Das Grand Egyptian Museum (arabisch المتحف المصري الكبير, DMG al-Matḥaf al-miṣrī al-kabīr ‚Großes Ägyptisches Museum‘) ist ein von 2009 bis 2024 erbautes archäologisches Museum westlich des ägyptischen Städtekomplexes Kairo/Gizeh, das Ausstellungsstücke des Alten Ägyptens zeigt. Es wurde am 1. November 2025 eröffnet und ist die Nachfolgeinstitution des Ägyptischen Museums von 1900.
| Daten | |
|---|---|
| Ort | Gizeh, Ägypten |
| Art | Aegyptiaca |
| Architekt | Gruppe Heneghan Peng, Dublin |
| Eröffnung | 1. November 2025 |
| Betreiber | |
| Leitung | Gihane Zaki |
| Website | |
Der Museums-Komplex umfasst eine Fläche von 50 Hektar und liegt etwa zwei Kilometer nordnordwestlich der Pyramiden in der Nekropole von Gizeh. Mit einer Grundfläche von 81.000 m² ist es das größte archäologische Museum der Welt.
Kritische Stimmen weisen jedoch auf die hohen Bauverzögerungen und -kosten hin, die immer wieder nach oben korrigiert wurden. Auch eine mögliche politische Einflussnahme wird kritisiert: Der ägyptische Präsident selbst hat den Museums-Vorstand inne.
Geschichte
Das 1900 erbaute Ägyptische Museum in Kairo am Tahrir-Platz war für die Ausstellung von etwa 5.000 Exponaten konzipiert. Da die Sammlung fortlaufend wuchs, besaß es zeitweise über 150.000 Exponate, die weder angemessen präsentiert noch angemessen gelagert werden konnten. Daher gab es bereits in den 1960er Jahren Pläne, den Altbau durch ein neues Gebäude in Gizeh in der Nähe der Pyramiden zu entlasten, die allerdings zunächst nicht realisiert wurden. Um noch mehr Platz zu erhalten, plante die Regierung dann zwei Museen: das Nationalmuseum der ägyptischen Zivilisation in Kairo und das Museum in Gizeh. 1993 wurde eine italienisch-ägyptische Machbarkeitsstudie durchgeführt, die auf die Pläne aus den 1960er Jahren zurückgriff und zu dem Ergebnis kam, dass das Bauland bei den Pyramiden für ein neues großes Ägyptisches Museum geeignet ist. Am 5. Januar 2002 legte der damalige ägyptische Präsident Husni Mubarak den symbolischen Grundstein.
Planung
Am 7. Januar 2002 wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben, für den 1557 Entwürfe aus 82 Ländern eingingen, was das Verfahren zum zweitgrößten Architekturwettbewerb der Geschichte machte. 20 Bewerber waren an der zweiten Runde des Wettbewerbs beteiligt, die am 2. Juni 2003 entschieden wurde. Shih-Fu Peng vom irischen Architektenbüro Heneghan Peng aus Dublin ging aus dem Wettbewerb als Sieger hervor und erhielt eine Prämie von 250.000 US-Dollar. Der zweite Platz ging an Coop Himmelblau. Héctor Vigliecca und Luciene Quel (Brasilien), Ruben Verdi (Italien), Michael Zimmermann, Engel und Zimmermann (Deutschland), Fernando Pardo Calvo y Bernardo Garcia Tapia, Nuno Filipe Morais Monteiro (Portugal) sowie Martin Roubik (Tschechische Republik) erhielten lobende Erwähnung. Zu den Vorarbeiten gehört, dass am 25. August 2006 die Statue Ramses’ II. vom Ramses-Bahnhof in Kairo zum Gizeh-Plateau transportiert wurde. Die etwa 3200 Jahre alte Statue wurde dort gereinigt und restauriert.
2007 erhielt der Museumsbau einen Kredit in Höhe von 300 Millionen Dollar von der Japanischen Bank für Internationale Zusammenarbeit. Ende August 2008 wurden von dem Architekturbüro Heneghan Peng, dem Ingenieurbüro Buro Happold und dem Ingenieurbüro für die Fassaden Arup rund 5.000 Planzeichnungen eingereicht, die für die Ausschreibung der verschiedenen Gewerke benötigt wurden. Die Angebote wurden zwischen 2009 und 2013 eingeholt.
Die Gesamtkosten für das Projekt wurden anfangs auf 550 Millionen US-Dollar geschätzt, davon wurden 300 Millionen US-Dollar durch japanische Kredite finanziert. Die verbleibende Summe wird vom ägyptischen Supreme Council of Antiquities sowie durch Spenden und internationale Geldgeber aufgebracht. Die Gesamtkosten stiegen laut Aussage des ehemaligen Direktors Tawfik auf über eine Milliarde Dollar.
Bau, Leitung
2009 wurde der Bau mit den Aushubarbeiten begonnen. Seit 2010 sind 17 Labore des GEM-Conservation-Center für die Restaurierung von antiken Stücken in Betrieb. Dort werden seitdem die künftigen Ausstellungsstücke restauriert.
Am 11. Januar 2012 erhielt ein Joint Venture zwischen der ägyptischen Baufirma Orascom Construction und der belgischen Besix den Zuschlag für die dritte Phase des Grand Egyptian Museum (GEM) im Wert von 810 Millionen Dollar. Durch den Arabischen Frühling und die daraus folgende Revolution in Ägypten 2011 und Staatskrise in Ägypten 2013/2014 wurden die Bauarbeiten jedoch verzögert.
Von August 2014 bis Januar 2019 war der deutsch-ägyptische Ägyptologe Tarek Tawfik Generaldirektor des Projektes „Grand Egyptian Museum“. Den Auftrag für die Ausstellungsgestaltung und Szenographie erhielt 2016 das Büro Atelier Brückner aus Stuttgart. Im Januar 2018 brachten Besix und Orascom die 82 Tonnen schwere, 3.200 Jahre alte Kolossalstatue von Ramses II. in das Grand Egyptian Museum und stellten sie dort auf. Sie musste aufgrund ihrer Größe schon während der Bauarbeiten in der Eingangshalle des Museums aufgestellt werden. Am 29. April 2018 brach in der Nähe des Eingangs ein Feuer aus, die Artefakte wurden jedoch nicht beschädigt und die Brandursache ist unbekannt. Im Mai 2018 wurde der letzte Streitwagen von Pharao Tutanchamun in das neue Ägyptenmuseum überführt.
Von Januar 2019 bis Mai 2024 war der Bauingenieur und General der Pioniertruppe Atef Moftah Leiter des Projektes „Grand Egyptian Museum“. Anfang Februar 2024 gab das ägyptische Kabinett in einem Statement bekannt, dass die Bauarbeiten im Februar 2024 beendet würden. Ende Mai 2024 wurde die Ägyptologin Gihane Zaki zur Direktorin des Grand Egyptian Museums ernannt.
- Museumsbaustelle, April 2015
- Blick vom Giza-Plateau auf die Baustelle, 2019
- Fassadenteil mit Kartuschen bedeutender Pharaonen-Namen
- Blick vom Parkplatz auf die Cheops-Pyramide, 2019
Eröffnung
Der ehemalige Antikeminister Mamdouh al-Damaty gab im Mai 2015 bekannt, dass das Museum nach mehreren Verzögerungen im Jahr 2018 teileröffnet werden solle. Der Eröffnungstermin wurde mehrfach verschoben, zunächst auf das Jahr 2020, aufgrund der Corona-Pandemie auf das Jahr 2023. Ab 2022 wurde das Grand Egyptian Museum etappenweise eröffnet, so richtete es ab November 2022 private Veranstaltungen aus. Im März 2023 wurden im Rahmen von geführten Touren die Eingangshalle mit der Kolossalstatue Ramses’ II, Restaurants, Läden sowie die umliegenden Gärten der Öffentlichkeit zugänglich. Im Dezember 2023 wurden zwei Ausstellungssäle und die Haupttreppe zugänglich. Von Dezember 2023 bis Mai 2024 gab es eine immersive Multimedia-Ausstellung namens Tutankhamun – The Immersive.
Nachdem der Eröffnungstermin erneut mehrfach verschoben worden war, wurde das Museum am 1. November 2025 eröffnet.
Museumsgebäude
Das Gebäude ist auf einem Gelände zwei Kilometer westlich der Pyramiden in der Nähe einer Autobahnkreuzung gelegen. Der Grundriss des Hauptgebäudes hat die Form eines symmetrischen Trapezes. Die 800 m lange Frontfassade besteht aus transparenten Alabaster-Platten, die nach dem Prinzip des Sierpinski-Dreiecks gestaltet sind. Die Linien der Nordfassade und der Südfassade zeigen auf die Cheops- und die Mykerinos-Pyramide. Vor dem Gebäude befindet sich ein großer Platz, der mit Dattelpalmen bepflanzt ist.
Im Atrium des Eingangsbereichs sowie integriert in die Haupttreppe sind große Statuen ausgestellt, darunter die Kolossalstatue Ramses‘ II. Die große Haupttreppe des neuen Museums wird von mehreren markanten antiken Statuen dominiert. Ein Teil der Fassade ist mit den Kartuschen bedeutender Pharaonen versehen. Erwähnt werden Cheops, Chephren, Mykerinos, Amenemhet, Sesostris, Amenophis, Thutmosis, Echnaton, Tutanchamun und Ramses. Im Museum gibt es auch ein Kindermuseum, ein Kongresszentrum, ein Ausbildungszentrum und Werkstätten.
In einem Nebengebäude ist eines von zwei Sonnenschiffen von Cheops ausgestellt, die 1954 auseinandergebaut in zwei versiegelten Gruben an der Cheops-Pyramide entdeckt wurden. Eines wurde rekonstruiert und war seit 1982 in einem Museum im Pyramidenkomplex ausgestellt, bis es 2021 zum jetzigen Standort im Grand Egyptian Museum umzog. Das zweite Schiff soll daneben ausgestellt werden, wurde aber noch nicht rekonstruiert.
Ausstellung
Die Ausstellung mit etwa 50.000 Gegenständen nimmt rund ein Drittel der Museumsfläche ein. Der Ausstellungs-Masterplan und die Museologie stammen von Metaphor und Cultural Innovations Ltd. Die Szenografie stammt von Atelier Brückner.
Die Ausstellungsfläche gliedert sich in zwölf Hauptgalerien. Diese sind zum einen chronologisch angeordnet und zum anderen inhaltich strukturiert - in die Bereiche "Gesellschaft", "Glauben" und "königliche Herrschaft".
Viele der Sammlungsstücke des Museums stammen aus dem Ägyptischen Museum in Kairo und aus kleineren Museen aus ganz Ägypten. Hauptattraktion ist die erste nahezu vollständige Ausstellung der Grabbeigaben von König Tutanchamun aus dessen Grab KV62 im Tal der Könige, die mehr als 5000 Gegenstände umfasst. Sie wurden Stück für Stück aus dem Ägyptischen Museum Kairo ausgelagert, wo sie aus Platzmangel nie vollständig gezeigt werden konnten, und vor der Ausstellung neu restauriert. In Absprache mit der ägyptischen Antikenverwaltung finanzierte die EU 2018 mit drei Millionen Euro eine Task Force für das alte Ägyptische Museum. Das Museo Egizio aus Turin unterstützte im Bereich Sammlungsmanagement, das British Museum bei Marketing und Sonderausstellungen, der Louvre bei Restaurierung und Digitalisierung, das Rijksmuseum van Oudheden in Leiden im Bereich Forschung. Das Ägyptische Museum Berlin entwickelte zusammen mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung einen Plan für die Renovierung des Gebäudes.
Andere Ausstellungsstücke kommen aus Museen und Lagern in Luxor, Minya, Sohag, Assiut, Bani Suwaif, Fayum und Alexandria.
Vor dem Eingang wurde der „Hängende Obelisk“ aufgerichtet. Er ist ein antiker Obelisk von König Ramses II., der so auf vier Säulen gestellt wurde, dass die Besuchenden des Museums ihn von unten betrachten können, um dort die Königskartusche zu sehen, die über 3.500 Jahre lang verborgen war. Auf seinen Seiten stehen in Hieroglyphen die verschiedenen Fassungen seines Namens. Der Obelisk wurde aus dem antiken Ort Tanis hierher gebracht. Auf dem modernen Sockel darunter wurde das Wort „Ägypten“ in vielen Sprachen der Welt eingraviert.
Im August 2020 wurden zwei kolossale Statuen, die das Institut Européen d’Archéologie Sous-Marine im Jahr 2000 in der versunkenen ehemaligen ägyptischen Hafenstadt Herakleion entdeckt hat, bei der Haupttreppe des neuen, 2025 schließlich eröffneten Museums aufgestellt. Beide Statuen sind aus Granit, wobei der König 5 m und die Königin 4,90 m hoch ist.
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