Das Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) ist ein unabhängiges Institute for Advanced Study in den Geistes- und Sozialwissenschaften mit Sitz in Wien. Es wurde 1982 von einer Gruppe von Wissenschaftlern um den polnischen Philosophen Krzysztof Michalski mit dem Ziel gegründet, einen Ort des intellektuellen Austauschs und Dialogs zwischen Ost und West zu schaffen. Das Institut rückt neue, gesellschaftlich relevante und oftmals umstrittene Themen ins Blickfeld, um so einen Beitrag zu politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Debatten zu leisten.
| Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) | |
|---|---|
| Rechtsform | Verein (ZVR: 434359859) |
| Gründung | 1982 |
| Gründer | Krzysztof Michalski, Cornelia Klinger, Klaus Nellen |
| Sitz | Wien |
| Zweck | Advanced Studies auf dem Gebiet der Geistes- und Sozialwissenschaften |
| Aktionsraum | International mit Fokus auf Zentral- und Osteuropa |
| Vorsitz | Misha Glenny (Rektor) |
| Website | www.iwm.at |
Geschichte
Das IWM wurde 1982 von Krzysztof Michalski, Cornelia Klinger und Klaus Nellen ins Leben gerufen. Gründungsgedanke war die Schaffung eines unabhängigen Institute for Advanced Study, das im damals neutralen Österreich Gelegenheit zur Begegnung und Zusammenarbeit von Intellektuellen aus dem Westen und den Ländern des sozialistischen Raums über die Grenzen des Eisernen Vorhangs hinweg bieten sollte.
In seinen Anfangsjahren erfuhr das Institut Unterstützung von Persönlichkeiten wie Józef Tischner, Gottfried Boehm, Hans-Georg Gadamer, Ralf Dahrendorf, Erhard Busek und Karel Schwarzenberg. Von 1983 bis 1999 lud Papst Johannes Paul II., der dem Gründungsrektor des Instituts freundschaftlich verbunden war, dessen wissenschaftlichen Beirat zu Gesprächen nach Castel Gandolfo ein. Im Zuge der Revolutionen und Umbrüche des Jahres 1989 kam dem IWM eine Schlüsselfunktion als Drehscheibe für den Austausch von Ideen rund um die Errichtung tragfähiger demokratischer und zivilgesellschaftlicher Institutionen in den Ländern des ehemaligen Ostblocks zu.
Wegweisend war hierbei die im Jahr 1990 veranstaltete Konferenz Central Europe on the Way to Democracy, die sich den Zukunftsperspektiven Europas vor dem Hintergrund weitreichender gesellschaftlicher und politischer Transformationen widmete. Eröffnet wurde diese von Lech Wałęsa; zu den Teilnehmenden zählten unter anderem Timothy Garton Ash, Eva Nowotny, Bronislaw Geremek oder Adam Michnik. Durch seine Arbeit hat das Institut die erste Generation osteuropäischer public intellectuals somit maßgeblich geprägt.
Nach Krzysztof Michalskis Tod wurde im Jahr 2015 die Sozialanthropologin Shalini Randeria als neue Rektorin des IWM bestellt. Seit 2022 ist der Journalist und Autor Misha Glenny Rektor des Instituts.
Im Jahr 2025 wurde das Institut in Russland zu einer unerwünschten Organisation erklärt.
Struktur
Das IWM ist als gemeinnütziger Verein organisiert. Präsident ist Heinz Fischer. Fördermittel erhält das Institut von der österreichischen Bundesregierung, der Stadt Wien sowie von zahlreichen weiteren öffentlichen und privaten Förderinstitutionen.
Geleitet wird das IWM vom Rektor oder der Rektorin. Mehrere Permanent Fellows verantworten die verschiedenen Forschungsprogramme des Instituts und prägen dessen inhaltliche Ausrichtung. Zu den Permanent Fellows des IWM zählen bzw. zählten unter anderem Tony Judt, Ivan Krastev, Claus Offe, Timothy Snyder und Charles Taylor.
Aktivitäten
Forschung
Die Forschungsschwerpunkte des IWM sind stark von den Permanent Fellows und ihren wissenschaftlichen Profilen geprägt. Ebenso beeinflussen aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und Herausforderungen die Arbeit des Instituts. So gab es Projekte zu ökonomischen Transformationsprozessen in Osteuropa, zu Geschlechtergerechtigkeit, zu Religion und Säkularismus sowie zu Demokratie und Demokratisierung. Einen langanhaltenden Schwerpunkt bildet auch die Forschung zu Leben und Werk des tschechischen Philosophen Jan Patočka. Seit 2014 adressiert das IWM zudem verstärkt Fragestellungen rund um ukrainische Politik, Gesellschaft und Kultur sowie die Beziehungen zwischen der Ukraine und dem Rest Europas.
Fellowships
Ein Charakteristikum des IWM ist die hohe Anzahl an internationalen Visiting Fellows. Jährlich vergibt das Institut über 100 Fellowships an Wissenschaftler, Journalisten, Übersetzer und public intellectuals. Ein Kernanliegen ist hierbei die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.
Bibliothek und Archive
Die institutseigene Bibliothek umfasst über 40.000 Titel in mehr als zwanzig Sprachen, welche eine Vielzahl an Themengebieten von Philosophie bis zu Gender Studies abdecken. Darüber hinaus beherbergt das IWM drei Archive: das IWM-Archiv, das die Arbeit des Instituts seit seiner Gründung dokumentiert, das Jan-Patočka-Archiv, das darauf abzielt, Primärwerke des tschechischen Philosophen sowie Sekundärliteratur zu seinem Œuvre zu sammeln, und das Krzysztof-Michalski-Archiv, das einen Teil des privaten Nachlasses des Gründungsrektors, seine eigenen Werke sowie Korrespondenzstücke und weiteres Material umfasst.
Publikationen
Neben den Beiträgen im halbjährlich erscheinenden Magazin IWMpost wird die Arbeit der Fellows des Instituts regelmäßig in Form von Monographien, Aufsätzen und Übersetzungen veröffentlicht. Unter anderem wurden Werke wie Die Geschichte Europas von 1945 bis zur Gegenwart von Tony Judt, Timothy Snyders Bloodlands: Europa zwischen Hitler und Stalin oder Ein säkulares Zeitalter von Charles Taylor, die mitunter Paradigmenwechsel in ihrem Feld einleiteten, zum Teil oder zur Gänze am IWM verfasst.
Von 1990 bis 2017 bot die vom Institut herausgegebene Zeitschrift Transit – Europäische Revue ein Forum für die intellektuelle Auseinandersetzung mit den Herausforderungen und Transformationen Europas nach dem Fall des Eisernen Vorhangs.
Events
Das IWM veranstaltet regelmäßig Konferenzen, öffentliche Vorträge, Podiumsdiskussionen und andere Events, die sich an ein breiteres Publikum richten. Die jährliche, nach Jan Patočka benannte Jan Patočka Memorial Lecture brachte Vortragende wie Aleida Assmann, Ralf Dahrendorf, Jacques Derrida, Nancy Fraser, Axel Honneth, Leszek Kołakowski, Chantal Mouffe, Edward W. Said oder Martin Walser ans Institut. Für das IWM prägend sind auch die im Jahr 2000 anlässlich des 100. Geburtstags von Hans-Georg Gadamer etablierten IWM Lectures in Human Sciences, die in der Vergangenheit unter anderem von Zygmunt Bauman, Seyla Benhabib, Dipesh Chakrabarty, Paul Ricœur oder Maria Todorova gehalten wurden.
Darüber hinaus etablierte Formate sind etwa die Diskussionsreihe Europa im Diskurs, die im Wiener Burgtheater veranstaltet wird, die jährlich rund um den Europatag organisierte Rede an Europa, das tschechisch-österreichische Kulturfestival Vienna meets Prague sowie das Vienna Humanities Festival, das jeden Herbst prominente Stimmen aus Wissenschaft, Kunst, Literatur und Zivilgesellschaft zu einem übergeordneten Thema in Wien versammelt.
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