Die IU Internationale Hochschule (kurz IU) ist eine private, staatlich anerkannte Fachhochschule mit Sitz in Erfurt und mehr als 30 Standorten in Deutschland. 2026 waren mehr als 130.000 Studierende eingeschrieben, womit die IU die „mit Abstand größte Hochschule“ Deutschlands ist. Die Fachhochschule bietet Studienprogramme in mehreren Fächergruppen, insbesondere in Wirtschafts-, Sozial- und Ingenieurwissenschaften sowie in gesundheitsbezogenen Disziplinen.
| IU Internationale Hochschule | |
|---|---|
| Gründung | 1998 |
| Trägerschaft | privat (IU Internationale Hochschule GmbH) |
| Ort | Erfurt |
| Bundesland | Thüringen |
| Land | Deutschland |
| Rektor | Holger Sommerfeldt (seit 2021) |
| Studierende | 130.000 (2026) |
| Mitarbeiter | >4.000 (2024) |
| Website | www.iu.de |
Geschichte
Die Hochschule wurde 1998 als Internationale Fachhochschule Bad Honnef / Bonn (IFH) in Bad Honnef gegründet. Der Lehrbetrieb begann im Wintersemester 2000/2001 mit 23 Studierenden. Seit 1999 ist die Hochschule staatlich anerkannt.
Im Juli 2009 wurde die Hochschule durch den Wissenschaftsrat institutionell akkreditiert. 2010 wurde die Hochschule Mitglied der Hochschulrektorenkonferenz. 2021 erfolgte die Reakkreditierung für weitere fünf Jahre. Die Studiengänge sowie das interne Qualitätsmanagement sind seit 2018 durch die FIBAA systemakkreditiert.
Mitte 2013 fusionierte die IU mit der ebenfalls privaten Adam-Ries-Fachhochschule in Erfurt und erweiterte damit ihr Angebot um das duale Studienmodell. Im März 2016 fusionierte sie mit der Hochschule für internationale Wirtschaft und Logistik (HIWL) in Bremen und bietet seitdem an diesem Standort ebenfalls duale Studiengänge an.
Im Oktober 2017 erfolgte die Umbenennung in „IUBH Internationale Hochschule“. 2019 wurde der Sitz nach Erfurt verlegt. Seitdem unterliegt die Hochschule dem Thüringer Hochschulgesetz. Im März 2021 wurde die Hochschule in „IU Internationale Hochschule“ umbenannt.
Im Juni 2023 übernahm die IU Group (Holding der IU Internationale Hochschule) die University of Fredericton (Kanada), zum Ende März 2023 das London Institute of Banking & Finance im Vereinigten Königreich.
Organisation und Standorte
Trägerin der Hochschule ist die IU Internationale Hochschule GmbH. Seit 2007 ist deren alleinige Gesellschafterin die Career Partner GmbH, die 2021 in IU Group N. V. umfirmiert wurde. Die Eigentümerstruktur wechselte mehrfach: Von 2007 bis 2015 gehörte die Gesellschaft der Münchner Beteiligungsfirma Auctus, von 2015 bis 2017 der US-amerikanischen Apollo Group, seit 2017 ist Oakley Capital Mehrheitsgesellschafter. Geschäftsführer der Muttergesellschaft ist Sven Schütt.
Leitungsorgane der Hochschule sind das Rektorat, der Senat und ein Fachbeirat, der die fachlichen Belange der Fachgebiete und Unternehmen vertreten soll. Die Hochschule gliedert sich intern entlang ihres Studienangebots in sogenannte „Units“, die jeweils einem Prorektorat unterstellt sind. Daneben ist die Hochschule in weitgehend autonom agierende Regional- und Standortleitungen sowie in neun Fachgebiete untergliedert.
Die IU Akademie ist eine eigenständige Weiterbildungseinrichtung innerhalb der IU Group und bietet berufsbegleitende Online-Programme sowie Firmenschulungen an.
Die IU Internationale Hochschule betreibt neben einem virtuellen Campus zahlreiche Standorte in Deutschland. Im Jahr 2025 existierten 34 Standorte, darunter Aachen, Berlin, Bremen, Erfurt, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München, Stuttgart und weitere Städte. Für das Fernstudium stehen zudem Prüfungszentren im Ausland an den Standorten der Goethe-Institute zur Verfügung.
Am Standort Berlin hat die Hochschule einen hohen Anteil von Studierenden aus Indien (Stand 2025: 40,6 Prozent, insgesamt 4.842, im Vergleich zu 2020: 234).
Entwicklung der Studierendenzahlen
Die Zahl der Studierenden an der IU Internationale Hochschule ist seit der Gründung im Jahr 2000 (damals 23 Studierende) kontinuierlich und zuletzt sehr dynamisch gestiegen. Bis 2012 lag die Zahl im niedrigen Tausenderbereich. Mit dem Ausbau des Fernstudiums und der Einführung digitaler Formate setzte ab 2016 ein starkes Wachstum ein. Die Entwicklung verlief dabei exponentiell: Eine von der Hochschule veröffentlichte Grafik zeigt für 2016 rund 10.000 Studierende, 2017 ca. 15.000, 2018 ca. 20.000, 2019 ca. 32.000, 2020 ca. 56.000, 2021 ca. 85.000 und 2022 100.000 Studierende. Im Studienjahr 2023/24 waren 116.296 Studierende eingeschrieben. Die Hochschule gibt für 2024 über 130.000 Studierende an. In der Wirtschaftspresse und im Jahresbericht der IU Group werden für 2025 mehr als 140.000 Studierende genannt. Die Zählweise der Studierenden variiert je nach Quelle und Jahr: Während amtliche Statistiken nach gesetzlichen Kriterien und Hauptsitzzuordnung zählen, umfassen die von der Hochschule veröffentlichten Zahlen alle eingeschriebenen Lernenden in sämtlichen Programmen und Formaten.
Das Wachstum wird vor allem mit dem Ausbau des Fernstudiums und der Digitalisierung der Lehre erklärt. Über 80 % der Studierenden sind im Online- oder Blended‑Studium eingeschrieben. Weitere Faktoren sind niedrige Zugangshürden, die gezielte Ansprache von Studierenden ohne akademisches Elternhaus, sowie die stetige Erweiterung des Studienangebots. Die Zahl der angebotenen Studienprogramme ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen: 2016 wurden weniger als 50 Programme angeboten, 2019 waren es rund 80, 2021 bereits über 150 und 2024 über 250.
Studienangebot und Formate
Die IU Internationale Hochschule bietet über 250 Studiengänge in mehreren Fächergruppen an, darunter Wirtschaftswissenschaften, Sozialwissenschaften, Ingenieurwissenschaften und gesundheitsbezogene Disziplinen. Das Angebot umfasst Bachelor, Master, MBA- und LL.M.‑Programme. Die Studiengänge werden in verschiedenen Formaten angeboten, darunter Fernstudium, duales Studium, Präsenzstudium und Blended‑Learning‑Modelle. Die IU Akademie ergänzt das Angebot um berufsbegleitende Weiterbildungsprogramme.
Im Rahmen der digitalen Lehre setzt die Hochschule u. a. einen KI‑basierten Lernassistenten („Syntea“) ein. Die Mehrheit der Studierenden ist im Fern- bzw. Blended‑Studium eingeschrieben (83 %), 17 % studieren in Präsenz. Bachelor‑Studierende stellen 85,9 %, Master‑Studierende 14,1 % der Immatrikulierten.
Internationale Kooperationen und Expansion
Die IU Internationale Hochschule unterhält Kooperationen mit internationalen Partnerhochschulen in Europa, Nordamerika, Australien und Asien. Im Rahmen von Austauschprogrammen und der „Study Abroad Alliance“ bestehen Möglichkeiten, Teile des Studiums an ausländischen Hochschulen zu absolvieren.
Kritik und Kontroversen
In einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde kritisch über die niedrigen Studiengebühren, die starke Digitalisierung, die geringe Forschungsaktivität und die Qualität der Lehre an der IU berichtet. Der Artikel hebt hervor, dass die Hochschule mit schnellen und flexiblen Studienformaten wirbt, aber auch Risiken für die akademische Tiefe und Anerkennung der Abschlüsse bestehen. Die Hochschulleitung weist die Kritik an der akademischen Qualität zurück und betont, dass die IU keine „Hochschule zweiter Klasse“ sei. Nach eigenen Angaben habe man auf Kritikpunkte, etwa im Bereich Akkreditierung, reagiert und die Strukturen entsprechend angepasst. Eine Reportage der taz beschreibt, dass viele indische Studieninteressierte über das indische Start-up upGrad an die IU gelangen und für diese Vermittlung hohe Gebühren entrichten. Laut Bericht werde den Studierenden vorab ein Bild einer klassischen deutschen Campus-Universität vermittelt, vor Ort erlebe man jedoch überwiegend digitale Lehrformate mit begrenzten Präsenzangeboten und eher geringem Campus-Leben. Zudem würden manche Kohorten stark von indischen Studierenden dominiert, was die Integration erschwere. Im selben Kontext werden auch Schwierigkeiten bei der Verlängerung von Aufenthaltstiteln geschildert, da Behörden bei überwiegend online organisierten Programmen die Notwendigkeit eines dauerhaften Aufenthalts prüfen.
Auch eine Reportage des Spiegels (2025) kritisierte, die IU scheine „das Geschäft mitunter über die Bedürfnisse ihrer Studierenden zu stellen – und deren Zukunft mit einigen unausgegorenen Studiengängen aufs Spiel zu setzen“. Befragte Studierende und Mitarbeiter berichteten nicht nur von Problemen mit der Anerkennung von Studiengängen, sondern auch davon, dass sich Studierende mit Problemen alleingelassen fühlten. In einem weiteren Spiegel-Bericht von 2026 schilderten ehemalige Mitarbeiter einen hohen Wachstums- und Profitdruck während einer bis 2024 verfolgten „Hypergrowth“-Strategie sowie einen teils autoritär wahrgenommenen Führungsstil; mehrere verglichen CEO Sven Schütt mit Unternehmern wie Elon Musk oder Steve Jobs.
Im Oktober 2024 waren am Landgericht Frankfurt am Main sieben Schadensersatzklagen von ehemaligen Studierenden gegen die IU Internationale Hochschule anhängig, die sich in Bezug auf die fehlende Kammerfähigkeit nach dem Abschluss des dualen Studiengangs Architektur durch die Hochschule getäuscht sahen. Erst während des Studiums stellte sich heraus, dass mit dem Studiengang keine Eintragung als Architekt möglich war. Eine Hochschulrechtlerin erklärte gegenüber dem Hessischen Rundfunk, die Werbung der Hochschule sei insoweit irreführend gewesen. Der Hessische Rundfunk berichtete zudem, dass es Vergleiche der IU mit Klägern gegeben habe. In Düsseldorf seien fünf ähnliche Verfahren noch anhängig, in München sechs, in Stuttgart eines, in Erfurt gebe es dreißig Klagen von Studierenden und von ehemaligen Praxisbetrieben. Der Studiengang Architektur (Bachelor of Arts, Architektur; 180 ECTS) wurde zwischenzeitlich neu akkreditiert und ist ab dem Wintersemester 2024 an den IU-Standorten Frankfurt, Berlin, Hamburg, München und Stuttgart nach den Standards der Architektenkammern als kammerfähig einzuordnen. Für alle bislang im dualen Studiengang eingeschriebenen Studierenden und Absolventen bot die IU ein kostenloses Angebot an, „um durch zusätzliche Kurse auch die Kammerfähigkeit zu erlangen.“
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