Klinikum Prenzlauer Berg

Das Krankenhaus Prenzlauer Berg war eines von mehreren kommunalen Krankenhäusern in Berlin. Es befand sich im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg und hieß seit der Übernahme durch den kommunalen Klinikkonzern Vivantes (Alleingesellschafter: Land Berlin) im Jahr 1994 offiziell Vivantes Klinikum Prenzlauer Berg. Seit 1. April 2010 war es dem Vivantes Klinikum im Friedrichshain als Standort Prenzlauer Berg angeschlossen. Im Jahr 2015 wurden noch 4384 Patienten vollstationär und 7400 ambulant behandelt. Nach der Schließung 2019 erfolgte im April 2020 eine vorübergehende Reaktivierung als Corona-Klinik auf Reserve, künftig soll es ein neuer Verwaltungssitz des Bezirksamts Pankow werden.

Vivantes Klinikum Friedrichshain
Standort Prenzlauer Berg
Trägerschaft Vivantes (Land Berlin)
Ort Berlin-Prenzlauer Berg, Fröbelstr. 15
Koordinaten 52° 32′ 24″ N, 13° 25′ 44″ O
Leitung s. Klinikum im Friedrichshain
Betten 105 (2019),
im Jahr 2015 waren es noch 146
Mitarbeiter 79,1 (Vollzeitäquivalent, 2015)
davon Ärzte 35,1
Fachgebiete siehe Medizinische Bedeutung
Zugehörigkeit Vivantes-Konzern
Gründung 1886
2019 geschlossen
Website www.vivantes.de/kfh
Lage

Die Gesamtanlage Städtisches Krankenhaus Prenzlauer Berg ist als Denkmal geschützt. Zwischen 1886 und 1940 befand sich das Städtische Obdach „Palme“, das damals größte Obdachlosenasyl in Berlin, im heutigen Hauptgebäude an der Fröbelstraße 15.

Geschichte des Gebäudes

Der Berliner Stadtbaurat Hermann Blankenstein erhielt 1885 vom Magistrat den Auftrag zur Ausarbeitung von Bauplänen für ein Städtisches Hospital und Siechenheim und für ein Städtisches Obdach. Die Stadt Berlin stellte ein rund 78.000 Quadratmeter großes Baugrundstück an der Ecke Prenzlauer Allee und der nach dem Pädagogen Friedrich Fröbel benannten Fröbelstraße zur Verfügung. In der damals typischen und kostengünstigen Ziegelbauweise mit Klinkerfassaden entstanden von 1886 bis 1887 zwei Gebäudekomplexe.

Das gelbverklinkerte Hospital- und Siechenheim an der Prenzlauer Allee entwickelte sich in den 1920er Jahren zu einem Krankenhaus und hieß ab 1927 Hufeland-Hospital. Unter diesem Namen wurde es im März 1934 in die Heilanstalten in Berlin-Buch verlegt. In die Gebäude an der Prenzlauer Allee konnte das Bezirksamt Prenzlauer Berg einziehen, das seit seiner Entstehung im Jahr 1920 auf verschiedene Standorte verteilt gewesen war.

Das 1886 eröffnete, rotverklinkerte Obdach ließ der Magistrat von 1893 bis 1895 nach Plänen von Vincent Dylewski (1852–1913) erweitern. Das teilweise viergeschossige Gebäude an der Fröbelstraße 15, das im Volksmund als „Palme“ bekannt wurde, hatte rückwärtig vier Flügel. Die Fassade zur Straße hin war mittels Eck-, Mittel- und Portalrisaliten gegliedert. Über den Eckbauten befanden sich Pyramidendächer, den Mittelrisalit schmückten eine Laterne auf einem steil hochgezogenen Walmdach. Sein Gelände erstreckte sich zwischen der Diesterwegstraße im Westen und im Osten von der Winsstraße. Dieser ehemals über die Danziger Straße hinausgehende Abschnitt der Winsstraße ist 2001 von Franz-Dahlem- in Ella-Kay-Straße umbenannt worden.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde 1937 die Fröbelstraße in Nordmarkstraße umbenannt. Aus dem städtischen Obdach wurde 1940 das Krankenhaus Nordmarkstraße, die Vorgängereinrichtung des Klinikums Prenzlauer Berg.

Die gesamte Dachzone des Krankenhauses befindet sich nicht mehr im Ursprungszustand, weil nach den Kriegsschäden im Zweiten Weltkrieg eine vereinfachte Wiederherstellung erfolgte. Die Nordmarkstraße erhielt 1982 ihren früheren Namen Fröbelstraße zurück, die Hausnummern blieben unverändert. Das Krankenhaus war bis nach der politischen Wende in Betrieb. Die Ärzte und Mitarbeiter waren Angestellte des Magistrats. Um die Wende zum 21. Jahrhundert schlug der nun zuständige Senat das Krankenhaus dem neu gegründeten städtischen Klinikkonzern Vivantes zu.

Das Hauptgebäude erfuhr eine umfassende Sanierung, die medizinischen Einrichtungen wurden modernisiert. Eine langfristig geplante Zusammenführung des Vivantes-Teils mit der gleichartigen Einrichtung im Ortsteil Friedrichshain erfolgte jedoch inzwischen.(siehe Abwicklung).

Zwischen dem 9. März 2020 und Ende 2021 betrieb Vivantes in den Räumlichkeiten des ehemaligen Klinikstandortes Prenzlauer Berg in der Diesterwegstraße eine Abklärungsstelle für das Coronavirus. Außerdem standen hier 200 Betten als Reserve für Covid-Patienten bereit.

Medizinische Bedeutung

Das Vivantes Klinikum im Friedrichshain am Standort Prenzlauer Berg hielt knapp 105 Betten bereit. Es verfügte über fünf medizinische Fachabteilungen: eine Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, eine Klinik für Chirurgie – Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, eine Klinik für Innere Medizin – Gastroenterologie sowie eine Klinik für Innere Medizin – Allgemeine Innere Medizin und eine Geriatrie (Stand Juli 2019).

Abwicklung

Im Februar 2008 hatten der Senat von Berlin und die Vivantes-Geschäftsleitung beschlossen, den Klinikbetrieb „aus wirtschaftlichen Gründen“ an dieser Stelle einzustellen und die Verlegung der medizinischen Einrichtungen zum nahen Krankenhaus im Friedrichshain vorzunehmen. Dort wurde auf einer freien Fläche für rund 100 Millionen Euro ein neues großes Bettenhaus errichtet, das bei seiner Fertigstellung im Jahr 2018 zusätzlich 400 Betten bereithält. Umfangreiche Proteste der Anwohner, von Bezirkspolitikern und selbst dem Vivantes Betriebsrat konnten die Zusammenlegung nicht verhindern. Die Vivantes-Sprecherin hatte dazu mitgeteilt: „Die Versorgung im Klinikum Friedrichshain ist in hoher medizinischer Qualität sichergestellt, die Qualität der Unterbringung für die Patienten und die Kapazitäten werden nicht abgebaut.“ Die ersten Abteilungen zogen im Frühjahr 2017 nach Friedrichshain um, der Abschluss des Krankenhaus-Umzugs erfolgte 2018. Seit 2. Januar 2018 verfügt die Einrichtung in der Fröbelstraße nicht mehr über den Notfallstatus. Seit 2019 stand das Gebäude leer. Im März 2023 veröffentlichte das Berliner Immobilienmanagement (BIM) eine Ausschreibung zu einer Umnutzung, es soll zum Verwaltungssitz für „verschiedene Ämter und Fachbereiche“ werden. Unter Beachtung des Denkmalschutzes können deshalb nur behutsame Änderungen am Äußeren erfolgen; zur Gewinnung von mehr Nutzfläche soll das Dachgeschoss ausgebaut werden. – Ein Ergebnis der Ausschreibung oder weitere Termine sind bis Ende 2025 nicht bekannt geworden.

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