Legion Freies Indien

Die Legion Freies Indien (synonym Indische Legion, Infanterie-Regiment 950 oder Azad-Hind-Legion) war im Zweiten Weltkrieg eine militärische Truppeneinheit der Wehrmacht, die aus indischen Studenten in Deutschland und ehemaligen indischen Kriegsgefangenen 1941 aufgestellt wurde. In ihr dienten Hindus, Muslime und Sikhs. Die Truppenstärke betrug bis zu 2600 Mann. Sie legte ihren Eid auf den bekannten indischen Nationalistenführer Subhash Chandra Bose und auf Adolf Hitler ab. Nach der alliierten Invasion in der Normandie kämpfte die Legion in Frankreich gegen die Résistance und gegen die Freie Französische Armee. Im August 1944 wurde sie der Waffen-SS unterstellt. 1945 musste sich die Einheit in Oberschwaben den alliierten Streitkräften ergeben.

Geschichte

Bose, ursprünglich ein Anhänger Mahatma Gandhis, war bis 1939 Mitglied des Indischen Nationalkongresses (INC), dessen Vorsitz er zeitweilig zusammen mit Nehru innehatte. Wegen seiner radikalen, Gewalt befürwortenden Politik wurde er jedoch aus der Führung des INC verdrängt und gründete den All India Forward Bloc. Da er nach Beginn des Weltkriegs einen Aufstand gegen die britische Herrschaft befürwortete, wurde er unter Hausarrest gestellt. 1941 gelang ihm die Flucht über Afghanistan und die Sowjetunion nach Deutschland, wo er sich bereits in den 1930er Jahren einmal aufgehalten hatte.

Er ging nach Berlin und begann mit Unterstützung der deutschen Militärführung bald mit dem Aufbau einer militärischen Einheit aus Soldaten der Indischen Armee. Diese waren zumeist in Nordafrika gefangengenommenen worden, wo sie für die britische Armee gekämpft hatten. Andere Freiwillige waren als Studenten nach Europa gekommen. Bose beabsichtigte, seine Truppen zusammen mit deutschen Kräften im Kaukasus einzusetzen. Von dort sollten sie durch Persien in vorderster Reihe bis nach Indien marschieren und dort die britische Kolonialherrschaft beenden.

Im Lager Annaburg, in dem sich etwa zehntausend indische Kriegsgefangene befanden, gelang es Bose bald, einen Truppenverband zusammenzustellen, so dass das deutsche Heer in der Lage war, das aus indischen Soldaten bestehende Infanterieregiment 950, umgangssprachlich auch als „Indische Legion“ oder „Azad Hind Legion“ bezeichnet, aufzustellen.

Das erste Freiwilligenkontingent bestand aus kriegsgefangenen Indern und aus einigen indischen Zivilisten, die in Deutschland lebten. Es verließ Berlin am Weihnachtstag 1941 mit dem Ziel Frankenberg bei Chemnitz. Die Hauptaufgabe dieses Kontingents bestand zunächst darin, weitere entlassene Kriegsgefangene zu übernehmen und diese von der „gerechten Sache“ ihres Vorgehens zu überzeugen. Im Lager Frankenberg sollten deutsche Offiziere die Ausbildung der Legion übernehmen. Das Lager erwies sich bald als ungeeignet und die Legion wurde zum Truppenübungsplatz Königsbrück bei Dresden verlegt.

Im Dezember 1942 wurde die Legion schließlich in vier Bataillone aufgeteilt. Die Verteilung der religiösen Bekenntnisse innerhalb der Legion wird von Historikern unterschiedlich eingeschätzt. Ab 1944 wurden sie der Waffen-SS unterstellt.

Angesichts des sowjetischen Vormarsches an der Ostfront ab Ende 1942 wurde die Legion zunächst in die Niederlande geschickt, wo sie fünf Monate lang ihren Dienst verrichtete. Danach stationierte man sie in Lacanau nahe Bordeaux, wo sie mit verschiedenen Aufgaben zum Schutz des „Atlantikwalls“ beauftragt wurde. Dort wurde sie auch vom inzwischen für die dortige Verteidigung abkommandierten Generalfeldmarschall Rommel inspiziert.

Zwei Monate nach der alliierten Invasion in der Normandie schickte man die Indische Legion zurück nach Deutschland. Am 15. August 1944 erreichte sie schließlich Poitiers, wo sie erste Verwundete durch französische Résistance-Verbände erlitt. Im September 1944 hatte die Legion ihren ersten Toten, Leutnant Ali Khan, zu beklagen, der bei einem Gefecht mit regulären französischen Truppen fiel. Der Offizier wurde mit militärischen Ehren in Sancoins beigesetzt.

Auf Rückzugsgefechten nach Osten erlitt die Indische Legion weitere Verluste, bis sie Ende des Jahres 1944 erst in Oberhofen an der Moder nahe Hagenau im Elsass und schließlich in einem leerstehenden Militärgelände auf der Schwäbischen Alb (Lager Heuberg) eintraf. Dort blieb sie bis zum März 1945, als die Truppenverbände versuchten, längs des Bodensees bis in die neutrale Schweiz zu gelangen. Truppenteile zogen dabei auch durch Scheidegg. Bei diesem Versuch wurden sie von amerikanischen und französischen Truppen gefangen genommen. Unter der Bewachung durch britische und britischtreue indische Einheiten wurden die Soldaten der Indischen Legion schließlich zurück nach Indien gebracht und dort im Gefängnis des Roten Forts in Delhi bis zu ihrer Verurteilung als Hochverräter gefangengehalten. Alle Angehörigen der Indischen Legion wurden im Jahre 1946 freigelassen, da wegen Protesten der indischen Bevölkerung eine Verurteilung durch britische Gerichte unmöglich schien.

Erinnerungskultur

Institutionen und Privatpersonen in Indien und Deutschland kooperieren bei der Bewahrung und Aufarbeitung des gemeinsamen historischen Erbes. Bis heute leben Nachkommen indischer Soldaten in Deutschland, darunter die Wirtschaftswissenschaftlerin Anita Bose-Pfaff, die einzige Tochter von Subhas Chandra Bose. Mitglieder der Indischen Legion kehrten im Laufe der Jahrzehnte nach Deutschland an den Ort zurück, an dem sie stationiert waren. Im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt, wo sich der Hauptstützpunkt der Legion befand, wurde und wird die Geschichte der Legion in Museen aufgearbeitet. Die Dauerausstellung im Amtshaus Annaburg in Annaburg widmet sich dem zentralen Lager für indische Kriegsgefangene in Annaburg während des Zweiten Weltkriegs und der Gründung der Freien Indischen Legion sowie weiteren stadtgeschichtlichen Themen. Dies geschah in Zusammenarbeit mit dem Netaji Research Centre in Kolkata, das dem Annaburger Museum wertvolle Objekte und Fotos zur Verfügung stellte. Im Rahmen der Sonderausstellung „Else Hertzer. Kriegsmappe 1945“ im Museum der städtischen Sammlungen im Zeughaus in Lutherstadt Wittenberg im Jahr 2019 bildet eine Serie von Porträts indischer Männer, die Else Hertzer in ihrer Rolle als Stadtmalerin porträtiert hat, eine Besonderheit. Die Ethnologen Georg Pfeffer und Nils Seethaler konnten anhand der dargestellten Trachten und der Unterschriften (in verschiedenen Schriften und Sprachen) die religiöse und ethnische Herkunft der dargestellten Personen feststellen.

Siehe auch

Literatur

  • Jan Kuhlmann: Subhas Chandra Bose und die Indienpolitik der Achsenmächte. Schiler, Berlin 2003, ISBN 3-89930-064-5.
  • Lothar Günther: Von Indien nach Annaburg. Indische Legion und Kriegsgefangene in Deutschland. Verlag am Park, Berlin 2003, ISBN 3-89793-065-X.
  • Brian L. Davis, Malcolm McGregor: Flags of the Third Reich. Vol. 2: Waffen-SS. Osprey, London 1994, ISBN 1-85532-431-8 (Men-at-Arms-Series 274).
  • Rudolf Hartog: Im Zeichen des Tigers. Die indische Legion auf deutscher Seite 1941–1945. Busse und Seewald, Herford 1991, ISBN 3-512-03034-3.
  • Eugen Rose: Azad Hind. Ein europäisches Inder-Märchen oder Die 1299 Tage der Indischen Legion in Europa. Bhaiband, Wuppertal 1989.

wikipedia, wiki, enzyklopädie, buch, bibliothek, artikel, lesen, kostenlos herunterladen, Informationen über Legion Freies Indien, Was ist Legion Freies Indien? Was bedeutet Legion Freies Indien?