Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH (HKM) ist ein im Duisburger Süden ansässiges integriertes Hüttenwerk und zählt zu den führenden Herstellern von Rohstahl und Vormaterial für die verarbeitende Industrie in Deutschland. Mit ihrer regionalen Verankerung und langen Tradition ist HKM ein zentraler Akteur der Stahlindustrie im Ruhrgebiet.
| Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1990 |
| Sitz | Duisburg, Deutschland |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | 3.093 (2021) |
| Umsatz | 3.136,0 Mio. Euro (2021) |
| Branche | Stahlindustrie |
| Website | www.hkm.de |
| Stand: 31. Dezember 2021 | |
Unternehmensprofil und Kennzahlen
HKM produziert am Standort im Duisburger Süden jährlich mehr als 4 Millionen Tonnen Rohstahl. Das Unternehmen beschäftigte 2025 knapp 3.000 Mitarbeiter. Der Produktionsschwerpunkt liegt auf hochwertigen Brammen und Rundblöcken, die für die Gesellschafter Thyssenkrupp Steel Europe, Salzgitter Mannesmann und Vallourec hergestellt werden. HKM betreibt zwei Hochofenanlagen, ein konventionelles Stahlwerk und modernisierte Betriebseinrichtungen zur Weiterverarbeitung von Stahl. Die Gesellschaftsanteile liegen 2025 bei thyssenkrupp Steel Europe (50 %), Salzgitter Mannesmann (30 %) und Vallourec Tubes (20 %).
Die Produktionsstätten umfassen zwei Hochöfen, ein Stahlwerk, Brammen- und Rundfertigungslinien sowie umfangreiche Kokerei- und Sinteranlagen. HKM versorgt maßgeblich die Automobil-, Rohr- und Stahlverarbeitungsindustrie und gilt als essenzieller Zulieferer im großindustriellen Stahlsektor.
Geschichte
Der Ursprung der HKM reicht zurück bis ins Jahr 1909, als das Essener Unternehmen Schulz-Knaudt ein Siemens-Martin-Stahlwerk mit drei Öfen von je 40 Tonnen Abstichgewicht in Duisburg-Huckingen errichtete. Die Jahresproduktion betrug damals etwa 110.000 Tonnen Rohstahl. Im Jahr 1914 fusionierte Mannesmann mit Schulz-Knaudt, welche fortan als Abteilung Schulz-Knaudt geführt wurde, der Konzern besaß somit auch dieses Werk in der damaligen Gemeinde Huckingen (heute Stadtteil Duisburg-Hüttenheim). 1914 übernahm die Mannesmannröhren-Werke AG das Werk und integrierte es im Verlauf der Jahrzehnte weiter in die Mannesmann AG. Wesentliche Meilensteine waren die Errichtung der Sinteranlagen und Hochöfen ab 1929, die Eingliederung neuer Produktionsanlagen wie Kokerei und LD-Stahlwerk. 1932 erfolgte die Umbenennung in Heinrich-Bierwes-Hütte. Heinrich Bierwes war von 1920 bis 1934 Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Mannesmann-Werke und wechselte danach in den Aufsichtsrat.
Es folgten die weitere Integration in den Mannesmann-Konzern und die kontinuierliche Modernisierung bis in die 1980er Jahre.
1987 beschlossen Krupp und Mannesmann die Zusammenführung ihrer Duisburger Stahlstandorte. 1990 erfolgte die Gründung der Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH. Mit der Schließung des traditionsreichen Rheinhausener Werks 1993 konzentrierte sich die Produktion auf den Standort Huckingen/Hüttenheim. In den darauffolgenden Jahren wurde kontinuierlich in die Modernisierung investiert, etwa durch die Umstellung auf Kohleeinblasung bei den Hochöfen.
Der Aufsichtsrat stellte am 20. April 2006 der Geschäftsleitung eine Investitionssumme von 40 Millionen bereit, um eine Kohleeinblasung an Stelle der Schweröleinblasung im Hochofen zu installieren. HKM kalkulierte bei der damaligen Differenz zwischen Kohle- und (Schwer-)Ölpreis mit einem Kostenvorteil von ca. 50 Millionen Euro jährlich, sodass sich die Umrüstung innerhalb von ca. 10 Monaten bezahlt machen sollte.
Im September 2010 wurde die Investition von 400 Millionen Euro für die bereits seit längerem geplante Erweiterung der Kokerei bekanntgegeben. Mit dem Bau einer zweiten Batterie sollte die Jahresproduktion von 1,1 Millionen Tonnen auf 2,3 Millionen Tonnen Koks gesteigert werden und über den Eigenbedarf hinaus auch die Gesellschafter mit 500.000 Tonnen Koks pro Jahr versorgen. Dies war die bis dato größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte. Ausführender Generalunternehmer war der Anlagenbauer ThyssenKrupp Uhde GmbH. Die neue Anlage wurde am 29. März 2014 erfolgreich in Betrieb genommen.
Ende 2016 wurde für 120 Millionen Euro der Hochofen B neu zugestellt.
Am 6. Februar 2026 wurde angekündigt, dass thyssenkrupp seine Anteile an Salzgitter verkaufen wird. Salzgitter plant, die Hochöfen von HKM stilllegen und stattdessen einen Elektrolichtbogenofen mit einer jährlichen Kapazität "von zwei bis 2,5 Millionen Tonnen" zu bauen.
Aktuelle Entwicklungen und Eigentümerstruktur
Seit 2024 und 2025 steht das Unternehmen vor einer ungewissen Zukunft: Insbesondere Thyssenkrupp Steel Europe kündigte an, den Liefervertrag mit HKM bis spätestens 2032 auslaufen zu lassen. Salzgitter hat seinen Anteil bilanziell bereits vollständig abgeschrieben und diskutiert verschiedene Optionen. Ein potenzieller Investor für eine Übernahme war Anfang 2025 abgesprungen. Die Gesellschafter beziehen vertragsgemäß bis mindestens 2028 weiterhin Stahl von HKM.
Rolle in der deutschen Stahlindustrie
HKM trägt mit etwa 12 % zur gesamten Rohstahlerzeugung in Deutschland bei. Die Produkte finden in zahlreichen bedeutenden deutschen und internationalen Industriezweigen Anwendung, insbesondere in der Automobilbranche, der Rohrproduktion und dem Maschinenbau. Die Produktionsanlagen ermöglichen die Herstellung einer außerordentlich breiten Produktpalette aus Brammen und Rundstahl, die sowohl nahtlose Rohre als auch Karosseriebauteile ermöglichen.
Nachhaltigkeit und Transformation
HKM hat sich der schrittweisen Reduzierung seiner Emissionen und einer weitgehenden Klimaneutralität bis spätestens 2045 verpflichtet. Bis 2025 strebt das Unternehmen eine Reduktion der jährlichen CO₂-Emissionen um 1,8 Millionen Tonnen an, etwa durch den vermehrten Einsatz von Recyclingmaterial und wasserstoffhaltigen Gasen sowie Effizienzsteigerungen im gesamten Betrieb. In den kommenden Jahrzehnten sollen die Produktionsprozesse grundlegend umgestellt werden, damit HKM einen spürbaren Beitrag zur Erreichung der nationalen und internationalen Klimaziele leisten kann. HKM verfolgt eine „grüne Transformation“ mit Investitionen in nachhaltige Produktionstechnologien, wie der schrittweisen Umstellung auf eine umweltfreundlichere Koks- und Kohleversorgung sowie der Nutzung effizienter Energiequellen. Das Unternehmen engagiert sich zudem gesellschaftlich, etwa mit Initiativen zur Integration und Gleichstellung sowie im Rahmen der Ausbildung.
Ausblick und Herausforderungen
Die Zukunft von HKM ist angesichts der Entwicklungen in der Eigentümerstruktur und des Transformationsdrucks in der Stahlindustrie gegenwärtig ungewiss. Dadurch entsteht Handlungsdruck auf die überregionale und regionale Wirtschaft in Duisburg bzw. dem Ruhrgebiet.
Sonstiges
Das Hüttenwerk Krupp Mannesmann beliefert das Kraftwerk Duisburg-Huckingen mit Kokerei- und Gichtgas. Der große Kamin des Hüttenwerk Krupp Mannesmann ist – zusammen mit dem Stadtwerketurm – das dritthöchste Bauwerk in Duisburg (nach den beiden Kaminen der Sinteranlage des ThyssenKrupp-Stahlwerk Duisburg-Schwelgern und dem Kamin des Kraftwerks Duisburg-Walsum).
Auf dem Gelände des Hüttenwerks befinden sich das denkmalgeschützte Haus Angerort und zwei Winkeltürme.
Literatur
- Horst A. Wessel: Die Entwicklung des Huckinger Hüttenwerkes, in: Bürgerverein Duisburg-Huckingen e. V. (Hrsg.): Huckinger Heimatbuch, Geschichte und Geschichten, Band I, 2., erweiterte Auflage, Duisburg 2009, S. 119–184.
- Zeitzeugenbörse Duisburg e. V.: Duisburger Hüttenwerke, Erfurt 2014, ISBN 978-3-95400-364-8
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