Johannes Hendrik Kramers (* 26. Februar 1891 in Rotterdam; † 17. Dezember 1951 in Oegstgeest) war ein niederländischer Literaturwissenschaftler, Islamwissenschaftler, Arabist Orientalist und Übersetzer.
Leben
Johannes Hendrik Kramers war von Jugend an sprachinteressiert, er brachte sich Italienisch und Russisch bei. Aus dem Hebräischunterricht am Gymnasium Erasmianum seiner Heimatstadt erwuchs sein Interesse für die semitischen Sprachen. Ab 1909 studierte er an der Universität Leiden Rechtswissenschaften, außerdem orientalische Sprachen bei Christiaan Snouck Hurgronje. 1915 wurde er mit einer rechtsvergleichenden Dissertation zum osmanischen Strafrecht zum Dr. jur. promoviert. Danach lebte er fünf Jahre in Konstantinopel und arbeitete als Dolmetscher und Übersetzer der niederländischen Botschaft. Dort lernte auch Persisch und Armenisch. Snouck Hurgronje erwirkte, dass Kramers das Lektorat für Türkisch und Persisch an der Universität Leiden erhielt. Am 22. Februar 1922 hielt Kramers seine Antrittsvorlesung Über die Geschichtsschreibung der osmanischen Türken. Aufgrund seiner Sprachkenntnisse und seiner Kenntnisse der Türkei wurde er 1922 und 1923 bei den Verkandlungen über die Beendigung des Griechisch-Türkischen Krieges hinzugezogen, die am 24. Juli 1923 im Vertrag von Lausanne mündeten. 1925 dolmetschte er für die Kommission des Völkerbundes, die den Verlauf der Grenze zwischen dem Irak und der Türkei festlegte, zwischen dem Arabischen und dem Türkischen.
Durch die Zusammenarbeit mit den Arabisten Juda Lion Palache und Cornelis van Arendonk (1881–1946) entwickelte Kramers ein immer stärkeres Interesses am Arabischen. Er befasste sich insbesondere mit den mittelalterlichen arabischen Geographen. Kramers wurde zu einem Hauptautor der Monumenta Cartographica Africae et Aegypti, einer einzigartigen Sammlung und Edition geographischer Beschreibungen Afrikas seit den frühesten Zeiten. Dabei übernahm er insbesondere die Edition der arabischen, syrischen und altäthiopischen Quellen und übersetzte sie ins Französische. 1938 und 1939 gab er das Opus geographicum von Ibn Ḥauqal heraus.
Als Nachfolger von Arent Jan Wensinck wurde Kramers Professor für Arabisch und Islamwissenschaft an der Universität Leiden. Am 9. Februar 1940 hielt er seine Antrittsvorlesung über Die Sprache des Koran. Seine wissenschaftliche Leidenschaft galt vor allem der arabischen Sprache. Darüber hinaus erlernte er zahlreiche weitere semitischen Sprachen, deren stupende Kenntnis sein 1949 erschienenes Buch De semietische talen, ein Standardwerk, bezeugt. In der Islamwissenschaft widmete er sich insbesondere der Geschichte des Islam. Er übersetzte die intellektuelle Autobiographie al-Ghazālīs (al-Munqiḏ min aḍ-ḍalāl: „Der Erretter aus dem Irrtum“) ins Niederländische.
Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg zog sich Kramers von den Universität zurück. Die Kriegsjahre wurden für ihn, wie er es mit einem Cicero-Zitat ausdrückte, zu einem otium cum dignitate (lateinisch: Muße in Würde). Statt an der Universität setzte er seine Kolloqien im Stillen, im privaten Kreis fort.
Kramers wirkte an vielen islamwissenschaftlichen Standardwerken mit, darunter als Mitherausgeber der Encyclopaedia of Islam. In seiner Kenntnis des Korans kamen ihm nur wenige westliche Gelehrte gleich. Die Kunst, mit der er lange Abschnitte des Korans auswendig rezitierte, war beeindruckend. Insofern lag es nahe, dass er auch den Koran ins Niederländische übersetzte.
Ehrungen
Johannes Hendrik Kramers war Interpres Legati Warneriani.
1946 wurde Kramers zum Mitglied der Königlich Niederländischen Akademie der Wissenschaften (KNAW) gewählt.
Schriften (Auswahl)
- Ibn Ḥauqal: Opus geographicum. Secundum textum et imagines codicis Constantinopolitani conservati in bibliotheca antiqui Palatii No. 3346 cui titulus est „Liber imaginis terrae“. Zwei Bände. Herausgegeben von Johannes Hendrik Kramers. Brill, Leiden 1938 und 1939.
- De semietische talen. Brill, Leiden 1949.
- De Redder uit de dwaling. Al-Ghazzali. Uit het Arabisch vertaald en toegelicht. De Arbeiderspers, Amsterdam 1951.
- als Herausgeber mit Arent Jan Wensinck: Handwörterbuch des Islam. 2. Auflage. Brill, Leiden 1976.
- als Mitherausgeber: Encyclopaedia of Islam, zweite Auflage
Literatur
- Guillaume Frédéric Pijper: Herdenking van Johannes Hendrik Kramers (26 Februari 1891 – 17 December 1951). In: Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen: Jaarboek, 1951–1952, S. 225–231 (Digitalisat).
- Franz Babinger: Johannes Hendrik Kramers (1891–1951). In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Band 102, Nr. 1, 1952, S. 10–13. JSTOR:43368841
- Willem Otterspeer (Hrsg.): Leiden Oriental Connections 1850–1940. 1997 (= Studies in the History of Leiden University. Band 5) (Online-Teilansicht).
Fußnoten
- Guillaume Frédéric Pijper: Herdenking van Johannes Hendrik Kramers (26 Februari 1891 – 17 December 1951). In: Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen: Jaarboek, 1951–1952, S. 225–231, hier S. 225.
- Guillaume Frédéric Pijper: Herdenking van Johannes Hendrik Kramers (26 Februari 1891 – 17 December 1951). In: Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen: Jaarboek, 1951–1952, S. 225–231, hier S. 226.
- Guillaume Frédéric Pijper: Herdenking van Johannes Hendrik Kramers (26 Februari 1891 – 17 December 1951). In: Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen: Jaarboek, 1951–1952, S. 225–231, hier S. 227.
- Guillaume Frédéric Pijper: Herdenking van Johannes Hendrik Kramers (26 Februari 1891 – 17 December 1951). In: Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen: Jaarboek, 1951–1952, S. 225–231, hier S. 228.
- Guillaume Frédéric Pijper: Herdenking van Johannes Hendrik Kramers (26 Februari 1891 – 17 December 1951). In: Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen: Jaarboek, 1951–1952, S. 225–231, hier S. 230.
- Guillaume Frédéric Pijper: Herdenking van Johannes Hendrik Kramers (26 Februari 1891 – 17 December 1951). In: Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen: Jaarboek, 1951–1952, S. 225–231, hier S. 229.
- Johannes H. Kramers: De Koran, uit het Arabisch vertaald. Amsterdam/Brüssel 1956; Nachdruck ebenda 1965. Bearbeitet von Asasd Jaher und Johannes J. G. Jansen. Amsterdam 2003.
- Past Members: J.H. Kramers. Königlich Niederländische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 21. Mai 2023 (mit Link zum Nachruf, niederländisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kramers, Johannes Hendrik |
| ALTERNATIVNAMEN | Kramers, J. H. |
| KURZBESCHREIBUNG | niederländischer Islamwissenschaftler |
| GEBURTSDATUM | 26. Februar 1891 |
| GEBURTSORT | Rotterdam |
| STERBEDATUM | 17. Dezember 1951 |
| STERBEORT | Oegstgeest |
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