Maryam Abu Daqqa (arabisch مريم أبو دقة, in nicht-arabischsprachigen Medien auch Mariam Abu Dagga bzw. Mariam Dagga; geb. 1991/1992 in Chan Yunis; gest. am 25. August 2025 in Chan Yunis, Gazastreifen) war eine palästinensische Bildjournalistin und Videoreporterin. Sie arbeitete freiberuflich unter anderem für die Associated Press und Independent Arabia, eine Partnerseite der britischen Zeitung The Independent. Für ihre Fotoarbeit während des Kriegs in Israel und Gaza seit 2023 wurde sie mit einem Preis der Associated Press ausgezeichnet.
Maryam Abu Daqqa wurde bei den israelischen Angriffen auf das Nasser-Krankenhaus am 25. August 2025 getötet. Ihre Tötung führte zu einer starken Rezeption ihrer Person in den internationalen Medien.
Leben und Werk
Kindheit, Studium und Familie
Maryam Abu Daqqa wurde 1991/1992 in Chan Yunis im Gazastreifen geboren. Sie schloss ein Studium der Journalistik an der Al-Aqsa-Universität in Gaza-Stadt ab. Abu Daqqa war die Mutter eines dreizehnjährigen Sohnes.
Ihre Mutter erkrankte während des Israel-Gaza-Kriegs schwer und starb im Krankenhaus, da eine geeignete medizinische Behandlung in Gaza nicht möglich war. Abu Daqqas Schwester Nada und ihr Bruder Mohamed waren während des Angriffs ebenfalls am Nasser-Krankenhaus, überlebten aber.
Journalismus
Ab 2015 begann Mariam Abu Daqqa, als Journalistin im Gazastreifen zu arbeiten.
Sie erlangte Bekanntheit, als sie 2018 während der Proteste des „Großen Marsches der Rückkehr“ (arabisch: مسیرة العودة الكبرى, Masīra al-ʿawda al-kubrā) an Israels Sperranlage um den Gazastreifen den Tod eines Demonstranten filmte. Die demonstrierenden Palästinenser wurden von der Sperranlage aus von israelischen Soldaten beschossen; 220 Menschen wurden getötet und mehr als 9.200 verletzt. Es stellte sich später heraus, dass es sich bei dem getöteten Demonstranten um ihren Bruder handelte.
2020 wurde Abu Daqqa eine Stelle als Fotojournalistin bei Independent Arabia, einer Partnerseite der britischen Zeitung The Independent, angeboten, die sie annahm. Sie berichtete aus dem Gazastreifen, darunter über die israelischen Militäroperationen vor dem Gazakrieg. Sie gehörte zu den wenigen weiblichen Bildjournalisten in Gaza.
Während des Israel-Gaza-Kriegs ab 2023
Zu Beginn des Israel-Gaza-Krieges gelang es Abu Daqqa, ihren Sohn aus dem Gazastreifen zu evakuieren, der seither mit dem Vater in den Vereinigten Arabischen Emiraten lebt. Maryam Abu Daqqa selbst blieb im Gazastreifen und wurde infolge des Israel-Gaza-Krieges mehrfach vertrieben. Laut The Independent weigerte sich Abu Daqqa, den Gazastreifen zu verlassen, da sie über den Krieg berichten wollte. CNN gegenüber erklärte sie im Mai 2024, sie empfinde dies als journalistische Pflicht.
Im Laufe des Krieges begann Abu Daqqa ihre journalistische Arbeit zum Kriegsgeschehen auch in den sozialen Medien zu dokumentieren; ihr Instagram-Account hatte über 200.000 Follower.
Neben ihrer Tätigkeit für Independent Arabia arbeitete sie zusätzlich als freie Mitarbeiterin für verschiedene internationale Medien, insbesondere die Nachrichtenagentur Associated Press. Für ihre journalistische Berichterstattung ging sie auch an hochgefährdete Orte. Mehrfach dokumentierte sie dabei den Tod von anderen Journalisten. Auch ihr engster Kollege Abu Anas war unter den Toten.
Abu Daqqa hatte sich in einem Zelt in der Nähe des Nasser-Krankenhauses niedergelassen und arbeitete von dort aus. In den letzten Wochen vor ihrem Tod hatte sie den Kampf der Ärzte um das Überleben verhungernder Kinder dokumentiert. Sie gewann einen internen Preis von Associated Press für diese Berichterstattung.
Aus Äußerungen Abu Daqqas geht hervor, dass sie mit ihrem eigenen Ableben rechnete. Sie erklärte gegenüber CNN im Mai 2024: „Jedes Mal, wenn auf einen Journalisten gefeuert wird, fragen wir uns, wer von uns morgen an der Reihe sein wird. Wir haben keinen Schutz und keine Sicherheit.“ Sie hatte vorsorglich ein Testament verfasst.
Tod bei israelischem Angriff auf Krankenhaus
Am Montagmorgen, dem 25. August 2025, führte die israelische Armee gegen 7 Uhr (GMT) einen Angriff auf das Nasser-Krankenhaus in Chan Yunis im südlichen Gazastreifen durch, bei dem mindestens 19 Menschen, darunter 5 Journalisten, getötet wurden. Nach Angaben des Nasser-Krankenhauses wurde dabei das Empfangsgebäude im vierten Stock des Nasser-Krankenhauses getroffen.
Der erste Einschlag traf die Kamera-Station des Reuters-Journalisten Hussam al-Masri, der für eine Live-Übertragung seine Kamera aufgestellt hatte und dabei getötet wurde. Sanitäter und Mitarbeiter des Zivilschutzes eilten zur Rettung, ebenso beobachtende Journalisten, unter ihnen auch Maryam Abu Daqqa. Acht Minuten nach dem ersten Angriff führte das israelische Militär mittels eines Panzergranatenbeschusses einen zweiten Angriff auf die gleiche Position aus. Eine Live-Übertragung des arabischen Fernsehsenders Al-Ghad fing das Geschehen des zweiten Angriffs ein.
Bei der Explosion des zweiten Angriffs wurde Maryam Abu Daqqa getötet. Unter den Toten waren auch drei weitere ihrer Journalistenkollegen – Muhammad Salama, Moaz Abu Taha und Ahmed Abu Aziz.
Israel erklärte, die Hamas habe mit der Kamera israelische Truppen beobachtet, um terroristische Aktivitäten gegen sie zu koordinieren. Außerdem vermute man seit Langem, dass Extremistengruppen in Krankenhäusern aktiv seien. Den Vorwurf eines gezielten Angriffs auf die Journalisten wies ein israelischer Militärsprecher zurück: „Wir können bestätigen, dass die Journalisten von Reuters und AP kein Ziel des Angriffs waren.“ Israel legte keine Beweise dafür vor, dass eine bzw. die Kamera von der Hamas aufgestellt worden war, und erklärte auch nicht, warum auf den ersten Angriff wenige Minuten später ein zweiter folgte. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte seit Wochen Live-Bilder von dem entsprechenden Standort aus übertragen.
Rezeption
Mediale Rezeption
Der Tod von Maryam Abu Daqqa erhielt in der Rezeption des Angriffs vom 25. August 2025 besonders große Aufmerksamkeit. Zahlreiche internationale Medien veröffentlichten Nachrufe und spezifische Artikel über das Leben und Werk von Maryam Abu Daqqa, darunter Nachrichtenagenturen wie Associated Press, und Reuters, britische und US-amerikanische Medien wie The Guardian,The Independent,, The New York Times,The Washington Post, israelische Medien wie Haaretz, The Times of Israel und +972 Magazine, arabische Medien wie Al Jazeera, deutschsprachige Medien wie Der Spiegel und Der Freitag und der australische The Sydney Morning Herald und der neuseeländische The New Zealand Herald.
Politische Rezeption
Am 27. August 2025 tagte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in der Sitzung zu den Ereignissen in Gaza. Dabei thematisierte der algerische UN-Botschafter Amar Bendjama die Tötung von Maryam Abu Daqqa in seinem Wortbeitrag, wobei er ihren Brief an ihren Sohn vorlas.
Würdigung durch Journalisten
Julie Pace, Chefredakteurin und Senior Vice President von Associated Press, würdigte Abu Daqqa als Journalistin, die unter schwierigsten Bedingungen über den Gazakrieg berichtete, insbesondere über die Auswirkungen des Krieges auf Kinder. Die im Gazastreifen ansässige Spiegel-Journalistin Ghada al-Kurd lobte Maryam al-Daqqa als Vorbild für die Arbeit palästinensischer Frauen im Journalismus. Adhwan Alahmari, Abu Daqqas Redakteur bei Independent Arabia, nannte ihre Tötung eine „flagrante Verletzung des Völkerrechts“ durch Israel.
Das International Press Institute ernannte sie postum „in Anerkennung ihrer selbstlosen und standhaften Hingabe an den Journalismus“ zum „World Press Freedom Hero“.
Namensvarianten
In internationalen Berichten finden sich unterschiedliche Transkriptionen, u. a. „Mariam Dagga“ (AP) und „Mariam Abu Dagga“ (z. B. Los Angeles Times).
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