Jan Wenzel Schmidt (* 8. Oktober 1991 in Magdeburg) ist ein rechtsextremer deutscher Politiker (AfD). Er war von 2016 bis 2021 Abgeordneter im Landtag von Sachsen-Anhalt und ist seit Oktober 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages.
Leben
Schmidt schloss seine Hochschulreife 2012 an der Berufsbildenden Schule „Otto von Guericke“ in Magdeburg ab. Er ist gelernter Kaufmann im Einzelhandel.
Schmidt ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Betreiber von Lotto-Annahmestellen
Vor seiner politischen Karriere im Bundestag betrieb Jan Wenzel Schmidt Lotto-Annahmestellen. Sein berufliches Interesse an diesem Sektor blieb auch nach seinem Einzug in den Landtag von Sachsen-Anhalt bestehen: Er strebte danach, beruflich aufzusteigen und sich auf den Posten eines Lotto-Bezirksleiters zu bewerben.
Als dieses Vorhaben jedoch scheiterte und seine Bewerbungen abgelehnt wurden, änderte Schmidt sein Vorgehen grundlegend. Anstatt die Absage hinzunehmen, nutzte er sein Insiderwissen und deckte interne Unregelmäßigkeiten und „Mauscheleien“ innerhalb der landeseigenen Lotto-Gesellschaft auf. Diese Enthüllungen hatten massive Konsequenzen für das Unternehmen und führten letztlich zur Ablösung der Geschäftsführung.
Politik
Schmidt war von 2015 bis 2021 Landesvorsitzender der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative in Sachsen-Anhalt. Die AfD Sachsen-Anhalt trat bei der Landtagswahl am 13. März 2016 erstmals an und erhielt 24,3 % der Stimmen. Schmidt zog über die Landesliste der AfD in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein. Er war im März 2016 „Redner und Ehrengast“ bei einer öffentlichen Versammlung der Identitären Bewegung in Wernigerode. Er besuchte im April 2016 im Harz eine Kerzenaktion der Identitären Bewegung. Später frequentierte er Veranstaltungen der Identitären Bewegung Halle und deren Hausprojekt.
Nach der Einstufung des Flügels durch das Bundesamt für Verfassungsschutz im März 2020 als rechtsextreme Gruppierung, die nun beobachtet wird, sagte Wenzel: „Ein Großteil“ der AfD-Mitglieder in Sachsen-Anhalt unterstütze die politischen Positionen der Gruppierung. Für die Themen, die der Flügel anspreche, gäbe es im Land besonders viele Unterstützer.
Schmidt war Obmann der AfD-Fraktion im 18. Parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Nach seiner parlamentarischen Anfrage im Jahr 2019 wurde aufgedeckt, dass die Lottogesellschaft Sachsen-Anhalt die Verpflichtung zur Sportwetten-Konzession verletzt hatte. Dies führte zur Kündigung der Geschäftsführerin. Der Untersuchungsausschuss deckte mehrere Interessenkonflikte bei der Fördermittelvergabe der Lottogesellschaft auf.
Schmidt kandidierte bei der Bundestagswahl 2021 im Wahlkreis Börde – Jerichower Land. Er stand auf Platz 2 der Landesliste der AfD Sachsen-Anhalt und zog über Die AfD-Liste in den 20. Deutschen Bundestag ein.
Von 2022 bis 2025 war er Generalsekretär der AfD Sachsen-Anhalt. Schmidt kandidierte bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 für den Bundestagswahlkreis Börde – Salzlandkreis und gewann das Direktmandat mit 43,2 Prozent der Erststimmen.
Kontroversen
Mitarbeiter
Im April 2016 wurde bekannt, dass Schmidt in seinem Wahlkreisbüro Stefan Träger beschäftigt, der von der NPD 2009 als Bundestagskandidat aufgestellt wurde. Nach Aussage des parlamentarischen Geschäftsführers der AfD Daniel Roi habe sich Träger von der NPD distanziert.
Im Oktober 2022 wurde bekannt, dass Schmidt Mario Müller, einen Rechtsextremisten, mehrfach verurteilten Gewalttäter und Funktionär der rechtsextremen Identitären Bewegung, als wissenschaftlichen Mitarbeiter in seinem Bundestagsbüro beschäftigt. Ähnlich wie in der Causa Stefan Träger rechtfertigte Schmidt sich mit der Aussage, dass jeder Mensch eine zweite Chance verdiene. Müller nahm Ende 2023 an einem konspirativen Treffen von Rechtsextremen in Potsdam teil, bei dem Financiers und Vertreter von AfD, CDU, Identitärer Bewegung und des Vereins Werteunion die millionenfache Zwangsaussiedlung von als nichtdeutsch wahrgenommenen Staatsbürgern diskutierten.
Ebenso beschäftigt Wenzel Schmidt seit 2024 den u. a. durch den Satz „Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD“ bekannten Rechtsextremisten Christian Lüth. Dieser wurde 2020 als Pressesprecher der AfD-Bundestagsfraktion gekündigt, nachdem er die Ermordung von Migranten vorgeschlagen hatte.
„Ich bin der Auffassung, dass jeder Mensch eine zweite Chance verdient. Maßgeblich für die Einstellung war die fachliche Expertise von Herrn Christian Lüth, nicht seine frühere Funktion. Die Einstellung stellt keine Billigung früherer Äußerungen dar, sondern basiert auf einer sachlichen Bewertung seiner heutigen Arbeit.“
Der AfD-Fraktionsvorstand sah sich auf Nachfrage nicht zuständig für die Personalie.
Mutmaßliche Geschäfte in China
Im Oktober 2025 berichtete das Nachrichtenportal T-Online über mögliche Verbindungen Schmidts zu dem im Vormonat zu fast fünf Jahren Haft wegen Spionage verurteilten Jian Guo, Ex-Mitarbeiter von Maximilian Krah (AfD). Das Urteil gegen Guo war zum Berichtszeitpunkt noch nicht rechtskräftig.
Zudem wurde über mögliche geschäftliche Aktivitäten im Zusammenhang mit künstlichen Diamanten berichtet: Schmidt soll demnach im Jahr 2023 mit Guo eine chinesische Diamantenproduktion besucht haben. Parallel dazu habe der Lebensgefährte von Schmidts Mutter in Berlin zwei Briefkastenfirmen zum Handel mit den Diamanten gegründet, deren Geschäftsführerin mit Natalja Bußmann eine Parteifreundin Schmidts sei. Diese leite laut Handelsregister auch Schmidts eigene Unternehmen und arbeite gemäß einer E-Mail des AfD-Landesvorstands Sachsen-Anhalt in seinem Bundestagsbüro.
Auf Anfragen von T-Online vor Veröffentlichung der Recherchen soll Schmidt die Reise mit Guo schließlich eingeräumt, eine „geschäftliche Zusammenarbeit“ hingegen bestritten haben. Außerdem stehe er „in keiner geschäftlichen Verbindung“ zu den Unternehmen des Lebensgefährten seiner Mutter. Im Dezember veröffentlichte T-Online jedoch eine Visitenkarte, die Schmidt als „Vertriebsleiter“ einer der Firmen ausweist – mit Telefonnummer aus seinem Bundestagsbüro. Daraufhin prüfte der AfD-Landesvorstand parteiinterne Ordnungsmaßnahmen gegen Schmidt wegen des Vorwurfs parteischädigenden Verhaltens. Dieser äußerte, dass es sich um eine parteiinterne Kampagne handele und keiner der Vorwürfe „belastbar oder rechtlich relevant“ sei.
Anstellungsverhältnisse
Gegen Jan Wenzel Schmidt werden laut Spiegel-Recherchen mehrere Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit seiner privaten unternehmerischen Tätigkeit und der Beschäftigung von Mitarbeitern erhoben. Im Zentrum steht der Verdacht, Schmidt habe Angestellte seiner E‑Zigarettenfirma als Minijobber in seinem Bundestagsbüro angemeldet, ohne dass diese dort tatsächlich gearbeitet hätten. Interne Unterlagen und Verdienstnachweise sollen darauf hindeuten, dass der Geschäftsführer, der Prokurist sowie eine Vertriebsmitarbeiterin des Unternehmens über das Abgeordnetenbudget bezahlt wurden. Ein Prokurist erklärte schriftlich, die Zahlungen seien „ohne Tätigkeit“ erfolgt und als Gehaltserhöhung dargestellt worden.
Parallel dazu soll Schmidt Personen aus seinem privaten Umfeld veranlasst haben, Minijob-Anstellungen in der E‑Zigarettenfirma zu erhalten, ebenfalls ohne erkennbare Arbeitsleistung. Zudem habe sich Schmidt selbst als Minijobber in seiner eigenen Firma eintragen lassen. Die Vorgänge werfen Fragen nach möglicher Scheinbeschäftigung und missbräuchlicher Verwendung von Bundestagsmitteln auf.
Weitere Vorwürfe betreffen Rechnungen über angebliche Beratungsleistungen in Höhe von 7000 Euro, deren Erbringung der Geschäftsführer nicht bestätigen konnte. Zudem soll Schmidt einen von der Firma finanzierten, über 60.000 Euro teuren Firmenwagen privat genutzt haben. Auch VIP‑Jahrestickets für Heimspiele des 1. FC Magdeburg sollen über das Unternehmen abgerechnet worden sein.
Schmidt weist sämtliche Vorwürfe zurück und bestreitet Rechtsverstöße. Innerhalb der AfD ist er bereits zuvor wegen angeblicher „Vetternwirtschaft“ und „skrupelloser Methoden“ kritisiert worden.
Vorwürfe der Vetternwirtschaft und Parteiausschlussverfahren
Schmidt erhob in einer an den Landesvorstand gerichteten E‑Mail Mitte Dezember 2025 schwerwiegende Vorwürfe gegen eine von ihm als „Pokerrunde“ bezeichnete Führungsgruppe des AfD‑Landesvorstands Sachsen‑Anhalt (siehe Vorwürfe der Vetternwirtschaft in der AfD). Namentlich beschuldigt er Martin Reichardt, Oliver Kirchner, Hans‑Thomas Tillschneider, Tobias Rausch, Jan Moldenhauer, Matthias Büttner, Gordon Köhler und Phillipp‑Anders Rau. Politisch unterstützt werde ihr Vorgehen durch den Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im September 2026, Ulrich Siegmund. Er wirft ihnen unsaubere Fahrtkosten‑ und Reiseabrechnungen, Privatreisen unter dem Deckmantel parlamentarischer Tätigkeit, Besuche der Berliner Spielbank auf Dienstreisen sowie systematische Vetternwirtschaft vor, darunter die Beschäftigung von Ehepartnern, Kindern und Geschwistern über Abgeordnetenstellen. Zudem spricht er von unzulässigen wirtschaftlichen Verflechtungen, falschen Privatinsolvenzen und Falschangaben bei Wahlen und Mitgliederaufnahmen. In der Mail drohte Schmidt noch – „unabhängig davon, ob formell eine Ordnungsmaßnahme eingeleitet wird oder nicht“: „Ab der zweiten Januarwoche werde ich wöchentlich strukturierte Mails an Bundesvorstand und Landesvorstand senden.“ In jeder Mail sollen konkrete Beweise, Zahlen, Namen und Dokumente enthalten sein.
Am 22. Dezember 2025 wurde bekannt, dass der Vorstand ein Parteiausschlussverfahren gegen Schmidt eingeleitet habe. Die gegen Schmidt erhobenen Vorwürfe im Parteiausschlussverfahren betreffen vor allem mutmaßliche Scheinarbeitsverhältnisse sowie den angeblichen Missbrauch seines Bundestagsmandats für geschäftliche Vorteile. Der AfD‑Landesvorstand Sachsen‑Anhalt wirft ihm vor, Mitarbeiter seiner Privatfirma in seinem Bundestagsbüro beschäftigt zu haben. Grundlage des Verfahrens sind eidesstattliche Versicherungen eines früheren Geschäftspartners, deren Glaubwürdigkeit Schmidt bestreitet.
Nach Schmidts Darstellung wurde das Verfahren jedoch nicht aus sachlichen Gründen, sondern aus parteiinternen Machtkämpfen heraus initiiert. Er beschuldigt insbesondere eine informelle Führungsrunde um den stellvertretenden Landesvorsitzenden Hans‑Thomas Tillschneider und den Bundestagsabgeordneten Martin Reichhardt, einen Machtzirkel gebildet und gezielt Skandalisierungen vorbereitet zu haben. Zudem wirft er dem gesamten Landesvorstand vor, ihn frühzeitig öffentlich vorverurteilt, interne Informationen an Medien weitergegeben und damit rechtsstaatliche sowie innerparteiliche Grundsätze verletzt zu haben. Schmidt sieht darin eine politisch motivierte Kampagne, die ihn ausschalten soll.
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