Marschlager Porta Westfalica

Das Marschlager Porta Westfalica (auch: Marschlager Barkhausen, trivial auch als „Römerlager“ bezeichnet) war ein temporäres römisches Militärlager aus augusteischer Zeit am linken Ufer der Weser im Stadtteil Barkhausen der ostwestfälischen Stadt Porta Westfalica im nordrhein-westfälischen Kreis Minden-Lübbecke. Während der Augusteischen Germanenkriege diente es den römischen Truppen im Gebiet der zu erobernden Germania magna als Marschlager. Es wurde im Jahre 2008 entdeckt und in der Folgezeit archäologisch untersucht, wobei eine Nutzung des Geländes als Gräberfeld von der Bronzezeit bis ins Frühe Mittelalter nachgewiesen werden konnte.

Lage

Das Areal des Marschlagers liegt westlich der Weser in Barkhausen auf einer flachen Geländeterrasse. Unmittelbar südlich davon verlässt der von Süden kommende Fluss das Weserbergland und fließt in Richtung Norden in die Norddeutsche Tiefebene ein. Dabei durchbricht er das Weser- und das Wiehengebirge und bildet die Porta Westfalica, durch die seit vorgeschichtlicher Zeit Verkehrswege führen. Dementsprechend fanden sich bei Ausgrabungen menschliche Spuren vom Neolithikum bis in die jüngste Zeitgeschichte. In der antiken Zeit befand sich das Lager im Gebiet der Germania magna und war ein Bestandteil des letztlich gescheiterten Versuches des Römischen Reiches, diese zu einer römischen Provinz zu machen. Îm heutigen Siedlungsbild befindet sich das Ausgrabungsareal zwischen der Portastraße im Westen und der Bundesstraße 61 im Osten und ist durch Neubaumaßnahmen der jüngeren Zeit nahezu vollständig überbaut.

Entdeckung und Erforschung

Der Fundplatz wurde am 8. Juli 2008 durch lizenzierte Sondengänger während der Untersuchungen des Bodenaushubs, der bei der Erschließung des Baugebietes „Auf der Lake“ anfiel, zufällig entdeckt. Es war die einzige größere, nicht bebaute Fläche im Ort. Bereits 1950 war in etwa 150 Meter Entfernung eine römische Goldmünze aus augusteischer Zeit entdeckt worden.

Der Fund einer römischen Aucissafibel und römischer Bronzemünzen veranlasste die Entdecker zu einer sofortigen Meldung an das zuständige Fachamt für Bodendenkmalpflege, in diesem Fall die Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie für Westfalen. Die begann kurzfristig mit einer Rettungsgrabung unter Beteiligung von ehrenamtlich tätigen Sondengängern.

Die Grabungen auf einer Fläche von 30.000 m² dauerten bis zum Jahr 2011 an und brachten 878 Befunde sowie eine große Anzahl an Fundstücken zutage, die sich von der Bronzezeit bis zur Frühen Neuzeit erstreckten. Die Vielzahl der Funde deutet darauf hin, dass der Ort aufgrund durchführender Verkehrswege zu verschiedenen Zeiten immer wieder als Lager- oder Siedlungsplatz genutzt worden war.

Archäologische Befunde und Funde

Vorrömische und nachrömische Befunde und Funde

Im Rahmen der Ausgrabungen konnten auch Funde aus anderen Epochen gemacht werden. Dazu gehören unter anderem ein Urnengräberfeld aus dem ersten Jahrtausend v. u. Z., Keramikreste aus der vorrömischen Eisenzeit, ein Langsax aus der Zeit Karolingerzeit, eine Fibel aus dem 9. Jahrhundert sowie eine Silbermünze des Jahres 1621.

Römische Befunde

Im Gelände wurden die Reste von 30 aus Lehm gefertigten römischen Feldbacköfen lokalisiert. Spuren fester Holzbauten, wie Pfostengruben oder Fundamentgräben, Brunnen und Zisternen, sowie ein für römische Marschlager typischer V-förmiger Spitzgraben konnten hingegen nicht entdeckt werden.

Daniel Bérenger, der damalige stellvertretende Chefarchäologe des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe vermutete 2008, dass sich der römische Feldherr Varus in dem Lager aufgehalten haben könnte, bevor er in die Schlacht gezogen sei. Die Fundstelle passe zu den historischen Quellen. Auch sei die Distanz zu den römischen Lippelagern und nach Kalkriese plausibel.

Römische Funde

Zu den Funden aus der augusteischen Epoche gehört römische Militärausrüstung wie Zeltheringe, Profilnägel von Caligae (Legionärssandalen), zehn Fibeln, der Verschluss eines Kettenpanzers, Bleilote zur Geländevermessung sowie eine Wurfspeerspitze und zwei Lanzenspitzen. Es wurden über 100 römische und keltische Münzen gefunden, durch die sich zwei Zeithorizonte abzeichnen. Auf die Zeit der Drusus-Feldzüge von 12 bis 9 v. u. Z. weisen eine gallische Kleinbronze der Remer und acht in Gallien geprägte Münzen. Charakteristisch für die Zeit nach der Zeitenwende sind zwei Denare des Augustus für seine Adoptivsöhne Gaius Caesar und Lucius Caesar, elf in Lugdunum (Lyon) und Rom geprägte Münzen sowie vier keltische Kleinbronzen. Die Funde weisen auf eine Anwesenheit römischer Truppen während der augusteischen Germanenkriege, also von 12 v. u. Z.bis 16 u. Z., hin. Es wird als höchstwahrscheinlich angenommen, dass das Lager nicht dauerhaft besetzt war, sondern nur einem vorübergehenden Aufenthalt diente.

Fundverbleib und Befundpräsentation

Kurz nach Bekanntwerden der Bedeutung des Fundplatzes, der Ausgrabung und den damit verbundenen Kosten gründete sich der „Förderverein Römerlager Barkhausen e. V.“ (2008 bis 2020). Gegründet wurde der Verein auf Bestreben des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe und der Stadt Porta Westfalica. Der Verein bezahlte die Personal- und Sachkosten der Grabung, soweit sie nicht von der öffentlichen Hand getragen wurden. Einige der Funde und Ergebnisse der Ausgrabungen waren seit 2013 im Foyer des Business Centers Barkhausen präsentiert worden. 2021 wurde die Ausstellung nach zwei Jahren ohne Trägerschaft in ihrer bisherigen Form aufgelöst. Vor Ort befindet sich aber noch heute eine Dauerausstellung zum Römerlager und zu weiteren Befunden, die 2022 neu konzipiert und durch weitere ur- und frühgeschichtliche Funde aus dem Bereich der Stadt Porta Westfalica ergänzt wurde. Betrieben wird dieses Kleinstmuseum seit der Wiedereröffnung am 26. Februar 2022 von einer Arbeitsgruppe der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke e. V. und dem Verein Natur- und Heimatpflege Porta e. V. (NHP). Die LWL-Archäologie für Westfalen unterstützt die Ausstellung mit Dauerleihgaben.

Literatur

  • Werner Best: Römer und mehr. Die Ausgrabung in Porta Westfalica-Barkhausen. In: Denkmal-Zeitung zum 13. September 2009, Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Münster 2009, S. 9 (lwl.org PDF).
  • Hannelore Kröger, Werner Best: Porta Westfalica – Barkhausen. Ein Gang durch die Jahrtausende. Förderverein Römerlager Barkhausen, o. V., Porta Westfalica 2014.
  • Michael M. Rind: Aufruhr, Römerlager und Barcodes – die westfälische Archäologie 2010. In: Archäologie in Westfalen-Lippe 2010. Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Münster 2011, S. 7–12 (Digitalisat).
  • Bernhard Sicherl: Siedlungsspuren der Kaiserzeit in Porta Westfalica-Barkhausen. In: Archäologie in Westfalen-Lippe 2016. Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Münster 2017, S. 71–74 (Digitalisat).
  • Robert Süße: Von den Römern bis zu den Preußen. Ein multiepochaler Fundplatz in Paderborn. In: Archäologie in Westfalen-Lippe 2022. Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Münster 2023, S. 223–227 (Digitalisat).
  • Bettina Tremmel: Augusteische Marschlager in Porta Westfalica-Barkhausen. In: Archäologie in Westfalen-Lippe 2009. Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Münster 2010, S. 45–47 (Digitalisat).

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