Die Gossudarstwennoje polititscheskoje uprawlenije und die Objedinjonnoje gossudarstwennoje polititscheskoje uprawlenije (russisch Государственное политическое управление und Объединённое государственное политическое управление: Staatliche politische Verwaltung und Vereinigte staatliche politische Verwaltung, GPU und OGPU) waren von 1922 bis 1923 und von 1923 bis 1934 die Bezeichnungen der Geheimpolizei der Sowjetunion. Beide gingen 1934 im Volkskommissariat für innere Angelegenheiten (NKWD) auf. Die GPU und die OGPU waren Nachfolgeor der Tscheka und eine Vorläuferin des KGB.
Allgemein
Die von Felix Dserschinski im Auftrage Lenins am 20. Dezember 1917 gegründete Tscheka, die Außerordentliche Allrussische Kommission zur Bekämpfung der Konterrevolution, Spekulation und Sabotage, wurde für Massenerschießungen, Verhaftungen und Folterungen von „Klassenfeinden“ (politische Gegner, Menschewiki, Sozialrevolutionäre, bürgerliche Demokraten, Kleriker, Kosaken, Kulaken) sowie für die Durchführung von Deportationen in sowjetische Straf- und Arbeitslager (GULag-System) eingesetzt.
Anfang Februar 1922 wurde die Tscheka aufgelöst und aus ihr heraus am 8. Februar 1922 wurde die GPU gegründet. Deren Strukturen bauten auf der Tscheka auf und Dserschinski wurde auch der Chef der neu gebildeten Geheimpolizei. Nach Dserschinskis Tod trat W. R. Menschinski an dessen Stelle. Wie schon 1921 von der Tscheka angedacht, baute die GPU in Europa ein Agentennetz auf. Damit sollten der Chef der Spionageabwehr Artur Artusow, und der Leiter des Auslandsnachrichtendienstes, Meir Trillisser, die weiße Emigration zerschlagen, vor allem die von General Alexander Kutepow angeführte Russische All-Militärische Union.
Die GPU war unter anderem für die Aufdeckung sogenannter „Schädlingstätigkeit“ in sowjetischen Betrieben und für die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft (1929–1933) zuständig. Bis zur Zerschlagung der Linken Opposition in der UdSSR hatte die GPU keinerlei Befugnisse gegenüber der Partei und dem Staatsapparat. Parteimitglieder konnten erst nach ihrem Ausschluss aus der Partei verfolgt werden. Ab September 1927 konnte die GPU auch innerhalb der Partei und des Staatsapparates tätig werden. Gleichfalls ab September 1927 setzte der intensive Aufbau von GPU-Militäreinheiten ein, die die Armee kontrollieren sollten. Die bei ihrer Tätigkeit in großer Zahl anfallenden Häftlinge wurden in GPU-eigenen Lagern zur Zwangsarbeit eingesetzt, unter anderem zum Bau des Weißmeer-Ostsee-Kanals (ab 1931) und von Teilstrecken der Baikal-Amur-Magistrale.
1934 ging die OGPU unter G. G. Jagoda im neugebildeten NKWD auf. 1936 bis 1938 führte das NKWD den „Großen Terror“ durch, während dessen echte und vermeintliche Gegner Stalins massenhaft hingerichtet wurden. 1941 wurde die eigentliche Geheimpolizei vom NKWD abgetrennt unter der Bezeichnung Volkskommissariat für Staatssicherheit (NKGB) – 1946 in Ministerium für Staatssicherheit (MGB) umbenannt. Nach dem Tode Stalins und Lawrenti Berias wurde daraus 1953/54 das KGB.
Die sowjetischen Geheimdienste NKWD/MWD und Smersch führten ab 1945 in der SBZ in Anwendung des geheimen Befehls 00315 Massenverhaftungen gefährlicher Deutscher zwecks Einlieferung in Speziallager durch. Im deutschen Sprachgebrauch hießen die Dienste allgemein „GPU“. Die Bezeichnung war durch den Propagandafilm GPU von Karl Ritter aus dem Jahr 1942 populär. Die von den Sowjets meist in den Kellern von beschlagnahmten Wohnhäusern, Villen, Kasernen und Amtsgebäuden zur Unterbringung der Verhafteten eingerichteten Gefängnisse nannte der Volksmund daher „GPU-Keller“. Zentrale war das Kellergefängnis in Berlin-Hohenschönhausen, das „U-Boot“ genannt wurde.
Das Kürzel „GPU“ wurde von der ostdeutschen Bevölkerung sarkastisch als „Grotewohl-Pieck-Ulbricht“ aufgelöst sowie als „Grauen-Panik-Untergang“.
Literatur
- Alexander Solschenizyn: Der Archipel Gulag. Versuch einer künstlerischen Bewältigung. Scherz Verlag, Bern, 1973.
- Joseph Douillet: Moskau ohne Maske. Verlag für Kulturpolitik, Berlin, 1929.
- Alexandra Anzerowa: Aus dem Lande der Stummen. Bergstadtverlag, Breslau, 1936.
- Wiktor Krawtschenko: Ich wählte die Freiheit. E. Kaiser, Klagenfurt, 1949.
- Iwan Solonewitsch: Die Verlorenen. Essen, 1937.
- Jan Valtin: Tagebuch der Hölle. Aus dem Amerikanischen von Werner Krauss. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1957.
- Jonathan R. Adelman (Hrsg.): Terror and Communist Politics: The Role of the Secret Police in Communist States. Boulder, Co.: Westview Press 1984, ISBN 0-86531-293-1.
- George Leggett: The Cheka: Lenin’s Political Police. Oxford: Clarendon Press 1981, ISBN 0-19-822552-0.
- Douglas A. Drabik/Douglas H. Israel/Johnny Shumate: Soviet State Security Services 1917-46, London (Bloomsbury Publishing) 2022. ISBN 978-1-4728-4406-4. ISBN 978-1-4728-4408-8
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