Schienenverkehr in Myanmar (früher: englisch: Burma, deutsch: Birma) wird heute von der staatlichen Myanma Railways betrieben.
Geschichte
Die erste Bahnstrecke in Birma wurde in der damaligen britischen Kolonie Unterbirma gebaut, die heutige Bahnstrecke Yangon–Pyay (ursprünglich: Rangoon–Prome), und 1877 eröffnet. Nach der britischen Besetzung Oberbirmas 1885 wurde das Netz schnell ausgebaut, sodass es bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts fast 3200 km umfasste. Auch in der Zwischenkriegszeit wurde das Netz erweitert.
Bereits sehr früh setzte die Kolonie auf die Betriebsform der Staatsbahn und vereinigte die bestehenden Betriebe 1885 in einem einzigen unter im Laufe der Zeit wechselnden Bezeichnungen.
Im Zweiten Weltkrieg wurden die Eisenbahninfrastruktur und Fahrzeuge von den jeweils angreifenden und sich zurückziehenden Kriegsparteien mehrfach zerstört und für eigene Zwecke wieder aufgebaut. Berühmtestes Projekt ist in diesem Zusammenhang die von Zwangsarbeitern und alliierten Kriegsgefangenen errichtete Thailand-Burma-Eisenbahn, die Todeseisenbahn, bei deren Bau viele Arbeiter ums Leben kamen.
Der Wiederaufbau der zerstörten Eisenbahninfrastruktur nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte lange und erst in den 1960er Jahren war der Vorkriegsstand von mehr als 3000 Streckenkilometern wieder erreicht. In den 1990er Jahren wurde durch ein umfangreiches Ausbauprogramm dieser Bestand etwa verdoppelt. Dieses ambitionierte Programm wurde 2014 abgebrochen, wohl aus Geldmangel. Daraus resultierten eine Reihe nur teilweiser oder gänzlich unvollendeter Projekte.
Das Erdbeben in Myanmar 2025 beschädigte auch die Eisenbahninfrastruktur in erheblichem Umfang. So stürzte etwa die Ava-Brücke über den Irrawaddy südwestlich von Mandalay ein.
Eisenbahn
Netz
Das Netz umfasste 2015 Strecken im Umfang von 6208 km Es ist meterspurig und meist eingleisig, nur die Ringbahn Yangon und die Magistrale des Landes, die Bahnstrecke Yangon–Mandalay, sind zweigleisig ausgebaut. Hier wird in der Regel im Linksverkehr gefahren. 2015 umfasste das Netz 609 Bahnhöfe und 12099 Brücken. Der minimale Kurvenradius beträgt 200 m, die Steigungen betragen auf Gebirgsstrecken bis zu 40 ‰. Es werden Schienen mit einem Gewicht von 37 kg/m verwendet, die auf Holz- oder Betonschwellen verlegt, die in einem 12 cm dicken Schotterbett liegen. Das Streckennetz ist für 12,5 t Achslast ausgelegt.
Die Kilometrierung der Strecken östlich des Irrawaddy zählt von Yangon aus, die Strecken westlich des Flusses von Pathein.
Strecken
Hauptstrecken im Netz der Myanma Railways sind:
- Yangon–Mandalay
- Ringbahn Yangon
- Bago–Dawei
- Mandalay–Lashio
- Mandalay–Kalay
- Mandalay–Myitkyina
- Yangon–Pyay
- Pathein–Pakokku
- Thazi–Keng Tung
Personenverkehr
Die Myanma Railways sind im Internet nicht präsent, Fahrpläne für ausgesuchte Verbindungen nur über private Anbieter zugänglich. Daraus ergibt sich, dass außer in der Verbindung Yangon–Mandalay in der Regel nur ein Zugpaar je Strecke und Tag verkehrt. Die Fernzüge bieten in den Sitzwagen drei Wagenklassen. Zwischen Yangon und Mandalay sowie Yangon und Bagan verkehren in den Nachtzügen auch Schlafwagen. Hier gibt es zwei Wagenklassen mit zwei oder vier Liegen im Abteil.
Grenzübergänge
Das Netz der Myanma Railways hat keine Verbindung mehr zu Eisenbahnnetzen in Nachbarländern. Die einzige derartige Verbindung war in den Jahren 1943 bis 1945 für 17 Monate die Thailand-Burma-Eisenbahn.
Es gab Planungen zum Anschluss an die Bahnnetze der Nachbarländer, die aber nicht umgesetzt wurden:
- Indien
- Bahnstrecke Kalay–Tamu: Eine 135 km lange Strecke von Kalay nach Tamu sollte gebaut werden und im Nordosten Indiens im Bundesstaat Manipur an eine Breitspurstrecke von Jiribam nach Imphal anschließen. Der Bau der Bahnstrecke Mandalay–Kalay kam über Kalay aber nie hinaus.
- Thailand
- Thailand-Burma-Eisenbahn: Diese Bahnstrecke war nur von 1943 bis 1945 während 17 Monaten in Betrieb. Der Grenzübergang befand sich am Drei-Pagoden-Pass.
- Bahnstrecke Thanbyuzayat–Drei-Pagoden-Pass: Diese Strecke hätte einem Neubau der Thailand-Burma-Eisenbahn entsprochen und war Teil des ambitiösen Projektes zum Bau einer Schnellfahrstrecke Kunming–Singapur. Das Projekt wurde 2011 offiziell verworfen, weil auf thailändischer Seite die Bahntrasse nach dem Bau eines Staudamms durch den Vajiralongkorn-Stausee geflutet wurde.
- Bahnstrecke Dawei–Kanchanaburi: Als Ersatz für die nicht mehr mögliche Strecke über den Drei-Pagoden-Pass wurde eine 250 km lange Verbindung vom Tiefseehafen Dawei nach Kanchanaburi in Thailand über den Phu Nam Ron vorgeschlagen. Das Projekt wurde nie angegangen.
- Volksrepublik China
- Bahnstrecke Lashio–Muse: Von der chinesischen Grenze nach Kyaukpyu am Golf von Bengalen sollte eine 869 km lange Strecke in Normalspur entstehen, die auf chinesischer Seite in Kunming an das dortige Netz anschließen sollte. Die Strecke sollte elektrisch betrieben und mit 140 km/h befahren werden. 2011 wurde eine Absichtserklärung zum Bau der Strecke unterzeichnet, die mehrmals verlängert wurde. Auf chinesischer Seite wurde eine 330 km lange Strecke von Dali nach Ruli gebaut. 2018 entstand eine Machbarkeitsstudie für den 430 km langen Abschnitt von der Grenze bis Mandalay. Darüber hinaus gedieh das Vorhaben nicht.
Industriebahnen
In Burma gab es auch – in der Regel schmalspurige und kurze – Industriebahnen. Ihre Zahl wird auf mehr als 50 geschätzt. Die bekannteste und längste dieser Bahnen war mit knapp 80 km Länge die Burma Mines Railway.
Straßenbahn
Rangun
Zu einer Straßenbahn in Rangun (heute: Yangon) gab es mehrere Ansätze:
- Ende des 19. Jahrhunderts entstand eine Dampfstraßenbahn, die aber wirtschaftlich scheiterte.
- Von 1906 bis zum Zweiten Weltkrieg verkehrte eine elektrische Straßenbahn, die nach dem Krieg den Betrieb nicht mehr aufnahm.
- 2016 gab es den Versuch der Myanma Railways, auf einer Strecke entlang der Strand Road einen Straßenbahnbetrieb aufzunehmen. Der scheiterte nach einem halben Jahr mangels Fahrgästen
Mandalay
Die Straßenbahn von Mandalay war von 1904 bis 1942 in Betrieb. Sie befuhr mit 24 Wagen drei in Kapspur angelegte Strecken. Die Anlagen wurden durch einen Luftangriff ebenfalls im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut.
Literatur
- Dieter Hettler: Railways of Burma/Myanmar. Frank Stenvall, Malmö 2024. ISBN 978-91-7266-207-0
Anmerkungen
- Da die Standardspur in Myanmar die Meterspur ist, waren das Bahnen, die Spurweiten mit geringerem Abstand der Schienen zueinander verwendeten.
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