Das Kabinett Lecornu I (französisch Gouvernement Lecornu I) war die vom 9. September 2025 an in Form des Premierministers und vom 5. bis zum 6. Oktober 2025 vollständig amtierende Regierung der Französischen Republik unter Premierminister Sébastien Lecornu (RE), die anschließend noch bis zum 10. Oktober 2025 (Premierminister) bzw. 12. Oktober 2025 (Minister) geschäftsführend im Amt verblieb. Es war die 47. Regierung der Fünften Französischen Republik und die achte von Staatspräsident Emmanuel Macron (RE) ernannte Regierung.
| Kabinett Lecornu I Gouvernement Lecornu I | |
|---|---|
| XLVII. Regierung der Fünften Französischen Republik | |
| Premierminister | Sébastien Lecornu (RE) |
| Legislaturperiode | XVII. (Fünfte Republik) |
| Ernannt durch | Staatspräsident Emmanuel Macron (RE) |
| Beginn | 9. September 2025 |
| Ende | 10. Oktober 2025 |
| Dauer | 31 Tage |
| Vorgänger | Kabinett Bayrou |
| Nachfolger | Kabinett Lecornu II |
| Zusammensetzung | |
| Partei(en) | Ensemble (RE, MoDem, HOR), LR |
| Minister | 17 |
| Staatssekretäre | 2 |
| Repräsentation | |
| Nationalversammlung | 211/577 |
Bereits einen Tag nach der Ernennung der Ressortminister reichte Lecornu am 6. Oktober 2025 seinen Rücktritt ein.
Regierungsbildung
Nachdem Premierminister François Bayrou am 8. September 2025 der Nationalversammlung die Vertrauensfrage gestellt und diese verloren hatte, reichte er am 9. September 2025 den Rücktritt seiner Regierung ein.
Staatspräsident Emmanuel Macron ernannte am selben Tag Sébastian Lecornu zum Premierminister. Macron beauftragte Lecornu mit der Bildung einer Regierung. Da weitere Regierungsmitglieder zunächst nicht berufen wurden, bestand die Regierung zunächst nur aus dem Premierminister; in dieser Zeit nahmen die Mitglieder der Regierung Bayrou ihre Funktionen weiter geschäftsführend wahr.
Am 5. Oktober 2025 ernannte Präsident Macron auf Vorschlag Lecornus 18 Mitglieder der Regierung: 16 Ressortminister und zwei dem Premierminister beigeordnete delegierte Minister. Die Ernennung weiterer beigeordneter Minister sollte nach der Regierungserklärung in der Nationalversammlung erfolgen, die für den 7. Oktober 2025 geplant war.
Von den am 5. Oktober 2025 ernannten 18 Regierungsmitgliedern waren 12 mit identischer oder fast identischer Funktion bereits Mitglied der Regierung Bayrou gewesen, drei weitere waren bereits Mitglieder anderer Regierungen unter der Präsidentschaft Macrons gewesen, darunter der langjährige Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire (RE), der das Ministerium der Streitkräfte und der Veteranen übernehmen sollte, ein Minister (Éric Woerth, Minister für Raumplanung) war bereits in den 2000er-Jahren Minister gewesen, lediglich zwei (Naïma Moutchou und Mathieu Lefèvre) waren zuvor niemals Regierungsmitglied. Parteipolitisch umfasste die Regierung ausschließlich Mitglieder der Parteien Renaissance (RE), Les Républicains (LR), Mouvement démocrate (MoDem) und Horizons (HOR) und damit derselben Parteien, die bereits im vorangegangenen Kabinett Bayrou vertreten waren. Ebenso wie alle Regierungen seit der Wahl der Nationalversammlung 2022 hatte auch die Regierung Lecornu dort keine eigene Mehrheit.
Rücktritt
Am 6. Oktober 2025 – nur einen Tag, nachdem die Minister ernannt worden waren – reichte Lecornu den Rücktritt der Regierung ein. Präsident Macron nahm diesen am selben Tag an. Auslöser des Rücktritts war, dass die Berufung der Minister nicht nur auf scharfe Kritik aller Oppositionsparteien gestoßen war – was angesichts der fehlenden Mehrheit des die Regierung tragenden socle commun ein erfolgreiches Misstrauensvotum erwarten ließ –, sondern sich auch Bruno Retailleau, der Präsident der zum socle commun gehörenden Les Républicains, als Innenminister gerade wieder in die Regierung berufen, von der Regierungsbildung distanziert hatte. Er beklagte, über die Ministerliste im Vorfeld nicht ausreichend informiert worden zu sein und störte sich insbesondere an der Rückkehr des früheren Wirtschafts- und Finanzministers Bruno Le Maire nun als Verteidigungsminister in die Regierung.
Mit nur 27 Tagen bzw. unter Berücksichtigung der geschäftsführenden Amtszeit 31 Tagen im Amt wurde die Regierung Lecornu die am kürzesten amtierende Regierung der Fünften Republik; alle Regierungen mit einer ähnlich kurzen Amtszeit waren außerdem von Vorhinein als Übergangsregierung zwischen einer Präsidenten- und einer Parlamentswahl angelegt gewesen. Dass Minister komplett ihr Amt faktisch gar nicht antraten, da die Regierung nur einen halben Tag nach ihrer Ernennung zurücktrat, hatte es in der fünften Republik noch nie gegeben. Ähnlich kurz amtierten zuletzt die Regierung von Frédéric François-Marsal, der am 8. Juni 1924 zum Premierminister ernannt wurde, am 9. Juni seine Regierung bildete und am 10. Juni 1924 von der Abgeordnetenkammer gestürzt wurde.
Durch ein weiteres Dekret vom 6. Oktober 2025 entband Präsident Macron auf Vorschlag des geschäftsführenden Premierministers Lecornu den Minister der Streitkräfte und der Veteranen, Bruno Le Maire (RE), auf dessen eigenen Wunsch von der Führung der laufenden Geschäfte und übertrug die Führung der laufenden Geschäfte des Ministers der Streitkräfte und der Veteranen dem Premierminister Lecornu.
Bis zu seiner Wiederberufung zum Premierminister am 10. Oktober 2025 blieb Lecornu als Premierminister geschäftsführend im Amt, die Minister mit Ausnahme von Le Maire blieben es bis zur Ernennung ihrer jeweiligen Nachfolger in der Regierung Lecornu II am 12. Oktober 2025.
Zusammensetzung
Die Regierung umfasste mit Stand vom 5. Oktober 2025 neben dem Premierminister 16 selbständige Minister (davon fünf mit dem Titel Ministre d’État) und zwei dem Premierminister beigeordnete delegierte Minister, die beide auch an allen Kabinettssitzungen teilnehmen sollten.
Premierminister
| Porträt | Name | Funktion | Partei | |
|---|---|---|---|---|
| Sébastien Lecornu | Premierminister, zugleich zuständig für ökologische und energiepolitische Planung Premier ministre, chargé de la planification écologique et énergétique | RE | ||
Minister
| Porträt | Name | Ressort | Partei | |
|---|---|---|---|---|
| Élisabeth Borne | Ministre d’État, Ministerin für Bildung, Hochschulunterricht und Forschung ministre d’Etat, ministre de l’éducation nationale, de l’enseignement supérieur et de la recherche | RE | ||
| Manuel Valls | Ministre d’État, Minister für die Überseegebiete ministre d’Etat, ministre des outre-mer | RE | ||
| Gérald Darmanin | Ministre d’État, Siegelbewahrer, Minister der Justiz ministre d’Etat, garde des sceaux, ministre de la justice | RE | ||
| Bruno Retailleau | Ministre d’État, Minister des Innern ministre d’Etat, ministre de l’intérieur | LR | ||
| Bruno Le Maire (bis 6. Oktober 2025) | Ministre d’État (bis 6. Oktober 2025), Minister der Streitkräfte und der Veteranen ministre d’Etat, ministre des armées et des anciens combattants | RE | ||
| Sébastien Lecornu (ab 6. Oktober 2025) | RE | |||
| Catherine Vautrin | Ministerin für Arbeit, Gesundheit, Soziales, Familien und Behinderte ministre du travail, de la santé, des solidarités, des familles, de l’autonomie et des personnes handicapées | RE | ||
| Rachida Dati | Ministerin für Kultur ministre de la culture | LR | ||
| Roland Lescure | Minister für Wirtschaft, Finanzen und Souveränität in Industrie und Energie ministre de l’économie, des finances et de la souveraineté industrielle et énergétique | RE | ||
| Jean-Noël Barrot | Minister für Europa und Auswärtiges ministre de l’Europe et des affaires étrangères | MoDem | ||
| Éric Woerth | Minister für Raumplanung, Dezentralisierung und Wohnen ministre de l’aménagement du territoire, de la décentralisation et du logement | RE | ||
| Agnès Pannier-Runacher | Ministerin für die ökologische Transformation, Biodiversität, Wald, Meer und Fischerei ministre de la transition écologique, de la biodiversité, de la forêt, de la mer et de la pêche | RE | ||
| Annie Genevard | Ministerin für Landwirtschaft und Nahrungsmittelsouveränität ministre de l’agriculture et de la souveraineté alimentaire | LR | ||
| Amélie de Montchalin | Ministerin für den Staatshaushalt ministre des comptes publics | RE | ||
| Naïma Moutchou | Ministerin für die Transformation der öffentlichen Verwaltung, künstliche Intelligenz und Digitales ministre de la transformation et la fonction publiques, de l’intelligence artificielle et du numérique | HOR | ||
| Philippe Tabarot | Minister für Verkehr ministre des transports | LR | ||
| Marina Ferrari | Ministerin für Sport, Jugend und Vereinsleben ministre des sports, de la jeunesse et de la vie associative | MoDem | ||
Beigeordnete Minister
| Porträt | Name | Funktion | Übergeordneter Minister | Partei | |
|---|---|---|---|---|---|
| Aurore Bergé | Delegierte Ministerin zuständig für die Gleichstellung von Frauen und Männern und den Kampf gegen Diskriminierungen, Regierungssprecherin ministre déléguée chargée de l’égalité entre les femmes et les hommes et de la lutte contre les discriminations, porte-parole du Gouvernement | Premierminister | RE | ||
| Mathieu Lefèvre | Delegierter Minister zuständig für die Beziehungen zum Parlament ministre délégué chargé des relations avec le Parlement | RE | |||
Siehe auch
- Politisches System Frankreichs
- Präsidentschaft von Macron
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