Schlacht bei Krasnoi

Die Schlacht bei Krasnoi (russisch eigentlich Красный, daher auch als Krasny, Krasnyj bzw. Krasnij, oft aber auch als Krasnoi, Krasno, Krasnoje oder Krasnoye transkribiert) fand während Napoleons Russlandfeldzug vom 15. bis 18. November 1812 statt. Der russischen Armee gelang es zwar nicht, den von Smolensk abziehenden Franzosen den Weg abzuschneiden, konnte ihnen aber schwere Verluste zufügen.

Schlacht bei Krasnoi
Teil von: Napoléons Russlandfeldzug

Schlacht bei Krasnoi (Gemälde von Peter von Hess)
Datum 15. bis 18. November 1812
Ort Krasnoi an den Flüsschen Mereja und Swina (Nebenflüsse des Dnepr), 45 km südwestlich von Smolensk
Ausgang Russischer Vorteil
Konfliktparteien

Frankreich 1804 Frankreich

Russisches Kaiserreich 1721 Russland

Befehlshaber

Frankreich 1804 Napoléon Bonaparte
Frankreich 1804 Michel Ney
Frankreich 1804 Eugène de Beauharnais
Frankreich 1804 Nicolas Davout

Russisches Kaiserreich 1721 Michail Kutusow,
Russisches Kaiserreich 1721 Michail Miloradowitsch
Russisches Kaiserreich 1721 Alexander Tormassow

Truppenstärke

36.000 bis 50.000 Mann

70.000 Mann

Verluste

5.000 bis 6.000 Tote und Verwundete,
14.000 bis 26.000 Gefangene

5.000 Tote und Verwundete

Auf dem Rückzug von Moskau und nach der Schlacht bei Wjasma war Napoleon am 9. November 1812 wieder in Smolensk angekommen, wo er zunächst noch hoffte, überwintern zu können, um von dort aus den Kampf im Frühjahr fortzusetzen. In Smolensk erfuhr er allerdings, dass eine russische Armee unter Fürst Wittgenstein bereits Witebsk besetzt hatte, während eine andere russische Armee unter Pawel Tschitschagow vom Süden auf Minsk vorrückte.

Es gab bedeutende Gefechte bei Kobisewo, Rschawka, Kutkowa, Merlino, Uwarowa und am Losvinka.

Vorgeschichte

Napoleon entschloss sich, Smolensk zu verlassen und sich hinter die Beresina zurückzuziehen, bevor sich die russischen Armeen vereinigen und ihm den Rückzug abschneiden konnten. Die Corps der Marschälle St. Cyr, Oudinot und Victor sollten derweil Wittgenstein aufhalten, polnische Verbände unter den Generalen Poniatowski, Dombrowski und Bronikowski sollten Minsk gegen Tschitschagow halten.

Unterschiedlichen Angaben zufolge zählten die bei Napoleon befindlichen Reste der Grande Armée beim Auszug aus Smolensk noch maximal 40.000 bis 50.000 bzw. 36.000 kampffähige bzw. waffentragende Soldaten, denen eine unbekannte Anzahl Versprengter, Kranker und Verwundeter folgte, die ihre Waffen bereits weggeworfen hatten. Am 13. November begann der französische Abzug aus Smolensk; 10.000 Kranke, Verwundete und Nachzügler wurden in der Stadt zurückgelassen. Ihnen folgten 70.000 Mann der russischen Hauptarmee unter Michail Kutusow.

Verlauf

Da zwischen den einzeln abrückenden Corps (zuerst Napoleons Gardeinfanterie, dann das IV. Corps unter Beauharnais, danach das I. Corps unter Davout und zuletzt das III. Corps unter Ney als Nachhut) Abstände von je einem Tagesmarsch bestanden, hoffte die russische Militärführung unter Kutusow, die französischen Verbände einzeln schlagen zu können.

15. November 1812

Am 15. November griff Miloradowitsch Napoleon und seine Garde auf der Straße zwischen Smolensk und Krasnoi an und nahm 2.000 Franzosen vom Ende der Kolonne gefangen. Napoleon hielt daraufhin in Krasnoi, und die Junge Garde unter Mortier ging südlich von Krasnoi zum Gegenangriff über, um den Rückzug der übrigen Korps zu decken. Etwa die Hälfte der 6.000 Mann der Jungen Garde sollte bis zum übernächsten Tag gefallen sein. Napoleon hatte erfahren, dass sich Ozarowski in das nur wenig entfernte Putkowa zurückgezogen hatte, daher ließ er die Division Roguet angreifen. Ozarowski konnte sich unter Mühe weiter zurückziehen, durch Gefangene erfuhren die Franzosen aber jetzt wie nah die russische Armee war und sein Rückzugsplan nicht mehr möglich.

16. November 1812

Am 16. November griffen die Russen das Korps Beauharnais an, doch unter großen Verlusten konnten sich dessen französische und italienische Truppen nach Krasnoi durchschlagen.

Inzwischen allerdings hatten die Polen Minsk nicht halten können, Tschitschagow besetzte die Stadt und erbeutete große Mengen an Vorräten, auf die Napoleon gehofft hatte.

17. November 1812

Während Kutusow glaubte, Napoleon wäre inzwischen abgerückt, und daher plante, den ihm folgenden Davout bei Dobroje (westlich von Krasnoi) abzuschneiden, gingen am 17. November alle noch in Krasnoi befindlichen Truppen Napoleons und Beauharnais’ zum Gegenangriff über. Napoleon bzw. Mortier stieß südöstlich auf Uwarowo vor, Davout östlich auf Lyskowo. Die erschöpften Franzosen wurden zwar zurückgeschlagen, doch unter starken Verlusten (7.000 von 10.000 Mann) konnte sich auch Davout zu Napoleons Kolonne durchschlagen.

18. November 1812

Mit einem erneuten Angriff bei Dobroje gelang es Kutusows General Tormassow allerdings am 18. November, das nur noch 6000 bis 7000 Mann zählende Korps Ney abzuschneiden und von allen Seiten einzuschließen. Doch die russischen Truppen waren ebenfalls ermattet, und so gelang es Ney, mit 3000 Mann auszubrechen und sich bis zum Dnepr durchzuschlagen.

Obwohl Ney seine Kanonen zurückließ, brachen die meisten der ihm verbliebenen Soldaten beim Überqueren des nur oberflächlich vereisten Flusses ein. Mindestens 2000 Franzosen ertranken, Ney konnte sich nur noch mit einigen Hundert auf das andere Ufer retten. Mit 900 bzw. 500 Mann erreichte er Orscha, wohin sich schließlich auch Napoleon am 20. November zurückzog.

Trotz der gefährlichen und verzweifelten strategischen Lage soll Napoleon die Rettung Neys als gute Nachricht bzw. große Erleichterung empfunden und als Sieg gepriesen haben. Ney wurde als „Tapferster der Tapferen“ bezeichnet.

Verluste

Nach dem sowjetischen Historiker Jewgeni Tarlé verlor die Grande Armée am 16. und 17. November etwa 14.000 Mann, davon 5.000 Tote und Verwundete, der Rest Gefangene. Ney verlor bis zum 18. November rund 6.000 Mann. Gefallen waren auch die Generäle Lanchantin und Leguay. Die Große Sowjetische Enzyklopädie nennt für die russische Seite lediglich 2.000 Tote und Verwundete. Die Angaben zu den Verlusten bei Krasnoi variieren erheblich:

  • Nach Tarlé: 6–13.000 Tote und Verwundete sowie 20–26.000 Gefangene; russische Verluste „nicht mehr als 2.000 Mann“.
  • Französische Autoren wie Thiers oder Chambray nennen geringere Zahlen bei den Gefangenen, bestätigen jedoch den Verlust von etwa 200 Geschützen und des Trains. Napoleons Sekretär, Baron Fain, spricht in seinem Manuscrit de 1812 präzise von 228 verlorenen Geschützen.
  • Moderne englischsprachige Historiker wie Nafziger und Mikaberidze schätzen die französischen Verluste auf 13–16.000 Tote und Verwundete und 20–26.000 Gefangene; russische Verluste auf 5–13.000 Mann.
  • Deutsche Darstellungen wie Chandler oder Riehn geben vergleichbare Spannen an und betonen die Schwierigkeit, Kampfverluste von massenhaften Desertionen und Erfrierungen zu unterscheiden.

Die meisten Historiker sehen Krasnoi daher als einen russischen Sieg, jedoch ohne die vollständige Vernichtung der Grande Armée – Napoleon konnte einen Teil seiner Truppen, insbesondere die Garde, bewahren. Zeitgenössische Berichte erwähnen, dass die Armee durcheinander marschierte und den Kosaken fast schutzlos ausgeliefert war.

Schwäche der französischen Kavallerie

Ein entscheidender Faktor war das nahezu vollständige Fehlen der französischen Kavallerie. Seit dem Rückzug aus Moskau waren die Pferde durch Hunger, Kälte und Erschöpfung massenhaft verendet. Napoleon verfügte bei Krasnoi nur noch über kleine Abteilungen der Gardekavallerie, die kaum einsatzfähig waren. Dies beraubte ihn der Aufklärung, der Flankensicherung und der Möglichkeit zur Verfolgung.

Folgen

Die französischen Korps waren schwer dezimiert; Napoleon verlor fast die gesamte Artillerie und praktisch die gesamte Kavallerie. Dennoch gelang es ihm, sich mit den Resten seiner Garde und den angeschlossenen Korps von St. Cyr und Victor nach Orscha zurückzuziehen. Strategisch brachte Krasnoi den Russen einen Sieg, doch die Grande Armée wurde nicht vollständig vernichtet. Krasnoi leitete unmittelbar den Rückzug zur Beresina ein.

Rezeption

Literatur

Leo Tolstoy bespricht die Schlacht als Teil des Russlandfeldzuges in Krieg und Frieden (1868/69). Vor allem im Vierten Buch verteidigt er den kommandierenden Feldmarschall Kutusow und dessen Vorgehen, nicht Napoleon direkt schlagen zu wollen, sondern die eigenen Soldaten zu schonen und durch schnellen Rückzug zu erreichen, dass die Franzosen sich im Lauf der Zeit selbst zerstören.

Noch 100 Jahre nach der Schlacht war der russische Stolz über die Leistung spürbar. In Sytins Militärenzyklopädie von 1913 erschien ein illustrierter Artikel über die „Schlacht um Krasnoi“ mit Skizzen der Armeeaufstellungen und Schlachtengemälden von Peter von Hess.

Malerei

Das Genre der Schlachtenmalerei kam bei den häufigen kriegerischen Handlungen dieses Feldzuges gut zur Geltung. Jan Hoynck van Papendrecht (1858–1933) fing den letzten Kampf des Niederländischen 3. Regiments der Garde impériale ein – von über 1000 Mann blieben nach der zweiten Schlacht von Krasnoi nur noch ein paar Dutzend übrig. Peter von Hess (1792–1861) gab beide Schlachten wieder, mit Sommerstimmung im August und kühler Winteratmosphäre im November. Mykola Samokysch (1860–1944) stellte in Gravurtechnik ein Scharmützel auf kurzer Distanz dar, während Jean-Antoine-Siméon Fort (1793–1861) auf die Truppen des französischen Generals Ricard fokussierte. Jean-Charles Langlois (1789–1870), Maler und Soldat in Waterloo, zeichnete in seinem Gemälde ein düsteres Bild vom Kampf mit dem Gegner und den Elementen.

Auch das Ende der Schlacht findet Beachtung: Adolphe Yvon (1817–1893) zeigt Marschall Ney beim Rückzugsgefecht am Dnjepr, das dem abgerückten Napoleon den Rücken freihielt, und, zur Erbauung seiner Gegner, kann die eilige Flucht Napoleons bei Thomas Sutherland (1785–1838) betrachtet werden, ebenso bei John Masey Wright (1777–1866), der noch „schmachvoll“ hinzufügt. Der Sieger gegen Napoleon, Feldmarschall Kutusow, wurde hingegen von R.M. Volkov (1776–1831) später (1813) in einer gelassenen Pose porträtiert.

Militärische Grafik

Alisonn’s Europäischer Geschichtsatlas von 1850 gibt für Interessierte die Schlachtaufstellungen wieder, wie auch ein bulgarisches Buch (um 1900) über Napoleons Leben. Sytins Militärenzyklopädie trägt zwei Zeichnungen bei.

Memorabilia

Der Marschallstab des französischen Marschalls Louis-Nicolas Davout wurde von russischen Truppen erobert und wird heutzutage in Kasan (Russland) ausgestellt. Im Jahr 2012, zum 200. Jubiläum der erfolgreichen Schlacht um Krasnoi, gab die Moskauer Münzstätte ein Zahlungsmittel (5 Rubel) mit Sonderprägung heraus.

Literatur

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