Die Kathedrale San Martino ist die Kathedrale von Lucca und des gleichnamigen Erzbistums in der Toskana (Italien). Nah der südlichen Stadtmauer gelegen wurde der Überlieferung nach der Ursprungsbau im 6. Jahrhundert von Frediano gegründet, während des Bischofsamtes Anselmo da Baggios neu gebaut (Weihe 1070) und zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert nochmals erweitert.
Geschichte
Gründung und Vorgängerbauten
Der Standort der Kathedrale liegt, wie in anderen Städten antiken Ursprungs, am Rande der römischen Stadt: die zentralen Bereiche des römischen Lucca waren bereits bebaut, und der Plan, die Kirche San Michele in Foro auf dem Forum zu errichten, war noch nicht verwirklicht. Über den ursprünglichen Bau ist nichts bekannt; es wird angenommen, dass die Kathedrale ein Bischofssitz[2] war, der aus einem Kirchenkomplex mit unterschiedlichen Funktionen bestand. Der Raum um die heutige Piazza San Martino wurde bestimmt vom Baptisterium, der Kirche Santa Reparata sowie vermutlich der Kirche, die an der Stelle der heutigen Kathedrale stand. Im Umkreis befanden sich weitere Sakralbauten, wie die abgerissenen Kirchen Santo Stefano de Machariis und die Kirche der Jungfrau Maria und Sankt Peter.
Laut dem Historiker Ghilardicci war San Martino lediglich die vierte Kathedrale Luccas. Der erste Bischofssitz war demnach Sankt Peter, eine Kirche außerhalb der Stadtmauer in der Nähe des Südtors, wo heute das Oratorio della Madonnina steht. Die zweite war die der heiligen Reparata geweihte Kirche, die Ende des 4. Jahrhunderts erbaut, aber mindestens bis zum Beginn des 8. Jahrhunderts von den Arianern bewohnt war. Die dritte Kathedrale war San Vincenzo, eine der Überlieferung nach im 6. Jahrhundert von Bischof Frediano gegründete Kirche. Frediano, der aus Irland stammte, war 560 zum Bischof von Lucca ernannt worden, starb dort 588 und wurde heiliggesprochen, woraufhin Sankt Vinzenz im 12. Jahrhundert seinen Namen erhielt und in dieser Kirche seine Gebeine beigesetzt wurden.
Mit dem Ende des Langobardenreichs und dem Aufstieg des Heiligen Römischen Reiches, zusammen mit dem Papsttum, gewann die Kirche San Martino an Bedeutung und wurde bereits 725 urkundlich als Kathedrale erwähnt. Ein Zeichen dieses Wandels war die Überführung der Reliquien des heiligen Regulus im Jahr 780 durch Bischof Johannes I. aus der nun entvölkerten Stadt Populonia. Um die wertvollen Reliquien gebührend unterzubringen, wurde die Kirche erweitert, wozu eine Krypta und eine neue, prunkvollere Innenausstattung gehörten. Einziges Überbleibsel dieses Baus ist ein einzelner Findling, der heute im Dommuseum aufbewahrt wird.
Kirchenbau
Die dreischiffige Kirche hat ein zweischiffiges Querhaus. Die Emporen des Langhauses sind nicht belichtet.
Die Westfassade gehört zur ältesten Bauperiode der Kathedrale. Sie wurde von Guidetto da Como gestaltet und unter seiner Leitung ausgeführt. Guidetto war zuvor am Bau des Doms von Pisa beteiligt, von wo er die dort erstmalig ausgeführte Gliederung der Schauseite mit Arkaden übernahm und variierte. Außergewöhnlich hier ist die Tiefe der Verblendung in Form eines Portikus, eine vom eigentlichen Baukörper abgesetzte offene Vorhalle, über der sich die drei Arkadenreihen erheben, wobei die obere abgestuft und horizontal abgeschlossen ist.
Die Portalwand wurde zwischen 1233 und 1257 mit plastischem Schmuck ausgestaltet.
Besonderer Wert wurde dabei auf die absichtlich nicht einheitliche Gestaltung der Säulen gelegt. Die beiden Ecksäulen des obersten Fassadengeschosses sind sogenannte Knotensäulen. Derartige Säulenpaare (hier sogar gedoppelt) hatten im Mittelalter apotropäische Bedeutung, in dem sie als Zauberzeichen Unheil abwehren sollten (Ein späteres Beispiel wären die gotischen Wasserspeier in Gestalt von Ungeheuern).
An den Säulen und den Wandflächen wurde jede Möglichkeit zu einer feinen Ornamentik genutzt, deren Motive aus der Teppichwebekunst stammen.
In der Chorpartie des Domes wurde das Gliederungsschema der Fassade wieder aufgegriffen. Auch hier wird die Tendenz deutlich, wenn auch nicht so schön und „morgenländisch“ wie in Pisa, das ganze Gebäude mit aufgeblendeten Bogenstellungen zu umziehen.
- Die abschließende Arkade der Westfassade mit ‚verknoteten‘ Ecksäulen
- Das Fingerlabyrinth am Portikus
Eine Tafel der Säulenverkleidung des Portikus zeigt ein Flachrelief mit einem sogenannten Fingerlabyrinth. Es entspricht in seiner Linienführung dem berühmten Labyrinth auf dem Boden der Kathedrale von Chartres und entstand wahrscheinlich in der gleichen Zeit wie die Fassade.
Ausstattung
Im Innenraum ist vor allem der Sarkophag der Ilaria del Carretto von Jacopo della Quercia (1374–1438) aus der Zeit um 1406 erwähnenswert.
Im Mittelschiff befindet sich als Fußbodenmosaik mit dem Urteil des Salomo von 1475, ein Werk von Antonio di Ghino da Siena.
Das Sakramentshaus, ein Tempietto, wurde 1484 von Matteo Civitali geschaffen. Es beherbergt das Volto Santo, ein lebensgroßes Holzkruzifix, das schon von Dante gerühmt wurde.
Das Altarbild des dritten Seitenaltars rechts stammt von Jacopo Tintoretto, das Letzte Abendmahl schuf er vor 1550.
- Blick in den Altarraum
- Maestà mit Heiligen von Domenico Ghirlandaio (um 1479)
- Sakramentshaus („Tempietto“)
- San Regolo-Altar
- Sarkophag der Ilaria del Carretto
- Das Letzte Abendmahl von Tintoretto
- Bodenmosaik mit dem Urteil des Salomon
- Der Volto Santo (um 780–820), nach seiner Restaurierung 2025
Orgel
Die Orgel wurde 1955 von der Orgelbauwerkstatt Mascioni erbaut. Das Schleifladen-Instrument hat 48 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Trakturen sind elektrisch. Die einzelnen Werke sind über den Kathedralraum verteilt: Hinter dem Hauptaltar findet sich das „positivo corale“ mit zugehörigen Pedalregistern. Grand’Organo, Organo Espressivo und das Pedalwerk sind in zwei Renaissance-Gehäusen untergebracht, von denen sich jeweils eines auf einer kleinen Tribüne im jeweiligen Seitenschiff befindet, in unmittelbarer Nähe zum Querschiff. Die Orgelprospekte liegen einander gegenüber zum Mittelschiff hin. Das Instrument lässt sich von einem mobilen Spieltisch aus bedienen.
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Literatur
- Roberto Donati: Lucca. Narni 1982.
- Gabriele Kopp: Die Skulpturen der Fassade von San Martino in Lucca (=Heidelberger kunstgeschichtliche Abhandlungen, n.F., Nr. 15). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1981, ISBN 978-3-88462-004-5.
- Klaus Zimmermanns: Toscana (DuMont Kunst-Reiseführer). DuMont Köln 1980, S. 108.
- Idea societa cooperativa: Der Dom San Martino Lucca. Hrsg. von Complesso Museale e Archeologico della Cathedrale di Lucca, Broschüre, Lucca 2023.
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