The Testament of Ann Lee

The Testament of Ann Lee (auch kurz Ann Lee) ist ein historisches Musicaldrama von Mona Fastvold. Bei dem im England des 18. Jahrhunderts spielenden Film mit Amanda Seyfried in der Titelrolle und Thomasin McKenzie, Lewis Pullman, Christopher Abbott und Tim Blake Nelson in weiteren Hauptrollen handelt es sich um eine „epische Fabel“ über eine religiöse Führerin namens Ann Lee, die Gründerin der Shaker-Bewegung, die von ihren Anhängern als „weiblicher Christus“ bezeichnet wird. Der Film feierte Anfang September 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig seine Premiere, wo er im Hauptwettbewerb um den Goldenen Löwen gezeigt wurde. Im weiteren Verlauf des Monats wurde er beim Toronto International Film Festival vorgestellt. Der US-Kinostart war an Weihnachten 2025 geplant. In Deutschland ist der Kinostart Mitte März 2026 geplant.

Film
Titel The Testament of Ann Lee
Produktionsland Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2025
Länge 130 Minuten
Stab
Regie Mona Fastvold
Drehbuch Mona Fastvold, Brady Corbet
Produktion Brady Corbet, Mona Fastvold, Joshua Horsfield, Gregory Jankilevitsch, Mark Lampert, Lillian LaSalle, Viktória Petrányi, Klaudia Smieja
Musik Daniel Blumberg
Kamera William Rexer
Schnitt Sofía Subercaseaux
Besetzung
  • Amanda Seyfried: Ann Lee
  • Thomasin McKenzie: Mary Partington
  • Lewis Pullman: William Lee
  • Stacy Martin: Jane Wardley
  • Christopher Abbott: Abraham
  • Matthew Beard: James Whittaker
  • Scott Handy: James Wardley
  • Tim Blake Nelson: Pastor Reuben Wright
  • Jamie Bogyo: Richard Hocknell
  • Viola Prettejohn: Nancy Lee
  • David Cale:

Handlung

Im 18. Jahrhundert in England. Ann Lee ist die Gründerin der Shaker-Bewegung und versucht, eine utopische Gesellschaft aufzubauen. Sie wird von ihren Anhängern als „weiblicher Christus“ bezeichnet.

Biografisches

Ann Lee wurde 1736 in der nordenglischen Stadt Manchester geboren und war die charismatische Anführerin einer religiösen Bewegung, die aufgrund ihres ekstatischen Gesangs und Tanzes, bei dem auch Schütteln zum Einsatz kam, als „Shaker“ bekannt wurde. In England wurde sie wegen ihrer lauten Art des Gottesdienstes und ihrer Infragestellung der Lehren der etablierten Kirche verfolgt und ging 1774 mit einer kleinen Gruppe von Anhängern nach Amerika, wo sie ihre Mission fortsetzte, Menschen zur Shaker-Bewegung zu bekehren.

Produktion

Filmstab und Filmaufbau

„Ich halte Anne Lees Ideen nicht für bindend, aber ich denke, dass es wichtig ist, darüber zu sprechen, wie sie mit Empathie und Freundlichkeit führte und einen Raum schaffen wollte, in dem alle gleich waren – Männer, Frauen, Menschen mit dunkler Hautfarbe.“

Regisseurin Mona Fastvold über Ann Lee

Regie führte die Norwegerin Mona Fastvold, die gemeinsam mit ihrem Lebenspartner, dem US-Amerikaner Brady Corbet, auch das Drehbuch schrieb. Sie arbeiteten bereits für Der Brutalist zusammen und treten gemeinsam mit Joshua Horsfield, Gregory Jankilevitsch, Mark Lampert, Lillian LaSalle, Viktória Petrányi und Klaudia Smieja auch als Produzenten von Ann Lee in Erscheinung. Filmeditorin Sofía Subercaseaux war zuletzt für den Thriller The Devil All the Time von Antonio Campos und die Filme El Conde und Maria von Pablo Larraín tätig.

„Ann Lees Prophezeiungen – so unglaubwürdig sie auch sein mögen – haben mich tief berührt. Nicht, weil ich ihren Glauben teile, sondern weil ich in ihr eine Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Transzendenz und gemeinschaftlicher Gnade erkenne“, so Fastvold. Ihr radikales Streben nach einer selbstgestalteten Utopie spreche den kreativen Impuls an, der allen künstlerischen Bemühungen zugrunde liege, nämlich das dringende Bedürfnis, die Welt neu zu gestalten, so die Regisseurin. Insbesondere ihre klare Vision und ihre Fähigkeit, andere zu einem gemeinsamen Ideal zu führen, erinnerten an den gemeinschaftlichen Geist, der jedem kreativen Unterfangen zugrunde liegt, sei es beim Komponieren einer Symphonie, beim Bau eines Gebäudes oder beim Drehen eines Films.

Fastvold erklärte, The Testament of Ann Lee und ihre vorherigen Filme seien aus dem Wunsch heraus entstanden, Geschichten über Frauen zu erzählen, die im Laufe der Geschichte etwas bewirkt hatten. „Wie viele Geschichten über männliche Ikonen im großen Stil haben wir gesehen, wie viele Geschichten, immer und immer wieder. Können wir nicht eine Geschichte über eine solche Frau sehen? Das Einzige, was mir einfiel, war Jeanne d’Arc. Ich wollte einfach, dass sie diesen Raum bekommt.“ Der Untertitel ihres Films lautet im Englischen „The Woman Clothed by the Sun With the Moon Under Her Feet“ (auf Deutsch ungefähr „Die Frau, bekleidet von der Sonne mit dem Mond unter ihren Füßen“).

Der Film ist in drei Kapitel unterteilt, überschrieben mit „This is a song of GIRL“, „This is a song of a WOMAN“ und „This is a song of a MOTHER“, die in archaisch gestalteten Titelkarten eingeblendet werden. In einem vorangestellten Prolog beziehungsweise einer Ouvertüre hält die junge Ann Lee in einem Wald in Niskayuna eine Art Gedenkzeremonie mit Körperverknotung für den verstorbenen Sektengründer ab.

Besetzung, Choreografie und Dreharbeiten

Amanda Seyfried spielt in der Titelrolle die Anführerin der Shaker-Bewegung Ann Lee. In jüngeren Jahren wird diese von Esmee Hewett und Millie Rose Crossley verkörpert. Lewis Pullman spielt ihren Bruder William, der wiederum in jüngeren Jahren von Benjamin Bagota und Harry Conway verkörpert wird. Christopher Abbott spielt Abraham, mit dem Ann Lee zu einer Heirat gezwungen wird. Weitere Hauptrollen besetzte Fastvold mit Thomasin McKenzie, Tim Blake Nelson und Stacy Martin, die Mary Partington, Pastor Reuben Wright und die Sektenführerin Jane Wardley spielen.Scott Handy spielt deren Ehemann James. In Nebenrollen sind Matthew Beard als James Whittaker, Jamie Bogyo als Richard Hocknell und Viola Prettejohn als Nancy Lee zu sehen. Das Casting übernahm Isabella Odoffin.

Die Choreografin Celia Rowlson-Halls baute in die Tänze Elemente ein, die bei den „Shaking Quakers“ verbreitet waren. Diese führten bei ihren Versammlungen heftig zitternde, krampfartige Tänze auf, sogenannte „Schütteltänze“, die den Körper von Sünden reinigen sollten. „Shaking Quaker“ ist eine historische Bezeichnung für die Mitglieder der Shaker, die sich von diesen Schüttel- und Tanzbewegungen ableitete. „Shaker“ ist eine Zusammenziehung der beiden Wörter.

Die Dreharbeiten fanden in Budapest und Göteborg statt und wurden Mitte Dezember 2024 beendet. Als Kameramann fungierte William Rexer, mit dem Fastvold zuvor für die Fernsehserien The Crowded Room und Long Bright River zusammenarbeitete. Zuletzt war Rexer für Filme wie Millers in Marriage und Fernsehserien wie Hunters, Cheer Up und Before tätig.

Filmmusik, Marketing und Veröffentlichung

Die Filmmusik komponiert der Brite Daniel Blumberg, mit dem Fastvold und Corbet bereits für Der Brutalist zusammenarbeiteten. Er bettete in seine Arbeit alte Shaker-Spirituals ein und setzte neben Streichern und einem Chor auch Perkussionsinstrumente ein. „Es gibt eine unglaubliche Menge wunderschöner Shaker-Hymnen, aus denen wir schöpfen konnten“, so Blumberg über den Entstehungsprozess der Filmmusik. Mit Clothed by the Sun veröffentlichte Mute Records Anfang November 2025 den ersten Song aus dem Film als Download. Blumberg performt diesen gemeinsam mit Hauptdarstellerin Amanda Seyfried. Das zweite Lied aus dem Film mit dem Titel Hunger & Thirst erschien Mitte Dezember 2025. Das komplette Soundtrack-Album mit insgesamt 33 Musikstücken wird am 16. Januar 2026 von Milan Records als Download veröffentlicht.

Erstes Bildmaterial wurde im Juli 2025 vorgestellt. Die Premiere des Films war am 1. September 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig, wo er im Hauptwettbewerb um den Goldenen Löwen gezeigt wurde. Ebenfalls im September 2025 wurde der Film beim Toronto International Film Festival vorgestellt und hiernach beim Zurich Film Festival. Im Oktober 2025 erfolgten Vorstellungen beim London Film Festival, beim AFI Fest und beim Savannah Film Festival. Searchlight Pictures sicherte sich die Rechte für Nordamerika. Am 25. Dezember 2025 kam der Film in ausgewählte US-Kinos. Im Februar 2026 sind Vorstellungen bei den Internationale Filmfestspielen in Berlin geplant. Der Kinostart in Deutschland ist am 12. März 2026 geplant.

Rezeption

Kritiken

Von den bei Rotten Tomatoes aufgeführten Kritiken sind 87 Prozent positiv. Bei Metacritic erhielt der Film einen Metascore von 78 von 100 möglichen Punkten.

Guy Lodge bemerkt in seiner Kritik für Variety zur Besonderheit des Films The Testament of Ann Lee drücke sich am ehrlichsten, einfallsreichsten und bewegendsten durch Gesang und Tanz aus. Asketische Schlichtheit, die Eigenschaft, die man üblicherweise mit der christlichen Sekte in Verbindung bringt, sei nicht gerade die Tagesordnung in Regisseurin Mona Fastvolds flammend ehrgeizigem und geschäftigem Porträt der Sekten-Gründerin Ann Lee. Der Film oszilliere dynamisch zwischen den Modi des unerschrockenen Epos der Neuen Welt und des expressionistischen Musicals. Fastvold und ihr Koautor und Kreativpartner Brady Corbet mögen in ihrer Studie einer extremen religiösen Bewegung, die auf den herausfordernden Prinzipien von Zölibat und utopischer Gleichheit gründet, eine kühle, analytische Distanz wahren, doch The Testament of Ann Lee sei weder eine Travestie noch eine Verhöhnung. Als Studie unerschütterlichen Glaubens, der unter völlig einzigartigen Bedingungen praktiziert wird, sei der Film äußerst respektvoll und intellektuell neugierig, auch wenn er im Laufe der 136 Minuten dazu neige, etwas langweilig zu werden. Amanda Seyfried glänze in der Rolle der Ann Lee, und Szene für Szene strahle sie eine souveräne, friedliche, aber kontrollierende Autorität aus. In den ans Absurde grenzenden Musiknummern erreiche sie das, was die Shaker „Nirvana“ nennen, und das tue auch der Film, wenn er eine Symbiose aus Klang, Wort und Bild wird.

Thomas Schultze schreibt in seiner Kritik, staunend sehe man zu, fassungslos bisweilen und mit wachsender Faszination, weil man so etwas noch nie gesehen hat, dieses transzendentale Kino als Musical oder auch ein Singspiel voller devoter frommer Hymnen. Es sei eine ungewöhnliche, immersive Form für eine filmische Biografie. Spannung liege in der Luft, ein fortwährendes Flirren und Sirren, rhythmisches Atmen und bimmelnde Glöcklein, das anhebt zu den Liedern, sich verdichtet zu den Choreografien, die die Handlung kommentieren. Schultze hebt dabei die Gruppentänze in The Testament of Ann Lee hervor, die Fastvolds Arbeit zu einem Filmerlebnis diesseits gängiger Erfahrung machten. „Man kann nicht anders, als elektrisiert zu sein von diesen Sequenzen: als würden Carl Theodor Dreyer und Stanley Donen zusammenfinden, das Tanztheater einer Pina Bausch als historisches Re-Enactment.“ Amanda Seyfried veräußere sich in der Rolle der Ann Lee, wie man das von einem lupenreinen Hollywoodstar wohl niemals erwarten würde. Sie verliere selbst in den extremsten, erniedrigendsten Momenten nie ihre Würde und Gnade und auch nicht ihre strahlende Schönheit. Im Ergebnis sei The Testament of Ann Lee ist ein Film, der ein kleines Wunder ist und dessen großartige Lieder noch lange nachhallen, nachdem man das Kino verlassen hat.

Auszeichnungen

Im Rahmen der Critics’ Choice Movie Awards 2026 wurde The Testament of Ann Lee in die Shortlist für die Kategorie „Kostüme“ aufgenommen, zudem Clothed by the Sun in die Song-Kategorie. Im Folgenden eine Auswahl von Auszeichnungen und Nominierungen.

Astra Film Awards 2025

  • Auszeichnung als Beste Schauspielerin – Filmkomödie oder Musical (Amanda Seyfried)

Chicago Film Critics Association Awards 2025

  • Nominierung für die Beste Regie (Mona Fastvold)
  • Nominierung als Beste Hauptdarstellerin (Amanda Seyfried)
  • Nominierung für die Beste Filmmusik (Daniel Blumberg)
  • Nominierung für die Besten Kostüme (Malgorzata Karpiuk)

Critics’ Choice Movie Awards 2026

  • Nominierung als Beste Hauptdarstellerin (Amanda Seyfried)
  • Nominierung als Bester Song (Clothed by the Sun, Daniel Blumberg)

Golden Globe Awards 2026

  • Nominierung als Beste Hauptdarstellerin – Komödie oder Musical (Amanda Seyfried)

Gotham Awards 2025

  • Nominierung als Bester Film (Brady Corbet, Mona Fastvold, Joshua Horsfield, Gregory Jankilevitsch, Mark Lampert, Lillian LaSalle, Andrew Morrison, Viktória Petrányi und Klaudia Smieja-Rostworowska)
  • Nominierung für die Beste Hauptrolle (Amanda Seyfried)

IndieWire Honors 2025

  • Auszeichnung mit dem Visionary Award (Mona Fastvold)

Internationale Filmfestspiele von Venedig 2025

  • Nominierung für den Goldenen Löwen

London Film Festival 2025

  • Nominierung im Wettbewerb

Online Film Critics Society Awards 2026

  • Nominierung als Beste Hauptdarstellerin (Amanda Seyfried)
  • Nominierung für die Beste Choreografie

Seattle Film Critics Society Awards 2025

  • Nominierung als Beste Hauptdarstellerin (Amanda Seyfried)

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