Ludovico delle Colombe (* 20. Januar 1565 in Florenz; † nach 1615 und vor 1635, vermutlich ebenda) war ein Philosoph aus Florenz. Heute ist er noch bekannt für seine Deutungsversuche der Supernova 1604 und die Bewegung der Himmelskörper im Rahmen des ptolemäischen Weltbilds.
Delle Colombe war Mitglied der Accademia Fiorentina und des Consiglio dei Dugento, dem Beratungsgremium des Großherzogtums Toskana. Man sagte ihm nach, er sei groß und sehr dünn gewesen, mit einem langen weißen Bart, einer kleinen Glatze und eingefallenen Augen. Aufgrund seines Aussehens und seines einsamen und melancholischen Charakters wurde er vom satirischen Dichter Francesco Ruspoli als „Superintendent der Vorhölle“ bezeichnet. Einer seiner Brüder, Raffaello delle Colombe (1557–1627), war Dominikanerprior von Santa Maria Novella und prangerte Galileo Galilei von der Kanzel aus an.
Auseinandersetzungen mit Galilei
Delle Colombe vertrat aristotelische Überzeugungen und war einer der aktivsten Gegner von Galileo Galilei im Bereich der Astronomie und der Physik.
Supernova 1604
Die heute nach Kepler benannte Supernova 1604 veranlasste Galilei zu drei öffentlichen Vorträgen, in denen er die aristotelische Astronomie und Naturphilosophie angriff. Aus der Tatsache, dass keine Parallaxe festgestellt werden konnte, schloss Galilei wie bereits 1572 Tycho Brahe, dass solche neuen Sterne weit von der Erde entfernt seien und sich deshalb in der Fixsternsphäre befinden müssen. Dies widersprach Aristoteles’ Lehre, dass der Fixsternhimmel unveränderlich sei. 1606 veröffentlichte delle Colombe eine Abhandlung Discorso, die er Alessandro Marzi Medici, dem Erzbischof von Florenz, widmete. Mit dem Argument, dass der Stern eher dauerhaft als neu sei, verteidigte delle Colombe die aristotelische Sichtweise und lieferte gleichzeitig Gründe dafür, warum er zuvor nicht beobachtet worden war. Zur Untermauerung dieser Argumente stützte sich delle Colombe nicht nur auf astronomische Beobachtungen, sondern auch auf andere peripatetische Denker, darunter Gasparo Contarini und Julius Caesar Scaliger.
Einige Monate nach Erscheinen von delle Colombes Buch wurde eine Antwort auf seine Ideen unter dem Titel Considerazioni d'Alimberto Mauri sopra alcuni luoghi del discorso di Lodovico delle Colombe intorno alla stella apparita 1604 (Überlegungen von Alimberto Mauri zu einigen Passagen im Diskurs von Ludovico delle Colombe) veröffentlicht. Alimberto Mauri war ein Pseudonym, und delle Colombe (wie die meisten Gelehrten seitdem) glaubte, dass Galilei der Autor war. Das Buch verspottete delle Colombes Ansichten über den neuen Stern und verunglimpfte ihn als „nostro colombo“ („unsere Taube“). Es behauptete, dass die Astronomie keine aristotelische Philosophie benötige und sich stattdessen auf Beobachtung und Mathematik konzentrieren sollte. Der Ansatz, zuerst etwas am Himmel zu sehen und dann eine ausgeklügelte Erklärung zu entwickeln, um diese Beobachtung mit der aristotelischen Kosmologie in Einklang zu bringen, wurde direkt in Frage gestellt. Delle Colombe selbst antwortete „Mauri“ 1608 mit der Veröffentlichung von Risposte piacevoli e curiose (Angenehme und kuriose Antworten). In diesem Text griff er nicht nur die Ideen von Nikolaus Kopernikus an, sondern brachte sie auch namentlich mit Galilei in Verbindung. Darüber hinaus behandelte er „Kontroversen über Astrologie, Perspektive, Philosophie, Theologie und andere ebenso nützliche wie unterhaltsame Themen“ mit einer Liste der Urteile, Sprüche, Witze, Gleichnisse, Geschichten und Fabeln.
Auseinandersetzung über die Bewegung der Erde
In Sidereus Nuncius veröffentlichte Galilei 1610 seine Beobachtungen zu den Monden des Jupiters und zur bergigen Oberfläche des Mondes. Delle Colombe widersprach Galileos Ansichten – ohne Galileo namentlich zu erwähnen – in seiner Broschüre Contro il Moto della Terra (Gegen die Bewegung der Erde). Sie wurde nicht gedruckt, sondern in Manuskriptform verbreitet, hauptsächlich in Florenz.
Er brachte eine Reihe von Einwänden gegen die Idee der Bewegung der Erde vor, die sich auf den gesunden Menschenverstand stützten. Er wies darauf hin, dass die Mathematik kein geeignetes Werkzeug zur Beschreibung der Natur sei, da sie sich nur mit Abstraktionen befasse und daher Phänomene vorhersagen könne, die in Wirklichkeit nicht aufträten. Dann fuhr er fort, einige Gedankenexperimente zu skizzieren. Wenn eine Kanonenkugel genau nach Osten abgefeuert wurde, bewege sich die Kugel in Richtung der Erdrotation; wenn sie nach Westen abgefeuert wurde, bewege sich die Kugel entgegen der Erdrotation. Da die Kugel in beiden Fällen in gleicher Entfernung von der Kanone lande, kann sich die Erde nicht bewegen. Ebenso würde ein Pfeil, der mit einer Armbrust direkt nach oben abgeschossen wird, in einiger Entfernung vom Bogenschützen landen und nicht zu seinen Füßen, wenn sich die Erde bewegen würde.
Der letzte Abschnitt dieses Werks markierte eine Wende in den Argumenten von delle Colombe. Statt einfach Aristoteles zu verteidigen oder von Galilei empirische Beweise zu fordern, brachte er eine Reihe von theologischen Einwänden gegen dessen Behauptungen vor. Galilei scheint delle Colombes Argumente als Grundlage für die Argumente der Figur Simplicio in seinem Werk Dialogo sopra i due massimi sistemi del mondo von 1632 verwendet zu haben. Delle Colombe war der erste Autor, der biblische Argumente gegen Galilei einsetzte. Galilei reagierte nicht auf die delle Colombes Einladung, seine Argumente über wörtliche und andere Auslegungen heiliger Texte darzulegen, da Contra il Moto della Terra nur als Manuskript in Umlauf gebracht und nicht veröffentlicht worden war.
Auseinandersetzung über die Oberfläche des Mondes
In Contro il Moto della Terra ging delle Colombe auch auf Galileis Feststellung in Sidereus Nuncius ein, dass die Oberfläche des Mondes rau und bergig sei. Gemäß dem Grundprinzip der aristotelischen Kosmologie waren alle Planeten perfekte Kugeln. Er spekulierte daher, dass die Berge, die Galileo gesehen hatte, gar keine Berge seien, sondern lediglich dichte „Rippel“ der Materie, zwischen denen sich reines und transparentes Material befände, das die Lücken fülle und so eine perfekte Kugel bilde. Wieder einmal entwickelte er spekulative Antworten, um aristotelischen Ideen mit empirischen Beobachtungen in Einklang zu bringen.
1611 verfolgte delle Colombe diesen Streit in einem Brief an Christophorus Clavius weiter, in der Hoffnung, dessen Unterstützung zu gewinnen, doch Clavius antwortete nicht. Galilei erhielt eine Kopie von delle Colombes Brief und antwortete darauf mit einem Brief an einen Freund, in dem er seine Meinung über die Oberfläche des Mondes bekräftigte, delle Colombes Unfähigkeit in der Astronomie betonte und ihn als „pippione“ („Taube“) verspottete. Da delle Colombes Ansichten nicht veröffentlicht wurden, reagierte Galilei nicht öffentlich darauf. Tatsächlich gab ihm Galilei, der delle Colombe privat gnadenlos verspottete, nie die Genugtuung einer formellen öffentlichen Antwort auf seine Herausforderungen.
Auseinandersetzung über schwimmende Körper
Im Juli 1611 fand im Haus von Galileis Freund Filippo Salviati eine Debatte über die Natur der Kälte statt, an der zwei Aristoteliker teilnahmen: Vincenzo di Grazia und Giorgio Coresio. Sie vertraten die Ansicht, dass Eis kondensiertes Wasser sei, das aufgrund seiner flachen, dünnen Form schwimme. Galilei, dessen Ansicht von Archimedes beeinflusst war, behauptete, dass Eis „verdünntes Wasser“ sei, das schwimme, weil es weniger dicht sei als das Wasser, auf dem es schwimme. Galilei vertrat die Position, dass alle Körper, die dichter als Wasser sind, sinken, während alle, die leichter als Wasser sind, schwimmen, unabhängig von ihrer Form. Drei Tage nach dieser ersten Begegnung besuchte di Grazia Galilei und teilte ihm mit, dass ein Freund sich bereit erklärt habe, Galileis Position durch einen Versuch zu widerlegen. Dieser Freund war delle Colombe. Galilei unterzeichnete eine Vereinbarung, in der die Bedingungen für die von beiden Parteien vorzubereitenden Versuche festgelegt wurden, und es wurde ein Termin für die Präsentation ihrer Argumente Mitte August festgelegt.
In den Tagen vor diesem geplanten Treffen führte delle Colombe Demonstration auf öffentlichen Plätzen von Florenz durch, um Galilei zu widerlegen. Er zeigte, dass eine flache Scheibe aus Ebenholz auf dem Wasser schwamm, während ein Kügelchen aus dem gleichen Material unterging. Dies beweise, dass die Form und nicht die Dichte darüber entscheide, ob ein Gegenstand schwimme. Delle Colombe erschien jedoch am vereinbarten Tag für die geplanten Demonstrationen nicht, was darauf hindeutet, dass er vielleicht verstanden hatte, dass seine Demonstration eher auf der Oberflächenspannung von Wasser als auf der Form seiner Ebenholzstücke beruhte. Galilei schlug daraufhin vor, sich an einem neuen Termin in Salviatis Haus zu treffen und die Gegenstände, die auf das Wasser gelegt werden sollten, zuvor gründlich zu befeuchten, um die Oberflächenspannung aufzuheben. Als delle Colombe jedoch am vereinbarten Tag eintraf, war Galilei nicht bereit, wie vereinbart vorzugehen. Anscheinend hatte der Großherzog Cosimo II. ihn dafür gerügt, dass er sich auf öffentliche Streitereien eingelassen hatte, so dass Galilei erklärte, dass er seine Beweise lieber schriftlich festhalten werde, statt öffentliche Demonstrationen durchzuführen. Danach scheint delle Colombe keine direkte Rolle mehr in der öffentlichen Debatte zu diesem Thema gespielt zu haben. Im September 1611 verbreitete Galilei ein Manuskript, in dem er seine Ansichten darlegte. Als Cosimo II. eine öffentliche Debatte über die Frage der schwimmenden Körper veranstaltete, argumentierte Flaminio Papazzoni und nicht delle Colombe gegen Galilei und verlor. Der dabei anwesende Kardinal Maffeo Barberini, der spätere Papst Urban VIII., schlug sich auf Galileis Seite und befreundete sich mit ihm.
1612 legte Galilei seine Ansichten zu diesem Thema in seinem Werk Discorso intorno alle cose che stanno in su l'acqua, ò che in quella si muovono (Diskussion über Gegenstände, die sich auf dem Wasser befinden oder sich darin bewegen) offiziell dar, worauf delle Colombe umgehend mit Discorso apologetico (Apologetischer Diskurs) antwortete. Galilei veröffentlichte seine Antwort schließlich unter dem Namen seines Freundes Benedetto Castelli. Galilei war möglicherweise der Meinung, dass es keinen Sinn machte, sich direkt in diese Debatte einzumischen, und vielleicht hatte er auch einfach keine Zeit, ausführlich auf alle Fehler in delle Colombes Werk einzugehen. Castelli gelang eine gründlich argumentierte Widerlegung der Argumente von delle Colombe, offensichtlich mit Hilfe und Beiträgen von Galilei. Castellis Risposta alle opposizioni del S. Lodovico delle Colombe wurde 1615 veröffentlicht und beendete diese spezielle Auseinandersetzung.
Taubenliga und römische Inquisition
Während delle Colombe fast als Einziger öffentlich gegen Galilei argumentierte, wurden seine aristotelischen Ansichten von einer Gruppe florentinischer Gelehrter und Kirchenmänner unterstützt. Der Maler Lodovico Cigoli, ein enger Freund Galileis, prägte für diese Gruppe den Spitznamen „Lega del Pippione“ („Taubenliga“), nachdem Galilei delle Colombe abfällig als „pippione“ („Taube“) bezeichnet hatte. „Pippione“ war nicht nur ein Wortspiel mit dem Nachnamen von delle Colombe („Tauben“), sondern hatte auch die Konnotation von „vogelköpfig“ oder „leicht zu täuschen“. Zu den Mitgliedern der „Taubenliga“ gehörte auch delle Colombes Bruder Raffaello, ein führender Dominikaner, der Marzi Medici, dem Erzbischof von Florenz, nahestand, der häufig gegen die kopernikanischen Ideen im Allgemeinen und Galilei im Besonderen predigte. Zwei weitere Mitglieder, Tommaso Caccini und Niccolò Lorini, waren ebenfalls Dominikaner.
Im Dezember 1611, kurz nach dem Streit über schwimmende Körper, schrieb Cigoli an Galilei und warnte ihn, dass sich eine Gruppe seiner Feinde regelmäßig im Haus des Erzbischofs treffe „auf der wahnsinnigen Suche nach Mitteln, mit denen sie dir schaden können“. Anscheinend hatten sie bereits versucht, jemanden zu überreden, ihn von der Kanzel aus anzugreifen. Der Angriff wurde schließlich von Caccini ausgeführt. Er hatte eine Kopie von Galileis Brief an Benedetto Castelli erhalten, in dem erklärt wurde, wie das kopernikanische System mit dem Buch Josua in Einklang gebracht werden konnte. Am 20. Dezember 1614 hielt er in Santa Maria Novella in Florenz eine Predigt, in der er Galileo angriff und aus der Apostelgeschichte zitierte: „Viri galilaei, quid statis adspicientes in caelum?“ („Männer von Galiläa, warum steht ihr da und schaut zum Himmel?“). Sechs Wochen später, am 7. Februar 1615, schickte Lorini eine Kopie von Galileis Brief an Castelli mit einer schriftlichen Beschwerde an die römische Inquisition.
Am 20. März 1615 folgte Caccini mit einer zweiten Aussage vor der Inquisition, in der er ihn der Ketzerei bezichtigte. Daraufhin leitete die Inquisition eine Untersuchung gegen Galileo ein. Welche direkte Rolle delle Colombe bei diesen Entwicklungen gespielt hat, ist unbekannt.
Literatur
- Maria Muccillo: Delle Colombe (Colombo), Ludovico. In: Massimiliano Pavan (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 38: Della Volpe–Denza. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1990, S. 29–31.
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