Sinti und Roma ist in der Bundesrepublik Deutschland der Oberbegriff für die beiden Volksgruppen Sinti und Roma, die historisch als „Zigeuner“ bezeichnet wurden.
Die Sinti sind eine eigenständige Gruppe, die seit Jahrhunderten vor allem in Deutschland, Österreich und anderen deutschsprachigen Regionen lebt. Die Roma hingegen bilden eine vielfältige Gruppe mit zahlreichen Untergruppen, die vor allem in Ost- und Südosteuropa beheimatet sind. Auch in kultureller und religiöser Hinsicht weisen die beiden Gruppen jeweils eigene Traditionen auf.
Begriffsgeschichte
Die Bürgerrechtsbewegung der Roma in Europa entstand in den 1970er Jahren mit dem Ziel, Diskriminierung zu beseitigen und abwertenden Fremdbezeichnungen wie „Gypsy“ oder „Zigeuner“ abzuschaffen. 1978 wurde auf einem Treffen in Genf beschlossen, fortan die abwertenden Fremdbezeichnungen wie „Gypsy“ oder „Zigeuner“ durch die Eigenbezeichnung „Roma“, die aus der Romani-Sprache stammt, zu ersetzen. Zunächst wurde „Roma“ als Bezeichnung für die Minderheit in Deutschland übernommen.
Der Begriff Sinti und Roma hat sich in der Bundesrepublik seit den frühen 1980er Jahren als politischer Begriff etabliert und löste die Fremdbezeichnung „Zigeuner“ ab. Die Reihenfolge der Bezeichnungen variiert je nach nationalem Kontext. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma verwendet die Bezeichnung „deutsche Sinti und Roma“, in Österreich stehen dagegen oft die Roma an erster Stelle. Dies spiegelt die jeweilige Größe und den Einfluss der Teilgruppen innerhalb der Minderheit wider. Die Eigenbezeichnungen „Roma“ bzw. „Sinti“ sind seit Anfang bzw. Ende des 18. Jahrhunderts nachweisbar. Auch in Italien ist in wissenschaftlichen Diskursen die Bezeichnung „Sinti e Rom“ gebräuchlich.
"Sinti und Roma" wird in Medien und Politik als Oberbegriff verwendet, auch wenn Sinti bei dem betreffenden Thema keine Rolle spielen. Beispiele sind: "Sinti und Roma zieht es ins Revier" oder "Sinti und Roma in Albanien". Einige Sinti lehnen das ab. Inzwischen ist auch die Selbstbezeichnung Sinti:zze und Rom:nja verbreitet.
Geschichte
Im deutschsprachigen Raum gibt es seit etwa 600 Jahren Sinti und Manusch. Roma sind im 19. Jahrhundert aus Osteuropa ins Deutsche Reich eingewandert.
Sinti und Roma haben unterschiedliche historische, kulturellen und soziale Hintergründe, aber die gemeinsame Erfahrung von Verfolgung, insbesondere während des Nationalsozialismus, als beide Gruppen Opfer des Völkermords an den Sinti und Roma wurden.
Anfang der 1990er befasste sich der Zentralrat nicht mit der Frage des Bleiberechts für osteuropäische Roma-Migranten, sondern unterstützte staatliche Bemühungen, die Lebensbedingungen in den ehemals jugoslawischen Herkunftsländern für Roma-Migranten rückkehrfreundlich zu gestalten. In den 2000ern sprach sich der Vorsitzende des Zentralrats dafür aus, „keine Minderheitenangehörigen in den Kosovo abzuschieben“, solange der Kosovo für Rückkehrer unsicher ist. Das Rückführungsabkommen solle ausgesetzt und den bereits lange in Deutschland lebenden Kosovo-Roma dauerhafter Aufenthalt gewährt werden.
Straßenbenennung und Denkmal
In München gibt es seit 2002 im Stadtbezirk Schwanthalerhöhe einen Sinti-Roma-Platz, in Wien-Floridsdorf seit dem Jahr 2001 einen Romaplatz sowie einen Sintiweg.
Im Echelmeyerpark in Saarbrücken wurde 2024 der Gedenkort „Nachhall“ von der Saarbrücker Bildhauerin und Klangkünstlerin Frauke Eckhardt eingeweiht. Er erinnert an die Opfer der Verfolgung von Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus.
Siehe auch
- Romani, die von den Sinti und Roma gesprochene Sprache
wikipedia, wiki, enzyklopädie, buch, bibliothek, artikel, lesen, kostenlos herunterladen, Informationen über Sinti und Roma, Was ist Sinti und Roma? Was bedeutet Sinti und Roma?