Die Sammlung alter Musikinstrumente (abgekürzt: SAM) ist eine Sammlung historischer Musikinstrumente des Kunsthistorischen Museums (KHM) in Wien. Zusammen mit der Hofjagd- und Rüstkammer (HJRK) befindet sie sich im ersten Stock der Neuen Hofburg am Heldenplatz. Seit 2018 erfolgt der Zugang zur Sammlung über das Weltmuseum Wien, das zur selben Museumsgruppe (KHM-Museumsverband) gehört.
Mit Ursprüngen im 16. Jahrhundert zählt die Sammlung alter Musikinstrumente zu den bedeutendsten ihrer Art in Österreich und ist international bekannt für ihre einzigartige Konzentration an Renaissance- und Barockinstrumenten, darunter außergewöhnliche Raritäten, sowie für bedeutende Zeugnisse der Wiener Klavierbau-Tradition.
Geschichte
Die Sammlung alter Musikinstrumente hat zwei ältere Vorläufer, die Sammlung Ferdinands II. von Tirol in der Kunstkammer auf Schloss Ambras und die Sammlung der Familie Obizzi auf Schloss Catajo bei Padua. Die Obizzische Sammlung wurde 1870 nach Wien transferiert und kam in den Besitz des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand von Österreich-Este. Nach dessen Ermordung 1914 wurden die verschiedenen Sammlungen 1916 von Julius von Schlosser als selbständiger Sammlungs- und Ausstellungsbereich der damaligen Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses zusammengefasst. 1919 erfolgte die Übernahme der ehemals kaiserlichen Sammlungen in Staatsbesitz. Ein Teil der inzwischen über 400 Instrumente umfassenden Sammlung wurde ab 1939 im Palais Pallavicini ausgestellt. Der Sammlung alter Musikinstrumente wurden unter nationalsozialistischer Führung die Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (GDM) und der Sammlung Rothschild einverleibt. Nach der kriegsbedingten Auslagerung wurde ab dem Frühling 1947 in den Räumlichkeiten der Neuen Burg mit einer Neuaufstellung begonnen. Mängel hinsichtlich der technischen und klimatischen Bedingungen erzwangen 1988 eine tiefgreifende bauliche Erneuerung und eine zeitweilige Schließung der Ausstellung. Bei der Neuaufstellung im Jahr 1993 wurde ein Konzept verfolgt, dass sich am musikgeschichtlichen Ablauf orientiert. Jeder der zwölf Ausstellungssäle ist einer musikhistorischen Epoche oder einer Musikerpersönlichkeit zugeordnet. Nach erneuten Umbauarbeiten ist die Sammlung seit 24. September 2018 wieder geöffnet. Ein Umzug im Zusammenhang mit der Standortsuche für das Haus der Geschichte Österreich ist nicht mehr geplant.
Sammlungsbestand
Die Sammlung alter Musikinstrumente verfügt über einen der weltweit bedeutendsten Bestände an Renaissance- und Barockinstrumenten. Darüber hinaus verwahrt sie zahlreiche Instrumente, die von berühmten Musikern und Komponisten wie z. B. Wolfgang Amadeus Mozart, Clara Schumann, Franz Liszt und Gustav Mahler gespielt wurden. Zu den besonderen Sammlungsschwerpunkten zählt eine umfassende Zusammenstellung Wiener Hammerklaviere, von Streichinstrumenten Jacob Stainers und Holzblasinstrumenten der Renaissance.
Insgesamt umfasst die Sammlung alter Musikinstrumente rund 1000 Instrumente, vorwiegend aus der Zeit vom frühen 16. bis zum 20. Jahrhundert, sowie Werkzeuge, Archivmaterialien und Nachlässe historischer Werkstätten, darunter die von John Edward Betts, Franz Geissenhof und der Firma Bösendorfer.
Seit 1941 werden ausgewählte, in spielbarem Zustand erhaltene Instrumente im Rahmen historisch informierter Aufführungen, den sogenannten Matinées, regelmäßig präsentiert.
Ausstellungen
Die Dauerausstellung der Sammlung alter Musikinstrumente befindet sich in der Neuen Hofburg. Die Instrumente werden in dreizehn Sälen präsentiert, die ursprünglich als kaiserliche Apartments für Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth vorgesehen waren, jedoch nie tatsächlich als Residenzen genutzt wurden.
Seit der Wiederaufstellung der Sammlung im Jahr 1993 folgt die Ausstellung einem chronologischen und kulturhistorischen Aufbau, der die Besucher durch die Geschichte der Musikinstrumente vom späten Mittelalter bis zur Romantik und der Wiederbelebung der Alten Musik führt.
Leiter und Direktoren der Sammlung
- Julius von Schlosser, Leiter der Sammlung alter Musikinstrumente (1916–1922)
- Leitung durch den jeweiligen Kustos der Sammlung für Plastik und Kunstgewerbe (1922–1938)
- Heinrich Klapsia, Leiter der Sammlung alter Musikinstrumente (1939–1943)
- Viktor Luithlen, Leiter (1943–1952), dann Direktor der Sammlung alter Musikinstrumente (1952–1966)
- Bruno Thomas, administrativer Leiter der Sammlung (1967–1971)
- Kurt Wegerer, Direktor der Sammlung (1971–1981)
- Gerhard Stradner, Direktor der Sammlung (1981–1999)
- Rudolf Hopfner, Direktor der Sammlung (2000–2019)
- Sebastian Kirsch, Direktor der Sammlung seit 2024
Literatur
- Beatrix Darmstädter, Rudolf Hopfner, Alfons Huber: Die Sammlung alter Musikinstrumente des Kunsthistorischen Museums Wien ‒ Die ersten 100 Jahre: Berichtband über das Zentenarsymposium. Praesens Verlag, Wien 2018, ISBN 3-7069-0939-1.
- Stephan Turmalin: Die Sammlung alter Musikinstrumente des Kunsthistorischen Museums. Mandelstamm, Wien 2018, ISBN 978-3-85476-821-0.
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