Pier Luigi Romita (* 27. Juli 1924 in Turin; † 23. März 2003 in Mailand) war ein italienischer Politiker des Partito Socialista Democratico Italiano (PSDI) und des Partito Socialista Italiano (PSI), der unter anderem von 1958 bis 1994 Mitglied der Camera dei deputati, Staatssekretär und Minister in vierzehn Regierungen, zwischen 1976 und 1978 Politischer Sekretär des PSDI sowie von 1979 bis 1980 Vizepräsident der Abgeordnetenkammer war.
Leben
Mitglied der Abgeordnetenkammer und Staatssekretär
Pier Luigi Romita, Sohn des Politikers Giuseppe Romita (1887–1958) und von Maria Stella, absolvierte ein Studium der Ingenieurwissenschaften an der Universität La Sapienza in Rom, welches er mit einem „Laurea in ingegneria“ abschloss und lehrte als Professor für Landwirtschaftliche Hydraulik an der Universität Mailand. Er war zunächst Mitglied der Sozialistischen Partei der Proletarischen Einheit PSIUP (Partito Socialista Italiano di Unità Proletaria) und wechselte 1947 zur Sozialistischen Partei der italienischen Arbeiter PSLI (Partito Socialista dei Lavoratori Italiani), aus der 1952 die Sozialistisch-Demokratische Partei Italiens PSDI (Partito Socialista Democratico Italiano) hervorging.
Er wurde bei den Parlamentswahlen am 25. Mai 1958 für den PSDI erstmals zum Mitglied der Abgeordnetenkammer (Camera dei deputati) gewählt und gehörte dieser nach seinen Wiederwahlen am 28. April 1963, 19./20. Mai 1968, 7. Mai 1972, 20. Juni 1976, 3./4. Juni 1979, 26./27. Juni 1983, 14./15. Juni 1987 und 5./6. Juli 1992 von der dritten bis zum Ende der elften Legislaturperiode vom 12. Juni 1958 bis zum 14. April 1994 fast 36 Jahre lang an. Er war zunächst Mitglied verschiedener Ausschüsse und übernahm vom 8. Dezember 1963 bis zum 22. Juli 1964 im Kabinett Moro I als Staatssekretär im Ministerium für öffentliche Arbeiten (Sottosegretario di Stato ai Lavori Pubblici) sein erstes Regierungsamt. Das Amt als Staatssekretär im Ministerium für öffentliche Arbeiten übernahm er zwischen dem 25. Juli 1964 und dem 23. Februar 1966 auch im Kabinett Moro II und bekleidete im darauf folgenden Kabinett Moro III vom 26. Februar 1966 bis zum 24. Juni 1968 das Amt des Staatssekretärs im Ministerium für öffentlichen Unterricht (Sottosegretario di Stato alla Pubblica Istruzione).
Im Kabinett Rumor I fungierte Romita zwischen dem 14. Dezember 1968 und dem 5. August 1969 als Staatssekretär im Innenministerium (Sottosegretario di Stato all’Interno), während er im Kabinett Rumor III (2. April bis 6. August 1970) sowie im anschließenden Kabinett Colombo (7. August 1970 bis 17. Februar 1972) abermals Staatssekretär im Ministerium für öffentlichen Unterricht war. Im Kabinett Andreotti II übernahm er erstmals ein Ministeramt und bekleidete zwischen dem 26. Juni 1972 und dem 7. Juli 1973 das Amt als Minister ohne Geschäftsbereich für die Koordinierung der Initiativen für wissenschaftliche Forschung und Technologie (Ministro senza Portafoglio con delega per il coordinamento delle iniziative per la ricerca scientifica e tecnologica).
Minister, Parteisekretär und Vizepräsident der Abgeordnetenkammer
In der siebten Legislaturperiode fungierte Pier Luigi Romita vom 27. Juli bis zum 5. Oktober 1976 als Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Bildende Künste (Commissione istruzione e belle arti). Am 1. Oktober 1976 wurde er als Nachfolger von Giuseppe Saragat Politischer Sekretär und damit Vorsitzender des PSDI und bekleidete diese Funktion bis zum 21. Oktober 1978, woraufhin Pietro Longo neuer Parteisekretär wurde. Er war in der achten Legislaturperiode zwischen dem 20. Juni 1979 und dem 18. Oktober 1980 Vizepräsident der Abgeordnetenkammer (Vicepresidente della Camera dei deputati) und damit einer der Stellvertreter von Parlamentspräsidentin Leonilde Iotti.
Im Kabinett Forlani bekleidete Romita zwischen dem 18. Oktober 1980 und dem 28. Juni 1981 erneut den Posten des Ministers ohne Geschäftsbereich für die Koordinierung der Initiativen für wissenschaftliche Forschung und Technologie und war daraufhin in der achten Legislaturperiode vom 16. Juli 1981 bis zum 1. Dezember 1982 noch einmal Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Bildende Künste, ehe er im Kabinett Fanfani V zwischen dem 1. Dezember 1982 und dem 4. August 1983 abermals Minister ohne Geschäftsbereich mit Zuständigkeit für die Koordinierung der wissenschaftlichen und technologischen Forschung war. Im darauf folgenden Kabinett Craxi I fungierte er vom 4. August 1983 bis zu seiner Ablösung durch Carlo Vizzini am 30. Juli 1984 zunächst als Minister ohne Geschäftsbereich für die Angelegenheiten der Regionen (Ministro senza Portafoglio con delega per gli Affari regionali) und war daraufhin als Nachfolger von Bettino Craxi vom 30. Juli 1984 bis zum 1. August 1986 Minister für Haushalt und Wirtschaftsplanung (Ministro del Bilancio e della Programmazione Economica). Den Posten des Ministers für Haushalt und Wirtschaftsplanung übernahm er zwischen dem 1. August 1986 und dem 17. April 1987 auch im anschließenden Kabinett Craxi II.
In der zehnten Legislaturperiode war Pier Luigi Romita zunächst vom 4. August 1987 bis 17. Oktober 1989 Vorsitzender des Finanzausschusses der Abgeordnetenkammer (Commissione (finanze)) und bekleidete daraufhin im Kabinett Andreotti VI (22. Juli 1989 bis 11. April 1991) sowie im Kabinett Andreotti VII (12. April 1991 bis 27. Juni 1992) das Amt des Ministers ohne Geschäftsbereich für die Koordinierung der Gemeinschaftspolitik (Ministro senza Portafoglio per il coordinamento delle politiche comunitarie). Im Februar 1989 verließ er, im Sinne der Einheit aller sozialistischen Kräfte, die Partei und gründete die Bewegung für Sozialistische Einheit und Demokratie, die später mit der Sozialistischen Partei PSI (Partito Socialista Italiano) fusionierte. Zuletzt war er in der elften Legislaturperiode zwischen dem 12. November 1992 und dem 14. April 1994 noch Vorsitzender der Parlamentarischen Kommission zur Überwachung der Tätigkeiten von Institutionen, die obligatorische Sozialversicherungs- und Wohlfahrtssysteme verwalten (Commissione parlamentare per il controllo sulle attività degli enti gestori di forme obbligatorie di previdenza ed assistenza sociale).
wikipedia, wiki, enzyklopädie, buch, bibliothek, artikel, lesen, kostenlos herunterladen, Informationen über Pier Luigi Romita, Was ist Pier Luigi Romita? Was bedeutet Pier Luigi Romita?