Heinrich Georg Hubertus von Dołega-Kozierowski (* 18. Dezember 1889 in St. Georgsberg bei Ratzeburg; † 15. April 1967 in Hamburg) war ein deutscher Politiker (NSDAP).
Leben
Der Vorfahre Wilhelm von Dołega-Kozierowski (1761–1839), aus Tolksdorf stammend, erhielt 1817 den preußischen Adelsstand und war zuletzt kgl. preuß. Regierungsvizepräsident in Bromberg. Dessen direkter Nachfahre war der Vater des Heinrich von Kozierowski, der preußische Landrat des Kreises Herzogtum Lauenburg Oskar von Dolega-Kozierowski. Die Mutter war Jeannette Wilhelmine Ottilie, geb. Willemoes-Suhm (1857–1920), eine Tochter des Segeberger Landrats Peter Friedrich von Willemoes-Suhm. Der Vater war des Weiteren preuß. Kammerherr und Rechtsritter des Johanniterordens, dieser wohnte als Witwer in Lübeck. Die Eltern heirateten 1882, hatten gesamt sieben Kinder. Die jüngste Tochter Anna Vera Klara blieb unvermählt, der jüngste Sohn Robert starb 1916 als Leutnant im Jägerbat. Nr. 9. Die beiden ältesten Töchter heirateten Landräte, Sidonie 1911 Kurt von Burkersroda, Alexandra den Juristen Axel von Rappard. Die zwei anderen Brüder des Heinrich von Dolega-Kozierowski wurden Offiziere. Die Gesamtfamilie hat bis heute Nachfahren.
Nach dem Besuch der Volksschule und von Gymnasien in Rendsburg und Itzehoe absolvierte Kozierowski landwirtschaftliche Lehrjahre in Schleswig-Holstein, Hannover und im Königreich Sachsen. Von 1911 bis 1912 gehörte er der Preußischen Armee als Einjährig-Freiwilliger im Thüringischen Ulanen-Regiment Nr. 6 an.
Vom Beginn des Ersten Weltkriegs kämpfte Kozierowski bis 1916 im Reserve-Ulanen-Regiment Nr. 5 an der Westfront und anschließend bis 1917 als Kompanieführer im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 17. Nach einer schweren Verwundung, die er sich bei Arras zugezogen hatte, kehrte er in die Heimat zurück.
Bereits 1918 heiratete Heinrich von Dołega-Kozierowski in Nienburg die 1889 in Braunschweig geborene Frieda Volger. 1922 kam Tochter Margot zur Welt. Nähere weiterführende genealogische Nachrichten liegen hierzu nicht vor.
In den Jahren 1918 bis 1931 arbeitete Kozierowski als Verwalter (Administrator) in Nienburg/Weser. Um 1931 war er Landwirt. Anschließend war er in den Jahren 1932 und 1933 als Angestellter bei der Niedersächsischen Tageszeitung in Hannover tätig.
Nachdem Kozierowski sich bereits seit 1923 in der „Völkischen Freiheitsbewegung“ betätigt hatte, trat er zum 20. Oktober 1925 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 21.203). Er schloss sich zuerst der SA-Reserve an, wie viele Reserveoffiziere.
Im November 1933 wurde Kozierowski, damals noch offiziell Angestellter in Nienburg, Mitglied des nationalsozialistischen Reichstages, dem er als Abgeordneter des Wahlkreises 16 (Südhannover-Braunschweig) bis zum Ende der NS-Herrschaft im Frühjahr 1945 angehörte.
Im Februar 1933 ging er zur SS, (SS-Nummer 48.080), diente sich hoch vom einfachen SS-Mann, im Mai 1933 zum SS-Scharführer, ff. zum SS-Oberscharführer und sogleich zum SS-Truppführer (Feldwebel). Als Dienststellung wurde er zeitgleich bis Anfang 1934 mit der Führung der SS-Motorstaffel I/55 beauftragt. Im April 1934 erhielt er wieder zwei Beförderungen, den Rang eines Obertruppführers und dann den eines Sturmführer (Leutnant; später Untersturmführer genannt; siehe Bildnis). Weitere Beförderungen und mehrfach neue Aufgabenstellungen, wie Leiter des Reserve-Sturmbanns der SS-Standarte 55, erfolgten fast halbjährlich.
Von 1937 bis zum April 1940 amtierte Kozierowski als Polizeipräsident von Wilhelmshaven. Anschließend bekleidete er knapp fünf Jahre lang, bis zum Kriegsende 1945, dasselbe Amt in Potsdam, wo er den Grafen Wilhelm von Wedel nachfolgte. In Potsdam bewohnte er das Landhaus Rubinski, eine enteignete jüdische Villa in der Seestraße 45 in der Berliner Vorstadt von Potsdam.
Bereits seit 1937 nannte er sich vollständig von Dolega-Kozierowski, welches ebenso »adelsrechtlich« der korrekte Name war. In den Unterlagen des Reichstags erscheint diese Namensführung ab 1938.
Ebenfalls seit 1940 gehörte Kozierowski dem Volksgerichtshof als Beisitzer an. In der SS erreichte Kozierowski 1937 den Rang eines Obersturmbannführers, als letzter Dienstgrad erreichte Heinrich von Dołega-Kozierowski zum 9. November 1944 den SS-Oberführer (dienstält. Oberst). Zu seinem direkten persönlichen Potsdamer Umfeld gehörte bis 1945 August Wilhelm Prinz von Preußen.
Die Staatsanwaltschaft Hamburg führte ab 1966 ein Verfahren gegen ihn als Angeklagten wegen der Ermordung von Juden im Potsdamer Gestapogefängnis.
Literatur
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Alter Adel und Briefadel. 1923. Siebzehnter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1922, S. 145–146. Siehe FamilySearch.
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Alter Adel und Briefadel. Zugleich Adelsmatrikel der vereinigten Adelsverbände (Ehrenschutzbund). 1931. Dreiundzwanzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1930, S. 146–147. Siehe FamilySearch.
- SS-Personalkanzlei (Hrsg.): Dienstaltersliste der Schutzstaffel der NSDAP 1938. Mit dem Stand vom 1. Dezember 1938, mit Berichtigungsheft Stand 15. Juni 1939, Reichsdruckerei, Berlin 1938; Reprint, Hrsg. Brün Meyer, Biblio, Osnabrück 1996, S. 46.
- Beatrix Herlemann: Biographisches Lexikon niedersächsischer Parlamentarier 1919–1945. In: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, Band 222, Hahnsche Buchhandlung, Hannover 2004, ISBN 3-7752-6022-6, S. 201–202.
- Joachim Lilla: Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933–1945. Ein biographisches Handbuch unter Einbeziehung der völkischen und nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten ab 1924. Unter Mitarbeit von Martin Döring und Andreas Schulz. Droste, Düsseldorf 2004, ISBN 3-7700-5254-4, S. 570. (Vita u. Dienstränge).
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