Kleinreuth hinter der Veste

Kleinreuth hinter der Veste (nürnbergisch: Glaareid) ist der Name des statistischen Distrikts 741 der kreisfreien Stadt Nürnberg (Mittelfranken, Bayern). Kleinreuth liegt im Statistische Bezirk 74 (Thon).

Kleinreuth hinter der Veste
Statistischer Distrikt 741Vorlage:Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland/Wartung/Alternativname falsch
Kreisfreie Stadt Nürnberg
Koordinaten: 49° 29′ N, 11° 4′ OKoordinaten: 49° 28′ 37″ N, 11° 4′ 27″ O
Höhe: 312 m ü. NHN
Eingemeindung: 1. Januar 1899
Postleitzahl: 90425
Vorwahl: 0911
Lage der Gemarkung 3436 Kleinreuth hinter der Veste in Nürnberg

Geographie

Gemarkung

Die Gemarkung 3436 Kleinreuth h.d.Veste hat eine Fläche von 0,804 km². Sie ist in 1185 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 678,72 m² haben.

Lage

Der Distrikt 741 ist der nordöstliche Teil des statischen Bezirks Thon. Er besteht aus einem nördlichen Teil zwischen Thon und Marienbergpark, nördlich der Kilianstraße und einem südlichen Teil, dem Stadtteil Nordbahnhof.

Geschichte

Der Ort entstand auf einer Rodung, die im 11./12. Jahrhundert vom Nürnberger Königshof durchgeführt wurde. 1335 wurde er als „Rewt“ erstmals schriftlich erwähnt. 1347 wurde er „wenigen Riute“ genannt zur Unterscheidung vom benachbarten (Groß-)Reuth. Der Zusatz „hinder der festen“ (1426), der zur Unterscheidung von Kleinreuth bei Schweinau nötig wurde, weist auf die Lage außerhalb der Stadtmauern, nördlich der Burg hin. Im Zweiten Markgrafenkrieg (1552/54) wurden Groß- und Kleinreuth abgebrannt.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Kleinreuth hinter der Veste aus 38 Anwesen. Das Hochgericht übte die Reichsstadt Nürnberg aus, was aber vom brandenburg-bayreuthischen Oberamt Baiersdorf bestritten wurde. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Landpflegeamt der Reichsstadt Nürnberg. Grundherren waren das Kastenamt Cadolzburg (1 Wirtshaus, 1 Gut, 2 Gütlein, 2 Häuser), das Spitalamt der Reichsstadt Nürnberg (1 Halbhof, 2 Güter, 4 Gütlein) und die Nürnberger Eigenherren von Fürer (2 Güter, 1 Gütlein), von Grundherr (1 Gut), von Haller (1 Gütlein), von Holzschuher (1 Gütlein), von Praun (2 Viertelhöfe), von Scheurl (1 Gut), von Stromer (1 Gut), von Tucher (5 Güter, 6 Gütlein, 1 Schmiede). Das Hirten- und das Schulhaus unterstanden der Gemeinde.

1796 kam Kleinreuth hinter der Veste an Preußen und wurde vom Justiz- und Kammeramt Erlangen verwaltet, 1810 kam es an Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1813 der Steuerdistrikt und die Ruralgemeinde Großreuth hinter der Veste gebildet, zu dem bzw. zu der auch Kleinreuth hinter der Veste gehörte. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Kleinreuth. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Erlangen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden 2 Anwesen von 1822 bis 1834 dem Patrimonialgericht (PG) Almoshof (v. Holzschuher), 1 Anwesen von 1822 bis 1828 dem Patrimonialgericht (PG) Almoshof (v. Praun), 1 Anwesen von 1821 bis 1848 dem PG Gebersdorf, 1 Anwesen von 1821 bis 1836 dem PG Leyh, 14 Anwesen von 1823 bis 1835 dem PG Lohe und 1 Anwesen von 1822 bis 1835 dem PG Lohe und Behringersdorf. 1826 wurde Kleinreuth dem Landgericht Nürnberg (1879 in Amtsgericht Nürnberg umbenannt) und dem Rentamt Nürnberg überwiesen (1919 in Finanzamt Nürnberg umbenannt). Spätestens 1836 kam Neuhaus von der Gemeinde Großreuth hinzu. Ab 1862 gehörte Kleinreuth hinter der Veste zum neu geschaffenen Bezirksamt Nürnberg. Die Gemeinde hatte 1888 eine Gebietsfläche von 1,007 km².

Am 1. Januar 1899 wurde Kleinreuth in die Stadt Nürnberg eingegliedert.

Baudenkmäler

Im statistischen Bezirk Kleinreuth h.d.Veste gibt es acht Baudenkmäler:

  • Gallostraße 3: Waschhaus
  • Gallostraße 5: Wohnhaus
  • Mittelstraße 6: Wohnhaus mit Scheune
  • Mittelstraße 24: Scheune und Reste der Einfriedung einer ehemaligen Bauernhofanlage
  • Mittelstraße 37, 38, 40, 63: Wohnhäuser
ehemalige Baudenkmäler
  • Lohestraße 1: Eingeschossiges Sandsteinhaus mit zweigeschossigem Giebel, Stockwerksgesimsen und profilierten Fensterbänken, Mitte des 19. Jahrhunderts; Fenster, Haustüre und Dacherker modern erneuert.
  • Mittelstraße 4: Eingeschossiges Wohnhaus, erste Hälfte des 19. Jahrhunderts; mit Stall und Fachwerkscheune, Fenster erneuert.
  • Mittelstraße 7: Eingeschossiger Sandsteinbau, erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, mit zweigeschossigem Giebel; Stall und Backofen verändert. Fenster und Dachgauben erneuert.
  • Mittelstraße 8: Eingeschossiges Haus des 18. Jahrhunderts mit verputztem Fachwerkgiebel und Schopfwalm. Fenster erneuert.
  • Mittelstraße 10: Hofanlage des 18. Jahrhunderts. Eingeschossiges Wohnhaus mit dreigeschossigem Sandsteingiebel; Stall, Schupfen, Scheune und profilierte Sandsteintorpfeiler.
  • Mittelstraße 39: Eingeschossiges Wohnhaus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts; erneuert.
  • Mittelstraße 41: Eingeschossiges Wohnhaus des 18./19. Jahrhunderts, mit dreigeschossigem Giebel und verkröpftem Traufgesims sowie ein- bzw. zweigeschossigem Anbau; modernisiert. Sandsteinscheune mit verputztem Giebel.
  • Mittelstraße 48: Eingeschossiges verputztes Wohnhaus mit zweigeschossigem Giebel und Stallgebäude, erste Hälfte des 19. Jahrhunderts
  • Mittelstraße 49, 49a, 51, 53, 57: Kleine eingeschossige verputzte Giebelhäuser des 18./19. Jahrhunderts; teilweise modernisiert.
  • Mittelstraße 56: Hofhaus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus Sandstein; mit Volutengiebel und Kugelaufsätzen; teilweise modernisiert.
  • Sebaldusstraße 3: Eingeschossiges Wohnhaus mit dreigeschossigem erneuertem Fachwerkgiebel, im Kern 18. Jahrhundert.

Einwohnerentwicklung

Gemeinde Kleinreuth hinter der Veste

Jahr 1818 1836 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900
Einwohner 185 240 248 266 250 244 295 382 573 862 981 1025 1053 1428
Häuser 42 43 43 55 94 107 119
Quelle

Ort Kleinreuth hinter der Veste

Jahr 001818 001836 001840 001861 001871 001885 001910
Einwohner 185 240 240 237 356 964 1642
Häuser 42 42 42 93
Quelle

Religion

Kleinreuth ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und war ursprünglich nach St. Sebald gepfarrt, später nach St. Johannis und aktuell nach St. Andreas. Die Katholiken sind nach St. Clemens gepfarrt.

Literatur

Fußnoten

  1. D. Fastnacht: Nürnberg, S. 316. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „glāraid“.
  2. Stadt Nürnberg, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 10. Oktober 2025.
  3. Gemarkung Kleinreuth h.d.Veste (093436). In: geoindex.io. Geoindex Aktiengesellschaft, abgerufen am 9. Oktober 2025.
  4. Webkarte. ALKIS®-Verwaltungsgrenzen - Gemarkungen. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 11. Oktober 2025.
  5. Ortskarte 1:10.000. Darstellung mit Schummerung. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 11. Oktober 2025.
  6. W. Fischer-Pache: Kleinreuth h.d.V., in: Stadtlexikon Nürnberg, S. 546.
  7. D. Fastnacht: Nürnberg, S. 314ff.
  8. H. H. Hofmann: Nürnberg-Fürth, S. 131.
  9. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, OCLC 869860423, S. 31 (Digitalisat).
  10. Wilhelm Meyer: Eintheilung der Amtsbezirke im Rezatkreis des Königreichs Bayern und Verzeichniß aller dazu gehörigen Ortschaften. Brügel’sche Kanzleybuchdruckerey, Ansbach 1837, OCLC 911053266, S. 197.
  11. H. H. Hofmann: Nürnberg-Fürth, S. 241.
  12. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, OCLC 1367926131, Abschnitt III, Sp. 1165 (Digitalisat).
  13. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 602.
  14. Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch der Stadt Nürnberg 2016. Dezember 2015, ISSN 0944-1514, 18 Statistische Stadtteile und Bezirke, S. 19–20, S. 19 (nuernberg.de [PDF; 6,3 MB; abgerufen am 1. November 2017]).
  15. Denkmalliste für Nürnberg (PDF) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
  16. G. P. Fehring u. a.: Nürnberg, S. 362f. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen.
  17. Es sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1836 und von 1871 bis 1900 als Wohngebäude.
  18. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, OCLC 1071656043, S. 48 (Digitalisat).
  19. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, OCLC 635011891, S. 211 (Digitalisat). Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 250 Einwohner.
  20. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, OCLC 311071516, S. 180, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  21. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, OCLC 457951812, Sp. 1065, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  22. Kgl. statistisches Bureau (Hrsg.): Verzeichniß der Gemeinden des Königreichs Bayern nach dem Stande der Bevölkerung im Dezember 1867. XXI. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Ackermann, München 1869, S. 170 (Digitalisat).
  23. Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, OCLC 183234026, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen vom 1. Dezember 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1231, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  24. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichniss für das Königreich Bayern. Hergestellt auf Grund der neuen Organisation der Regierungsbezirke, Bezirksämter und Gerichtsbezirke. Nachtrag zum Heft 36 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1879, OCLC 992516308, S. 67 (Digitalisat).
  25. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichniss für das Königreich Bayern. Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1880. Heft 35 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1882, OCLC 460588127, S. 192 (Digitalisat).
  26. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichniss für das Königreich Bayern : Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dez. 1890. Heft 58 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1892, OCLC 162230561, S. 194 (Digitalisat).
  27. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, DNB 361988931, OCLC 556534974, Abschnitt II, Sp. 1146 (Digitalisat). Kleinreuth war zu diesem Zeitpunkt schon Stadtteil von Nürnberg.
  28. Meyers Orts- und Verkehrslexikon des Deutschen Reiches/1912. In: wiki.genealogy.net. Abgerufen am 17. Oktober 2025.
  29. D. Fastnacht: Nürnberg, S. 314.

wikipedia, wiki, enzyklopädie, buch, bibliothek, artikel, lesen, kostenlos herunterladen, Informationen über Kleinreuth hinter der Veste, Was ist Kleinreuth hinter der Veste? Was bedeutet Kleinreuth hinter der Veste?