Die Group of Thirty (oftmals abgekürzt mit G30) ist ein privates, internationales Gremium, bestehend aus führenden Personen aus dem Finanzwesen und der Wissenschaft. Sie veröffentlichen unter anderem Empfehlungen zur Aufsicht über die großen internationalen Finanzinstitutionen.
| Group of Thirty (G30) | |
|---|---|
| Rechtsform | Private Lobbyorganisation der Finanzwirtschaft |
| Gründung | 1978 |
| Gründer | Rockefeller-Stiftung |
| Sitz | 1726 M Street, NW, Suite 200 Washington, DC 20036 USA |
| Vorsitz | Tharman Shanmugaratnam (Vorsitzender des Kuratoriums), Raghuram G. Rajan (Vorsitzender), Guillermo Ortiz (Schatzmeister) |
| Umsatz | 815.469 US-Dollar (2023) |
| Website | www.group30.org |
Sie selbst sehen als ihr Ziel, das Verständnis der internationalen wirtschaftlichen und finanziellen Fragen zu vertiefen, Auswirkungen der politischen Entscheidungen zu untersuchen und politische Optionen für wichtige Fragen zu prüfen. Die Mitglieder treffen sich zweimal jährlich zur Erörterung der wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Entwicklungen. Die G30 wird von Stiftungen, Banken, Unternehmen, Zentralbanken, Fonds und Privatpersonen finanziert. Seinen Sitz hat das Gremium in Washington, D.C.
Die G30 wurden auch bezeichnet als die „30 mächtigsten Finanzbosse der Welt“.
Geschichte
Die Group of Thirty wurde 1978 von Geoffrey Bell auf Initiative der Rockefeller-Stiftung gegründet, die auch die ersten Mittel für das Gremium bereitstellte. Die Rockefeller-Stiftung ist eng mit dem privaten US-amerikanischen Elite-Think Tank Council on Foreign Relations (CFR) verwoben. Die legendären War and Peace-Studies des CFR, bei denen die Grundlagen für die „Organisation“ der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg erdacht wurden, die letztlich in Weltbank, Internationalen Währungsfonds (IWF), NATO und UNO mündeten, wurden 1939 von der Rockefeller-Stiftung ins Leben gerufen und mit 350.000 US-Dollar (entsprach 2015 ca. 6 Millionen US-Dollar) finanziert. Der erste Vorsitzende der Group of Thirty wurde Johan Witteveen, der ehemalige Präsident des Internationalen Währungsfonds.
Die Bellagio-Gruppe, die der österreichische Ökonom Fritz Machlup gegründet hatte, war eine Inspiration für die Gründung der Group of Thirty. Sie traf sich zum ersten Mal 1963, um die internationalen Währungsprobleme zu untersuchen, insbesondere die Zahlungsbilanzprobleme, denen Amerika in den frühen 1960er-Jahren gegenüberstand.
Mitglied der exklusiven Gruppe ist neben dem ehemaligen Präsidenten der Deutschen Bundesbank Axel A. Weber, der aus dem Young Leader-Programm des deutschen Elite-Netzwerkes Atlantik-Brücke stammende Bankmanager Gerd Häusler, bis 31. März 2014 Vorstandsvorsitzender der BayernLB. Häuslers Karriere beinhaltete Stationen beim IWF, der US-amerikanischen Investmentbank Lazard sowie der Dresdner Bank.
Mitglieder
Stand: 17. Januar 2026
- Daron Acemoglu – Wirtschaftswissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology
- Andrew Bailey – Governeur der Bank of England und zugleich Vorsitzender des Financial Stability Boards
- Agustín Carstens – ehemaliger Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, ehemaliger Präsident des Banco de México
- Mohamed A. El-Erian – Wirtschaftswissenschaftler an der Wharton School, Chefvolkswirt der Allianz SE
- Niall Ferguson – Wirtschaftswissenschaftler an der Hoover Institution und am Belfer Center for Science and International Affairs
- Arminio Fraga – Partner bei Gavea Investimentos, ehemaliger Präsident des Banco Central do Brasil
- Jane Fraser – Chair und CEO der Citigroup
- Jason Furman – Wirtschaftswissenschaftler an der Harvard University, ehemaliger Vorsitzender des Councils of Economic Advisers des US-Präsidenten Barack Obama
- Gita Gopinath – Wirtschaftswissenschaftlerin an der Harvard University, ehemalige Erste Stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF)
- Sergei Guriev – Dekan der London Business School
- Philipp Hildebrand – stellvertretender Vorsitzender von BlackRock, ehemaliger Präsident der Schweizerischen Nationalbank
- Gail Kelly – Verwaltungsratsmitglied der UBS, ehemalige CEO der australischen Bank Westpac
- Lesetja Kganyago – Gouverneur der South African Reserve Bank
- Klaas Knot – ehemaliger Präsident der De Nederlandsche Bank, ehemaliger Vorsitzender des Financial Stabilty Boards
- Joachim Nagel – Präsident der Deutschen Bundesbank, Mitglied des EZB-Rats
- Pan Gongsheng – Gouverneur der Chinesischen Volksbank, Direktoriumsmitglied der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich
- Raghuram Rajan – Wirtschaftswissenschaftler der Booth School of Business, ehemaliger Gouverneur der Reserve Bank of India, ehemaliger Chefökonom des Internationalen Währungsfonds
- Maria Ramos – Chair der Standard Chartered Bank, ehemalige CEO der südafrikanischen Absa
- Carmen Reinhart – Wirtschaftswissenschaftlerin an der Harvard Kennedy School, frühere Vizepräsidentin und Chefökonomin der Weltbank
- Hélène Rey – Wirtschaftswissenschaftlerin an der London Business School
- Tharman Shanmugaratnam – Präsident von Singapur, ehemals Vorsitzender der Monetary Authority of Singapore
- Tidjane Thiam – Präsident der Parti Démocratique de Côte d’Ivoire, ehemaliger CEO von Credit Suisse
- Adair Turner, Vorsitzender des Think Tanks Energy Transitions Commission und ehemaliger Leiter der Financial Services Authority
- Kazuo Ueda – Gouverneur der Bank of Japan
- Andrés Velasco – Dekan der School of Public Policy an der London School of Economics, ehemaliger Finanzminister von Chile
- Kevin Warsh – Wirtschaftswissenschaftler an der Hoover Institution, ehemaliger Gouverneur beim Federal Reserve System
- Axel A. Weber – Präsident des Centers for Financial Studies, ehemaliger Verwaltungsratspräsident der UBS (2021 bis Frühjahr 2022), ehemaliger Präsident der Deutschen Bundesbank
- John C. Williams – Präsident der Federal Reserve Bank of New York, ehemaliger Präsident der Federal Reserve Bank of San Francisco
- Yi Gang – Präsident der China Society for Finance and Banking, ehemaliger Gouverneur der Chinesischen Volksbank
Senior Members
- Abdulatif Al-Hamad – Vorsitzender des Arab Fund for Economic and Social Development, ehemaliger 'Minister of Finance and Planning' (Kuwait)
- Mario Draghi – ehemaliger Präsident der Europäischen Zentralbank, Vorstand in der Bank für internationalen Zahlungsausgleich
- William R. Rhodes – stellvertretender Vorsitzender der Citigroup
- Marina von Neumann Whitman – Professorin für Wirtschaftswissenschaften an der University of Michigan
Emeritierte Mitglieder
- Lord Richardson of Duntisbourne † – Ehrenvorsitzender
- Peter Kenen – leitender Wissenschaftler in Internationaler Ökonomie im Council on Foreign Relations
- Erik Hoffmeyer – ehemaliger Vorsitzender der Danmarks Nationalbank
- Shijuro Ogata – ehemaliger stellvertretender Gouverneur der Bank of Japan
- Richard A. Debs – Beiratsvorsitzender von Morgan Stanley
- Wilfried Guth – ehemaliger Vorstandssprecher der Deutschen Bank
- Sylvia Ostry – ausgezeichnete Forscherin an der University of Toronto
- Gerhard Fels – ehemaliger Direktor am Institut der deutschen Wirtschaft
- John G. Heimann – Beirat des Financial Stability Institute
- Toyoo Gyohten – Präsident des Institute for International Monetary Affairs
- Jacques de Larosière – Berater der BNP Paribas
- Warner Max Corden – australischer Ökonom
Andere ehemalige Mitglieder
Unter den ehemaligen Mitgliedern sind außerdem:
- Fritz Machlup † – österreichischer Ökonom
- Karl Otto Pöhl † – ehemaliger Präsident der Bundesbank
- Josef Ackermann – ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank
- Alan Greenspan – ehemaliger Vorsitzender des Federal Reserve Systems
- Andrew Crockett † – General Manager der Bank für internationalen Zahlungsausgleich
- Timothy F. Geithner – ehemaliger Finanzminister der Vereinigten Staaten, Council on Foreign Relations
- Tommaso Padoa-Schioppa †, Bankier und Volkswirt, Wirtschafts- und Finanzminister von Italien
Kritik
Ende Juli 2012 ist Beschwerde gegen EZB-Präsident und G30-Mitglied Mario Draghi von der Brüsseler Anti-Lobby-Gruppe Corporate Europe Observatory (CEO) eingelegt worden. Sie wirft dem EZB-Präsidenten einen Interessenkonflikt vor. Die Group of Thirty weise alle Charakteristika einer Lobbyorganisation für Großbanken auf. CEO befürchtete, dass Draghi dort seine Ansichten mit großen Investmentbanken abstimme. Durch seine Mitgliedschaft fehle dem EZB-Präsidenten die Unabhängigkeit, argumentierte die Anti-Lobby-Gruppe. In seinem Abschlussbericht befand der damalige EU-Bürgerbeauftragte Nikiforos Diamandouros, die G30 sei keine Lobbyorganisation. Daher sei Mario Draghis Mitgliedschaft legitim.
Nachdem die EZB die Zuständigkeit für die Bankaufsicht in Europa bekommen hatte, legte CEO erneut Beschwerde gegen die G30-Mitgliedschaft des EZB-Präsidenten ein, mit dem Argument, es befänden sich auch Vertreter von der EZB beaufsichtigter Banken in der Gruppe und was in der Gruppe vorgehe und besprochen werde, sei intransparent. In ihrem Abschlussbericht vom 3. Juli 2018 zu ihrer entsprechenden Untersuchung bestätigt die EU-Bürgerbeauftragte Emily O’Reilly die Kritik an der Mitgliedschaft Draghis. Eine solche Mitgliedschaft entspräche nicht der etablierten internationalen Praxis und kompromittiere die Unabhängigkeit der EZB. Sie kritisiert, dass die EZB sich weigere, ihrer Empfehlung Folge zu leisten, die Mitgliedschaft Draghis in der G30 zu beenden.
Die Group of 30, zu der unter anderem aktive und ehemalige Zentralbanker gehören, veröffentlicht unter anderem Empfehlungen zur Aufsicht über die großen internationalen Finanzinstitutionen. Es wurde kritisiert, dass die ehemaligen Zentralbanker jedoch inzwischen als Topmanager selbst bei eben diesen Finanzinstitutionen arbeiten.
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