540er Würzburger Stein war eine der besten des vergangenen Jahrtausends und wahrscheinlich mit der einer heutigen Trockenbeerenauslese vergleichbar. Die letzte Flasche dieser Rarität lagert im Würzburger Bürgerspital zum Heiligen Geist und kann dort im Rahmen von Führungen besichtigt werden.
Weitere phänologische Beobachtungen, umgerechnet nach gregorianischem Kalender: Die Kirschbäume standen um den 10. April bereits in voller Blüte. Die Kirschen wurden Ende Mai reif. Die Reben waren vor dem 10. Juni verblüht. Schon einen Monat später waren in Zürich die ersten Trauben reif, was einem Vegetationsvorsprung von vier bis fünf Wochen entspricht.
Aus der Stadt Münden liegt eine Beschreibung vor, wonach der 1540er Jahrgang des herzoglichen Weinbergs am Questenberg als „so vortrefflich“ bezeichnet wird, dass man ihn ausländischen Weinen vorzog.
Stadtbrände
Im Jahr 1540 gab es, für ein Jahr ohne größere Kriegsschäden, eine ungewöhnlich große Zahl an Stadtbränden, die bis in das 19. Jahrhundert nur auf dem Höhepunkt des Dreißigjährigen Krieges übertroffen wurde. Insgesamt sind aus diesem Jahr 33 Stadtbrände auf deutschem Gebiet verzeichnet. In Einbeck beispielsweise war das Krumme Wasser, ein durch die Stadt fließender Bach, wahrscheinlich ausgetrocknet. Am Annentag, den 26. Juli 1540jul., brach der Stadtbrand von Einbeck aus. Bei ihm wurde die ganze Stadt vernichtet und zwischen 100 und 500 Menschen starben. Die Brände fanden in einer Zeit politisch-religiöser Konflikte um die Reformation statt. In vielen Fällen wurde vermutet, dass Brandstiftung Ursache der Feuersbrünste gewesen war, vermeintlich antiprotestantisch motiviert. Oft wurden Fahrendes Volk und Bettler als Sündenböcke verdächtigt, es gab eine regelrechte Brandstifter-Paranoia. Das Jahr 1540 wurde auch als „Mordbrenner-Jahr“ bekannt.
Daten und Methoden
Die Dürre und Hitze in Europa 1540 wurde mit Hilfe der historischen Klimatologie untersucht. Herangezogen wurde auch das „Palgrave Handbook of Climate History“, das einen Überblick über die verfügbaren Methoden und Daten bietet und die klimatischen und sozioökonomischen Entwicklungen nach Epochen und Kontinenten zusammenfasst.
Die jahreszeitliche Rekonstruktion der Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse in Mitteleuropa beruht vor dem späten 18. Jahrhundert auf Schätzungen aus der historischen Klimatologie. Diese werden aus narrativen Wetterberichten gewonnen, die Proxyinformationen wie Beobachtungen von (Kultur)pflanzen (Phänologie) in der warmen Jahreszeit sowie solche von vereisten Gewässern, der Schneebedeckung und gelegentlicher Frühlingsvegetation enthalten. Die narrativen Wetterberichte und die Proxy Daten werden in Form eines saisonalen Index zusammengefasst. Der Pfister-Index ist der am häufigsten verwendete Temperatur- und Niederschlagsindex. Er umfasst sieben Klassen auf einer Skala von −3 bis +3, die Abweichungen von einem Referenzzeitraum im 20. Jahrhundert anzeigen. Schätzungen der Temperatur und des Niederschlags werden anhand eines statistischen Vergleichs von Indexdaten und Messwerten gewonnen. Petr Dobrovolny vom Geographischen Institut der tschechischen Masaryk-Universität in Brünn und seine Mitarbeiter haben 2010 monatliche, jahreszeitliche und jährliche Temperaturschätzungen seit 1500 auf der Grundlage von Temperaturindizes und Messwerten aus Deutschland, der Schweiz und Tschechien publiziert.
Zum Niederschlag hielt der Schweizer Reformator und Wissenschaftler Heinrich Bullinger zusammenfassend fest, dass es zwischen Februar und Ende September 1540 in Zürich nie einen ganzen Tag oder eine ganze Nacht lang regnete. Vier Chronisten im Schweizer Mittelland führten über den Zeitpunkt, teilweise selbst über die wahrgenommene Ergiebigkeit des Niederschlags Buch. Im polnischen Krakau hat der Wissenschaftler und Theologe Marcin Biem das tägliche Wetter festgehalten. Anhand ihrer Angaben sind die monatlichen Niederschlagsmengen für das Schweizer Mittelland und für Krakau mit Modellrechnungen geschätzt worden. Der minimale Wasserstand des Rheins und der Elbe sowie der des Bodensee im Jahr 1540 ist anhand der Quellen mit neueren, durch Messungen belegten Extremwerten verglichen worden.
Klimahistorische Untersuchung
2013 ergab eine klimahistorische Untersuchung. dass die Temperatur im Sommer 1540 wahrscheinlich höher lag als im Hitzesommer 2003. 1540 lagen die geschätzten Jahrestemperaturen, die höchsten zwischen 1500 und 1999, um 2,4 °C (± 0,39 °C) höher als 1961–1990. Der Sommer 1540 war statistisch ein Ausreißer; denn die folgenden 4 Sommer waren kalt. Vereinzelte Hitzesommer waren in der Kleinen Eiszeit vor 1720 relativ häufig, weitgehend als Folge einer wiederholten starken Austrocknung der Böden in heiß-trockenen Frühjahren. Die Sommer 1531 bis 1540 waren im Durchschnitt ebenso warm wie jene in der Periode 1961–1990.
Die geschätzte Anzahl der Niederschlagstage und die geschätzte Niederschlagsmenge für Mittel- und Westeuropa im Jahr 1540 lag unter den 100-jährigen Minima der instrumentellen Messung im Frühling, Sommer und Herbst. Die Auswertung der täglichen Beobachtungen im polnischen Krakau liefert ein vergleichbares Ergebnis. Die anhand eines Modells geschätzten Niederschlagsmengen waren im Frühjahr, Sommer und Herbst deutlich geringer als die Minima im 20. Jahrhundert. Der Jahresniederschlag, unter Annahme durchschnittlicher Verhältnisse im Winter, betrug rund einen Viertel der mittleren Werte im 20. Jahrhundert. Jener für das 900 km entfernte Krakau liegt in derselben Größenordnung Die geschätzte jährliche Niederschlagsmenge ist die niedrigste, die jemals zwischen 1500 und 2024 in Mitteleuropa gemessen oder geschätzt wurde. Ein solches Ereignis kann mit Klimamodellen nicht simuliert werden.
Der herbstliche Abfluss großer Flüsse wie des Rheins in Basel und Köln und jener der Elbe in Meißen wurde anhand von ausführlichen Beschreibungen auf 10 % der mittleren Abflussmengen von Mai bis Oktober geschätzt. Man konnte diese damals noch mäandrierenden Flüsse stellenweise zu Pferd oder zu Fuß durchwaten. Am Ende des Jahres 1540 war der Hochrhein auf den niedrigsten je verzeichneten Stand gesunken, wie aus einer Niedrigwassermarke hervorgeht.
Wissenschaftliche vergleichende Diskussion
Der Hitzesommer 2003 galt lange als historisch einmalig seit dem Mittelalter. Doch ist diese Einschätzung relativiert worden. Der Hitzesommer 2015 war ähnlich intensiv, aber länger andauernd und räumlich ausgedehnter als jener von 2003; ebenso der Sommer 2018. Im Weiteren hat sich gezeigt, dass das extrem frühe Weinlesedatum des Jahres 2003 in der Schweiz als bürokratischer Fake zu betrachten ist, da er auf einem vom Präfekten angeordneten unrealistisch frühen Termin für das gesamte Departement beruhte. Anhand von Angaben in der Schweizer Lokalpresse lässt sich belegen, dass der frühe Lesebeginn 2003 mit jenem im Jahr 1540 vergleichbar ist.
Eine 2016 veröffentlichte Publikation geht davon aus, dass die mittlere Sommertemperatur 1540 die Hitzewelle in Europa 2003 mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent auch übertraf. In diesem Zusammenhang wurden auch die bestehenden Unsicherheiten hinsichtlich der bis dato zur Verfügung stehenden Daten erwähnt, die zuverlässige Temperaturrekonstruktionen für kurzfristig aufgetretene Anomalien während des letzten Jahrtausends erschweren. Mit der Zuverlässigkeit der Niederschlagsrekonstruktion hat sich die Forschung bisher nicht auseinandergesetzt. Eine 2015 publizierte Studie kommt anhand der Auswertung von Wachstumsringen verschiedener europäischer Baumarten (Dendrochronologie) zu dem Ergebnis, dass die durchgeführten Analysen keine Hinweise auf eine außergewöhnliche Dürreperiode im Jahresverlauf 1540 ergeben hätten. In ihrer Erwiderung wiesen die Autoren der erstgenannten Arbeit (Wetter et al.) darauf hin, dass Wachstumsringe heiße und trockene Extreme mitunter unvollständig oder verzögert wiedergeben, mit spezieller Betonung des Umstands, dass in neuerer Zeit bei klimatischen „Ausreißern“ öfters Diskrepanzen zwischen instrumentell ermittelten dendroklimatischen Daten auftreten („Divergenz-Problem“. 2015 veröffentlichte der US-amerikanische Klimatologe Edward Cook zusammen mit 54 Kollegen eine Synthese der schweren Dürren in der Alten Welt (Afrika und Eurasien). Sie beruht vor allem auf Daten von Baumringen (Paläoklimatologie). Die räumliche Dimension der Dürre von 1540 (Abb. 2) deckt sich weitgehend mit den Witterungsberichten von zeitgenössischen Chronisten.
Für das Extremjahr 1540 lassen sich die vielfältigen Folgen der Hitze- und Dürre auf Menschen und Umwelt durch eine Fülle von ausführlichen Berichten in lokalen Chroniken rekonstruieren.
Siehe auch
- Dürre in Europa 1473
- Hitzewelle in Europa 2003
- Dürre und Hitze in Europa 2018
- Liste von Wetterereignissen in Europa
Literatur
- Rüdiger Glaser: Klimageschichte Mitteleuropas – 1200 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen, Darmstadt 2001 (3. Auflage 2008), S. 108.
- Christian Pfister, Heinz Wanner: Klima und Gesellschaft in Europa. Die letzten tausend Jahre. Bern, Haupt, 2021, ISBN 978-3-258-08182-3
wikipedia, wiki, enzyklopädie, buch, bibliothek, artikel, lesen, kostenlos herunterladen, Informationen über Dürre und Hitze in Europa 1540, Was ist Dürre und Hitze in Europa 1540? Was bedeutet Dürre und Hitze in Europa 1540?