Ludwig & Jakob Götz

Die Ludwig & Jakob Götz GmbH & Co. KG ist eine vormals in Neckarsteinach, heute in Germersheim angesiedelte, in der Binnenschifffahrt und der Containerlogistik tätige traditionsreiche deutsche Reederei.

Ludwig & Jakob Götz GmbH & Co. KG
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1920
Sitz Germersheim, Deutschland Deutschland
Leitung Martin Neese, Jens Langer
Branche Binnenschifffahrt und Containerlogistik

Ihr Ursprung steht im Zusammenhang mit der im 19. Jahrhundert erfolgten Tullaschen Oberrheinregulierung. Dafür benötigtes Material wurde aus mehreren von der Familie Götz am unteren Neckar betriebenen Steinbrüchen auf dem Neckar zum Rhein transportiert. Heute ist das Unternehmen Teil des in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässigen Hafenbetreibers DP World.

Aus ihrer Historie heraus zählte die Gründerfamilie zum altständischen Stadtbürgertum und trat zum Wirtschaftsbürgertum gerechnet letztlich ins Großbürgertum ein. Die der Ratsherrenschicht angehörende Metzgerfamilie Götz war im Sinsheim des 18. Jahrhunderts im äußerst begüterten besitzbürgerlichen Honoratiorentum verankert. Über die altwürttembergische Ehrbarkeit bestehen genealogische Relationen mit Repräsentanten des geistlichen Standes, die Bestandteil der deutschen Reformationsgeschichte sind.

Durch ihre ökonomische Stellung mit dem einhergehenden höheren gesellschaftlichen Rang lässt sich die Familie als eine Verkörperung der von Thomas Mann kreierten Buddenbrooks betrachten.

Geschichte

Das in seiner heutigen Form 1920 gegründete Unternehmen wirkte an der Neckarkanalisierung ab den 1920er Jahren mit. Es nahm 1925 das erste motorisierte Frachtschiff auf dem Neckar in Betrieb und gilt damit als Begründerin der Motorgüterschifffahrt im Neckarraum.

Die Ludwig & Jakob Götz KG betrieb von 1960 bis 1970 Kiesabbau im unternehmenseigenen Kieswerk in Rheinbischofsheim. Dazu baute das Unternehmen den schmalen Seitenbach Groschenwasser zum 35 Meter breiten und 2,5 km langen Groschenwasserkanal aus. Anschließend wirkte das Unternehmen beim Ausbau des Rheins und seiner Nebenflüsse mit, unter anderem beim Bau der deutsch-französischen Staustufe Iffezheim.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab die Ludwig & Jakob Götz KG 1949 mit dem Motorgüterschiff MS Vierburgenstadt den ersten Neubau eines Binnengüterhandelsschiffs in Deutschland in Auftrag.

Aufträge für den internationalen Schiffbau erhielt die Ludwig & Jakob Götz KG von 1990 bis 2002 als Mehrheitseignerin der Neuen Germersheimer Schiffswerft. Das für den Senegal bestimmte Passagierschiff Le Joola galt als größtes seiner Art, das auf dem Oberrhein entstand.

1996 nahm das Unternehmen das Containerterminal am Stuttgarter Hafen in Betrieb und ist seitdem in der Containerlogistik tätig. Ein weiteres Terminal wird in Mannheim betrieben. 2015 gab der in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässige Hafenbetreiber DP World bekannt, dass er das Unternehmen übernehmen wolle. Nach erfolgter Übernahme wurde der Unternehmenssitz an den Sitz der deutschen Niederlassung von DP World nach Germersheim verlegt.

Familiengeschichte

Die Stammlinie der Unternehmerfamilie beginnt mit dem das Bürgerrecht zu Sinsheim besitzenden Pachtschäfer Hans Götz. Seit 1657 als Pächter der Gemeindeschäferei im historischen Reichsdorf Richen urkundlich hinterlegt, pachtete Götz ab Michaelis 1693 gemeinschaftlich die Stadtschäferei zu Sinsheim. Die Pachtschäfer pflegten ein selbstwirtschaftendes Unternehmertum.

Wirtschaftsbürger und Honoratioren

Johannes Götz (1691–1734), der zu Richen geborene Sohn des Sinsheimer Bürgers Hans Götz, tritt als erster Meister im ehrbaren Metzgergewerk aus den Reihen der Familie auf. 1725 entsprachen die in der Vorstadt und am Marktplatz gelegenen Anwesen des Bürgers Johannes Götz, ohne den umfangreich vorhandenen Grundbesitz einzubeziehen, einem Geldwert von 3024 Gulden. Darunter neben zwei Bürgerhäusern eine „Zum weißen Röslein“ genannte Herberge in der äußeren Sinsheimer Vorstadt. Nachmaliger Eigentümer der Schildwirtschaft wurde mit Götz Schwager, ein als Metzgermeister tätiger Ratsherrensohn.

Johannes Götz hatte mit Johann Michael (1721–1789) und Johann Martin (1724–1765) zwei Söhne, die im väterlichen Handwerk nachfolgten. Anschließende Generationen übten ebenfalls das mit Viehhandel, Vermögen und gesellschaftlicher Achtung verbundene Metzgerhandwerk aus, das im 16. Jahrhundert sowohl von Angehörigen halbadeliger als auch ehrbarer Familien ergriffen wurde.

Die mit Pfarrerfamilien, Handelsleuten, Gasthaltern, Oberwundärzten, kaiserlichen Notaren, Amtleuten und Bürgermeistern anverwandte altständische Stadtbürgerfamilie Götz war in der ratsherrlichen Führungsschicht Sinsheims verwurzelt, mit der sie ein Konnubium sowie wechselseitige Patenschaften ausbildete. Familienmitglieder repräsentierten im Amt des Zunftmeisters die Sinsheimer Metzgerzunft, besetzten einen von insgesamt sieben Sitzen auf der Sinsheimer Ratsherrenbank, an deren Spitze sie als Ratsbürgermeister standen und gehörten im Rang eines Kirchenältesten dem Presbyterium an. Dadurch waren die Götz im Kreis der städtischen Honoratioren anzutreffen.

Johann Michael Götz, dessen Gemahlin Susanna Regina Ziegler (1729–1805) eine Ratsherrentochter war, brachte es vor 1755 auf ein Schatzungskapital von 675 Gulden. Ausschließlich sein Schwager, der in zwei Ehen mit Töchtern von Ratsverwandten aus Mosbach und Sinsheim vermählte Gasthalter „Zum Löwen“ übertraf zu diesem Zeitpunkt die Schatzung des Ratsherrn Götz um 196 Gulden. Ratsherr Johann Martin Ziegler (1713–1762) brachte es damit auf ein Kapitalvermögen von 43 550 Gulden.

1764 betrug das Schatzungskapital der beiden Brüder Johann Michael und Johann Martin Götz, welcher sich mit einer Bürgermeistertochter vermählt hatte, zusammen 2276 Gulden. Hingegen führte 1768 der Gastwirt „Zu den drei Königen“ Bassermann mit 614 Gulden Schatzungskapital den obersten Rang des vermögendsten Heidelberger Stadtbürgertums an. Anfänglich deutlich finanzschwächer als die ratsherrlichen Sinsheimer Götz galt die nachmalige Kaufmannsfamilie Bassermann späterhin als Idealbild des Wirtschafts- und Großbürgertums. Eine Realwerdung der Buddenbrooks, wie sie ebenso durch die Unternehmerfamilie Götz verkörpert wurde.

1782 kamen beide Metzgerbrüder Götz auf ein Schatzungskapital von 863 Gulden. Eine Summe, welche die Einkünfte des Kirchenfürsten Clemens Wenzeslaus von Sachsen als Koadjutor der Fürstpropstei Ellwangen im Zeitraum von 1770 bis 1787 übertrafen.

Eine Enkeltochter des zeitweiligen Ratsbürgermeisters Johann Michael Götz, die Ratsherrentochter Augusta Wirth (1811–1882) war Notabene mit dem bedeutenden Mannheimer Hoftheater-Maschinisten sowie Theaterdekorationsmaler Josef Mühldorfer verheiratet. Marie Mühldorfer (* 1836), die Urenkelin des Zunftmeisters der Sinsheimer Metzger Johann Michael Götz, ist die Gattin des Musikverlegers Emil Heckel, einem Freund von Richard und Cosima Wagner sowie Begründer des Deutschen Allgemeinen Richard-Wagner-Vereins gewesen.

Schifffahrt in Neckarsteinach

Die Schifffahrt ist in Neckarsteinach mit einer Fischer- bzw. Schifferzunft schon um 1150 nachgewiesen. Bereits in den Jahren 1474 und 1518 entstand die erste Flößereiordnung für Neckarsteinach. Der Wasserverkehr blieb dennoch lange Zeit den Schiffergilden vorbehalten, bevor 1832 die Neckarschifffahrtsordnung und 1868 die Mannheimer Akte die gewerbliche Freiheit auf dem Neckar und Rhein regelte. Neckarsteinach selbst zählte nach dem Krieg in den Jahren des Wirtschaftswunders zu den wichtigsten Schifferstädten Deutschlands.

Seit 1791 ist die innerhalb der altständisch-bürgerlichen Oberschicht verortet gewesene besitzbürgerliche Familie in Neckarsteinach belegt. So ließ sich Johann Friedrich Götz (1753–1814), Sohn des Johann Martin Götz, Zunftmeister der Metzger und Sinsheimer Bürger im Ort als Gasthofbesitzer „Zur Harfe“ nieder. Sein gleichnamiger Enkelsohn, der Metzgermeister Johann Friedrich II. Götz (1820–1892), war Inhaber der Gastwirtschaft „Zum Adler“. Seit der Liberalisierung der Neckarschifffahrt um 1870 betrieb der Gastwirt zusätzlich mehrere Steinbrüche im Neckartal, deren gewonnenes Gestein Götz mittels eigener Segelschleppkähne auf dem Fluss transportieren ließ. Die unter Johann Friedrich II. Götz gebrochenen und transportierten Steine fanden unter anderem bei der Rheinregulierung durch Johann Gottfried Tulla zur Befestigung des Flussbetts Verwendung. Dieses Steinschifffahrtsunternehmen bildete die Grundlage der Entwicklung hin zur Reederei.

Auf den Industriellen der Steinindustrie Johann Friedrich II. Götz geht zudem der Bau des 1892 fertiggestellten Neckarsteinacher Winterhafens zurück. Sein Sohn, der Schiffermeister und Steinbruchbesitzer Ludwig Friedrich Götz (1865–1922), und seine beiden Enkel, die Reeder und Steinbruchbesitzer Ludwig und Jakob Götz, führten das Steinschifffahrtsunternehmen weiter.

Geschichte der Reederei

1920 gründeten die Gebrüder Ludwig und Jakob Götz mit der Ludwig & Jakob Götz oHG das heutige Unternehmen, das die Nachkommen der beiden Gebrüder Götz als Gesellschafter fortführen.

Das Unternehmen wurde zunächst in der Rechtsform einer offenen Handelsgesellschaft (oHG) errichtet. Die Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft erfolgte im Jahr 1952. 1998 wurde das Schifffahrtsunternehmen zur GmbH & Co. KG.

Die Familie Götz zählt durch ihre Unternehmen zu den namhaftesten Schiffergeschlechtern am Neckar.

Steinschifffahrt

Die Familie Götz besaß folgende Steinbrüche auf hessischem und badischem Territorium:

  • Reiterberg oberhalb von Neckargemünd (um 1937 aufgegeben)
  • Pfaffelter unterhalb Pleutersbach (um 1941 aufgegeben)
  • Steinbruch in der Mossklinge, 5 km unterhalb von Eberbach (um 1955 aufgegeben)
  • Hungerberg bei Hirschhorn (um 1958 aufgegeben)
  • Grenze gegenüber von Pleutersbach (um 1963 aufgegeben)
  • Brombacher Wasser (1975 aufgegeben)

Ein Teil dieser Steinbrüche bot Landwirten in der Region einen Nebenerwerb. Sie waren meist nicht das ganze Jahr hindurch in Betrieb und ruhten während der Erntezeit. Die gewonnenen Steine wurden mit Pferdefuhrwerken, später mit Rollwagen zu Verladeplätzen an der Neckarböschung gebracht und bis nach dem Zweiten Weltkrieg von Hand verladen, bevor in den 1960er und 1970er Jahren Förderbänder und Kranschiffe die Verladearbeit erleichterten. Stromabwärts verkehrten die anfangs noch unmotorisierten Frachtkähne aus eigener Kraft, stromaufwärts im Schlepptau von Schleppschiffen wie den auf dem Neckar installierten Kettenschleppdampfern.

Die in den Götz’schen Brüchen gebrochenen und transportierten Steine wurden vielfach als Wasserbausteine zur Befestigung der Uferbereiche der vom Unternehmen Götz befahrenen Flüsse genutzt. Sie fanden aber an Neckar und Rhein auch Verwendung für den Bau von Häusern. Unter anderem wurde Steinmaterial zum Bau der Fabrikanlagen der BASF in Mannheim und zum Bau zahlreicher Brunnen und Gebäude im Rheintal geliefert. Außer Steinen wurde auch Gips und Kies aus den Gruben des Rhein- und Neckartals transportiert.

Als in den 1920er Jahren die Neckarkanalisierung begann, erhielt die Reederei Götz bedeutende Aufträge in der Baustofflogistik des Projekts. Sie lieferte an die Wasserbauverwaltung in den Götz’schen Steinbrüchen gebrochene Wasserbausteine zum Ausbau des Neckars.

Direkt im Anschluss an die Neckarkanalisierung wurden die ersten Gütermotorschiffe auf dem Fluss durch Götz in Dienst gestellt. Am 25. März 1925 lief die MS Gebrüder Götz bei der Schiffswerft Anderssen vom Stapel. Sie war das erste Motorschiff des Unternehmens und galt als das erste motorisierte Güterschiff auf dem Neckar überhaupt.

Vorkriegszeit

In den ersten Jahren nach der Gründung war das Unternehmen ein reines Familienunternehmen. Es wurde meist nur mit ein oder zwei Schiffen gefahren, die von Familienangehörigen gesteuert wurden. Gleichwohl brachte die Auftragsentwicklung es mit sich, dass die Reederei zwischen 1920 und 1940 insgesamt sechs immer leistungsstärkere und größere Lastschiffe bauen ließ, die die älteren Schiffe ersetzten und von denen Ende 1939 noch vier in Dienst standen.

Zweiter Weltkrieg

Der damalige Juniorchef Friedrich Götz fuhr in den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs „kriegswichtige Transporte“, unter anderem Kies zum Bau des Westwalls. 1942 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und war zunächst Leiter der Sturmboot-Fahrschule in Koblenz, bevor er 1942 an die Ostfront versetzt wurde. Nach einer Verwundung im Jahr 1944 war er als Sturmbootführer an der Oberrheinfront stationiert. Nach Rückzugsgefechten erlebte er das Kriegsende in Salzburg und sollte nach kurzer Internierung in Ingolstadt im August 1945 nach Frankreich in ein Kriegsgefangenenlager überstellt werden, jedoch gelang ihm bei der Fahrt durch Neckargemünd die Flucht aus dem Gefangenentransport, sodass er im Spätsommer 1945 wieder in Neckarsteinach war.

Nachkriegszeit

In der Nachkriegszeit baute Friedrich Götz das Unternehmen neu auf, wobei die noch vorhandenen und fahrbereiten Schiffe von der US-amerikanischen Militärregierung beschlagnahmt waren und Götz Transporte auf Anweisung der Besatzungsbehörden fahren musste, bevor die Schiffe 1948 freigegeben wurden. Das Schifffahrtsunternehmen Götz gab seine Steinbrüche im Neckartal nach und nach auf, blieb jedoch weiter in der Steinschifffahrt tätig.

Unter anderem war das Unternehmen am Transport und am Ausbringen der Wasserbausteine für die Uferbefestigungsarbeiten des Rheins bei Ginsheim beteiligt sowie an dem großen Transportaufkommen für Baustoffe im Zuge des Wiederaufbaus.

Das Unternehmen ließ in den 1950er Jahren fünf neue Lastschiffe bauen, als erstes das MS Vierburgenstadt, der erste Neubau eines Frachtbinnenschiffs in Deutschland nach dem Krieg. Die Vierburgenstadt wurde im September 1949 in Auftrag gegeben und lief im Mai 1950 vom Stapel.

1953 bezeichnete sich das Schifffahrtsunternehmen als ältestes motorisiertes Unternehmen dieser Art vor Ort. Unter seiner Flagge fuhren sechs Motorgüterschiffe:

  • Neckarperle
  • Glück-Auf
  • Einigkeit
  • Ludwig-Friedrich
  • Vierburgenstadt
  • Barbara-Sybilla

Die MS Einigkeit gehörte neben der MS Gebr. Götz zu den ersten motorisierten Frachtschiffen, die im Güterverkehr auf dem Neckar eingesetzt wurden.

Kiesabbau

Statt der Steingewinnung setzte man ab 1960 auf den Kiesabbau, wozu das Unternehmen ein großes Areal bei Rheinbischofsheim erwarb. Das dortige Werk konnte drei Tonnen Kies pro Minute fördern. Die Götz KG baute zudem den schmalen Seitenbach Groschenwasser zum 35 Meter breiten und 2,5 km langen Groschenwasserkanal mit eigenem Verladeplatz aus. In Rheinbischofsheim wurden bis 1970, als der Bau der Staustufe Rheinau-Gambsheim den Betrieb beendete, über eine Million Tonnen Kies gefördert. Die Götz’schen Kiesbagger aus Rheinbischofsheim waren 1965 und 1966 auch am Bau des Hafens in Dalhunden beteiligt. Für den Kiesumschlag erbaute das Unternehmen zudem ein Umschlaglager in Mannheim. Später folgten weitere Lager in Frankfurt am Main und Stuttgart. Die immer umfangreicheren Baggerarbeiten veranlassten die Ludwig & Jakob Götz KG, einige alte Transportschiffe zu Baggerschiffen umzubauen.

1992 gründete die Ludwig & Jakob Götz KG in Sachsen gemeinsam mit der Bauunternehmung Diringer & Scheidel die als Beteiligungsgesellschaft geführte Kieswerke Löbnitz GmbH & Co. KG, die heute vollständig der Unternehmensgruppe Diringer & Scheidel angehört.

Modifikation der Schiffsflotte

Ab den 1970er Jahren förderte die Reederei Götz kein Gestein und keinen Kies mehr in eigenen Gruben und Brüchen. Stattdessen transportierte man vor allem Kies und Kohle von anderen Erzeugern, wozu der Schiffspark 1970 um mehrere hochmoderne Gütermotorschiffe erweitert wurde, die auf dem Rhein und seinen Nebenflüssen verkehrten. Einen großen Anteil hatte bald auch der Transport von Schrott.

Rheinausbau

Die Kranschiffe der Reederei waren bei Bergungs- und Uferabflachungs-Arbeiten längs des Rheins und seiner Nebenflüsse tätig. Schiffe des Unternehmens verkehrten im Rahmen des Rheinausbaus zwischen Neuburgweier und der deutsch-niederländischen Grenze. Unter anderem wurde der Aushub der Rheinvertiefungen in Bingen und Sankt Goar durch Götz’sche Gütermotorschiffe vom Loreleyhafen nach Düsseldorf transportiert; dort fand der Umschlag des Materials statt, das anschließend vom Götz’schen Baggerschiff Ludwig-Friedrich in tiefe Kolkungen des Rheins abgelassen wurde.

Weiterhin war die Götz KG an der Verbreiterung und Vertiefung der Fahrrinne im Binger Loch beteiligt. Seit Ende der 1970er Jahre übernahm das Unternehmen neben der Transportlogistik zusätzliche Aufgaben, so beispielsweise beim Ausbaggern des Mannheimer Industriehafens oder 1976 beim Bau der Staustufe Iffezheim.

Containerterminal

Bis in die späten 1980er Jahre wurde die Unternehmensflotte immer wieder durch neue Gütermotorschiffe modernisiert und ausgebaut. In den 1980er Jahren kamen auch einige Schubleichter hinzu, durch die die Transportkapazität der Flotte ohne Motorisierung erweitert wurde. Gleichzeitig baute man die Lagerplätze in Stuttgart und Mannheim zu Logistikzentren aus, um dort künftig nicht nur Baustoffe, sondern vor allem Container abfertigen zu können. Das Umschlaglager in Mannheim umfasst drei Krananlagen bei einer Kailänge von 900 Metern.

1996 wurde das Containerterminal am Stuttgarter Hafen (CTS) in Betrieb genommen, das 2005 bedeutend erweitert wurde. 2014 wurden dort rund 80.000 Standardcontainer umgeschlagen.

Der Containertransport durch die Reederei Götz findet vom Neckarhafen in Stuttgart zu den Seehäfen in Antwerpen und Rotterdam statt, von wo die Ware weiter in alle Welt verfrachtet wird.

Unternehmensvertretungen im europäischen Ausland unterhält die Reederei in den Niederlanden und Belgien.

Gütermotorschiffe

Liste der Gütermotorschiffe, die im Dienst der Reederei Ludwig & Jakob Götz KG standen oder stehen, sortiert nach dem Jahr der Indienststellung:

Bild Name Baujahr Motorleistung Tonnage Werft Bemerkungen
Bruderliebe 1886 90 t hölzerner Schleppkahn mit offenem Deck, 1894/1895 im Winterhafen Neckarsteinach, wurde auf der Strecke Heilbronn-Mannheim-Mainz eingesetzt und hatte eine Besatzung von zwei Mann
Friedrich 1888 95 t hölzerner Schleppkahn mit offenem Deck, 1894/1895 im Winterhafen Neckarsteinach, wurde auf der Strecke Eberbach nach Mainz eingesetzt und hatte eine Besatzung von zwei Mann
Liesa(ie) 1891 110 t hölzerner Schleppkahn mit offenem Deck, 1894/1895 im Winterhafen Neckarsteinach, wurde auf der Strecke Eberbach nach Mainz eingesetzt und hatte eine Besatzung von zwei Mann
Jakob Götz I 1901 800 PS 1600 t Boele, Bolnes
Friedrich II 1907 200 t J. Anderssen, Neckarsulm 1930 verkauft
Geschwisterliebe 1912 260 t Schiffswert, Neckarsulm Frachtkahn, 1930 an einen Partikulier in Eberbach verkauft
Gebrüder Götz 1925 18 PS (ab 1926: 60 PS) 270 t J. Anderssen, Neckarsulm 1930 an den Bruder Karl Götz verkauft und in Gretel Götz umbenannt
Starkenburg 56 t Schleppkahn, 1926 erworben, bei der Neckarkanalisierung eingesetzt, im Zweiten Weltkrieg bei Straßburg zerstört
Einigkeit I 1928 90 PS 222 t Karl Gassner, Neckarsteinach Stillgelegt 1932, verkauft 1934
Neckar 1929 800 PS 1540 t Boele, Bolnes Zuvor als Wimpina im Dienst eines anderen Unternehmens
Neckarperle I 1930 150 PS 245 t Karl Gassner, Neckarsteinach im Zweiten Weltkrieg durch Havarie beschädigt, nach den Kriegswirren wiederhergestellt, 1950 verkauft
Glück-Auf 1932 265 PS (ab 1939: 300 PS) 289 t (ab 1939: 342 t) 1945 kurz vor Kriegsende havariert, nach Kriegsende wieder geborgen, 1963 bei Hirschhorn erneut havariert, wiederhergestellt, 1979 verkauft
Einigkeit II 1935 350 PS 412 t C. Ruthof, Mainz-Kastel Durch die Wehrmacht zum Fährschiff umgebaut, 1944 von Jagdbombern im Hochstettener Altrhein versenkt, 1945 gehoben, 2000 verschrottet
Ludwig-Friedrich 1939 500 PS 675 t 1962 auf 70 m verlängert, 1980 verkauft
Vierburgenstadt 1950 500 PS 761 t C. Ruthof, Mainz-Kastel 1964 von 67 auf 80 Meter verlängert, später verkauft, inzwischen im Ausland
Barbara-Sibylla 1952 500 PS 783 t C. Ruthof, Mainz-Kastel 1978 verkauft
Neckarperle II 1954 310 PS 335 t/später 482 t C. Ruthof, Mainz-Kastel 1956 bei Wieblingen havariert und wieder gehoben
Günter-Herbert 1954 750 PS 1182 t C. Ruthof, Mainz-Kastel 1967 von 75 auf 85 Meter verlängert, später verkauft, 2013 verschrottet
Ludwig Götz sen. I 1956 560 PS 896 t Ebert & Söhne, Neckarsteinach 1978 verkauft
Götz IX 1962 750 PS 1152 t Ebert & Söhne, Neckarsteinach 1978 an einen norddeutschen Partikulier verkauft
Götz X 1954 (Umbau) 675 PS 938 t Bereits 1897 als Schleppkahn in Holland gebaut, 1954 in Neckarsulm zum Motorschiff umgebaut, von 1969 bis 1977 im Dienst bei Götz
Götz XI 1969 1050 PS 1599 t Ebert & Söhne, Neckarsteinach 2002 verkauft
Götz XII 1971 1050 PS 1577 t (ab 1976: 1951 t) Ebert & Söhne, Neckarsteinach 1976 von 85 auf 105 Meter verlängert, 1984 verkauft
Götz XIV 1968 800 PS 1496 t Gebr. Elfring, Haren 1972 erworben, zweimal verlängert, zuletzt auf 100 Meter Länge und 1857 t Tragfähigkeit, inzwischen verkauft
Neckarstein I 1973 1200 PS 2398 t (ab 1977: 1667 t) Ebert & Söhne, Neckarsteinach 1977 von 95 auf 105 Meter verlängert, 1997 in die Niederlande verkauft, wo das Schiff als Othene im Charter der CFNR fuhr
Rheinstein 1975 1300 PS 2666 t Ebert & Söhne, Neckarsteinach Typgleich mit Neckarstein, verkauft und anschließend von 105 auf 99 Meter verkürzt
Ludwig Götz sen. II 1977 1300 PS 2584 t Ebert & Söhne, Neckarsteinach Verkauft
Friedrich Götz 1979 1400 PS 2562 t Hans Boost, Trier. Unter der Flagge der Reederei Götz in Fahrt
Jakob Götz II 1984 1400 PS 2707 t Hans Boost, Trier. Unter der Flagge der Reederei Götz in Fahrt
Öhringen 1979 1600 PS 2527 t H. Grube, Hamburg Als Nicolaus Kaufer zuvor im Dienst eines anderen Unternehmens
Excelsior 1987 1600 PS 2878 t Ebert & Söhne, Neckarsteinach Als Jean Bossler III zuvor im Dienst von Werner Ludwig Boßler, unter der Flagge der Reederei Götz in Fahrt
Neckarstein II 2001 1800 PS 2636 t Neue Germersheimer Schiffswerft, Germersheim Zuvor im Dienst der Vulkan Transport AG in Basel, einer Tochtergesellschaft der Reederei Götz

Tankmotorschiffe

Liste der Tankmotorschiffe, die im Dienst der Reederei Ludwig und Jakob Götz KG standen, sortiert nach dem Jahr der Indienststellung:

Bild Name Baujahr Motorleistung Tonnage Werft Bemerkungen
Stadt Wörth 1972 960 PS 2042 t Hans Boost, Trier 2015 verschrottet
Anna Frieda 1988 1350 PS 2770 t Hans Boost, Trier Das TMS war für die Vulkan Transport AG in Fahrt, eine Tochtergesellschaft der Reederei Götz, und befand sich in Eigentum der beiden Reedereigesellschafter Bock und Götz. 2000 ging es als Benjamin an die Navirom AG in Basel.
Stadt Dessau 1992 1500 PS 1755 t Germersheimer Schiffswerft, Germersheim 2002 als Ursula an ein anderes Unternehmen verkauft

Schubleichter

Liste der Schubleichter, die im Dienst der Reederei Ludwig & Jakob Götz KG stehen, sortiert nach dem Jahr der Indienststellung:

Bild Name Baujahr Tonnage Werft Bemerkungen
Götz XV 1984 2478 t Hilgers, Rheinbrohl Unter der Flagge der Reederei Götz in Fahrt, typgleich mit Götz XVI.
Götz XVI 1984 2478 t Hilgers, Rheinbrohl Unter der Flagge der Reederei Götz in Fahrt
Götz XVII 1989 1850 t Ebert & Söhne, Neckarsteinach Unter der Flagge der Reederei Götz in Fahrt
Götz XVIII 1549 t

Schubboote

Liste der Schubboote, die im Dienst der Reederei Ludwig & Jakob Götz KG standen, sortiert nach dem Jahr der Indienststellung:

Bild Name Baujahr Motorleistung Tonnage Werft Bemerkungen
Mühlau 1926 400 PS 80 t Schiffs-& Maschinenbau AG, Mannheim Seit 2008 im Dienst des Unternehmens Heidelberger Sand & Kies
Götz 2 1964 2 × 500 PS Schiffs-& Maschinenbau AG, Mannheim Ab 1964 im Dienst verschiedener Unternehmen, 1997 verschrottet

Weiteres

Ergänzungen zur Flotte

Neben den großen Gütermotorschiffen, Tankmotorschiffen, Schubbooten und Schubleichtern zählten und zählen zur Flotte der Reederei Götz auch verschiedene nicht in diesen Listen aufgeführte Kran- und Baggerschiffe sowie kleinere Fahrzeuge und Charterschiffe.

Neckar-Reederei

Die Reederei Ludwig & Jakob Götz KG betrieb zusammen mit der Reederei Lehnkering die Neckar-Reederei. Götz ließ das Gütermotorschiff Öhringen für die Neckar-Reederei in Dienst stellen, während die Reederei Lehnkering mit dem Gütermotorschiff Reuterweg an dem gemeinsamen Unternehmen beteiligt war.

Neue Germersheimer Schiffswerft

Nachdem 1988 die Germersheimer Schiffswerft in Insolvenz gegangen war, wurde nachfolgend die Neue Germersheimer Schiffswerft gegründet. Die Mehrheit der Geschäftsanteile hielt seit 1990 die Ludwig & Jakob Götz KG. Im selben Jahr wurde die Passagierfähre Le Joola fertiggestellt, die im Senegal eingesetzt wurde und deren Untergang im Jahre 2002 als drittgrößte zivile Schiffskatastrophe nach dem Zweiten Weltkrieg gilt. Zudem stellte die Werft im selben Jahr ihren Betrieb ein.

Familiäre Relationen

Schifffahrt

Die Gründerfamilie Götz steht in Verwandtschaft mit der Baustoffunternehmer- und Reederfamilie Waibel aus Gernsheim, der Binnenschifffahrt-Pionierfamilie Boßler (jüngere Linie) und den Schifffahrtsunternehmerfamilien Hammersdorf, Vorreuther, Heilmann sowie Oestreicher. Die beiden erstgenannten Familien gehören wie die Reederfamilie Waibel zu den alten Schiffergeschlechtern. Über die Schifferfamilie Heilmann findet sich außerdem der familiäre Anschluss an eine Pfarrerfamilie Wild.

Zudem ist die Pioniersfamilie der Gütermotorschifffahrt mit den ebenso zu den alten Schiffergeschlechtern zählenden Bock aus Neckarsteinach versippt, die Gesellschaftsanteile an der Reederei Ludwig & Jakob Götz KG hielt. Es besteht fernerhin eine Ahnengemeinschaft mit der Erbbeständer- und Magistrats-Familie Krieger aus Neckarhausen, die eine besonders lange Tradition in der Treidelschifffahrt vorweisen kann. Die Nachkommen des Reeders Ludwig Götz stehen über dessen Ehefrau mit dem seit 1454 nachweisbaren alten Schiffergeschlecht Kappes in Relation, dass bereits 1532 Binnenfischerei betrieb.

Führungsschichten

1746 wurde die württembergisch-fränkische Gelehrtenfamilie Unfug, latinisiert Unfugius, im Zedler-Lexikon beschrieben. Mit der Bäckerstochter Margaretha Sophia Unfug (1727–1797) findet die besagte Gelehrtenfamilie der lutherischen Geistlichkeit Eingang in die Ahnentafel der ursprünglich reformierten ratsherrlichen Götz. Margaretha Sophia, einziges Kind des in die altwürttembergische Ehrbarkeit eingetretenen, zum Amtsbürgermeister von Gochsheim erwählten städtischen Gerichtsverwandten Johann Friedrich Unfug (1695–1773) vermählte sich mit dem wohlsituierten Zunftmeister der Sinsheimer Metzger Johann Martin Götz.

Durch die gelehrte Theologenfamilie Unfug gehören angefangen bei Hofpredigern der Markgrafen von Ansbach und Bayreuth über Stadtpfarrer sowie Feldprediger im Türkenkrieg und Seniores (Oberpfarrer) der geistlichen Kapitel in den brandenburg-ansbachischen Ämtern Schwabach sowie Crailsheim bis hin zum Reformator Georg Parsimonius eine Reihe reformatorischer Geistlicher in den Vorfahren- oder Verwandtenkreis der Reederfamilie Götz samt ihrer Nachfahren.

Eine Ahnengemeinschaft mit dem Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe kommt über die gemeinsame kognatische Vorfahrenlinie Karg, latinisiert Cargius auch Parsimonius aus Heroldingen zustande.

Eine Cousine des Industriellen Johann Friedrich II. Götz hatte sich darüber hinaus mit einem als Blumenfabrikant in Bühl tätigen Fabrikantensohn verheiratet, dessen Produktion 30 bis 40 Tagelöhnerinnen Beschäftigung bot.

Literatur

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Helmut Betz: Historisches vom Strom. Band 5: Die Neckarschiffahrt vom Treidelkahn zum Groß-Motorschiff. Krüpfganz, Duisburg 1989, ISBN 3-924999-04-X.
  • Hanspeter Rings: Neckarschifffahrt. Illustrierte Geschichte der Ludwig & Jakob Götz KG. Edition Quadrat, Mannheim 1990, ISBN 3-923003-49-8.
  • Heide Ringhand: Die Binnenschiffahrt. Fließende Straßen. Lebendige Ströme. (Herausgegeben in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der deutschen Binnenschiffahrt e. V.) BeRing Verlag, Velbert-Neviges 1992, ISBN 3-925636-16-1, S. 86, S. 288.
  • Nadine Sauer: Familien in Neckarsteinach 1603–1900. Band I. Die evangelischen Kirchenbücher (= Reihe B der Deutschen Ortssippenbücher. Band 171). Neckarsteinach 1999, (DNB 959404414)
  • Ludwig & Jakob Götz GmbH und Co. KG. In: Herbert Komarek: Neckarsteinach. 850 Jahre Schiffahrt im Wandel der Zeit. (herausgegeben vom Schifferverein Neckarsteinach e. V.) Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2003, ISBN 3-8313-1321-0, S. 41–44.
  • Marcel Christian Boßler: Die Neckarsteinacher Reederfamilie Götz aus Sinsheim und ihre Abstammung von der württembergisch-fränkischen Gelehrtenfamilie Unfug. In: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde. Herausgegeben vom Verein für Familienkunde in Baden-Württemberg, Bd. 42, Offizin Scheufele, Stuttgart 2024, ISSN 0172-1844, S. 143–178.

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