Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist eine internationale Auszeichnung, die der Börsenverein des Deutschen Buchhandels einmal im Jahr an eine Persönlichkeit vergibt, „die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat.“

Die Verleihung des mit 25.000 Euro dotierten Friedenspreises findet jährlich anlässlich der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche in Frankfurt am Main statt. Die Ehrung im Rahmen der größten Buchmesse der Welt findet stets internationale Beachtung. Erster Preisträger war im Jahr 1950 der deutsch-norwegische Schriftsteller und Verleger Max Tau. Bei der bislang letzten Preisverleihung, am 19. Oktober 2025, wurde der Historiker und Essayist Karl Schlögel für seine Arbeiten über Russland und die Ukraine ausgezeichnet.

Der Friedenspreis geht auf die Initiative weniger Schriftsteller und Verleger im Jahr 1949 zurück und wurde zunächst als „Friedenspreis deutscher Verleger“ in Hamburg verliehen. Seit 1951 ist er eine Auszeichnung der gesamten Buchbranche. Im Jahr 1972 wurde er erstmals auch postum verliehen. Die Preisträger werden vom Stiftungsrat bestimmt, abgesehen von der ersten Verleihung 1950, als es noch keinen Stiftungsrat gab, sodass der Vorstand des Börsenvereins Max Tau als Preisträger auswählte. Vorschläge können von jedermann kommen, müssen aber hinreichend begründet und belegt sein.

Stiftungsrat

Mitglieder des Stiftungsrats (Stand 3. Dezember 2023):

  • Klaus Brinkbäumer (Mitteldeutscher Rundfunk, Leipzig)
  • Raphael Gross (Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum, Berlin)
  • Moritz Helmstaedter (Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt am Main)
  • Nadja Kneissler (Delius Klasing Verlag, Hamburg)
  • Ethel Matala de Mazza (Humboldt-Universität zu Berlin)
  • Bascha Mika (ehem. Frankfurter Rundschau)
  • Mithu M. Sanyal (Schriftstellerin, Kulturwissenschaftlerin und Journalistin)
  • Christine Schulz-Rother (Buchhändlerin, Berlin)
  • Karin Schmidt-Friderichs (Verlag Hermann Schmidt, Mainz), seit 2020 Vorsteherin des Börsenvereins, Vorsitzende des Stiftungsrates.

Preisträger

Direkt zu Jahrzehnt: 19501960197019801990200020102020

Der Preis wurde bislang 74-mal vergeben, darunter vierzehn mal an eine Frau (Stand: 2024).

Jahr Preisträger Laudator Titel der Dankesrede
1950 Max Tau Adolf Grimme Die Friedensbücherei
1951 Albert Schweitzer Theodor Heuss Dann dürfen wir hoffen
1952 Romano Guardini Ernst Reuter Der Friede und der Dialog
1953 Martin Buber Albrecht Goes Das echte Gespräch oder Möglichkeit des Friedens
1954 Carl Jacob Burckhardt Theodor Heuss Heimat
1955 Hermann Hesse Richard Benz
1956 Reinhold Schneider Werner Bergengruen Der Friede der Welt
1957 Thornton Wilder Carl Jacob Burckhardt Kultur in einer Demokratie
1958 Karl Jaspers Hannah Arendt Wahrheit, Freiheit und Friede
1959 Theodor Heuss Benno Reifenberg
1960 Victor Gollancz Heinrich Lübke
1961 Sarvepalli Radhakrishnan Ernst Benz
1962 Paul Tillich Otto Dibelius Grenzen
1963 Carl Friedrich von Weizsäcker Georg Picht Bedingungen des Friedens
1964 Gabriel Marcel Carlo Schmid Der Philosoph und der Friede
1965 Nelly Sachs Werner Weber
1966 Augustin Bea und Willem Adolf Visser ’t Hooft (zusammen) Paul Mikat
1967 Ernst Bloch Werner Maihofer Widerstand und Friede
1968 Léopold Sédar Senghor François Bondy Die Versöhnung der Gegensätze
1969 Alexander Mitscherlich Heinz Kohut Über Feindseligkeit und hergestellte Dummheit
1970 Alva Myrdal und Gunnar Myrdal (zusammen) Karl Kaiser
1971 Marion Gräfin Dönhoff Alfred Grosser Zur Konvergenztheorie
1972 Janusz Korczak (posthum) Hartmut von Hentig
1973 Club of Rome Nello Celio
1974 Frère Roger keine Laudatio keine Dankesrede
1975 Alfred Grosser Paul Frank Die Bundesrepublik, der internationale und der innere Friede
1976 Max Frisch Hartmut von Hentig Wir hoffen
1977 Leszek Kołakowski Gesine Schwan Erziehung zum Haß, Erziehung zur Würde
1978 Astrid Lindgren Hans-Christian Kirsch und Gerold Ummo Becker Niemals Gewalt!
1979 Yehudi Menuhin Pierre Bertaux Was ist Friede?
1980 Ernesto Cardenal Johann Baptist Metz
1981 Lew Kopelew Marion Gräfin Dönhoff Die Waffen des Wortes nie ruhen lassen
1982 George F. Kennan Carl Friedrich von Weizsäcker Warum denn nicht Friede?
1983 Manès Sperber (erkrankt, von Alfred Grosser vertreten) Siegfried Lenz Leben im Jahrhundert der Weltkriege
1984 Octavio Paz Richard von Weizsäcker
1985 Teddy Kollek Manfred Rommel
1986 Władysław Bartoszewski Hans Maier Kein Frieden ohne Freiheit
1987 Hans Jonas Robert Spaemann Technik, Freiheit und Pflicht
1988 Siegfried Lenz Yohanan Meroz Am Rande des Friedens
1989 Václav Havel André Glucksmann Slovo o slovu – Ein Wort über das Wort
1990 Karl Dedecius Heinrich Olschowsky Das Buch als Wille und Vorstellung
1991 György Konrád Jorge Semprún Sondermeinungen eines Urlaubers
1992 Amos Oz Siegfried Lenz Friede und Liebe und Kompromiß
1993 Friedrich Schorlemmer Richard von Weizsäcker Den Frieden riskieren
1994 Jorge Semprún Wolf Lepenies
1995 Annemarie Schimmel Roman Herzog
1996 Mario Vargas Llosa Jorge Semprún Dinosaurier in schwierigen Zeiten
1997 Yaşar Kemal Günter Grass
1998 Martin Walser Frank Schirrmacher Erfahrungen beim Verfassen einer Sonntagsrede
1999 Fritz Stern Bronisław Geremek
2000 Assia Djebar Barbara Frischmuth Frankfurter Rede
2001 Jürgen Habermas Jan Philipp Reemtsma Glauben und Wissen
2002 Chinua Achebe Theodor Berchem Literatur und Frieden
2003 Susan Sontag Ivan Nagel
2004 Péter Esterházy Michael Naumann
2005 Orhan Pamuk Joachim Sartorius
2006 Wolf Lepenies Andrei Pleșu
2007 Saul Friedländer Wolfgang Frühwald
2008 Anselm Kiefer Werner Spies
2009 Claudio Magris Karl Schlögel
2010 David Grossman Joachim Gauck Nur Frieden wird Israel ein Zuhause und eine Zukunft geben.
2011 Boualem Sansal Peter von Matt Wer schreibt, trifft bereits eine Wahl.
2012 Liao Yiwu Felicitas von Lovenberg Dieses Imperium muss auseinanderbrechen
2013 Swetlana Alexijewitsch Karl Schlögel Warum bin ich in die Hölle hinabgestiegen?
2014 Jaron Lanier Martin Schulz Der „High-Tech-Frieden“ braucht eine neue Art von Humanismus
2015 Navid Kermani Norbert Miller Über die Grenzen – Jacques Mourad und die Liebe in Syrien
2016 Carolin Emcke Seyla Benhabib Anfangen!
2017 Margaret Atwood Eva Menasse Geschichten in der Welt
2018 Aleida Assmann und Jan Assmann Hans Ulrich Gumbrecht Wahr ist, was uns verbindet!
2019 Sebastião Salgado Wim Wenders Meine Sprache ist das Licht.
2020 Amartya Sen Burghart Klaußner Bücher und Freiheit
2021 Tsitsi Dangarembga Auma Obama Für die, die sich im Wal befinden: Wir brauchen eine neue Aufklärung
2022 Serhij Schadan Sasha Marianna Salzmann Lass es einen Text sein, aber nicht über den Krieg
2023 Salman Rushdie Daniel Kehlmann Wäre der Frieden ein Preis
2024 Anne Applebaum Irina Scherbakowa Gegen den Pessimismus
2025 Karl Schlögel Katja Petrowskaja Von der Ukraine lernen. Verhaltenslehren des Widerstands

Literatur

  • Stephan Füssel, Georg Jäger, Hermann Staub und Monika Estermann (Hrsg.): Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels 1825–2000. Ein geschichtlicher Aufriss. MVB GmbH, Frankfurt am Main 2000, ISBN 978-3-7657-2297-4.

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