Schlacht von Mentana

Die Schlacht von Mentana war eine Schlacht während des garibaldinischen Feldzuges im Agro Romano, mit dem der Guerillaführer Giuseppe Garibaldi gewaltsam die Lösung der Römischen Frage durchzusetzen suchte. Sie wurde am 3. November 1867 zwischen italienischen Freiwilligen unter Garibaldi und französisch-päpstlichen Truppen des Kirchenstaats bei Mentana in der Region Latium ausgetragen. Die Schlacht endete mit einer Niederlage der italienischen Freischärler.

Schlacht von Mentana
Teil von: Feldzug des Agro Romano

Schlacht von Mentana, Historienbild von Archimede Tranzi (um 1880)
Datum 3. November 1867
Ort bei Mentana, Italien
Ausgang Niederlage der Italiener
Konfliktparteien

Italien 1861 Königreich Italien

Kirchenstaat Kirchenstaat
Zweites Kaiserreich Frankreich

Befehlshaber

Italien 1861 Giuseppe Garibaldi

Kirchenstaat Hermann Kanzler
Zweites Kaiserreich Balthazar De Polhes

Truppenstärke

unsicher zwischen 4000 und 10.000

unsicher zwischen 5000 und 22.000

Verluste

etwa 2000

etwa 180

Hintergrund

Nach der Niederschlagung der Revolutionen von 1848/1849 wurde Turin, die Hauptstadt des Königreichs Sardinien, zunehmend zum Zentrum des Risorgimento. Durch die Erfahrungen der Revolution war die Überzeugung einiger Vertreter des Risorgimento gereift, dass Italien seine Einheit nicht allein erreichen könne, sondern dass dazu auch Bündnisse mit ausländischen Staaten notwendig seien. Durch das Scheitern der Revolution war die demokratische Bewegung, die bis dahin lange Zeit prägende Kraft des Risorgimento, nicht nur in Italien, sondern in ganz Europa geschwächt worden.

Obwohl französische Truppen seit 1849 für den Kirchenstaat und den Papst in Rom eine wichtige Schutzmacht darstellten, befürwortete Napoleon III. eine Einigung Italiens, um seine eigene Position in Europa zu stärken. Das französische Kaiserreich sagte Sardinien-Piemont zu, es bei einem Krieg gegen Österreich zur Eroberung Venetiens zu unterstützen. Dafür sollte Sardinien Nizza und Savoyen an Frankreich abtreten.

Im Frühjahr des Jahres 1859 kam es zum Sardinischen Krieg. Österreichische Truppen marschierten in Sardinien-Piemont ein. Die österreichischen Truppen wurden jedoch in der Schlacht von Solferino entscheidend geschlagen. Napoleon III. zog sich nach dem Sieg über Österreich auf Druck anderer Großmächte aus dem Krieg zurück. So erhielt Sardinien-Piemont nach dem Frieden von Zürich am 10. November 1859 nur die Lombardei, während Venetien noch in österreichischem Besitz verblieb.

Im September 1860 rückten Truppen des Königreichs Sardinien in die Provinzen des Kirchenstaats ein. In der Nähe von Ancona unterlag die päpstliche Armee in der Schlacht von Castelfidardo. Der restliche Kirchenstaat stand unter französischem Schutz und wurde nicht weiter angegriffen. Nach diesem Sieg stießen die unter dem Befehl von König Vittorio Emanuele II. stehenden sardinischen Truppen weiter nach Süden vor, bis sie sich mit den Freischärlern Garibaldis vereinigen konnten.

Rom wurde schon lange von italienischen Nationalisten, etwa der Bewegung Junges Italien, als natürliche Hauptstadt eines geeinten Italiens angesehen. 1848 war Giuseppe Garibaldi als Anführer einer Revolutionsarmee daran beteiligt, unter Beseitigung des Kirchenstaats eine Römische Republik zu gründen. 1859 focht er mit seinen Cacciatori delle Alpi gegen das Kaisertum Österreich für die Ziele des Risorgimento. Im Jahr 1862 unternahmen Freischärler unter seinem Kommando einen weiteren Versuch am Aspromonte, Italien mit Rom als Hauptstadt zu einigen. Dieser wurde nach einem kurzen Gefecht am 29. August von regulären italienischen Truppen gestoppt. 1864 vereinbarte das Königreich Italien mit dem Französischen Kaiserreich allerdings die Septemberkonvention, wonach sich Italien verpflichtete, den Kirchenstaat nicht anzugreifen und jeden Angriff von außen auf ihn zu verhindern. Für dieses Zugeständnis verpflichtete sich Frankreich, seine Truppen aus dem Kirchenstaat schrittweise innerhalb von zwei Jahren abzuziehen. Um dies militärisch auszugleichen, verstärkte der Kirchenstaat seine Streitkräfte mit Unterstützung Frankreichs durch Aufbau der Legion von Antibes. Im August 1866, nach dem dritten Italienischen Unabhängigkeitskrieg, gewann Italien die Gebiete um Mantua und Venedig. Um die territoriale Einheit des neuen Nationalstaats zu vervollständigen, mussten Rom und der restliche Kirchenstaat eingenommen werden.

Invasion des Kirchenstaats

Im Herbst 1867 versuchte Garibaldi mit einigen Freischaren erneut, Rom einzunehmen. Aufgrund seiner großen Popularität konnte er eine Armee von Freischärlern und Kombattanten formieren. Garibaldi hoffte auf einen Aufstand in Rom, um die Stadt leichter einnehmen zu können. Seine offenkundigen Vorhaben ermöglichten es dem französischen Kaiser Napoleon III. jedoch, eine Garnison nach Rom zu entsenden, welche die päpstlichen Truppen verstärkte.

Am 17. September traf Garibaldi in Florenz ein. Eine Woche später wurde er in Sinalunga verhaftet, anschließend in die Zitadelle von Alessandria überführt. Nach Demonstrationen in zahlreichen italienischen Städten wurde der General zu seinem Gut auf der Insel Caprera entlassen. Von dort gelang ihm am 15. Oktober die Flucht.

Garibaldis Freiwillige waren inzwischen bereits Ende September 1867 ohne ihren auf Caprera gefangenen Anführer in die Region Latium eingefallen.

Kämpfe in Rom

Zwischen dem 22. und 25. Oktober starteten Anhänger der Aktionspartei (Partito d’Azione) mehrere Aufstandsversuche in Rom, die jedoch rasch niedergeschlagen wurden. Die Mehrheit der Bevölkerung in Rom und im Kirchenstaat blieb passiv. In der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober verübten die Garibaldiner Giuseppe Monti und Gaetano Tognetti ein Bombenattentat auf die Serristori-Kaserne, dem 23 Soldaten und vier Zivilisten zum Opfer fielen. Ein geplanter Sturm auf die Porta San Paolo schlug fehl. Auch die Unternehmung der Gebrüder Cairoli am 23. Oktober bei der Villa Glori auf den Monti Parioli scheiterte. Am 25. Oktober verübten päpstliche Zuaven in der Weberei Ajani, die als Waffendepot der Revolutionäre diente, im Stadtteil Trastevere ein regelrechtes Massaker an den dort versammelten Aufständischen.

Die letzte Gruppe von Revolutionären konnte am 25. Oktober 1867 gefangen genommen werden. Sie wurden 1868 in Rom hingerichtet.

Schlacht bei Mentana

Am 3. November 1867 verließen päpstliche Soldaten unter dem Befehl von Hermann von Kanzler die Stadt, um Garibaldis verbleibende Truppen an der Via Nomentana anzugreifen. Die französischen Truppen, die später auf dem Schlachtfeld eintrafen, waren mit modernen Chassepotgewehren ausgerüstet. Die italienischen Freischärler waren dagegen schlecht bewaffnet und hatten kaum Ausbildung erfahren. Garibaldi hatte außerdem keine Artillerie und kaum Kavallerie.

Die beiden Armeen trafen in der Nähe des Dorfes Mentana aufeinander. Nach traditioneller Auffassung behielten die Garibaldiner trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit zunächst noch die Oberhand, und erst die Ankunft der französischen Truppen brachte die Schlachtenwende. Die Chassepotgewehre ermöglichten es ihnen, auch aus der Ferne ohne längeres Nachladen zu feuern. Nach der Interpretation Francesco Guidottis hingegen trafen die Franzosen erst nach vollendeten Tatsachen ein, und auch die Rolle der Chassepotgewehre sei zu relativieren, da sie in dem Hügelgebiet nicht von Nutzen gewesen seien.

Garibaldi konnte sich mit den verbleibenden Kombattanten in der befestigten Siedlung verschanzen und die Angriffe bis zum Abend abwehren. Nachdem die Straßen nach Rom von französischen Zuaven besetzt worden waren, blieb ihm nur der Rückzug. Einige Freiwillige blieben in Mentana, mussten sich aber am nächsten Tag ergeben.

Am 4. November erreichte Garibaldi mit ungefähr 5000 Soldaten die Grenzen des Königreichs Italien. Die gefallenen Kombattanten wurden in Massengräbern bei Mentana bestattet.

Folgen

Die Schlacht von Mentana führte indirekt zum Ende der Aktionspartei: Die Revolution war als politisches Mittel nunmehr ausgeschieden. Zugleich neigte sich die Ära des Garibaldinismus auch in militärischer Hinsicht dem Ende zu, denn der modernen Kriegstechnik war der Freiwilligenkrieg immer weniger gewachsen. Historiker wie Giorgio Candeloro, Alfonso Scirocco und Andrea Possieri setzen aus diesen Gründen 1867 sogar das Ende des Risorgimento an.

Rom konnte erst im September 1870, als die französischen Truppen durch den Deutsch-Französischen Krieg gebunden waren, von der regulären italienischen Armee eingenommen und zur Hauptstadt des Königreichs Italien ausgerufen werden.

Gedenken

In Mentana selbst sowie in Mailand (1880) und Florenz (1902) wurden Denkmäler für die Gefallenen der Truppen Garibaldis errichtet. In Rom ließ Pius IX. auf dem Campo Verano ein Denkmal für die gefallenen Soldaten des Kirchenstaats und die Gefallenen der auswärtigen Hilfstruppen errichten.

Literatur

  • Ulrich Nersinger: „Es lebe der Papst-König!“. Der militärische Kampf um den Kirchenstaat (1860–1870). Bernardus Verlag, Aachen 2019.
  • Ugo G. Pacifici Noja, Agostino Pendola, Silvia Majocchi: Arturo Dalla Volta: un garibaldino mantovano alla battaglia di Mentana. Edizioni il Varco, Mailand 2014, ISBN 978-88-907809-0-5.
  • Pascal Oswald: Giuseppe Garibaldi und die ‚Römische Frage‘. Vom Volturno nach Mentana (1860–1870). (= Geschichte & Kultur. Kleine Saarbrücker Reihe. Band 9) Verlag für Geschichte & Kultur, Trier 2023, ISBN 978-3-945768-36-5 (Rezension (italienisch)).
  • Piero Pieri: Storia militare del Risorgimento: guerre e insurrezioni. Einaudi, Turin 1962.

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