Der Oberbefehlshaber der britischen Armee (engl. Commander-in-Chief of the Forces) war der militärische Führer der britischen Landstreitkräfte von Mitte des 17. Jahrhunderts bis 1904.
Geschichte
Vor dem Englischen Bürgerkrieg hatte der Monarch persönlich den Oberbefehl über die englische Armee inne. Nach Ausbruch des Bürgerkriegs ernannte das Parlament 1645 Thomas Fairfax zum Oberbefehlshaber der New Model Army. Fairfax war der ranghöchste Offizier, hatte keinen Vorgesetzten und übte große persönliche Kontrolle über die Armee und ihre Offiziere aus. Der Nachfolger von Fairfax als Oberbefehlshaber wurde Oliver Cromwell. Unter Cromwell war der Oberbefehlshaber de facto Staatsoberhaupt. Er behielt dieses Amt bis 1653, als er zum Lordprotektor gewählt wurde.
Nach dem Tod Cromwells verlieh das englische Parlament im Mai 1660 die Königswürde an Karl II. Dessen Sohn James Scott, 1. Duke of Monmouth verdankte seinem Vater eine rasche Karriere beim Militär. 1674 wurde er zum Oberbefehlshaber der britischen Armee ernannt. Während der Herrschaft von König Karl II. entstand das Amt des Kriegsministers (War Office), als Sekretär des Oberbefehlshabers der Armee. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war das Amt des Oberbefehlshabers mehrere Zeiträume lang vakant, sodass der Kriegsminister direkt dem Souverän unterstand. Auch nach der Wiederherstellung des Amtes des Oberbefehlshabers auf dauerhafterer Basis behielt der Kriegsminister seine Unabhängigkeit.
Mit der Ernennung von Lord Amherst im Jahr 1793 erhielt der Oberbefehlshaber die Autorität über Disziplinarfragen, Versorgung, Ausbildung und Beförderungen in der britischen Armee. Die Einrichtung eines Militärstabs erfolgte unter der Aufsicht seines Nachfolgers Frederick, Duke of York and Albany.
In den meisten Fällen waren die Oberbefehlshaber keine Mitglieder des Kabinett des Vereinigten Königreichs. Stattdessen war die britische Armee in der Regierung unterschiedlich und schwach vertreten durch den Paymaster, den Master-General of the Ordnance oder den Secretary at War. Im Zuge des Krimkrieges übernahm der Oberbefehlshaber das Kommando über die Artillerietruppen und die Royal Engineers. Die Reformen zielten zu dieser Zeit auf eine Ausweitung der Autorität des Kriegsministers. Mit der Verabschiedung des War Office Act 1870 im Rahmen der Cardwell-Reformen wurde der Oberbefehlshaber klar dem Außenminister unterstellt und fungierte als dessen wichtigster militärischer Berater. Dennoch wurde er 1888 immer noch als für alle Personal- und Materialfragen der Armee und der Hilfstruppen verantwortlich beschrieben. 1895 übernahm er die Aufgaben des Stabschefs.
Aufgrund der Neuordnung der Heeresverwaltung legte Lord Roberts 1904 das Amt als Oberbefehlshaber nieder, welches nun nicht mehr besetzt wurde. Die Funktion des ranghöchsten Soldaten der britischen Armee wurde durch den Chef des Imperialen Generalstabes übernommen. 2008 wurden die konventionellen Kampfkräfte der Armee dem HQ Land Forces unterstellt, dessen Befehlshaber wurde zum Commander-in-Chief, Land Forces.
Liste der Oberbefehlshaber
| Oberbefehlshaber | von | bis | Bild | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Oberbefehlshaber der Parlamentsarmee während des Englischen Bürgerkriegs | ||||||
| Thomas Fairfax, 3. Lord Fairfax of Cameron | 1645 | 1650 | ||||
| Oliver Cromwell | 1650 | 1653 | ||||
| Oberbefehlshaber der britischen Armee | ||||||
| James Scott, 1. Duke of Monmouth | 1674 | 1679 | ||||
| John Churchill, 1. Duke of Marlborough | 1690 | 1691 | ||||
| Meinhard Schomberg, 1. Duke of Leinster | 1691 | 1711 | ||||
| James Butler, 2. Duke of Ormonde | 1711 | 1714 | ||||
| John Dalrymple, 2. Earl of Stair | 1744 | 1745 | ||||
| George Wade | 1745 | 1748 | ||||
| John Ligonier, 1. Viscount Ligonier | 1757 | 1759 | ||||
| John Manners, Marquess of Granby | 1766 | 1769 | ||||
| Jeffrey Amherst, 1. Baron Amherst | 1778 | 1782 | ||||
| Henry Seymour Conway | 1782 | 1793 | ||||
| Jeffrey Amherst, 1. Baron Amherst | 1793 | 1795 | ||||
| Prince Frederick, Duke of York and Albany | 1795 | 1809 | ||||
| Sir David Dundas | 1809 | 1811 | ||||
| Prince Frederick, Duke of York and Albany | 1811 | 1827 | ||||
| Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington | 1827 | 1828 | ||||
| Rowland Hill, 1. Viscount Hill | 1828 | 1842 | ||||
| Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington | 1842 | 1852 | ||||
| Henry Hardinge, 1. Viscount Hardinge | 1852 | 1856 | ||||
| Prince George, 2. Duke of Cambridge | 1856 | 1895 | ||||
| Garnet Wolseley, 1. Viscount Wolseley | 1895 | 1900 | ||||
| Frederick Roberts, 1. Earl Roberts | 1900 | 1904 | ||||
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