Juho Kusti Paasikivi

Juho Kusti Paasikivi, Valtioneuvos [ˈjuhɔ ˈkusti ˈpɑːsikivi] (* 27. November 1870 als Johan Gustaf Hellsten in Koski Hl, heute Hämeenkoski; † 14. Dezember 1956 in Helsinki), war ein finnischer Politiker der Finnischen Partei und später der Nationalen Sammlungspartei (KOK). Er war 1918 und 1944/46 Regierungschef sowie von 1946 bis 1956 Staatspräsident.

Gemeinsam mit seinem Nachfolger Urho Kekkonen prägte er die sogenannte Paasikivi-Kekkonen-Doktrin, nach der Finnland sein Überleben als souveränes, demokratisches Land in unmittelbarer Nachbarschaft zur Sowjetunion durch Zugeständnisse gegenüber der Großmacht und strikte Neutralität im Kalten Krieg sicherte.

Leben

Johan Gustaf Hellstén war der Sohn eines Kaufmannsgehilfen im Tuchhandel. Zur Zeit seiner Geburt waren die in Tampere ansässigen Eltern auf der Durchreise, um Stoffe zum Weihnachtsmarkt nach Lahti zu bringen, weshalb er in der Rauchsauna eines Hauses in der Nähe von Koski (Provinz Häme) zur Welt kam. Das Großfürstentum Finnland war damals Teil des Russischen Reichs. Seine Mutter starb, als er vier Jahre alt war, mit 14 Jahren wurde er Vollwaise. Im Zuge der finnischen Nationalbewegung („Fennomanie“) änderte er 1887 seinen schwedischsprachigen Namen in die finnische Form: Juho Kusti Paasikivi. Ab 1890 studierte er zunächst russische Sprache und Literatur an der Universität Helsinki, dann Recht und Geschichte an den Universitäten Stockholm, Uppsala und Leipzig. Nach seiner Promotion zum Doktor des Rechts wurde er 1902 Dozent an der Universität Helsinki, wechselte aber nach nur einem Jahr in die Finanzverwaltung.

Paasikivi nahm schon früh am politischen Leben Finnlands teil: Für die Finnische Partei saß er ab 1907 als Abgeordneter im erstmals nach allgemeinem Wahlrecht gewählten Parlament (Eduskunta) des autonomen Großherzogtums Finnland. Von 1908 bis 1909 war er Finanzminister, trat aber aus Protest gegen Versuche der russischen Zentralregierung, Finnland zu russifizieren, zurück.

Nach der Finnischen Unabhängigkeitserklärung im Dezember 1917 war Paasikivi vom Mai bis November 1918 stellvertretender Vorsitzender des Senats und damit faktischer Regierungschef des unabhängigen Finnlands (Senatsvorsitzender war nach der noch geltenden Verfassung des Großfürstentums der Generalgouverneur, das Amt war aber seit der Unabhängigkeit vakant). Außenpolitisch trat Paasikivi für eine Anlehnung an das Deutsche Reich ein, verfassungspolitisch für eine Monarchie unter Friedrich Karl von Hessen als finnischem König. Er gehörte Ende 1918 zu den Mitbegründern der Nationalen Sammlungspartei, die aus den Teilen der konservativen (Alt-)Finnischen und der liberalen Jungfinnischen Partei hervorging, die eine Monarchie befürworteten. Bei der Parlamentswahl im März 1919 errangen jedoch die republikanischen Kräfte eine Mehrheit und mit der Verfassung von 1919 wurde Finnland eine Republik.

Danach war Paasikivi Leiter der finnischen Delegation bei den Verhandlungen, die zum finnisch-russischen Friedensvertrag von Dorpat (Tartu) führten. Dabei warnte er die eigene Regierung davor, die zeitweilige Schwäche Sowjetrusslands auszunutzen. So erhielt Finnland zwar den eisfreien Hafen Petschenga (Petsamo) an der Barentssee, gab aber die 1918 besetzten Gebiete von Reboly (Repola) und Porossosero (Porajärvi) an Russland zurück. In der Folgezeit zog sich Paasikivi zunächst aus der Politik zurück und betätigte sich als Banker und Geschäftsmann.

In den Jahren 1936 bis 1939 war er Finnlands Gesandter in Schweden, wo er die sogenannte Skandinavische Orientierung vertrat. Im Herbst 1939 leitete er die finnische Delegation bei Verhandlungen mit der UdSSR, die jedoch den sowjetischen Angriff auf Finnland im Winterkrieg nicht verhindern konnten. Nach dem Frieden von Moskau mit finnischen Gebietsabtretungen war Paasikivi finnischer Botschafter in der Sowjetunion bis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen aufgrund des 1941 erklärten Fortsetzungskriegs. Bei den Waffenstillstandsverhandlungen im Frühjahr 1944 war er erneut Delegationsleiter.

Nach Ende des Fortsetzungskriegs gegen die Sowjetunion hatte Paasikivi von November 1944 bis März 1946 ein weiteres Mal das Amt des finnischen Ministerpräsidenten inne.

Nach dem Rücktritt von Gustaf Mannerheim im März 1946 wählte das Parlament Paasikivi zum Staatspräsidenten (für den Rest von Mannerheims regulärer Amtszeit). Während seiner Präsidentschaft wurde der Finnisch-Sowjetische Vertrag von 1948 abgeschlossen. Als Politiker repräsentierte er die Linie der Versöhnung mit der Sowjetunion (die von seinen Gegnern Sowjethörigkeit genannt wurde), die Finnlands „begrenzte Souveränität“ als Folge hatte. Bei der regulären Präsidentschaftswahl 1950 kam Paasikivi im ersten Wahlgang mit 22,9 Prozent der Wählerstimmen auf den ersten Platz und wurde in der zweiten Runde (durch das Parlament) für eine sechsjährige Amtszeit wiedergewählt. Sein Nachfolger wurde Urho Kekkonen vom Landbund, der Paasikivis außenpolitische Linie weiterführte, welche auch als Paasikivi-Kekkonen-Doktrin bezeichnet wird.

Paasikivi starb im Jahre 1956. Nach einer staatlichen Trauerfeier im Dom von Helsinki wurde er auf dem Friedhof Hietaniemi in Helsinki beigesetzt.

Die finnische Banknote zu 10 Mark, welche von 1963 bis in die 1970er-Jahre in Umlauf war, trägt sein Porträt.

Siehe auch

  • Kabinett Paasikivi I
  • Kabinett Paasikivi II
  • Kabinett Paasikivi III

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