Maria von Sizilien

Maria (* 1362 in Catania; † 25. Mai 1401 in Lentini) war von 1377 bis 1401 Königin von Sizilien, Herzogin von Athen und Neopatria. Nach dem Tod ihres Vaters, König Friedrich III., im Jahr 1377 führten zunächst vier sizilische Barone für sie die Regentschaft. Es gab für sie mehrere Ehekandidaten. König Peter IV. von Aragón wollte die von den Baronen angestrebte Unabhängigkeit Siziliens von seinem Königreich vereiteln und plante Maria mit seinem Enkel Martin dem Jüngeren zu vermählen, den sie indessen erst 1391 während ihres Aufenthalts in Spanien heiratete. 1392 kehrte sie mit ihrem Gatten und ihrem Schwiegervater Martin dem Humanen im Rahmen einer Militärexpedition zurück. Der Widerstand der aufständischen sizilischen Barone hielt bis 1397 an. Im nächsten Jahr gebar Maria ihren einzigen Sohn Pietro, der zwei Jahre später ums Leben kam. Sie starb ein halbes Jahr danach an der Pest.

Leben

Abstammung; Jugend

Maria war die einzige Tochter und Erbin des sizilischen Königs Friedrich III. dem Einfältigen und seiner Gattin Konstanze, der ältesten Tochter des Königs Peter IV. von Aragón. Die Taufe Marias fand in der Kathedrale von Catania statt. Ihre Mutter starb bereits im Juli 1363, und sie hatte danach eine schwierige Jugendzeit. Angesichts des weiterhin gültigen Salischen Gesetzes, das vom sizilischen König Friedrich II. erlassen worden war und Frauen von der Thronfolge ausschloss, verhandelte Marias Vater 1372 mit Papst Gregor XI. über die Anerkennung des Besitzanspruchs seiner Nachkommen auf das Königreich Sizilien. Ebenfalls 1372 schloss er im gleichen Sinn mit Königin Johanna I. von Neapel einen Vertrag, laut dem seine Tochter ihm auf den Thron folgen sollte. Testamentarisch bestimmte Friedrich III. Maria nicht nur zu seiner Nachfolgerin in der Herrschaft über Sizilien, sondern auch über die Herzogtümer Athen und Neopatria.

Regentschaft der vier Vikare; Eheverhandlungen

Da Maria beim Tod ihres Vaters im Juli 1377 noch sehr jung war, kam sie unter die Vormundschaft des sizilischen Barons Artale Alagona, der zum Vikar des Königreichs ernannt wurde. Artale Alagona ließ sie im Castello Ursino in Catania unter strenger Überwachung residieren. Er war bereit, seine Macht mit drei anderen hohen Adligen, Manfredi Chiaramonte, Graf von Modica, Guglielmo Peralta, Graf von Caltabellotta, und Francesco Ventimiglia, Graf von Collesano, zu teilen. So stand Maria seit 1378 unter der Regentschaft von vier Vikaren (Consiglio dei quattro Vicari ≃ Rat der vier Stellvertreter). Deren Einigkeit schwand aber schon im Dezember 1378, als Artale Alagona die 16-jährige Maria mit dem künftigen Herzog von Mailand, Gian Galeazzo Visconti, verheiraten wollte. Er bemühte sich, durch eine italienische Lösung die Unabhängigkeit Siziliens zu sichern und Einmischungen Aragóns zu verhindern. Zum Schutz der Realisierung des Heiratsprojekts sollte Visconti Truppen nach Sizilien schicken, doch wurden die mailändischen Schiffe noch vor dem Auslaufen durch eine von König Peter IV. von Aragón geschickte Kriegsflotte zerstört. Während Herzog Otto von Braunschweig, Ehemann Johannas I. von Neapel, Maria mit dem Marchese Johann III. von Montferrat, zu vermählen beabsichtigte und Papst Urban VI. die Ehe zwischen Maria und seinem Neffen Francesco Prignano anstrebte, plante König Peter IV., seinen ältesten Sohn Johann zu Marias Gatten zu machen, um die drohende Unabhängigkeit Siziliens von Aragón abzuwenden.

Im Januar 1379 nutzte der bei der Aufteilung Siziliens unter die vier Vikare übergangene Guglielmo Raimondo Moncada, Graf von Agosta, die Gelegenheit, dass Artale Alagona nach Messina gereist war, um Maria aus dem Castello Ursino zu entführen und nach Augusta zu schaffen. Anschließend begab er sich nach Barcelona, um von Peter IV. Soldaten für die Verteidigung gegen Artale Alagona zu erbitten. Letzterer belagerte bereits Augusta, als Moncada rechtzeitig zurückkehrte und Maria im Juli 1379 auf dem Seeweg in die – im Territorium des mit ihm verbündeten Vikars Manfredi Chiaramonte gelegene – Burg von Licata brachte. Wegen des Widerstands des Infanten Johann gegen seine geplante Verheiratung mit der sizilischen Königin beschloss König Peter IV., sie mit seinem Enkel Martin dem Jüngeren zu vermählen. Der Ehevertrag wurde am 24. Juli 1380 von Peter IV., Herzog Martin dem Humanen, Guglielmo Raimondo Moncada und Enrico Rosso, Graf von Aldone, unterzeichnet. Als Moncada erfuhr, dass Manfredi Chiaramonte Königin Maria als Geisel zu nehmen beabsichtigte, erschien er in Licata und vermochte Maria erneut in die Burg von Augusta zu überführen. Er übergab sie im Juni 1381 den Gesandten Peters IV. Um Marias Verbringung nach Aragonien zu verhindern, belagerte Artale Alagona Moncadas Stützpunkt Augusta. Eine katalanisch-aragonische Flotte unter dem Kommando von Felipe Dalmau, Vizconde de Rocaberti konnte Maria im Sommer 1382 von Augusta nach Sardinien bringen, wo sie in der Burg von Cagliari lebte.

Heirat

Im Oktober 1382 wurden Marias Amme Giacomina und deren Töchter auf Befehl Herzog Martins aus Cagliari entfernt, wohingegen Giovanna Moncada und die Gräfin Allegranza Abbate, Stiefmutter von Guglielmo Raimondo Moncada, in Marias Umgebung bleiben durften. Während die sizilische Königin in Cagliari mit geringen finanziellen Mitteln auskommen musste, verhandelten König Peter IV. und Herzog Martin mit Papst Urban VI. und Gegenpapst Clemens VII. über die Investitur Siziliens. Als Johann seinem Vater Peter IV. 1387 auf den Thron Aragóns folgte, verbündete er sich mit Clemens VII., woraufhin Urban VI. eine Allianz mit den Vikaren Siziliens einging. Maria wurde nach Barcelona verbracht, wo sie in ihrem Status nicht angemessenen Verhältnissen lebte. Wegen einer Pest-Epidemie in Barcelona übersiedelte sie im Juli 1388 nach Terrassa. Nach der Erteilung der aufgrund ihrer nahen Verwandtschaft mit ihrem mehr als zehn Jahre jüngeren Bräutigam notwendigen Dispens durch Clemens VII. heiratete sie Martin den Jüngeren 1391 in Barcelona. Trotz des Versprechens einer jährlichen Zuwendung war sie wegen deren Ausbleibens weiterhin mit finanzieller Not konfrontiert.

Ko-Regierung mit Martin dem Jüngeren

Im Juli 1391 bestätigten die sizilischen Vikare Manfredi Alagona, Andrea Chiaramonte, Antonio Ventimiglia und Guglielmo Peralta ihre Loyalität zu Königin Maria und schworen einstimmig, Martin den Jüngeren als Gatten der Königin und Herrscher Siziliens abzulehnen. Papst Bonifatius IX. stimmte in seiner Haltung mit den Vikaren überein und vertraute ihnen die Regentschaft Siziliens an. Herzog Martin der Humane beschloss, die Rechte seines Sohns als Ehemann Marias durch eine Militärexpedition durchzusetzen. An Bord einer Kriegsflotte segelte er mit seinem Sohn und seiner Schwiegertochter Maria nach Sizilien, landete im März 1392 auf der Insel Favignana, eroberte Palermo und ließ Andrea Chiaramonte im Juni 1392 enthaupten. Danach erstürmte er mit seinem Sohn Catania. Maria ließ sich im Castello Ursino nieder, wo sie ihre früheren Diener und Hofdamen wiedersah. Aufständische Barone nahmen Catania im März 1394 ein, das aber im August 1394 von Martin dem Humanen und seinem Sohn zurückerobert wurde. Nun empfing Maria ihren Ehemann und ihren Schwiegervater im Castello Ursino. Der Widerstand gegen die Herrschaft Aragóns in Sizilien dauerte bis 1397 an.

Nach dem Tod des aragonischen Königs Johann I. (15. Mai 1396) schiffte sich Martin der Humane nach der Iberischen Halbinsel ein, um in Aragón die Nachfolge Johanns anzutreten. Seine Abreise stürzte Maria in eine depressive Phase und sie wurde im gleichen Jahr von mehreren Ärzten wegen einer schweren Erkrankung behandelt. Auch 1397 war ihre Gesundheit angegriffen; und wenn sie sich erholt hatte, kehrte die Krankheit immer wieder zurück. Die einzig erhaltene Urkunde, die ihre eigenhändige Unterschrift trägt, stammt vom Oktober 1396 und bezieht sich auf einen Friedensvertrag, den ihr Gatte und dessen Vater mit der sizilischen Adelsfamilie Ventimiglia schloss. Ende 1397 kehrte Martin der Jüngere nach längerer Absenz nach Catania zur inzwischen völlig genesenen Maria zurück. Sie wurde von ihm schwanger, erhielt nun ihrem königlichen Status angemessene Kleidung und brachte nach einer schwierigen Geburt ihren einzigen Sohn Pietro am 17. November 1398 zur Welt. Als Zweijähriger wurde er während eines in Catania veranstalteten Turniers am 8. November 1400 durch einen Lanzenstich in den Kopf getötet. Die darüber verzweifelte Maria wurde wegen einer grassierenden Pest von Catania nach Lentini gebracht, hatte sich aber bereits angesteckt und starb am 5. Mai 1401 im Alter von etwa 39 Jahren. Ihr Ehemann, der sich wenig um sie gekümmert hatte, weilte nicht an ihrem Totenbett. Ihr Schwiegervater ließ zu ihrem Gedenken Trauergottesdienste in mehreren Kathedralen Aragóns abhalten. Der Leichnam Marias wurde in der Kathedrale von Catania beigesetzt. Martin der Jüngere berief sich nun auf den Vertrag von 1372 und regierte das Land allein.

Literatur

  • Patrizia Sardina: Maria d’Aragona, regina di Sicilia. In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 70: Marcora–Marsilio. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2007, S. 195–198.
  • Pau Cateura Bennasser: María de Sicilia. Real Academia de la Historia, 2018, abgerufen am 25. Februar 2020 (spanisch).

Anmerkungen

  1. Patrizia Sardina: Maria d’Aragona, regina di Sicilia. In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 70: Marcora–Marsilio. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2007, S. 195.
  2. Pau Cateura Bennàsser: María de Sicilia. In: Diccionario biográfico español. Madrid 2009–2013 (Online-Version).
  3. Patrizia Sardina: Maria d’Aragona, regina di Sicilia. In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 70: Marcora–Marsilio. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2007, S. 195–196.
  4. Patrizia Sardina: Maria d’Aragona, regina di Sicilia. In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 70: Marcora–Marsilio. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2007, S. 196.
  5. Patrizia Sardi-na: Maria d’Aragona, regina di Sicilia. In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 70: Marcora–Marsilio. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2007, S. 196–197.
  6. Patrizia Sardina: Maria d’Aragona, regina di Sicili-a. In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 70: Marcora–Marsilio. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2007, S. 197.
VorgängerAmtNachfolger
Friedrich III.Königin von Sizilien

1377–1401
Martin I.
Friedrich III.Herzogin von Athen
1377–1381
Peter IV.
Friedrich III.Herzogin von Neopatria

1377–1381
Peter IV.

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