Francisco de Goya

Francisco José de Goya y Lucientes (* 30. März 1746 in Fuendetodos bei Saragossa; † 16. April 1828 in Bordeaux) war ein spanischer Künstler. Sein Werk umfasst Tafel- und Wandmalerei, Zeichnung sowie druckgrafische Techniken wie Radierung, Aquatinta und Lithografie. Ab 1789 war er als Hofmaler (Pintor de Cámara) für den spanischen Königshof tätig. Franciso de Goyas künstlerische Entwicklung reicht von spätbarocken und rokokohaften Anfängen über den Neoklassizismus bis zu einer eigenständigen Bildsprache am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert. Goyas Œuvre umfasst mehrere hundert Gemälde und Wandmalereien, zahlreiche Zeichnungen sowie mehrere hundert druckgrafische Blätter. Ein großer Teil davon gelangte in das Museo del Prado in Madrid, weitere Bestände sind in europäischen und nordamerikanischen Sammlungen zu finden. Aufgrund der hohen Nachfrage nach seinen Arbeiten kam es im 19. Jahrhundert zu zahlreichen Fehlzuschreibungen.

Leben

Francisco de Goya wurde als Sohn des Vergolders Braulio José Goya und der aus Saragossa stammenden Gracia Lucientes geboren. Er war eines von mehreren Kindern der Familie. Über seine frühe Schulbildung ist wenig gesichert, doch möglicherweise besuchte er eine Schule der Piaristen. Seine künstlerische Ausbildung begann er vermutlich in Saragossa in der Werkstatt des Malers José Luzán y Martínez. Im Jahr 1763 hielt er sich in Madrid auf und bewarb sich erfolglos um ein Stipendium der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando. Auch eine erneute Bewerbung im Jahr 1766 blieb erfolglos. In den Jahren 1770/71 reiste er auf eigene Kosten nach Italien. In Rom arbeitete er unabhängig von akademischen Institutionen und beschäftigte sich mit der Kunst der Renaissance und des Barock.

1771 nahm er an einem Wettbewerb der Akademie von Parma teil. Für sein Gemälde Aníbal que por primera vez mira Italia desde los Alpes erhielt er eine Auszeichnung. Nach seiner Rückkehr nach Spanien arbeitete Goya zunächst in Saragossa, unter anderem an Fresken für die Kartause Aula Dei. 1775 wurde Goya nach Madrid berufen, um für die Real Fábrica de Tapices de Santa Bárbara Kartons für königliche Wandteppiche zu entwerfen. In mehreren Serien entstanden unter anderem Jagdszenen für El Escorial, Darstellungen von Volksfesten und Spielen am Manzanares für El Pardo sowie allegorische und genreartige Szenen. Zu den bekannten Blättern dieser Zeit zählen La nevada, El quitasol und La gallina ciega. 1780 wurde Goya als Mitglied in die Real Academia de Bellas Artes de San Fernando aufgenommen; als Aufnahmewerk reichte er ein Cristo crucificado ein. Parallel zu seiner Arbeit an den Tapisserien etablierte sich Goya in den 1780er Jahren als Porträtmaler. Er schuf Bildnisse von Angehörigen des Hochadels, Politikern und Vertretern des aufgeklärten Bürgertums. Zu seinen Werken zählen Porträts des Infanten Don Luis de Borbón und seiner Familie, des Premierministers José Moñino, Conde de Floridablanca, sowie der Herzöge von Osuna.

1786 wurde Goya zum Hofmaler ernannt und 1789 zum Pintor de Cámara. 1795 übernahm er das Amt des Direktors der Malereiklasse der Akademie und wurde 1799 gemeinsam mit Mariano Salvador Maella zum ersten Hofmaler ernannt. Im Bereich der religiösen Kunst schuf Goya unter anderem Altarbilder für die Kirche San Francisco el Grande in Madrid wie San Bernardino de Siena predicando ante Alfonso V de Aragón sowie Werke für Kirchen und Klöster in Valladolid und Valencia. Im Jahr 1798 malte er im Auftrag Karls IV. die Fresken in der Madrider Ermita de San Antonio de la Florida, welche Szenen aus dem Leben des heiligen Antonius von Padua zeigen. Eine schwere Erkrankung in den Jahren 1792/93, die zu seiner dauerhaften Taubheit führte, beeinflusste seine weitere Arbeit. In der Folge entstanden zahlreiche kleinformatige Gemälde auf Metall, die Goya selbst als Werke des capricho y invención bezeichnete. Darunter befinden sich Darstellungen von Irrenanstalten, Überfällen, Bränden, Schiffbrüchen und Gefängnisszenen. In den 1790er Jahren schuf Goya zahlreiche Porträts von Adligen, Künstlern, Intellektuellen und Stierkämpfern. Zu den bekanntesten zählen die Bildnisse der Herzogin von Alba, der Condesa de Chinchón, der Schauspielerin María del Rosario Fernández (La Tirana) sowie von Gaspar Melchor de Jovellanos und Leandro Fernández de Moratín.

Im Jahr 1800 entstand das großformatige Gruppenporträt La familia de Carlos IV., das die königliche Familie in einem Innenraum zeigt. Auf dem Bild hat sich der Maler selbst im Hintergrund verewigt. Weitere Porträts aus dieser Zeit sind das Bildnis von Manuel Godoy, Príncipe de la Paz, sowie mehrere Reiterporträts des Königspaars. Zu Goyas bekanntesten Gemälden zählen La maja desnuda und La maja vestida, die vermutlich für Manuel Godoy entstanden sind. Beide Werke zeigen dieselbe unbekannte Frau liegend auf einem Kanapee, einmal nackt, einmal bekleidet. Die Identität des Modells ist nicht gesichert.

Neben der Malerei entwickelte Goya ein umfangreiches druckgrafisches Werk. Bereits seit den 1770er Jahren fertigte er Radierungen an, darunter Reproduktionen nach Gemälden von Diego Velázquez. Im Jahr 1799 veröffentlichte er die 80-teilige Folge Los Caprichos, die in den Techniken Radierung und Aquatinta ausgeführt ist. Die Serie behandelt gesellschaftliche, moralische und religiöse Themen in satirischer und allegorischer Form. Blatt Nr. 43 mit dem Titel El sueño de la razón produce monstruos (Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer) wurde zu einem der bekanntesten Motive seines grafischen Werks. Im Jahr 1803 nahm Goya die Serie aus dem Verkauf und übergab die Druckplatten der spanischen Krone. Die Ereignisse des Spanischen Unabhängigkeitskriegs (1808–1814) verarbeitete Goya in Zeichnungen, in der Radierfolge Los desastres de la guerra sowie in den 1814 entstandenen Gemälden Dos de Mayo und Tres de Mayo. In den Los desastres de la guerra werden Gewalttaten, Hunger und Repressionen ohne heroisierende Darstellung gezeigt. Nach der Rückkehr Ferdinands VII. im Jahr 1814 blieb Goya formal Hofmaler und lebte weiterhin in Madrid. In den folgenden Jahren entstanden die Radierfolgen La Tauromaquia und Los disparates (auch Los proverbios genannt), die erst posthum veröffentlicht wurden.

Um 1819 erwarb er ein Landhaus am Manzanares, die Quinta del Sordo, deren Wände er mit Ölbildern ausmalte, die heute als Pinturas negras bekannt sind. Die zwischen 1819 und 1823 entstandenen vierzehn Wandbilder zeigen düstere Szenen und Figuren, darunter Saturno devorando a un hijo, Romería de San Isidro, Duelo a garrotazos und Perro semihundido. Die Werke wurden im 19. Jahrhundert von den Wänden abgenommen, auf Leinwand übertragen und gelangten überwiegend in den Besitz des Museo del Prado. Nach dem Ende des Trienio Liberal und dem Einmarsch französischer Truppen im Jahr 1823 verließ Goya Spanien. 1824 ließ er sich in Bordeaux nieder, wo er mit Leocadia Zorrilla und Familienangehörigen lebte. In dieser Zeit entstanden seine späten Zeichnungsalben sowie das Gemälde La lechera de Burdeos. Goya hielt sich 1826 und 1827 nochmals in Madrid auf, um seine Pensionierung zu regeln. Er starb am 16. April 1828 in Bordeaux. Ende des 19. Jahrhunderts wurden seine sterblichen Überreste nach Spanien überführt. Seit 1919 befindet sich sein Grab in der Ermita de San Antonio de la Florida in Madrid unter der von ihm selbst ausgemalten Kuppel.

Goyas Briefe an seinen Jugendfreund Martín Zapater sind erhalten geblieben. Sie enthalten wertvolle Informationen zu Goyas Leben und Werk.

Werk

Francisco de Goyas Werk umfasst die Bereiche Malerei, Zeichnung und Druckgrafik. Das malerische Werk von Francisco de Goya umfasst mehrere hundert Gemälde, die zwischen dem späten 18. und dem frühen 19. Jahrhundert entstanden. Es reicht von frühen religiösen und höfischen Auftragsarbeiten über Porträts des spanischen Hochadels bis hin zu großformatigen Historienbildern und den sogenannten Pinturas negras (Schwarzen Gemälden). Goyas Gemälde befinden sich heute überwiegend in staatlichen Museen, insbesondere im Museo Nacional del Prado in Madrid, sowie in internationalen Museen und Privatsammlungen.

Zu den bekanntesten Gemälden Goyas zählen unter anderem folgende Werke:

  • Das Schirmchen (El quitasol), 1777
; Entwurf für eine Wandteppichserie der königlichen Manufaktur Santa Bárbara, Madrid.
 Museo Nacional del Prado, Madrid.
  • Karl IV. von Spanien und seine Familie, 1800–1801
; Gruppenporträt der spanischen Königsfamilie.
 Museo Nacional del Prado, Madrid.
  • Die nackte Maja (La maja desnuda), um 1797–1800
; weiblicher Akt unbekannter Auftraggeberschaft.
 Museo Nacional del Prado, Madrid.
  • Die bekleidete Maja (La maja vestida), um 1800–1805
; vermutlich als Gegenstück zur Maja desnuda entstanden.
 Museo Nacional del Prado, Madrid.
  • Der 2. Mai 1808 (La carga de los mamelucos – Der Angriff der Mamelucken), 1814
; Darstellung der Ereignisse des Madrider Volksaufstands gegen napoleonische Truppen.
 Museo Nacional del Prado, Madrid.
  • Der 3. Mai 1808 (El Tres de Mayo), 1814
; Historiengemälde zur Repression nach dem Aufstand von 1808.
 Museo Nacional del Prado, Madrid.
  • Saturn verschlingt seinen Sohn (Saturno devorando a su hijo), um 1819–1823
, Öl auf Putz, später auf Leinwand übertragen; Teil der Pinturas negras (Schwarzen Gemälde) aus der Quinta del Sordo.
 Museo Nacional del Prado, Madrid.
  • Der Hexensabbat (El aquelarre), um 1797–1798
; Darstellung eines Hexensabbats im Rahmen einer Bilderserie für die Herzöge von Osuna.
 Museo Nacional del Prado, Madrid.
  • Die Schmiede (La fragua), um 1815–1820
; Genreszene mit arbeitenden Schmieden.
 Museo Nacional del Prado, Madrid.

Pinturas negras

Als Pinturas negras werden 14 Wandmalereien bezeichnet, die Francisco de Goya zwischen etwa 1819 und 1823 in der Quinta del Sordo ausführte. Die Quinta del Sordo war ein Landhaus am westlichen Stadtrand von Madrid, das Francisco de Goya 1819 erwarb. Das Gebäude lag am Ufer des Manzanares und trug seinen Namen bereits vor Goyas Erwerb. Goya bewohnte das Haus bis zu seiner Ausreise aus Spanien im Jahr 1824. Nach seiner Abreise ging das Anwesen in den Besitz seiner Familie über. Im späten 19. Jahrhundert wurden die Wandmalereien aus dem Gebäude entfernt. Das Haus selbst wurde später abgerissen. Goya ließ die Innenwände des Hauses mit großformatigen Wandmalereien versehen. Diese Gemälde waren nicht öffentlich zugänglich und offenbar nicht für einen Auftraggeber bestimmt.

Die Gemälde sind direkt auf den verputzten Innenwänden des Hauses entstanden. Sie wurden mit Ölfarbe ausgeführt. Eine zeitgenössische Dokumentation oder Titelvergabe durch Goya ist nicht überliefert; die heute gebräuchlichen Titel wurden später vergeben. Die Darstellungen zeigen unter anderem Einzelfiguren, Gruppen und allegorische Szenen. Häufig wiederkehrende Themen sind Alter, Gewalt, religiöse Rituale, Aberglaube und menschliche Abgründe. Zu den bekanntesten Motiven zählen Saturn verschlingt seinen Sohn, Der Hexensabbat und Zwei Alte beim Essen. Die Malereien zeichnen sich durch eine stark reduzierte Farbpalette aus, in der Schwarz-, Braun- und Ockertöne dominieren. Die Figuren sind meist grob modelliert, mit sichtbarem Pinselauftrag. Die Wandbilder wurden im 19. Jahrhundert auf Leinwand übertragen, was mit erheblichen Veränderungen der Oberfläche und der Farbwirkung verbunden war. Heute befinden sich die erhaltenen Werke im Museo del Prado.

Druckgrafiken

Zu seinen graphischen Hauptwerken zählen die Serien Los Caprichos (1799), Los desastres de la guerra (ab 1810 entstanden, 1863 veröffentlicht) und La Tauromaquia (1816) sowie die späten Lithografien Toros de Burdeos (1825).

Los Caprichos

Los Caprichos ist eine Folge von Radierungen und Aquatinten. Die Serie erschien 1799 in Madrid und umfasste ursprünglich 80 Blätter. Die Arbeiten entstanden in den Jahren vor 1799, teilweise bereits Mitte der 1790er Jahre. Vorstudien finden sich in mehreren Zeichenalben Goyas, darunter den sogenannten Alben von Sanlúcar und Madrid. Die Drucke wurden in Aquatinta- und Radiertechnik ausgeführt. Goya veröffentlichte die Folge anonym über einen Buchhändler in Madrid. Kurz nach Erscheinen zog er die Serie aus dem freien Verkauf zurück. Später übergab er die Kupferplatten sowie Abzüge an die spanische Krone.

Die Blätter thematisieren menschliche Verhaltensweisen, soziale Missstände und Formen des Aberglaubens. Wiederkehrende Motive sind Hexen, Tiere mit menschlichen Eigenschaften, groteske Figuren sowie Szenen aus dem Alltagsleben. Die Darstellungen sind nicht auf konkrete Personen oder Ereignisse bezogen. Goya erklärte in der zeitgenössischen Ankündigung, die Serie richte sich gegen allgemeine menschliche Schwächen und Irrtümer. Die Drucke wurden überwiegend in Aquatinta mit Radierung hergestellt. Frühdrucke unterscheiden sich deutlich von späteren Auflagen. Die Kupferplatten blieben erhalten; spätere Editionen wurden im 19. Jahrhundert gedruckt. Bereits kurz nach ihrem Erscheinen riefen die Caprichos unterschiedliche Reaktionen hervor, darunter anonyme Erläuterungen und Kommentare.

Los desastres de la guerra

Los desastres de la guerra ist eine Folge von Radierungen und Aquatinten, teilweise ergänzt durch Kaltnadel. Die Serie entstand ab etwa 1810 im Zusammenhang mit dem Spanischen Unabhängigkeitskrieg und wurde erst 1863, postum, veröffentlicht. Die Druckgrafiken entstanden während und nach den militärischen Auseinandersetzungen zwischen Spanien und den napoleonischen Truppen. Goya arbeitete unabhängig von einem offiziellen Auftrag. Die Serie umfasst 82 Blätter.

Die Darstellungen zeigen Gewalt, Hinrichtungen, Hunger, Verwundungen, das Elend der Zivilbevölkerung und die Folgen politischer Repression. Die dargestellten Szenen sind nicht an konkrete historische Ereignisse oder Personen gebunden. Textlegenden ergänzen einzelne Blätter. Die erste vollständige Ausgabe erschien 1863 durch die Real Academia de Bellas Artes de San Fernando.

Los Disparates

Die Druckgrafiken Los Disparates (auch Proverbios) entstanden vermutlich zwischen etwa 1815 und 1823, wurden jedoch erst 1864 postum veröffentlicht. Die Grafiken entstanden in Goyas später Schaffensphase, nach dem Ende des Spanischen Unabhängigkeitskrieges. Die Blätter wurden zu seinen Lebzeiten weder veröffentlicht noch eindeutig betitelt. Über Umfang, Reihenfolge und endgültige Konzeption der Serie liegen keine zeitgenössischen Aussagen Goyas vor. Die Zeichnungen und Druckplatten entstanden teilweise parallel zu anderen späten grafischen Arbeiten, darunter den letzten Blättern der Los desastres de la guerra.

Die Serie umfasst 22 bekannte Blätter. Die heute gebräuchlichen Titel wurden erst im 19. Jahrhundert vergeben. Die alternative Bezeichnung Proverbios geht auf frühe Katalogisierungen zurück. Die Drucke wurden überwiegend in Radierung und Aquatinta ausgeführt. Teilweise wurden Kaltnadel und andere grafische Verfahren eingesetzt. Die Darstellungen zeigen figurative und szenische Motive ohne eindeutig identifizierbare Handlung oder zeitgenössische Zuordnung. Wiederkehrend sind Gruppenfiguren, nächtliche Szenen, Maskierungen sowie ungewöhnliche Körperhaltungen. Die erste Veröffentlichung erfolgte 1864 durch die Real Academia de Bellas Artes de San Fernando. Spätere Editionen erschienen im späten 19. und im 20. Jahrhundert.

La Tauromaquia

La Tauromaquia ist eine Folge von Radierungen, die 1816 veröffentlicht wurde. Die Serie entstand nach dem Ende des Spanischen Unabhängigkeitskrieges. Goya griff damit ein Thema auf, das ihn bereits zuvor in Zeichnungen und Gemälden beschäftigt hatte. Die Folge umfasst 33 Hauptblätter sowie mehrere Ergänzungsblätter. Die Drucke wurden überwiegend in Radierung und Aquatinta ausgeführt. Dargestellt werden Szenen aus der Geschichte und Praxis des Stierkampfes, darunter frühe Formen, berühmte Toreros sowie Unfälle und tödliche Ereignisse. Die Darstellungen sind nicht als zeitgenössische Dokumentation einzelner Kämpfe zu verstehen. Die erste Ausgabe erschien 1816. Spätere Auflagen wurden im 19. Jahrhundert hergestellt. Die Kupferplatten sind erhalten.

Toros de Burdeos

Toros de Burdeos ist eine Serie von Lithografien von Francisco de Goya, die in den Jahren 1824–1825 in Bordeaux entstand. Die Arbeiten entstanden während Goyas Aufenthalt im französischen Exil. Die Lithografien wurden in der Druckerei von Cyprien Gaulon ausgeführt. Die Serie besteht aus vier großformatigen Blättern. Goya verwendete die damals noch neue Technik der Lithografie, die er zuvor bereits in Madrid erprobt hatte. Dargestellt sind Szenen des Stierkampfes, darunter Angriffe, Unfälle und dynamische Bewegungen von Mensch und Tier. Die Blätter unterscheiden sich in Technik und Wirkung deutlich von Goyas früheren Radierfolgen. Die Toros de Burdeos zählen zu Goyas letzten grafischen Arbeiten.

Gemälde (Auswahl)

  • 1777: Der Sonnenschirm
  • 1783: Bildnis der María Teresa de Borbón y Vallabriga, National Gallery of Art, Washington
  • 1784: Familie des Infanten Don Luis, Fondazione Magnani-Rocca, Parma
  • um 1786: Bildnis der Marquesa de Pontejos, National Gallery of Art, Washington
  • 1786–1787: Riña de gatos, Museo del Prado, Madrid
  • 1787–1788: Manuel Osorio Manrique de Zúñiga, Metropolitan Museum of Art, New York
  • 1792: Die Strohpuppe, Museo del Prado, Madrid
  • 1794: Der Schiffbruch, Sammlung Marqués de la Romana, Madrid
  • 1797–1798: Flug der Hexen (Vuelo de brujas), Museo del Prado, Madrid
  • 1797–1800: Die nackte Maja (La maja desnuda), Museo del Prado, Madrid
  • 1798: Porträt des Asensio Julià, Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid
  • 1800: Bandit ermordet eine Frau (Bandido asesinando a una mujer), Sammlung Marqués de la Romana, Madrid
  • 1800: Bildnis der María Teresa de Borbón y Vallabriga, Museo del Prado, Madrid
  • 1800–1801: Die Familie Karls IV. (La familia de Carlos IV), Museo del Prado, Madrid
  • 1801: Bildnis der María Luisa de Borbón y Vallabriga, Uffizien, Florenz
  • 1802: Don José Queraltó als spanischer Armee-Arzt, Neue Pinakothek, München
  • 1802–1805: Die bekleidete Maja (La maja vestida), Museo del Prado, Madrid
  • 1804–1805: Porträt der Doña Isabel de Porcel, National Gallery, London
  • 1808–1812: Der Maibaum, Alte Nationalgalerie, Berlin (Zuschreibung nicht gesichert)
  • 1808–1812: Die gerupfte Pute, Neue Pinakothek, München
  • 1808–1812: Die Wasserträgerin, Szépművészeti Múzeum, Budapest
  • 1811: Zwei Majas auf einem Balkon, Metropolitan Museum of Art, New York
  • 1812: Der Duke of Wellington, National Gallery, London
  • 1812: Das Irrenhaus, Academia de San Fernando, Madrid
  • 1812–1819: Das Begräbnis der Sardine (El entierro de la sardina)
  • 1815: Die Junta der Philippinen, Musée Goya, Castres, sowie Gemäldegalerie Berlin (Zuschreibung nicht gesichert)
  • 1814: Die Erschießung der Aufständischen (El tres de mayo), Museo del Prado, Madrid
  • 1819: Die letzte Kommunion des Hl. Josef von Calasanza, San Antonio Abad
  • 1820: Selbstbildnis mit Dr. Arrieta, Minneapolis Institute of Arts
  • 1820–1823: Pinturas negras, Museo del Prado, Madrid: Saturn, einen seiner Söhne verschlingend; Hund, El Tío Paquete
  • um 1827: Milchmädchen von Bordeaux, Museo del Prado, Madrid

Das Werk Der Koloss (El Coloso) von 1808–1810, ausgestellt im Museo del Prado, Madrid, wurde lange als eines seiner Werke angesehen. Die Urheberschaft war schon lange umstritten; die neuen Erkenntnisse durch das Prado-Museum lassen den Schluss zu, dass Der Koloss ein Werk des Goya-Schülers Asensio Juliá sein müsste.

Rezeption

Kunst

Viele nachfolgende Künstler, besonders Maler, haben Werke von Goya nachempfunden, bildnerisch interpretiert oder sich in Form einer Hommage mit dem Meister auseinandergesetzt. Für die Entwicklung des Realismus in der Kunst, zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, war Goyas Werk ebenfalls prägend.

Die britischen Künstlerbrüder Jake und Dinos Chapman beziehen sich in vielen Werken auf Goya.

Es ist mit besonderer Berücksichtigung der Themen Konfrontation und Intervention auf die Ausstellung Max Bill meets Goya aus dem Jahre 1997 im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen in Zusammenarbeit mit dem Museum für Moderne Kunst München hinzuweisen. Gezeigt wurde von Max Bill aus dem Sammlungsbestand des Wilhelm-Hack-Museums das Werk Konstruktion aus sechs Rechtecken aus dem Jahre 1956 und ein großer Teil der Los Caprichos. Auf der Vorderseite der Einladungskarte war die Nr. 1 mit Goyas berühmten Selbstbildnis zu sehen, auf der Rückseite das Werk von Max Bill. Die Kuratoren der Ausstellung waren Richard W. Gassen und Hans-Peter Porzner.

Denkmäler

  • Francisco-de-Goya-Denkmal in Madrid
  • Francisco-de-Goya-Denkmal in Saragossa

Literatur

  • Goya. Les Caprices. Edition Cercle d’Art, Paris, 1960 (mit Texten von Miroslav Míčko)
  • Regina Gade: „de mi invención“?. Francisco de Goya im Dienst der spanischen Monarchie von 1775 bis 1792. Utzverlag, München 2015, ISBN 978-3-8316-4485-8.
  • Jean Claude Carrière, Miloš Forman: Goyas Geister. dtv, München 2007, ISBN 3-423-24590-5.
  • Lion Feuchtwanger: Goya oder der arge Weg der Erkenntnis. 1951. ISBN 3-937572-09-0.
  • Heinrich Heil: Solo Goya. Erzählung. In: Frau und Hund. Hrsg. Markus Lüpertz. Nr. 4. 2004. S. 431–440. ISBN 3-937572-09-0.
  • Jacek Dehnel: Saturn. Schwarze Bilder der Familie Goya. Roman. Hanser-Verlag, München 2013, ISBN 978-3-446-24328-6.
  • Richard Muther, Francisco de Goya, ABOD 2006, Hörbuch, ISBN 3-8341-0177-X.

Musik

  • Enrique Granados:
    • Goyescas. Klavierzyklus, der durch die Bilder Goyas inspiriert wurde; 1911
    • Goyescas. Oper, teilweise Bearbeitung des gleichnamigen Klavierzyklus, Libretto: Fernando Periquet; 1915
  • Mario Castelnuovo-Tedesco: 24 Caprichos de Goya op. 195 für Gitarre solo, 1961
  • Hans Werner Henze: Los Caprichos – Fantasia per Orchestra, 1963
  • Gian Carlo Menotti: Goya. Oper. Uraufgeführt 1986
  • Michael Denhoff: Desastres de la guerra. Orchesterbilder nach Goya, 1983 / Los disparates. Skizzen nach Goya für Trio basso, 1988
  • Maury Yeston: Goya: A Life in Song. Musical. Uraufgeführt 1988.
  • Ruth Zechlin: Wider den Schlaf der Vernunft – Aphorismus für Orgel, 1989 / nach der Radierung von Goya Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer. Uraufgeführt durch die Komponistin Oktober 1989 in Ost Berlin
  • Michael Nyman: Facing Goya. Oper, 2000
  • Helmut Oehring: Goya II-Yo Lo Vi, Memoratorium für Soli, Chor, Elektronik und Orchester, uraufgeführt Oktober 2008, Philharmonie Berlin
  • Arne Jansen: The Sleep of Reason. Ode to Goya, durch die Bilder Goyas inspirierter Jazz, CD 2013

Film

(geordnet nach Entstehungsjahr)

  • Goya. Dokumentarfilm. 18 min. 1948.
  • Goya. Zweiteiliger Fernsehfilm des WDR, 115' + 95', Buch und Regie: Wilhelm Semmelroth. 1969.
  • Goya. Verfilmung von Lion Feuchtwangers Roman. DDR/UdSSR, Regie: Konrad Wolf. 1971.
  • Goya, historia de una soledad. Regie: Nino Quevedo. 1971.
  • Desastres de la Guerra. Sechsteilige Fernsehserie. Spanien. Regie: Mario Camus García. 1983.
  • Goya. Regie: Carlos Saura. 1999.
  • Volavérunt. Regie: Bigas Luna. 1999.
  • Goyas Geister. Regie: Miloš Forman. 2006.
  • Goya, the Secret of the Shadows, ein Dokumentarfilm von David Mauas, Spanien, 2011, 77'
  • Francisco de Goya. Der Schlaf der Vernunft. Dokumentarfilm, Regie: José Luis López-Linares, Produktion: LIGNE DE FRONT/MONDEX ET CIE, ARTE F, Frankreich, 52 Minuten, 2017

Der spanische Filmpreis Goya ist nach Francisco de Goya benannt.

Astronomie

  • 1976 wurde ein Merkurkrater nach ihm benannt.
  • 1996 wurde der Asteroid (6592) Goya nach ihm benannt.

Sonstige Benennungen

  • Goya (Schiff, 1940)

Literatur

  • Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. Herausgegeben von De Gruyter, Verlag De Gruyter, 2009.
  • Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 6: Gémignani – Herring. Paris, 2006.
  • Francisco de Goya, Briefe an Martin Zapater. Übersetzt von Eva Fritz und Otmar Binder, herausgegeben und eingeleitet von Herwig Zens. Weitra Verlag publication PN°1 Bibliothek der Provinz o. J. (2004)
  • Francisco de Goya: Träume und Alpträume – Briefe, aus dem Spanischen von Christiane Quandt, mit zahlreichen farbigen Abbildungen, Ripperger & Kremers, Berlin 2021, ISBN 978-3-943999-57-0.
  • Birgit Aschmann: Francisco de Goya (1746–1828). Der erste politische Maler der Moderne. In: Eine andere Geschichte Spaniens. Schlüsselgestalten vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Böhlau, Köln 2022, ISBN 978-3-412-52557-6, S. 287–306.
  • Jeannine Baticle: Francisco de Goya – Höfling und Rebell, Maier, Ravensburg 1992, ISBN 3-473-51024-6.
  • Werner Busch: Goya, München: Beck 2018 (C.H. Beck Wissen; 2520), ISBN 978-3-406-72755-9.
  • Pierre Gassier, Juliet Wilson: Goya: Leben und Werk, Fribourg (Schweiz) 1971 dt.: Benedikt-Taschen-Verlag, Köln, 1994, ISBN 3-8228-9125-8.
  • José Gudiol: Goya, Bongers, Recklinghausen 1991, ISBN 3-7647-0417-9.
  • Jutta Held: Goya, Rowohlt, Reinbek, 8. Aufl. 2005, ISBN 978-3-499-50284-2.
  • Ursula Hennigfeld (Hrsg.): Goya im Dialog der Medien, Kulturen und Disziplinen, Rombach, Freiburg 2013, ISBN 978-3-7930-9737-2.
  • Bernhard Heuken: Francesco Goya: Las Pinturas Negras, Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät der Rheinischen Friedrich Wilhelms Universität zu Bonn, 1974.
  • Julius Hofmann: Francisco de Goya: Katalog seines graphischen Werkes, Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, 1907.
  • Werner Hofmann: Goya. Vom Himmel durch die Welt zur Hölle, C. H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-54177-1; Rezension von Jörg Traeger in: Zeitschrift für Kunstgeschichte Band 70, 2007, S. 131–138.
  • Robert Hughes: Goya : Der Künstler und seine Zeit, Blessing, München 2004, ISBN 3-89667-205-3.
  • Helmut C. Jacobs: Der Schlaf der Vernunft. Goyas Capricho 43 in Bildkunst, Literatur und Musik, Schwabe, Basel 2006, ISBN 3-7965-2261-0.
  • Helmut C. Jacobs: Die Rezeption und Deutung von Goyas Werk in der Lyrik. Edition der internationalen Bildgedichte. Unter Mitarbeit von Sonja Bader, Mark Klingenberger und Peter Petrowski, Königshausen & Neumann, Würzburg 2015 (= Meisterwerke der spanischen Kunst im Kontext ihrer Zeit, 2), ISBN 978-3-8260-5802-8.
  • Helmut C. Jacobs, Mark Klingenberger, Nina Preyer: Die handschriftlichen Kommentare zu Goyas Caprichos. Edition, Übersetzung, Deutung, Königshausen & Neumann, Würzburg 2017 (= Meisterwerke der spanischen Kunst im Kontext ihrer Zeit, 4), ISBN 978-3-8260-6199-8.
  • Helmut C. Jacobs, Nina Preyer: Goyas Caprichos in handkolorierten Radierungen aus dem 19. Jahrhundert. Edition, Analyse, Deutung, Königshausen & Neumann, Würzburg 2019 (= Meisterwerke der spanischen Kunst im Kontext ihrer Zeit, 6), ISBN 978-3-8260-6656-6.
  • Helmut C. Jacobs, Nina Preyer: Goya für alle – Einführung in die Caprichos, Königshausen & Neumann, Würzburg 2019 (= Meisterwerke der spanischen Kunst im Kontext ihrer Zeit, 8), ISBN 978-3-8260-6845-4.
  • Helmut C. Jacobs: Francisco de Goya und sein Werk im Kontext der Zeit. (= Goya-Studien, Bd. 1). Königshausen & Neumann, Würzburg 2024, ISBN 978-3-8260-8682-3.
  • Helmut C. Jacobs: Die Rezeption Goyas in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien und Italien (= Goya-Studien, Bd. 2). Königshausen & Neumann, Würzburg 2024, ISBN 978-3-8260-8683-0.
  • Helmut C. Jacobs: Die Rezeption Goyas in Spanien und Lateinamerika (= Goya-Studien, Bd. 3). Königshausen & Neumann, Würzburg 2024, ISBN 978-3-8260-8790-5.
  • Fred Licht: Goya, the Origins of the Modern Temper in Art. Palgrave Macmillan, 1979, ISBN 978-0-87663-294-9.
  • Franz Maciejewski: Die Torheiten des Francisco Goya – Prosagedichte zu den Disparates. Helmut C. Jacobs: Goyas Disparates – eine Einführung, Königshausen & Neumann, Würzburg 2019 (= Meisterwerke der spanischen Kunst im Kontext ihrer Zeit, 5), ISBN 978-3-8260-6682-5.
  • Sigrun Paas-Zeidler: Goya – Radierungen. Hatje, Stuttgart 1978, ISBN 3-7632-2331-2.
  • Wilhelm Salber: Undinge. Goyas schwarze Bilder. Köln 1994, ISBN 978-3-88375-201-3.
  • Janis A. Tomlinson, Francisco Calvo Serraller (Hrsg.): Goya – Images of Women. National Gallery of Art, Washington, D.C. 2002, ISBN 978-0-89468-293-3 (Digitalisat).
  • Jörg Traeger: Goya. Die Kunst der Freiheit. Beck, München 2000, ISBN 3-406-46672-9.
  • Gerlinde Volland: Männermacht und Frauenopfer. Sexualität und Gewalt bei Goya. Reimer, Berlin 1993, ISBN 3-496-01105-X.
  • Bodo Vischer: Goyas Stillleben. Das Auge der Natur (= Studien zur internationalen Architektur- und Kunstgeschichte. Band 37). Imhof Verlag, Petersberg 2005.
  • Anna Reuter/José Manuel Matilla: Goya. The Complete Prints (englisch/deutsch/spanisch), TASCHEN, Köln, 2025, ISBN 978-3-8365-8151-6

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