Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) ist als erste selbstständige medizinische Universität Deutschlands gegründet worden. Sie befindet sich in Hannover und ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung mit einem überregionalen Einzugsbereich, eine Hochschule mit den Studienfächern Medizin und Zahnmedizin sowie zahlreichen weiteren Studiengängen. Darüber hinaus ist sie eine Forschungseinrichtung mit den Schwerpunkten Infektion und Immunität, Transplantation und Regeneration, Biomedizintechnik und Implantate.
| Medizinische Hochschule Hannover | |
|---|---|
| Gründung | 1965 |
| Trägerschaft | staatlich |
| Ort | Hannover |
| Bundesland | Niedersachsen |
| Land | Deutschland |
| Präsidentin | Denise Hilfiker-Kleiner |
| Studierende | 3.997 (2024) |
| Mitarbeiter | 8.611 (Vollzeit) (2024) >11.000 (insgesamt) (2024) |
| davon Professoren | 149 (davon Frauen: 40) |
| Jahresetat | 1188,2 Mrd. Euro Betriebserträge (inkl. Landeszuschuss), 111,9 Mio. Euro Drittmittel; |
| Website | https://www.mhh.de |
Geschichte
Die MHH wurde 1965 gegründet. Der Plan, in Niedersachsen neben der Universität Göttingen eine zweite Medizinische Fakultät zu errichten, geht auf das Jahr 1961 zurück. Gründungsrektor der Medizinischen Hochschule Hannover war der Göttinger Internist Rudolf Schoen (1964 bis 1967). Erster gewählter Rektor war der Internist Fritz Hartmann. Der Wissenschaftsrat hatte empfohlen, in Deutschland sieben neue medizinische Lehreinrichtungen zu errichten.
Diese Neugründungen sollten allerdings nicht nur die bestehenden Einrichtungen entlasten, sondern auch dazu genutzt werden, Reformideen in der Ausbildung neuer Ärzte zu verwirklichen. Dieser Idee folgend, weicht schon die Organisationsstruktur von der einer klassischen Universität ab und orientiert sich vielmehr an der Department-Struktur amerikanischer Universitäten. Die Abteilungen wurden Zentren zugeordnet und diese wiederum in vier Sektionen zusammengefasst.
Als akademische und klinische Einrichtung wurde der Leitspruch In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas gewählt, mit dem Ideale und Zielsetzung als Verpflichtung und Aufgabe umrissen werden sollten. Die Worte unitas libertas caritas finden sich daher auch im akademischen Logo der Hochschule, auf der Amtskette des Rektors und im Siegel wieder. Gestaltet wurde es, ebenso wie das Hochrelief, das sich im Klinischen Lehrgebäude befindet, von dem Bildhauer Kurt Lehmann (1905–2000).
Knapp vier Jahre nach ihrer Gründung wurde im Jahr 1965 der Lehrbetrieb mit 41 eingeschriebenen Studierenden aufgenommen. Mangels eigener räumlicher Möglichkeiten fand der Unterricht zunächst im städtischen Krankenhaus Oststadt in Hannover statt. Parallel dazu erfolgten die Grundsteinlegung und dann die Errichtung neuer Gebäude auf einem rund 400.000 Quadratmeter großen Areal im Roderbruch. Bis zum Jahr 1978 entstanden hier alle wichtigen Einrichtungen, wie Zentralklinikum, Polikliniken, Kinderklinik, Klinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, die Bibliothek, verschiedene Laborgebäude, Lehrgebäude und Hörsäle sowie Versorgungs- und Verwaltungsgebäude, Wohnheime und Wohnhäuser. Erst in den letzten Jahren wurde ein weiteres Gebäude ergänzt, das seit 2004 die Frauenklinik und das „Rudolf Pichlmayr“ Transplantations- und Forschungszentrum beherbergt. Die Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie zog zum Jahreswechsel 2006 aus dem Klinikum Oststadt-Heidehaus in das Klinikum der MHH. 2008 ist das Hans Borst-Zentrum für Herz- und Stammzellforschung (HBZ) eröffnet worden und 2011 das Pädiatrische Forschungszentrum (PFZ).
Von 1973 bis 1997 betrieb die Hochschule den Forschungsreaktor Hannover, einen Kernreaktor zur Herstellung von Radioaktivität für die Nuklearmedizin.
Die Hochschule ist als Campus-Universität errichtet, mit der Orthopädie im Annastift befindet sich lediglich eine Abteilung in einem externen, aber benachbarten Krankenhaus.
Wiederholt zur Diskussion stand die Umwandlung in eine Stiftungsuniversität.
Rektoren und Präsidenten
in chronologischer Auflistung
- 1964–1967: Rudolf Schoen
- 1967–1969: Fritz Hartmann
- 1969–1971: Hans-Stephan Stender
- 1971–1973: Heinz Hundeshagen
- 1973–1975: Helmut Fabel
- 1975–1977: Heinz Hundeshagen
- 1977–1979: Ellen Schmidt
- 1979–1985: Heinz Hundeshagen
- 1985–1989: Klaus Alexander
- 1989–1993: Heinz Hundeshagen
- 1993–1997: Reinhard Pabst
- 1997–1999: Karl-Martin Koch
- 1999–2004: Horst von der Hardt
- 2004–2013: Dieter Bitter-Suermann
- 2013–2018: Christopher Baum
- 2019–2024: Michael P. Manns
- seit 2025: Denise Hilfiker-Kleiner
Klinikum
Das Klinikum der Medizinischen Hochschule Hannover ist ein Krankenhaus mit überregionalem Einzugsbereich. Es verfügt über 34 Kliniken mit 1.520 Planbetten und 41 Instituten. 2024 wurden 53.512 Patientinnen und Patienten stationär behandelt und 282.572 ambulant. Die Hochschule hat sich auf besonders kranke Patientinnen und Patienten spezialisiert.
Die MHH ist Deutschlands größtes Transplantationszentrum. Im Jahr 2024 wurden an der MHH 334 Transplantationen solider Organe sowie 176 Knochenmark- und Stammzelltransplantationen vorgenommen. Hinzu kamen 426 Cochlea-Implantationen.
Es gibt in der Medizinischen Hochschule Hannover folgende Kliniken: Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie; Anästhesiologie und Intensivmedizin; Augenheilkunde; Dermatologie, Allergologie und Venerologie; Frauenheilkunde und Geburtsmedizin; Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Endokrinologie; Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde; Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation; Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie; Kariologie und Angiologie; Kieferorthopädie; Kinder- und Jugendchirurgie; Kinderheilkunde, Päd. Hämatologie und Onkologie; Kinderheilkunde, Päd. Kardiologie und Päd. Intensivmedizin; Kinderheilkunde, Päd. Nieren-, Leber- und Stoffwechselerkrankungen; Kinderheilkunde, Päd. Pneumologie, Allergologie und Neonatologie; Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie; Neurochirurgie; Neurologie mit Klinischer Neurophysiologie; Nieren- und Hochdruckerkrankungen; Nuklearmedizin; Orthopädie; Plastische, Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie; Pneumologie und Infektiologie; Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie; Psychosomatik und Psychotherapie; Rehabilitation- und Sportmedizin; Rekonstruktive Gesichtschirurgie; Rheumatologie und Immunologie; Strahlentherapie und Spezielle Onkologie; Unfallchirurgie; Urologie und Urologische Onkologie; Zahnärztliche Prothetik und Biomedizinische Werkstoffkunde; Zahnerhaltung, Parodontologie und Präventivzahnmedizin.
Für die Verbesserung der medizinischen Versorgung von Menschen mit seltenen Erkrankungen gibt es an der MHH das Zentrum für Seltene Erkrankungen.
Zur fachübergreifenden, ganzheitlichen Behandlung von Krebserkrankungen an der MHH gibt es das Comprehensive Cancer Center (CCC) Claudia von Schilling-Zentrum. Gemeinsam mit der Universitätsmedizin Göttingen bildet es das Comprehensive Cancer Center Niedersachsen (CCC-N).
Lehre
Die MHH wurde als Reformhochschule gegründet. So wurde dort von Anfang an nach dem Konzept der Zusammenarbeit von Lehrenden und Lernenden „in kleinen Gruppen am Krankenbett“ gearbeitet. Seit 2003 wird das Studium der Medizin in der MHH in dem Studienmodell HannibaL (Hannoverscher integrierter, berufsorientierter und adaptiver Lehrplan) unterrichtet.
Das Studienangebot umfasst Human- und Zahnmedizin, forschungsorientierte bio- und gesundheitswissenschaftliche Master- und Promotionsstudiengänge sowie akademische Gesundheitsberufe. Im Jahr 2024 waren insgesamt 3997 Studierende, davon 2730 Frauen (68,3 %), aus 80 Nationen (einschl. Staatenloser) an der MHH eingeschrieben. 549 Studierende (13,7 %) besaßen einen ausländischen Pass. Sie studierten größtenteils Humanmedizin (2488), gefolgt von Zahnmedizin (4523).
Medizinstudierende müssen ihr letztes Studienjahr als Praktisches Jahr am Universitätskrankenhaus ihrer Universität oder einem akademischen Lehrkrankenhaus absolvieren. Die Studierenden können ihr Praktisches Jahr an 26 beteiligten Kliniken und Instituten der Medizinischen Hochschule Hannover und an 33 Akademischen Lehrkrankenhäusern der MHH absolvieren.
Studiengänge
- Humanmedizin (Staatsexamen)
- Zahnmedizin (Staatsexamen)
- Klinische Psychologie und Psychotherapie (Master mit Staatsexamen)
- Biomedizin (Master)
- Biochemie (Bachelor und Master)
- Biologie (Bachelor)
- Biomedizinische Datenwissenschaft (Master)
- Infectious Diseases and One Health (Master)
- Public Health (Master)
- PhD Aufbaustudiengang „Molekulare Medizin“
- PhD Aufbaustudiengang „Epidemiologie“
- PhD Aufbaustudiengang „Infektionsbiologie“
- PhD Aufbaustudiengang „Regenerative Wissenschaften“
- PhD Aufbaustudiengang „BIOMedical Data Science“
- PhD Aufbaustudiengang „Funktion und Pathophysiologie des auditorischen Systems“
- Hebammenwissenschaft (Bachelor)
Unter dem Dach der Graduiertenschule Hannover Biomedical Research School werden mehrere strukturierte Promotionsprogramme und MSC-Programme koordiniert.
Ausbildung und Freiwilligendienste
Es gibt 21 verschiedene Ausbildungsberufe an der Medizinische Hochschule Hannover. Jedes Jahr starten 600 neue Auszubildende. Es gibt den Bundesfreiwilligendienst (BFD), das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und das Freiwillige Jahr in der Wissenschaft (FWJ).
Forschung
Die Forschungsschwerpunkte der Medizinische Hochschule Hannover sind Infektion und Immunität, Transplantation und Regeneration, Biomedizintechnik und Implantate.
Im Jahr 2024 hat die MHH rund 111,9 Millionen Euro Drittmittel verausgabt. Sie stammen unter anderem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).
Die MHH leitet den Exzellenzcluster RESIST - Abwehrschwächen gegenüber Infektionen und ihre Kontrolle und ist am Exzellenzcluster Hearing4allconnects: Innovative Technologien für die Hörgesundheit – vom Ohr zum Gehirn zur Gesellschaft beteiligt, der an der Universität Oldenburg angesiedelt ist. Von 2006 bis 2019 hat die MHH den Exzellenzcluster REBIRTH geleitet, der als virtuelles Forschungszentrum für translationale regenerative Medizin weiterbesteht.
Forschende der MHH leiten derzeit den Sonderforschungsbereich/Transregio 298 „Sicherheitsintegrierte und infektionsreaktive Implantate“ (SIIRI), das Graduiertenkolleg 2978 „Verstehen und Nutzen Therapie-induzierter Adaptationsprozesse in gastrointestinalen Tumorerkrankungen“ und das Graduiertenkolleg 3135 „Activation of Cellular anti-Microbial Effectors“, die Forschungsgruppe 2591: „Severity assessment in animal-based research“ und die Forschungsgruppe 2953 „Sialinsäure als Regulator in Entwicklung und Immunität“. Die MHH ist darüber hinaus an mehreren weiteren Sonderforschungsbereichen, Transregios, Graduiertenkollegs und Forschungsgruppen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beteiligt.
Die MHH ist Teil des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) und des Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL). Sie führt eine Partnerschaft mit dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig. Die beiden gemeinsamen Einrichtungen von MHH und HZI sind das TWINCORE-Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung und das Zentrum für individualisierte Infektionsmedizin (CiiM). Die MHH ist Mitbegründerin des Niedersächsischen Zentrums für Biomedizintechnik, Implantatforschung und Entwicklung (NIFE) sowie Partner des Centre for Structural Systems Biology (CSSB) in Hamburg. Die MHH ist Teil des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM), arbeitet eng mit dem Fraunhofer ITEM zusammen, ist Mitglied des Konsortiums HIGHmed, Partner des Institute for Biomedical Translation (IBT), Partner von R2N.
MHH-Forschende sind mit zahlreichen Projekten beim European Research Council (ERC) unter dem aktuellen EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizon Europe“ vertreten.
Professinnen und Professoren
Siehe: Kategorie:Hochschullehrer (Medizinische Hochschule Hannover)
Bekannte Absolventinnen und Absolventen
In Reihenfolge des Studienbeginns. Studienzeit in Klammern.
- Ursula von der Leyen (Humanmedizin 1980–1987), Politikerin
- Philipp Rösler (Humanmedizin 1993–1999), Politiker
Siehe auch
- Liste der Hochschulen in Deutschland
- Medizinische Hochschule
Literatur
- Medizinische Akademie Hannover (Hrsg.): Zentralklinik (Vorentwurf Juli 1963)
- Medizinische Hochschule Hannover, Sonderdruck der Bauverwaltung, Hannover, 1972
- 40 Jahre Medizinische Hochschule Hannover. Eine Ausstellung der Abteilung Geschichte, Ethik und Philosophie der Medizinischen Hochschule, in der Reihe MHH Info, Sonderausgabe September 2005
- Rainer Kasties M.A.: Medizinische Hochschule Hannover. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 435f.
- Stefan Zorn (Chefred.), Bettina Bandel, Daniela Beyer, Simone Corpus, Bettina Dunker, Tina Gerstenkorn, Camilla Mosel, Jo Schilling (Red.), Karin Kayser (Fotored.): 50 Jahre MHH, Sonderheft anlässlich des Jubiläums zur akademischen Feierstunde am 17. Mai 2015, Hrsg.: Das Präsidium der Medizinischen Hochschule Hannover, Hannover 2015, ISSN 1619-201X
- Konsequent modern – Die Anfänge der Medizinischen Hochschule Hannover, Lehmann Verlag Berlin 2020.
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