Marija Weniaminowna Judina (russisch Мария Вениаминовна Юдина; * 28. Augustjul. / 9. September 1899greg. in Newel, Russisches Reich; † 19. November 1970 in Moskau, Sowjetunion) war eine russische Pianistin und Klavierpädagogin. Sie gilt als bedeutende Vertreterin der Russischen Schule in der Tradition Anton Rubinsteins.
Leben
Judina stammte aus einer jüdischen Familie. Sie studierte am Konservatorium in Petrograd (Sankt Petersburg hieß damals Petrograd und ab 1924 Leningrad) bei Anna Jessipowa, Leonid Nikolajew und Wladimir Drosdow. Kurzzeitig nahm sie auch Privatunterricht bei Felix Blumenfeld.
Nach ihrem Übertritt zur russisch-orthodoxen Kirche im Jahr 1919 engagierte sie sich zunehmend für karitative und humanistische Zwecke, ihre Auftrittsgagen spendete sie der Kirche. In den 1920er Jahren war sie in Leningrad mit dem Bachtin-Kreis um Michail Bachtin in Kontakt.
1930 intensivierte sie ihre Konzerttätigkeit in der Sowjetunion. Sie wurde durch ihre kraftvoll-energischen Darbietungen der Klaviermusik von Johann Sebastian Bach und Ludwig van Beethoven bekannt, ebenso wie für ihre Interpretationen moderner Komponisten wie Schostakowitsch, Strawinsky, Arthur Honegger oder Bohuslav Martinů.
Nach ihrem Abschluss am Konservatorium in Petrograd war sie auf das Angebot eingegangen, dort als Klavierlehrerin zu arbeiten. Im Jahr 1930 wurde sie entlassen, weil ihre religiösen Überzeugungen in der atheistischen Sowjetunion nicht erwünscht waren. Von 1932 bis 1933 unterrichtete sie am Konservatorium Tiflis. 1936 wurde sie auf Vorschlag von Heinrich Neuhaus an die Klavierklasse des Moskauer Konservatoriums berufen, wo sie bis 1951 unterrichtete.
Ab 1944 unterrichtete sie zudem Kammermusik und eine Gesangsklasse am Gnessin-Institut in Moskau. Im Jahr 1960 wurde sie vom Gnessin-Institut entlassen, wiederum wegen ihrer religiösen Einstellung. Außerdem wurde missbilligt, dass sie sich für die „westliche Musik“ einsetzte. Danach trat sie weiterhin als Pianistin auf, Aufnahmen ihrer Konzerte waren jedoch verboten. Bei einem ihrer Auftritte in Leningrad las sie als Zugabe Gedichte von Boris Pasternak. Daraufhin durfte sie fünf Jahre lang nicht mehr auftreten.
Mit Boris Pasternak war sie persönlich befreundet. In ihrer Wohnung las er im Februar 1947 erstmals aus seinem Roman Doktor Schiwago vor. (Er vollendete den Roman erst im Jahr 1956.)
Judina wurde trotz intensiver Kontakte zu Musikern wie Otto Klemperer und Paul Hindemith im Westen kaum bekannt.
Literatur
- Cord Garben: Am Glück vorbei … : Kunst und Schicksal legendärer Pianistinnen. 2. Auflage. Florian Noetzel, Wilhelmshaven 2018, ISBN 978-3-7959-1013-6, S. 213–229.
- Marina Lobanova: Judina, Marija (Veniaminovna). In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Personenteil, Band 8 (Gribenski – Hilverding). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 2002, ISBN 3-7618-1118-7 (Online-Ausgabe, für Vollzugriff Abonnement erforderlich)
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