Sulzbach an der Murr ist eine Gemeinde im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Sulzbach an der Murr ist ein staatlich anerkannter Erholungsort und ein Kleinzentrum für die umliegenden Gemeinden.
| Wappen | Deutschlandkarte | |
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| Basisdaten | ||
| Koordinaten: | 49° 0′ N, 9° 30′ O | |
| Bundesland: | Baden-Württemberg | |
| Regierungsbezirk: | Stuttgart | |
| Landkreis: | Rems-Murr-Kreis | |
| Höhe: | 273 m ü. NHN | |
| Fläche: | 40,12 km² | |
| Einwohner: | 5421 (31. Dez. 2024) | |
| Bevölkerungsdichte: | 135 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 71560 | |
| Vorwahl: | 07193 | |
| Kfz-Kennzeichen: | WN, BK | |
| Gemeindeschlüssel: | 08 1 19 075 | |
| LOCODE: | DE SQR | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: | Bahnhofstraße 3 71560 Sulzbach | |
| Website: | www.sulzbach-murr.de | |
| Bürgermeisterin: | Veronika Holz | |
| Lage der Gemeinde Sulzbach an der Murr im Rems-Murr-Kreis | ||
Geographie
Geographische Lage
Sulzbach an der Murr liegt im Naturraum Schwäbisch-Fränkische Waldberge am Nordbogen der Murr inmitten des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald zwischen den Löwensteiner Bergen und dem Murrhardter Wald, in Luftlinie etwa 34 km nordnordöstlich von Stuttgart. Das Gemeindegebiet liegt zwischen 260 m (Murr an der Kläranlage) und 586 m Höhe (wenige Meter südlich unterhalb des Gipfels der Hohen Brach).
Die Oberamtsbeschreibung der Gemeinde Sulzbach an der Murr aus dem Jahr 1871 beginnt mit diesen Worten:
„Wo das anmutige, frischgrüne Murrtal beim Einmünden des südwestwärts heranziehenden Tals der ‚Spiegelberger‘ Lauter und des gerade von Norden kommenden Fischbachtälchen eine ziemliche Weitung erhält, liegt in dem von stolzen Pappelgruppen malerisch besetzten Talgrund der große städtisch aussehende Ort […].“
Die längste Ausdehnung hat das Gemeindegebiet mit etwa 9 km von Nordnordwest (Waldgewann „Streitjagen“ bei Großerlach-Mittelfischbach) nach Südsüdost (Erhebung „Springstein“ bei Auenwald-Trailhof). Senkrecht dazu sind es nicht ganz 8 km (vom Mörderbächle bei Siebersbach im Westsüdwesten bis zum Ortsrand von Großerlach-Hohenbrach im Ostnordosten).
An Sulzbach grenzt im Norden und Nordosten die Gemeinde Großerlach, im Osten und Südosten die Stadt Murrhardt, im Süden die Gemeinde Auenwald und ganz kurz die Stadt Backnang, im Südwesten die Gemeinde Oppenweiler und im Nordwesten die Gemeinde Spiegelberg. Sie alle liegen ebenfalls im Rems-Murr-Kreis.
Die Gemeindereform von 1970 führte zur Bildung des Gemeindeverwaltungsverbandes Sulzbach, dem auch die Gemeinden Spiegelberg und Großerlach angehören. Sulzbach ist außerdem Mitgliedsgemeinde des Wasserverbands Murrtal. Dessen Aufgabe ist der Hochwasserschutz.
Gemeindegliederung
Neben dem von Wiesen und weiten Wäldern umgebenen Hauptort Sulzbach liegen auf der großen Gemarkung der Gemeinde noch 17 zum Teil weit verstreute Weiler und Häuser: die Weiler Bartenbach, Berwinkel, Bushof, Eschelhof, Eschenstruet, Hager, Harrenberg, Ittenberg, Kleinhöchberg, Lautern, Liemannsklinge, Schleißweiler, Siebersbach und Zwerenberg und die Wohnplätze Gronbachmühle, Hammer und die Haselbachmühle.
Auf dem Gemeindegebiet liegen weiterhin die abgegangenen Ortschaften Einsiedel, Horben,Ittenberger Sägmühle, Wüstenmühle, Alte Sägmühle, der Häuseräcker HofLöfflinsweiler und der Schollenhof sowie die ehemaligen Burgen am Utschberg und auf dem Berg Roßstall. Der Flurname Bad südöstlich des Dorfs weist auf ein abgegangenes Bad hin, von dem sich ansonsten keine Reste erhalten haben.
Die Gronbachmühle liegt im Murrtal knapp oberhalb der Dorfgrenze von Sulzbach, weiter aufwärts folgen Bartenbach und Schleißweiler. Lautern, Siebersbach und zuoberst Hammer liegen im zulaufenden Lautertal. Alle anderen Ortsteile liegen fern der drei großen Verkehrsachsen von oberem und unterem Murr- bzw. Lautertal, deren Sohlen in offener Flur liegen. Abgesehen von der in einem Seitental liegenden Haselbachmühle sind es von Rodungsinseln umgebene Siedlungen auf den Höhen zwischen den tief eingeschnittenen und ebenfalls bewaldeten Bachtälern zu den beiden Flüssen.
Kleinhöchberg liegt auf dem Bergrücken zwischen dem Lauter-Zufluss Siebersbach und dem Fischbach, Berwinkel auf dem zwischen Fischbachtal und dem bei Bartenbach mündenden Haselbachtal, das dicht von Wald umgeben die Haselbachmühle birgt. Noch weiter östlich zwischen Haselbach und Harbach reihen sich in einer großen, nach Norden langgezogenen Flurinsel Harrenberg, Zwerenberg, Hager und – auf etwa gleicher Breite – westlich Bushof und östlich Eschenstruet. Noch wenig weiter nördlich liegt Liemannsklinge isoliert, durch ein bewaldetes Quertal von den anderen fünf getrennt.
Auf der Höhe südlich des Murrbogens liegt in einer größeren Rodungsinsel Ittenberg, noch weiter südlich in einer kleineren der Eschelhof.
- Blick auf die Ortsmitte, dahinter das Untertal der „Spiegelberger“ Lauter
- Blick auf den Marktplatz und nach Osten längs der Murrhardter Straße
- Blick über Siebersbach in das untere Lautertal
- Der Ortsteil Lautern
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2018.
Geschichte
Das 1295 erstmals erwähnte Sulzbach liegt an teilweise schon in der Römerzeit genutzten wichtigen Straßenverbindungen. In seinem Ursprung ist Sulzbach deshalb wohl wesentlich älter. Einst stand der Ort unter der Lehnsabhängigkeit des benachbarten Klosters Murrhardt. Der Ortsname ist aus „Sülze“ oder „Sulz“ abzuleiten, was so viel wie „morastige Stelle“ oder „sumpfiges Wasser“ bedeutet. Im Ortswappen erinnert noch heute der Löwe an die Grafen von Löwenstein als einstige Grundherren der Gemeinde, der Fisch an den namengebenden Fischbach. Auf einer kleinen Geländeschwelle westlich über diesem Bach liegen hochwassersicher die ältesten Teile des Ortskerns mit den Resten der einstigen Wehrkirchenanlage rund um die markante Ulrichskirche.
Mit einiger Sicherheit lässt sich sagen, dass Sulzbach im fränkischen Murrgau lag. Aus einer Urkunde aus dem Jahre 1027 geht hervor, dass die Gegend um Sulzbach Königsgut war. In dieser Urkunde bestätigt Kaiser Konrad II. die Schenkung dieses „Bannforst“ genannten Königsguts an den Bischof von Würzburg. In ihr finden sich außerdem die ersten schriftlichen Erwähnungen von Lauter („Lutihara“) und Siebersbach („Siurenesbach“).
1464 wurde die Grafschaft Löwenstein kurpfälzisch. 1488 belehnte Kurfürst Philipp der Aufrichtige seinen Vetter Ludwig mit der Grafschaft. im Zuge des Landshuter Erbfolgekriegs 1504 wurde die Grafschaft (und damit auch das Dorf Sulzbach) von Württemberg besetzt und kam 1510 endgültig unter württembergische Oberhoheit, blieb jedoch weiterhin Sitz des Amtes Sulzbach-Fornsbach. 1611 gelangte Sulzbach an die Linie Löwenstein-Wertheim-Freudenberg. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss wurde Sulzbach 1805 endgültig württembergisch.
1844 erfolgte die Abtrennung Fornsbachs. Mit dem Verkauf des Schlosses Lautereck im Jahr 1867 gaben die Grafen von Löwenstein ihren standesherrlichen Besitz auf. Im Königreich Württemberg und im Volksstaat gehörte Sulzbach zum Oberamt Backnang. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Sulzbach 1938 dann zum Landkreis Backnang. Ab 1945 gehörte die Gemeinde zum Land Württemberg-Baden in der Amerikanischen Besatzungszone und seit 1952 zum neu gegründeten Bundesland Baden-Württemberg. Nach der Auflösung des Landkreises Backnang kam die Gemeinde im Zuge der Kreisreform zum neu gebildeten Rems-Murr-Kreis.
Einige Zeit soll Sulzbach Stadtrecht besessen haben. 1573 erhielt die Gemeinde das Marktrecht, welches bis zum heutigen Tage in Form von drei Jahrmärkten und einem Wochenmarkt ausgeübt wird.
Wie alt ist Sulzbach an der Murr?
Lange ging man davon aus, dass eine Urkunde Ludwigs des Frommen aus dem Jahr 817, die die Schenkung des Reichswaldes zwischen Rot- und Lautertal mit der Pfarrei Sulzbach an das Kloster Murrhardt belegen sollte, die älteste Erwähnung des Ortes sei. Diese Urkunde existiert aber nur noch in Form einer Abschrift aus dem späten 12. Jahrhundert, deren Glaubwürdigkeit zunehmend angezweifelt wurde. In der Oberamtsbeschreibung von 1871 heißt es hierzu:
„Wenn auch die Stiftungsurkunde des Klosters Murrhardt von 817, nach welcher König Ludwig der Fromme diesem Kloster die Pfarrei Sulzbach geschenkt hätte, unächt, und die Zurückführung Kloster murrhardtischen Zehentbesitzes dahier durch das Chronicon Murrhartense auf einen seiner Mönche, Konrad von Roth, unerwiesen ist, so stand doch von Alters her der Kirchensatz, die Kastvogtei, das Patronatrecht, die Advokatie, Kollatur und Lehenschaft der Pfarrei dem Kloster zu.“
Während die Existenz Sulzbachs also seither nur für die Entstehungszeit der Fälschung um 1160 als gesichert angenommen werden konnte – immerhin scheint das Bestehen der Pfarrei 817 für deren Verfasser selbstverständlich gewesen zu sein –, so hat die neuere Forschung ergeben, dass die Abschrift „nach aller Wahrscheinlichkeit als Vorlage ein – oder zwei? – echtes Ludivicianum“ besessen hat. Zwar findet sich der Name Sulzbach auf einer Inhaltsangabe der Originalurkunde in den Murrhardter Summarien zunächst nicht. Eine Urkunde des Klosters aus dem Jahre 873 bestätigt jedoch weitgehend die Angaben von 817. In der Privilegiensammlung des Klosters haben sich für die Abschrift außerdem zahlreiche Bestätigungsurkunden gefunden. Man kann also davon ausgehen, dass die Stiftung des Reichswaldes mit Sulzbach an das Kloster Murrhardt 817 tatsächlich so stattgefunden hat.
Das Sulzbacher Patrozinium, Ulrich, kann 817 noch nicht bestanden haben und lässt keine Rückschlüsse auf das Alter des Ortes zu. 1277 wird Sulzbach abermals in einer Urkunde erwähnt, wobei es sich allerdings um einen Flurnamen bei Markgröningen handeln soll. Damit stammt die erste einwandfreie Erwähnung Sulzbachs aus dem Jahr 1295.
Städtebauliche Geschichte
Auf einer kleinen Geländeschwelle westlich über diesem Bach liegen hochwassersicher die ältesten Teile des Ortskerns mit den Resten der einstigen Wehrkirchenanlage rund um die markante St.-Ulrichs-Kirche.
Am 29. Mai 1753 vernichtete ein großer Brand zwei Drittel des damaligen Gebäudebestandes nebst Kirche und Rathaus. Lediglich 62 Gebäude blieben vom Brand verschont. Nach dem Brand wurde mit Hilfe einer Kollekte die Kirche 1754 wieder aufgebaut und 1756 eingeweiht. Sie erhielt damals im Wesentlichen ihre heutige Gestalt mit Ausnahme des Turmes, den 1856 ein Blitzschlag traf und der infolgedessen ausbrannte. Vor dem Brand von 1856 war der Turmhelm zwiebelförmig. Wann mit dem Wiederaufbau des Rathauses begonnen wurde ist unbekannt, es muss aber 1779 fertiggestellt gewesen sein.
Rathaus
Das alte Rathaus – wohl ein zweigeschossiger Fachwerkbau über gemauertem Sockelgeschoss – stand auf Höhe der Iltisgasse quer über der Backnanger Straße, die unter einem Torbogen darunter hindurchführte. Erklären lässt sich diese merkwürdige Lage mit einem noch im 18. Jahrhundert dort erwähnten Zollstock, sodass „das Rathausgebäude selbst als Abschrankung zum Einnehmen der Zölle Durchreisender“ gedient haben könnte.
Nach der restlosen Vernichtung des alten Rathauses im Brand 1753 zog sich der Wiederaufbau arg in die Länge: Erst 1779, immerhin 26 Jahre nach der Brandkatastrophe, war das Gebäude wiederhergestellt. Das wiederum als zweistöckiger Fachwerkbau ausgeführte Gebäude besaß nun ein barockes Mansardwalmdach sowie ein mit einer geschwungenen Haube versehenes Glockentürmchen.
Durch den zunehmenden Verkehr wurde der Torbogen immer mehr als Verkehrshindernis wahrgenommen. 1864 Erwarb die Gemeinde schließlich das Wirtshaus „Ochsen“ und richtete Rathaus sowie Amtswohnung des Schultheißen dort ein. Das alte Rathaus wurde 1876 abgerissen.
Verwaltungsgeschichte
16. Jahrhundert
Die geistliche Obrigkeit Sulzbachs mit allen Rechten und Pflichten gehörte dem Kloster Murrhardt. Für ihre Aufgaben erhob die Kirche den „Zehnten“ und erbat sich Stiftungen. Das Kloster war der Herr sämtlicher alter Lehen auf der Sulzbacher Markung und verwaltete diese.
Die weltliche Obrigkeit teilten sich das Kloster Murrhardt und die Grafschaft Löwenstein.
Das gräfliche Stabsamt in Sulzbach gliederte sich in das obere und das untere Amt und wurde von einem Stabschultheiß vertreten, der von der Grafschaft ernannt wurde. Der Amtsbezirk des unteren Amtes umfasste Sulzbach mit Lautern, Siebersbach, Kleinhöchberg, Berwinkel, Erlach, Liemersbach, Trauzenbach, Kieselhof, Zwerenberg, Bartenbach, Schleißweiler, Siebenknie, Eschelhof und Ittenberg; der des oberen Amtes Fornsbach mit Köchersberg, Mettelberg, Schlossberg und Hinterwestermurr.
Jeder dieser Teilorte war innerhalb seiner Markungsgrenzen eine selbstständige Verwaltungseinheit mit eigenem Bürgermeister. Die Obrigkeit griff in die Gemeindeverwaltung nur ein, wenn ihre Interessen berührt wurden.
Viermal im Jahr tagte das Dorfgericht in Sulzbach, das zur Hälfte vom Kloster Murrhardt besetzt wurde. Es konnte einfache Fälle eigenständig bearbeiten. Auch eine Bürgerwehr soll zeitweise existiert haben.
18. Jahrhundert
Um 1797 hatten sämtliche Filialen von Sulzbach bereits eigene Schulen, allerdings wurde das Lehramt von Handwerkern und Arbeitern wahrgenommen. Der Sulzbacher Lehrer wurde im Jahr mit 463 fl. Jahresgehalt besoldet, rangierte damit im ganzen Herzogtum Württemberg an zweiter Stelle. Im Jahr 1760 wurde die Schule von 130 Schülern besucht, im Jahr 1838 waren 230 Kinder schulpflichtig.
Religionen
Eine Kirche wird in Sulzbach erstmals 1295 erwähnt. Sie wird mit der Einführung der Reformation in Württemberg evangelisch-lutherisch. Die heutige St.-Ulrichs-Kirche von 1754 bildet den ältesten Teil des Ortskerns und diente in der Vergangenheit als Wehrkirche.
Eine römisch-katholische Kirche entstand erst wieder nach dem Zweiten Weltkrieg nördlich der Landesstraße 1066. Daneben gibt es auch eine neuapostolische und eine evangelisch-methodistische Gemeinde.
Politik
Bürgermeister
Bürgermeisterin ist seit dem 1. Februar 2024 Veronika Holz. Sie wurde am 3. Dezember 2023 mit 73,5 Prozent der Stimmen gewählt.
Zuvor war ab dem 12. Mai 1992 Dieter Zahn Bürgermeister, er wurde 2000, 2008 und 2016 wiedergewählt. Nach 32 Jahren als Bürgermeister gab Zahn am 19. September 2023 nach langer Krankheit seinen Rücktritt als Bürgermeister bekannt. Zahn starb am 16. Oktober 2023.
Zahns Vorgänger Willy Ehnis hatte das Amt 38 Jahre bekleidet. Seit dem 16. September 2023 trägt zu seinem Andenken die Sulzbacher Sporthalle seinen Namen.
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Gemeinderat
Der Gemeinderat in Sulzbach an der Murr hat 14 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis.
Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Sitzungstermine und Tagesordnungen der Gemeinderatssitzungen sind im Ratsinformationssystem der Gemeinde für die Öffentlichkeit einsehbar.
Wappen und Flagge
| Blasonierung: „In geteiltem Schild oben in Gold (Gelb) ein schreitender roter Löwe, unten in Blau ein silberner (weißer) Fisch.“ | |
| Wappenbegründung: Der rote Löwe im ersten Feld weist auf die Grafen von Löwenstein hin, die bis zum Verkauf des Schlosses Lautereck 1867 lange Zeit die Herrschaft über Sulzbach ausübten. Der silberne Fisch im zweiten Feld verweist auf die einst fischreichen Wasserläufe von Murr, Lauter und Fischbach. |
Das Sulzbacher Wappen ist in Siegelabdrücken seit 1650 nachgewiesen.
Die Farben der Gemeinde sind weiß–blau und wurden vom Landratsamt am 18. Februar 1981 verliehen.
- Bannerflagge mit Wappen
- Hissflagge mit Wappen
- Hissflagge ohne Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Sulzbach liegt an der Idyllischen Straße.
Bauwerke
Das Schloss Lautereck ist ein Wasserschloss und wurde von den Grafen von Löwenstein zur Sicherung der an Sulzbach vorbeiführenden Straße errichtet. Es stammt in seiner heutigen Form aus dem dritten Viertel des 16. Jahrhunderts. Der massive Unterbau aus Sandsteinquadern, die Formen der Ecktürme und der Rundbogeneingang deuten aber auf frühere Bauphasen, wahrscheinlich im 13. Jahrhundert, hin. Es war früher von einer Ringmauer mit Wassergraben umgeben.
Das gut erhaltene Schloss wurde 2008 und 2009 von Grund auf saniert und modern ausgestattet, unter anderem mit einem Aufzug und einem neuen Trauzimmer. Auch zwei Bürgersäle und eine Küche sind modernisiert worden.
Die 1985 erbaute Willy-Ehnis-Sporthalle an der Jahnstraße wurde von Behnisch & Partner entworfen und erhielt mehrere Architekturpreise.
Naturdenkmale
Bekannte Naturdenkmale in Sulzbach sind zum Beispiel die Königseiche oder der sogenannte „Teufelstein“.
Regelmäßige Veranstaltungen
- Wöchentlich: Wochenmarkt (Samstags, 8–12 Uhr)
- Februar: Faschingsumzug am Faschingsdienstag
- März: Ungefähr 20 Marktbeschicker bieten Alltagsgegenstände beim Krämermarkt, der jeweils Anfang März und Juli stattfindet, an.
- Frühling: Beim Bürgerempfang der Gemeinde Sulzbach an der Murr werden jedes Jahr verdiente Bürger geehrt.
- Juli: Ungefähr 20 Marktbeschicker bieten Alltagsgegenstände beim Krämermarkt, der jeweils Anfang März und Juli stattfindet, an.
- November: Nussknackermarkt, der stets am Samstag des ersten Advents stattfindet.
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Der Bahnhof Sulzbach (Murr) an der Bahnstrecke Waiblingen – Schwäbisch Hall-Hessental wird werktags tagsüber halbstündlich von den Regionalexpresszügen Stuttgart – Schwäbisch Hall-Hessental bzw. Crailsheim/Nürnberg bzw. Gaildorf West bedient. Am Wochenende und an Feiertagen werden die RE Stuttgart – Schwäbisch Hall-Hessental durch erst ab Backnang verkehrende Regionalbahnen ersetzt. Der vormalige Bahnhof Schleißweiler selbiger Strecke wurde inzwischen aufgehoben.
Neben dem Bahnanschluss bestehen Busverbindungen nach Murrhardt, Schwäbisch Hall, Wüstenrot, Backnang, Stuttgart und Heilbronn.
Sulzbach liegt am Knotenpunkt der B 14 (Stuttgart – Nürnberg) mit der L 1066 (Gaildorf – Murrhardt – Löwenstein), wobei Letztere hier ein Teilstück der Idyllischen Straße bildet.
Durch eine Alltagsroute aus dem Radnetz Baden-Württemberg ist Sulzbach über Oppenweiler mit Backnang und in der anderen Richtung über Murrhardt mit Gaildorf verbunden.
Durch Sulzbach führt der Stromberg-Murrtal-Radweg, der als Fernradweg von Karlsruhe nach Gaildorf führt und damit den Rheinradweg mit dem Kocher-Jagst-Radweg verbindet.
Ansässige Unternehmen
Aus dem 1900 gegründeten Bauholzsägewerk entstand die in der Holzverarbeitung tätige Unternehmensgruppe Häussermann, die von 1976 bis 2010 auch im Ort den Fachmarkt Holzland SHZ betrieb.
Seit 1935 produziert die HES-Präzisionsteile Hermann Erkert GmbH Drehteile in Sulzbach an der Murr. Der Hersteller beschäftigt rund 990 Mitarbeiter und ist der größte Arbeitgeber in Sulzbach an der Murr.
Im Jahr 2011 hat Titan Spezialfahrzeuge auch seinen Firmensitz an den Produktionsstandort Sulzbach verlegt.
Von 1865 bis 1986 bestand das Brauhaus Sulzbacher Adlerbräu.
Bildungseinrichtungen
Sulzbach verfügt über eine Realschule sowie eine Grund- und Gemeinschaftsschule. Der Rems-Murr-Kreis unterhält eine Außenstelle der Sprachheilschule mit Sprachheilkindergarten. Daneben gibt es mit den Kindergärten Fischbachweg und Ziegeläcker zwei evangelische und mit dem Kindergarten „Murrtal-Löwen“, dem Waldkindergarten und dem Kindergarten „Märchengruppe“ im Teilort Bartenbach drei kommunale Kindergärten.
Freizeit- und Sportanlagen
Es gibt in Sulzbach die 1985 erbaute Willy-Ehnis-Sporthalle, einen Rasen- und Kunstrasenplatz mit Laufbahn und leichtathletische Anlagen.
Sagen
In Sulzbach an der Murr ranken sich zwei Sagen um den Bergsporn Roßstall zwischen dem Murr- und dem Lautertal westlich des Dorfes Sulzbach:
- Ein junger Schäfer soll einst seine schwangere Geliebte ermordet und im Wald Roßstall verscharrt haben. Der Schäfer wurde angeklagt, verurteilt und enthauptet. Sein Geist soll seitdem keine Ruhe finden und dort im Wald spuken. Markus Stricker von der schwäbischen Mundart-Band Wendrsonn hat dem Roßstall-Schäfer ein Lied gewidmet.
- Auf dem Roßstall habe einst eine Burg gestanden, die über einen unterirdischen Gang mit dem Schloss Lautereck verbunden gewesen sei.
Persönlichkeiten
Ehrenbürger
- Willy Ehnis, von 1954 bis 1992 Bürgermeister der Gemeinde
Söhne und Töchter der Gemeinde
- Friedrich Ludwig Hörner (1790–1846), Oberamtmann und Landtagsabgeordneter
- Johann Gottlob von Kurr (1798–1870), Naturwissenschaftler
- Arthur Gruber (1914–1981), Oberbürgermeister von Sindelfingen
- Markus Stricker (* 1964), Sänger, Musiker, Songwriter und Heimatforscher
Literatur
- Sulzbach. In: Karl Eduard Paulus (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Backnang (= Die Württembergischen Oberamtsbeschreibungen 1824–1886. Band 53). H. Lindemann, Stuttgart 1871, S. 318–325 (Volltext [Wikisource]).
- Mathias Klink: Sulzbach an der Murr. Bauten und Denkmäler im alten Ortskern und in den Teilorten (= Bürgermeisteramt Sulzbach an der Murr [Hrsg.]: Heimatgeschichtliche Reihe der Gemeinde Sulzbach an der Murr. Nr. 1). Verlag Manfred Hennecke, Sulzbach an der Murr 1998, ISBN 3-927981-62-1.
- Ernst Jäckle: Sulzbach an der Murr. Ein Beitrag zur Chronik eines Dorfes. Gemeindeverwaltung Sulzbach an der Murr, 1989.
- Dr. Heinz Mayer: Sulzbach an der Murr. Von seiner Gründung bis zum Jahre 1500. Gemeindeverwaltung Sulzbach an der Murr, 1989.
- Dr. Heinz Mayer: Sulzbach an der Murr im 16. Jahrhundert. Gemeindeverwaltung Sulzbach an der Murr, 1986.
Anmerkungen
- Lage vermutlich im Fischbachtal in einer heute siedlungslosen Tallichtung nahe der Einmündung des von Berwinkel im Osten her zulaufenden Spatzenbachs, oder in dessen engerem Tal selbst, dessen nördlicher Waldhang nach der Topographischen Karte den Gewannnamen Wüstenmühle trägt. 49° 1′ 55,7″ N, 9° 30′ 13,8″ O
- Anfang des 18. Jahrhunderts entstand zwischen Siebersbach und Kleinhöchberg eine „Häuseräcker“ genannte Siedlung, an die heute nur noch der Flurname erinnert. Als erster Bewohner ist 1713 der zuvor in Kleinhöchberg ansässige Hans Jacob Klingler in den Kirchenbüchern eingetragen. In den 1730er-Jahren sind zwei Familien Schieber als Bauern, Michael Otterbacher als Schneider sowie David Heyd als Beisitzer, 1741 außerdem noch Johann Franz August Ochs als Tagelöhner eingetragen. Wenig später wurde der Ort – wohl auch seiner ungünstigen Lage wegen – wieder aufgegeben.
- 1590 gab es 27 Lehen, darunter die Dorfmühle.
- Die Bürgerwehr Sulzbachs umfasste sieben Musketiers und 2 Tambours (Trommler), die dem Korporal Schneeberger unterstanden. Dem Konstabler (Büchsenschütz) unterstand ein Katzenkopf (Böllerkanone) auf einem zweirädrigen Wägelein. Beim Tambour Reeber wurden eine Trommel und eine Zwerchpfeife aufbewahrt.
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