Liste der Herrscher des Partherreiches

Diese Liste enthält alle Herrscher des Partherreichs.

Die Chronologie mehrerer Partherkönige der Frühzeit ist nur schwierig zu ermitteln, da sich gerade für diesen Zeitraum Münzen nicht immer gesichert einem Herrscher zuordnen lassen, während die literarischen Quellen eher spärlich sind. Da sich jedoch die Herrscherchronologie vornehmlich auf Grundlage der Münzen ergibt und die Partherkönige in der Regel nur den allgemein gebräuchlichen Thronnamen Arsakes auf ihre Münzen prägen ließen und nicht ihren individuellen Namen, ist eine Rekonstruktion problematisch. Weitere Beinamen, die auf Münzen später auftauchen, sind ebenfalls nicht immer individuell zuzuordnen, erst nach Vologaeses I. erscheinen individuelle Herrschernamen regelmäßig auf Münzprägungen.

Aus diesem Grund weichen die Angaben in der modernen Fachliteratur bisweilen voneinander ab bzw. sind genaue Datierungen nicht immer möglich. Eine Übersicht bietet etwa Josef Wiesehöfer, einen Überblick auf Grundlage der literarischen Quellen bietet Margarete Karras-Klapproth. Die folgende Chronologie orientiert sich weitgehend an diesen Angaben. Gholamreza F. Assar hat in mehreren Artikeln eine teilweise abweichende Chronologie vorgeschlagen, doch diese ist in der Forschung teils umstritten. Des Weiteren ist im Folgenden auf die jeweiligen Artikel in der Encyclopædia Iranica hinzuweisen.

Die im Deutschen gängigen Namen der Könige sind die überlieferten griechischen bzw. lateinischen Namensformen. Ihre eigentlichen Namen sind unter der Spalte parthischer Name aufgeführt.

Herrscher des Partherreiches

Name parthischer Name Amtszeit Anmerkungen Bild
Arsakes I. Aršaka 247–217 v. Chr. Begründer des Partherreichs in Kriegen gegen das Seleukiden- und griechisch-baktrische Reich
(Tiridates I.) Tiridāta Bruder Arsakes’ I., Existenz unsicher
Arsakes II. Aršaka 217–191 v. Chr. Er führte einen verlustreichen Krieg gegen Antiochos III. und wurde in der älteren Forschung (und auch teils noch in neueren Darstellungen) fälschlich als Artabanos I. geführt.
Phriapatios P'riapāta (Friapāta) 191–176 v. Chr. möglicherweise Vasall der Seleukiden
Phraates I. P'rahāta (Frahāta) 176–171 v. Chr. Sohn Phriapatios’, Eroberung weiter seleukidischer Gebiete, Ausdehnung des Reiches bis zum Kaspischem Meer
Mithridates I. Mit'radāta 171–139 v. Chr. Eroberung des westlichen Iran, Mediens und Teilen des griechisch-baktrischen Reiches, machte Ktesiphon zur Hauptstadt
Phraates II. P'rahāta (Frahāta) 139–128 v. Chr. Kriege gegen Seleukiden und im Osten gegen Nomaden, gefallen im Osten
Artabanos I. Artabān 128–124/23 v. Chr. Onkel Phraates’ II., gefallen im Osten, Abfall westlicher Provinzen
Mithridates II. Mit'radāta 124/23–88/87 v. Chr. Sohn Artabanos’ I., dehnte die Westgrenze des Reiches bis zum Euphrat aus, Kriege im Osten, Krieg gegen Armenien, möglicherweise umfassende Reformen in der Verwaltung
Gotarzes I. Gōtarz 91/90–81/80 v. Chr. Gegenkönig, regierte (nachgewiesen) in Babylonien
Mithridates III. Mit'radāta 87–80 v. Chr. Er war vielleicht ein Sohn Mithridates’ I. Seine Existenz wird in der Forschung allerdings teils bestritten; so sei auf Gotarzes I. direkt Orodes I. gefolgt. In diesem Sinne wird in der Fachliteratur meistens Mithridates IV. als Mithridates III. gezählt. Einige Forscher akzeptieren aber die von Gholamreza F. Assar vertretende neue Chronologie.
Orodes I. Urūd 81/80–76/75 v. Chr. Sohn Mithridates’ II., Umstände der Herrschaft unklar
Arsakes (XVI.) Aršaka 77–66 v. Chr. Gegenkönig, vielleicht Sohn Mithridates’ II.
Sinatrukes I. Sanatrūk wohl 76/75–71/70 v. Chr. möglicherweise Bruder Phraates’ II., soll von Skythen eingesetzt worden sein
Phraates III. P'rahāta (Frahāta) 70–58 v. Chr. Sohn Sinatrukes’, Auseinandersetzungen mit Rom (siehe Partherkriege), ermordet von seinen Söhnen
Mithridates IV. Mit'radāta 58/57 v. Chr. Sohn Phraates’ III., Herrscher in Medien und vielleicht Babylonien, Konflikt mit seinem Bruder Orodes II., wurde von diesem ermordet. Er wird in der Fachliteratur meistens als Mithridates III. gezählt (siehe oben).
Orodes II. Urūd 58/57–38/37 v. Chr. Sohn Phraates’ III., Konflikt mit Mithridates IV. (s. o.), Armenien wird Vasall, Schlacht bei Carrhae, ermordet von Phraates IV.
Pakoros I. Pakūr 50 v. Chr. Sohn Orodes’ II., fehlgeschlagener Versuch der Römer, ihn zur Revolte zu ermuntern (trat nie als König auf).
Phraates IV. P'rahāta (Frahāta) 38–2 v. Chr. Sohn Orodes’ II., ermordete seine Brüder, Krieg mit Marcus Antonius, Bürgerkrieg mit Tiridates II., Abkommen mit Rom, ermordet durch Musa
Tiridates II. Tiridāta 29–26 v. Chr. Gegenkönig
Phraates V. (Phraatakes) P'rahāta (Frahāta) 2 v. Chr.–2 n. Chr. Konflikt mit Rom um Armenien, weiteres Schicksal unklar
Orodes III. Urūd 4–6 angeblich vom Adel erhoben, nach Flavius Josephus ermordet
Vonones I. Vonūn 8/9 Sohn Phraates’ IV., von Artabanos II. vertrieben, ermordet
Artabanos II. Artabān 10/11–38 vertrieb Vonones I., stabilisierte wahrscheinlich das Reich, Bürgerkrieg gegen Tiridates III.
Tiridates III. Tiridāta 35–36 Enkel Phraates’ IV., Bürgerkrieg mit Artabanos II.
Vardanes Vardān 38–45 Bürgerkrieg mit seinem Bruder Gotarzes II., ermordet
Meherdates Gegenkönig, besiegt von Gotarzes II.
Gotarzes II. Gōtarz 45–51 ab ca. 43 Bürgerkrieg mit seinem Bruder Vardanes, Sieg über Meherdates
Vonones II. Vonūn 51
Sanabares ca. 50–65 Gegenkönig, möglicherweise identisch mit einem indo-parthischen König desselben Namens
Vologaeses I. Valgāš 51–76/80 Sohn Vonones’ II., Krieg mit Rom wegen Armeniens
Vardanes II. Vardān 54–58 Gegenkönig, Sohn Vologaeses’ I.
Pakoros II. Pakūr 77/78–110 (Ende unsicher) Sohn Vologaeses’ I., besiegte Gegenkönige
Vologaeses II. Valgāš 77/78 wohl Sohn Vologaeses’ I., Gegenkönig in Seleukeia am Tigris, von Pakoros besiegt
Artabanos III. Artabān 79/80 Sohn Vologaeses’ I., Gegenkönig in Seleukeia am Tigris, von Pakoros besiegt
Osroes I. Xusraw 109–128 Bruder Pakoros’ II. (mit dem er sich seit ca. 89 um den Thron stritt), Krieg mit Rom wegen Armenien, Verlust und Rückeroberung großer Gebiete
Vologaeses III. Valgāš 105/111–147 (Regierungsbeginn unsicher) Gegenkönig, dann ab ca. 128 allgemein anerkannter König. Krieg gegen Alanen und vielleicht gegen Kuschan, weiteres Schicksal unklar
Parthamaspates Pārt'āmāspāta 116 Sohn Osroes I., kurzzeitig Gegenkönig
Vologaeses IV. Valgāš 147–191/93 Krieg mit Rom wegen Armenien (siehe Pakoros (Armenien)), Ausbreitung der Antoninischen Pest
Osroes II. Xusraw 190–208 Gegenkönig
Vologaeses V. Valgāš 191/93–207/8 Krieg mit Rom, vorübergehender Verlust Ktesiphons, innere Unruhen
Vologaeses VI. Valgāš 208–227/28 Sohn Vologaeses’ V., Krieg gegen Rom, Bürgerkrieg gegen seinen Bruder Artabanos IV. Er konnte sich aber noch einige Jahre in Seleukeia halten (wie Münzprägungen belegen).
Artabanos IV. Artabān 216–224 Sohn Vologaeses’ V., ab 213 Bürgerkrieg gegen seinen Bruder Vologaeses VI., der ihm wohl 216 entscheidend unterlag, Krieg mit Rom, Niederlage gegen die Sassaniden, Ende des parthischen Reiches

Literatur

  • Gholamreza F. Assar: Genealogy and Coinage of the Early Parthian Rulers II. A Revised Stemma. In: Parthica. Bd. 7, 2005, S. 29–64. [Assars teils abweichende Chronologie einiger Herrscher ist in der Forschung allerdings teils umstritten und nicht unproblematisch.]
  • Gholamreza F. Assar: A Revised Parthian Chronology of the Period 165–91 BC. In: Electrum. Bd. 11, 2006, S. 87–158.
  • Gholamreza F. Assar: A Revised Parthian Chronology of the Period 91–55 BC. In: Parthica. Bd. 8, 2006, S. 55–104.
  • Gholamreza R. F. Assar: Arsaces IV (c. 170–168 BC) the 1st „Missing“ Parthian King. In: Nāme-ye Irān-e Bāstan. Bd. 6, Nr. 1/2, 2006/2007, S. 3–14.
  • Adrian D. H. Bivar: The Political History of Iran under the Arsacids. In: The Cambridge History of Iran. Band 3: Ehsan Yarshater (Hrsg.): The Seleucid, Parthian and Sasanian periods. Teilband 1. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1983, ISBN 0-521-20092-X, S. 21 ff.
  • Margarete Karras-Klapproth: Prosopographische Studien zur Geschichte des Partherreiches auf der Grundlage antiker literarischer Überlieferung. Habelt, Bonn 1988.

Anmerkungen

  1. Zur Münzprägung der Arsakiden siehe ARSACIDS iii. Arsacid Coinage, in: Encyclopædia Iranica: „The Greek legends, almost invariably in the genitive case, are set in a square, and always include the dynastic name Arsaces in addition to the royal title Great King [...] The king’s personal name is only mentioned in exceptional circumstances such as struggles for the throne when rival kings held power in different areas.“
  2. Vgl. ARSACIDS iii. Arsacid Coinage, in: Encyclopædia Iranica: „After Vologases I, however, the king’s personal name appears regularly on the tetradrachms.“
  3. Josef Wiesehöfer: Das frühe Persien. Geschichte eines antiken Weltreichs. 6., durchgesehene und aktualisierte Auflage. München 2021, S. 122 f.
  4. Margarete Karras-Klapproth: Prosopographische Studien zur Geschichte des Partherreiches auf der Grundlage antiker literarischer Überlieferung. Bonn 1988.
  5. Kritisch unter anderem Marek Jan Olbrycht: Early Arsakid Parthia (ca. 250-165 B.C.). At the Crossroads of Iranian, Hellenistic, and Central Asian History. Leiden 2021, S. 201, Anmerkung 1: „Assar was tireless in creating new Parthian rulers in changing sequences depending on publication. For the most part, these theories are based on the juggling of written and numismatic sources.“
  6. Siehe Artabanus in der Encyclopædia Iranica.
  7. Vgl. Gholamreza F. Assar: A Revised Parthian Chronology of the Period 91–55 BC. In: Parthica. Bd. 8, 2006, S. 55–104, hier S. 71.
  8. Vgl. M. Rahim Shayegan: Arsacids and Sasanians: Political Ideology in Post-Hellenistic and Late Antique Persia. Cambridge 2011, S. 197 und S. 232–234.
  9. Vgl. etwa Nikolaus Overtoom: Reign of arrows. The rise of the Parthian Empire in the Hellenistic Middle East. Oxford 2020, S. 266 f.
  10. Vgl. Marek Jan Olbrycht: Orodes II. In: Encyclopædia Iranica Online.
  11. Vgl. Margarete Karras-Klapproth: Prosopographische Studien zur Geschichte des Partherreiches auf der Grundlage antiker literarischer Überlieferung. Bonn 1988, S. 120.
  12. Vgl. BALĀŠ VI. in der Encyclopædia Iranica.
  13. Margarete Karras-Klapproth: Prosopographische Studien zur Geschichte des Partherreiches auf der Grundlage antiker literarischer Überlieferung. Bonn 1988, S. 36.

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