Johann Peter Brandenburg

Johann Peter Brandenburg (* 25. März 1905 in Kronenburg, Eifel; † 3. März 1977 in Pforzheim) war ein deutscher Politiker der FDP/DVP. Er prägte als Oberbürgermeister von Pforzheim von 1947 bis 1966 den Neuaufbau der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Daneben war er 1946–1964 und 1968–1976 Mitglied des Landtages, von 1956 bis 1964 Vizepräsident des Landtages von Baden-Württemberg und von 1969 bis 1976 Vorsitzender der FDP/DVP-Fraktion.

Leben und Beruf

Der katholische Sohn eines Landwirts und Kalkwerkbesitzers besuchte Gymnasien in Rheinbach (erzbischöfliches Konvikt) und Köln-Mülheim (Realgymnasium). Nach dem Abitur studierte Brandenburg von 1927 bis 1934 Rechtswissenschaften in Köln und Tübingen (unterbrochen durch eine längere Krankheit). Seit 1927 war er Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Asgard Köln. Er legte 1934 das Staatsexamen ab und wurde im selben Jahr mit einer Arbeit über Die Tariflohnverwirkung durch Verschweigen zum Dr. jur. promoviert.

Danach war Brandenburg als Unternehmensjurist und Verkaufsleiter beim Mineralölunternehmen Rhenania-Ossag in Köln tätig, 1941 wechselte er als Hauptabteilungsleiter zu den Vereinigten Flugmotorenwerken in Straßburg. Nach deren Fusion mit den Junkers Flugzeug- und Motorenwerken wurde er 1942 kaufmännischer Leiter eines Junkers-Werkes in Warschau im von NS-Deutschland besetzten Polen. Das Werk wurde im Rahmen des deutschen Rückzugs zunächst nach Rawicz dann nach Leipzig verlegt. Wegen seiner leitenden Position in der Rüstungsindustrie war er während des Zweiten Weltkriegs vom Militärdienst freigestellt.

Bei Kriegsende zog er nach Pforzheim in der amerikanischen Besatzungszone, wo Brandenburg Ende Juli 1945 Direktor der Sparkasse wurde. Im September desselben Jahres übernahm er auch die Leitung der Bankenvereinigung Pforzheim; von Oktober 1945 bis Juli 1946 war er zugleich kommissarischer Stadtkämmerer von Pforzheim. Er galt als „politisch einwandfrei“ und trat 1946 im Rahmen der Entnazifizierungsverfahren als öffentlicher Kläger bei der Spruchkammer Pforzheim auf. 1947 gründete er mit Felix Richter die „Süddeutsche Allgemeine Zeitung“, verkaufte seinen Anteil aber bereits im selben Jahr wieder, nachdem er zum Oberbürgermeister gewählt worden war.

Johann Peter Brandenburg heiratete 1942 in Pforzheim Annemarie Tritschler, mit der er eine Tochter bekam. Nach seinem Tod wurde auf dem Pforzheimer Hauptfriedhof bestattet.

Partei

Brandenburg war 1945 einer der Gründer der „Sozialen Volkspartei“, die im Januar 1946 in der Demokratischen Volkspartei (DVP) Württemberg-Badens aufging. Diese war ab 1948 ein Landesverband der FDP und ging 1952 in der FDP/DVP Baden-Württemberg auf.

Abgeordneter

Im Juni 1946 wurde Brandenburg als einer von drei Vertretern des Wahlkreises Pforzheim in die Verfassunggebende Landesversammlung Württemberg-Baden gewählt. Nach dem Inkrafttreten der Landesverfassung gehörte er von 1946 bis 1952 dem Landtag von Württemberg-Baden an. Er war ein überzeugter Verfechter der Idee eines Südweststaats, das heißt der Fusion der drei von den Alliierten Besatzungsmächten geschaffenen Länder Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern und (Süd-)Baden zum heutigen Land Baden-Württemberg. Nachdem diese erfolgt war, gehörte er von 1952 bis 1964 und erneut von 1968 bis 1976 dem Landtag von Baden-Württemberg an. Von 1956 bis 1964 war er dessen Vizepräsident. 1969 wählte ihn die FDP/DVP-Fraktion zu ihrem Vorsitzenden, was er bis zu seinem Ausscheiden aus dem Landtag 1976 blieb.

Öffentliche Ämter

Ab August 1946 war Brandenburg erster Bürgermeister, das heißt Stellvertreter des Oberbürgermeisters Friedrich Adolf Katz. Nachdem der Stadtrat diesem das Misstrauen ausgesprochen hatte, wählte er Brandenburg im August 1947 im zweiten Wahlgang – mit den Stimmen von CDU und DVP, gegen den Kandidaten der SPD – zum neuen Oberbürgermeister. Bei der ersten Direktwahl des Stadtoberhaupts wurde er 1948 von der Bevölkerung auf weitere sechs Jahre in diesem Amt bestätigt; 1954 wurde er auf zwölf Jahre als Oberbürgermeister wiedergewählt.

Hauptsächlich Brandenburgs Arbeit ist das heutige Stadtbild Pforzheims zu verdanken, da er für den Wiederaufbau der fast komplett zerstörten Stadt verantwortlich zeichnete. Brandenburg kämpfte (nicht nur als OB, sondern auch als Landtagsabgeordneter) vehement für eine kommunale statt einer landesstaatlichen Polizei, da er die kommunale Polizei für bürgernäher und auch effektiver hielt als zentral von Stuttgart aus geführte Sicherheitskräfte.

Bei der Pforzheimer Oberbürgermeisterwahl im November 1965 bewarb sich Brandenburg um eine weitere Amtszeit, unterlag diesmal aber Willi Weigelt von der SPD. Ende Januar 1966 schied er nach über 18 Jahren aus dem Amt.

Am 24. Juni 1976 wurde Brandenburg zum Richter am Staatsgerichtshof für das Land Baden-Württemberg in der Gruppe der Mitglieder ohne Befähigung zum Richteramt gewählt. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Tod im März 1977 inne. Zu seinem Nachfolger wurde Wilhelm Hofmann gewählt.

Ehrungen und Auszeichnungen

Bei seinem Ausscheiden aus dem Oberbürgermeister-Amt wurde Brandenburg das Ehrenbürgerrecht der Stadt Pforzheim verliehen. 1976 wurde ihm die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg verliehen.

Literatur

  • Heide Hammel: Die Zukunft hat schon begonnen. Johann Peter Brandenburg. verlag regionalkultur, ISBN 978-3-89735-508-8
  • Johann Peter Brandenburg im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  • Hans-Peter Becht: Baden-Württembergische Biographien, Band 1 (1994), S. 42–43.

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